Basisdaten Landeskirche: Evangelische Landeskirche in Württemberg Prälatur: Ulm Fläche: km² Gliederung: 20 Kirchengemeinden Gemeindeglieder: ca. 37.000 (2024) Adresse desDekanatamtes: Dekanstr. 473430 Aalen Dekan: Dr. Joachim Kummer Karte 200px|Lage des Kirchenbezirks Aalen innerhalb der Evangelischen Landeskirche in Württemberg
Der Evangelische Kirchenbezirk Aalen war einer von 43 Kirchenbezirken (Kirchenkreisen) der Evangelischen Landeskirche in Württemberg. Sein Gebiet war deckungsgleich mit dem Dekanat Aalen. Zum 1. Januar 2026 fusionierte er mit dem Kirchenbezirk Schwäbisch Gmünd zum Kirchenbezirk Ostalb.
Geografie Der Kirchenbezirk Aalen lag im Osten der württembergischen Landeskirche. Sein Gebiet umfasste überwiegend den Osten der Schwäbischen Alb und den Osten des Schwäbischen Waldes. Seine Kirchengemeinden gehören zu den politischen Städten und Gemeinden Aalen, Abtsgmünd, Adelmannsfelden, Bopfingen, Ellenberg (nur teilweise), Ellwangen (Jagst), Essingen, Hüttlingen, Kirchheim am Ries, Lauchheim, Neresheim, Oberkochen, Riesbürg, Rosenberg (teilweise), Stödtlen, Tannhausen, Unterschneidheim, Westhausen und Wört im Ostalbkreis.
Nachbarkirchenbezirke Der Kirchenbezirk Aalen grenzte im Osten an die Evangelisch-Lutherische Landeskirche in Bayern, im Süden an den Kirchenbezirk Heidenheim, im Westen an den Kirchenbezirk Schwäbisch Gmünd (beide Prälatur Ulm), im Nordwesten an den Kirchenbezirk Gaildorf und im Norden an den Kirchenbezirk Crailsheim-Blaufelden (beide Prälatur Heilbronn).
Geschichte Im Gegensatz zu den meisten Dekanaten der württembergischen Landeskirche, die schon bald nach der Reformation errichtet wurden, ist der Kirchenbezirk Aalen eine Neugründung aus dem 19. Jahrhundert. Das Gebiet des heutigen Kirchenbezirks Aalen ist mehrheitlich katholisch geprägt, weil es überwiegend zur Fürstpropstei Ellwangen gehörte. Hier zogen evangelische Bewohner erst seit dem 19. Jahrhundert bzw. vermehrt nach dem Zweiten Weltkrieg zu. Die aus historischer Zeit evangelisch geprägten Gebiete des Kirchenbezirks Aalen gehörten überwiegend zu den Freien Reichsstädten Aalen und Bopfingen bzw. zur Herrschaft Wöllwarth. In Aalen wurden 1575 die Reformation eingeführt. An der Stadtkirche Aalen war fortan ein evangelischer Stadtpfarrer tätig. Alle Gebiete des heutigen Kirchenbezirks Aalen kamen erst 1803 an Württemberg und so wurde Aalen Sitz eines württembergischen Oberamts und eines Dekanats, dem die evangelischen Gemeinden Ostwürttembergs zugeordnet wurden. Zum Dekan wurde der erste Stadtpfarrer Aalens ernannt, der bereits seit 1782 im Amt war. Seine Nachfolger waren jeweils die ersten Stadtpfarrer an der Stadtkirche Aalen.
Bis 1917 gehörte auch die Kirchengemeinde Degenfeld zum Kirchenbezirk Aalen. Durch Bekanntmachung des Konsistoriums vom 9. Mai 1917 wurde die Kirchengemeinde Degenfeld in den Kirchenbezirk Göppingen (1975 schließlich in den Kirchenbezirk Schwäbisch Gmünd) umgegliedert.
Durch Gründung des Kirchenbezirks Schwäbisch Gmünd am 1. April 1951 gab der Kirchenbezirk Aalen die fünf evangelischen Kirchengemeinden Schwäbisch Gmünd, Bartholomä, Heubach, Oberböbingen und Waldstetten an den neuen Kirchenbezirk ab und erreichte somit seine heutige Ausdehnung.
Zum 1. Januar 2026 fusionierten die beiden Kirchenbezirke Aalen und Schwäbisch Gmünd zum neuen Evangelischen Kirchenbezirk Ostalb. Dies haben die Bezirkssynode Aalen am 28. April 2023Ulrike Schneider: Gelingt die Fusion zum neuen Ostalbdekanat? In: Schwäbische Post, 30. April 2023, abgerufen am 10. März 2024. und die Bezirkssynode Schwäbisch Gmünd am 5. Mai 2023 beschlossenMichael Länge: Synode sagt Ja zur Fusion mit Aalen. In: Gmünder Tagespost, 5. Mai 2023, abgerufen am 10. März 2024..
