Die Festungen auf der karibischen Seite von Panama: Portobelo–San Lorenzo () sind eine Gruppe spanisch-kolonialer Wehranlagen an der karibischen Küste der Provinz Colón in Panama. Benannt ist die Stätte nach ihren beiden Kernstandorten: dem Hafenort Portobelo – historisch meist Puerto Bello, im Deutschen vereinzelt auch Portobello geschrieben – und dem Castillo San Lorenzo an der Mündung des Río Chagres. Die Anlagen wurden zwischen dem Ende des 16. und dem 18. Jahrhundert errichtet, um die karibischen Endpunkte des transisthmischen Silber- und Goldtransports sowie den transatlantischen Handel der spanischen Krone zu schützen. Die heute sichtbaren Bauwerke sind überwiegend Ergebnis der Wiederaufbauten des 18. Jahrhunderts. 1980 wurden die Anlagen in die Liste des Weltkulturerbes aufgenommen. Seit 2012 steht die Stätte auf der Roten Liste des gefährdeten Welterbes.
Geschichte Entstehung und Funktion Nach der Erschließung der Silberminen von Oberperu (u. a. Potosí) wurde der Landweg quer über den Isthmus von Panama zur bedeutendsten Route für die Verschiffung von Edelmetall nach Spanien. Über die zwei karibischen Endpunkte dieses Weges – später der Hafen von Portobelo und die Mündung des Río Chagres – lief ein erheblicher Teil des Kolonialhandels Spaniens. Beide mussten gegen Freibeuter, Piraten und feindliche Seemächte verteidigt werden. Die Anlagen gehörten zu einem größeren karibischen Verteidigungssystem, zu dem auch die Festungen von Veracruz (Mexiko), Cartagena (Kolumbien) und Havanna (Kuba) zählten.
Bereits 1582 ordnete König Philipp II. die Befestigung der Chagres-Mündung an. Die ersten konkreten Pläne für beide Zugänge fertigte der italienische Ingenieur Battista Antonelli 1586. Auf dieser Grundlage entstanden ab den 1590er-Jahren die ersten Erdwerke und Batterien.
Portobelo Der Hafenort San Felipe de Portobelo wurde am 20. März 1597 von Francisco de Valverde y Mercado gegründet und löste als karibischen Umschlagplatz die inzwischen aufgegebene Siedlung Nombre de Dios ab. Seine geschützte Naturbucht wurde Schauplatz der berühmten Handelsmessen, auf denen die peruanischen Silberladungen übergeben wurden, und machte den Ort zu einem der bedeutendsten