Leitung des Kirchenbezirks Die Leitung des Kirchenbezirks oblag der Bezirkssynode, dem Kirchenbezirksausschuss (KBA) und dem Dekan. Dekan war seit Oktober 2025 Dr. Joachim Kummer. Dekansstellvertreter waren zuletzt Pfarrer Martin Schuster, Pfarrer Nicolai Gießler und Pfarrerin Carolin Braun. Ebenfalls seinen Sitz an der Stadtkirche hat der Bezirkskantor für den Kirchenbezirk, Kirchenmusikdirektor Thomas Haller.
Dekane des Kirchenbezirks Aalen 1803–1810 Johann Christoph Hoyer 1811–1823 Ludwig Friedrich Göritz 1824–1843 Georg Friedrich Daniel Göss 1843–1851 Julius Hartmann 1851–1873 Karl Gottlob Franz Neuffer 1873–1883 Julius Tscherning 1884–1888 Karl Wilhelm Theodor Hesler 1888–1899 Paul Gottlob Theodor Knapp 1899–1911 Hermann Friedrich Faber 1912–1930 Emil Rohrer 1930–1946 Georg Langbein (1876–1958) 1946–1952 Wilhelm Gümbel (1889–1978) 1952–1967 Georg Pfäfflin (1908–1972) 1968–1978 Wolfgang Thibaut (1912–1990) 1978–1993 Christoph Hahn (1929–2022) 1993–2007 Erich Haller (1942–2025) 2007–2010 Albrecht Daiss (* 1953) 2011–2025 Ralf Drescher (* 1962) 2025 Joachim Kummer (* 1969)
Kirchengemeinden Im Kirchenbezirk Aalen gibt es insgesamt 20 Kirchengemeinden. Gesamtkirchengemeinden gibt es nicht. Das Gebiet des Kirchenbezirks Aalen gehörte vor 1800 überwiegend zur Fürstpropstei Ellwangen und zu den Freien Reichsstädten Aalen und Bopfingen. Der Raum Ellwangen blieb nach der Reformation katholisch, die Reichsstädte Aalen und Bopfingen wurden evangelisch. In den Raum Ellwangen zogen seit dem 19. Jahrhundert bzw. überwiegend erst nach dem Zweiten Weltkrieg auch evangelische Bewohner zu, so dass die evangelischen Kirchengemeinden hier relativ jung sind. Die jeweils in Klammern hinter dem Namen der Kirchengemeinde angegebenen Gemeindegliederzahlen beziehen sich auf das Jahr 2005 und sind gerundet.
Kirchengemeinde Aalen mini|120px|links|Stadtkirche Aalen Die Kirchengemeinde Aalen (ca. 7.100 Gemeindeglieder) umfasst die Kernstadt und einige zugehörigen Weiler sowie den Stadtteil Waldhausen der Stadt Aalen. Aalen war bis 1803 Freie Reichsstadt und konnte somit die religiösen Angelegenheiten selbst regeln. Mit Hilfe des Herzogs von Württemberg wurde 1575 die Reformation eingeführt. Entsprechende Versuche gab es bereits vorher, doch konnten der Bischof von Augsburg und der Propst von Ellwangen dies zunächst verhindern. Zwischen 1628 und 1632 war vorübergehend der Katholizismus vorherrschend. Oberste Kirchenbehörde in Aalen war der Rat der Stadt. Nach dem Übergang an Württemberg wurde Aalen 1803 Sitz eines württembergischen Dekanats, dessen Dekanatskirche die Stadtkirche wurde. Der heutige Bau der Stadtkirche stammt von 1765 bis 1767 und ist wohl bereits der dritte Kirchenbau an dieser Stelle. Die erste Kirche war vermutlich eine dem Hl. Nikolaus geweihte frühgotische Kapelle. Diese wurde wohl 1340 durch einen größeren Bau ersetzt. Die zweite Kirche wurde nach Einführung der Reformation die erste evangelische Kirche Aalens. Beim Stadtbrand von 1634 mini|120px|Johanneskirche in Aalen wurde auch die zweite Kirche stark zerstört, nach dem Dreißigjährigen Krieg jedoch wieder provisorisch aufgebaut. 1765 stürzte der Turm auf das Kirchenschiff und so wurde bis 1767 die heutige Stadtkirche erbaut. In der Zwischenzeit feierte die Kirchengemeinde ihre Gottesdienste in der Johanneskirche auf dem Friedhof, die 1561 erneuert worden war. Dieses Gotteshaus gehört mit einem Abendmahlsfresko aus dem 12. Jahrhundert zu den ältesten Kirchen Württembergs. Sie wird bis heute von der Kirchengemeinde Aalen regelmäßig für Gottesdienste genutzt.
mini|links|120px|Markuskirche in Aalen Im 20. Jahrhundert nahm die Bevölkerungszahl Aalens zu, so dass weitere Kirchen erbaut wurden. So entstand 1967 im Westen der Stadt die Markuskirche in Sichtbetonbauweise mit Gemeindehaus und Kindergarten. Architekt war Helmut Burkhardt aus Aalen. Die künstlerische Ausstattung stammt von Ernst Wanner und Fritz Nuß. Zwischen 1972 und 1974 wurde die Martinskirche im Osten Aalens als multifunktionales Gemeindezentrum durch Architekt Kurt Pläcking erbaut. Das Gebäude hat eine sechseckige Grundrissform. Schließlich wurde 1986 noch das ökumenische Gemeindezentrum Peter und Paul im Nordosten der Stadt erbaut. Dieser zusammen mit der römisch-katholischen Gemeinde genützte Gottesdienstraum wurde vom Architekturbüro Weber aus Heidenheim erbaut. Den Innenraum gestaltete Georg Sternbacher.
Waldhausen blieb nach der Reformation katholisch. Die überwiegend erst nach dem Zweiten Weltkrieg zugezogenen evangelischen Bewohner wurden zunächst der Kirchengemeinde Lauchheim zugeordnet. Infolge der politischen Zugehörigkeit zu Aalen wechselten die Evangelischen mit Wirkung vom 8. September 2000 in die Kirchengemeinde Aalen und wurden dem Bezirk der Martinskirche zugeordnet.
Heute ist die Kirchengemeinde Aalen in fünf Bezirke eingeteilt. Es handelt sich um die Bezirke Stadtkirche I und II, Markuskirche, Martinskirche und Peter-und-Paul-Kirche. Die Kirchengemeinde Aalen hat auch einen Kirchenchor und eine Jugendkantorei. Der Posaunenchor ist im Rahmen des CVJM organisiert. Die Kirchengemeinde ist auch Träger von fünf Kindergärten, und zwar dem Kinderhaus Lilliput in der Wilhelm-Merz-Straße, dem Kindergarten Purzelbaum in der Zebertstraße, Kindergarten Grauleshof in der Kantstraße, Kindergarten Sonnenhaus in der Erwin-Rommel-Straße und Kindergarten Peter und Paul, Auf der Heide.
Bis 1954 gehörten auch die evangelischen Bewohner von Unterkochen, das überwiegend katholisch ist, als Nebenort zur Kirchengemeinde Aalen. Durch Bekanntmachung des Oberkirchenrats vom 7. Oktober 1954 wurde in Unterkochen eine selbständige Kirchengemeinde gebildet, der 1955 auch Ebnat zugeordnet wurde. 2004 wurde diese in Kirchengemeinde Unterkochen-Ebnat umbenannt.
Unterrombach bildete seit 1947 eine Filialkirchengemeinde von Aalen, die durch Bekanntmachung des Oberkirchenrats vom 31. Mai 1951 zur selbständigen Kirchengemeinde erhoben und um die Gebiete Spagenfeld-Siedlung und Spagenweiler vergrößert wurde.
Kirchengemeinde Abtsgmünd-Leinroden-Neubronn Die Kirchengemeinde Abtsgmünd-Leinroden-Neubronn (ca. 1.300 Gemeindeglieder) umfasst den Hauptort sowie die Ortsteile Laubach (mit Leinroden) und Neubronn mit einigen zugehörigen Weilern sowie einige Weiler des Ortsteils Hohenstadt der Gemeinde Abtsgmünd und einige Weiler des Aalener Stadtteils Dewangen. Die übrigen Weiler des Ortsteils Hohenstadt gehören zur Kirchengemeinde Obergröningen (Kirchenbezirk Gaildorf). Der Ortsteil Untergröningen bildet eine eigene evangelische Kirchengemeinde ebenfalls im Kirchenbezirk Gaildorf. Der Ortsteil Pommertsweiler bildet eine eigene Kirchengemeinde, welcher durch Bekanntmachung vom 31. März 1936 auch der zu Abtsgmünd gehörige Weiler Wilflingen zugeordnet wurde. Bis dahin gehörte Wilflingen kirchlich zu Neubronn.
Der Hauptort Abtsgmünd blieb nach der Reformation katholisch. Die überwiegend erst nach dem Zweiten Weltkrieg zugezogenen evangelischen Bewohner wurden den Kirchengemeinden Pommertsweiler, Leinroden und Neubronn zugeordnet.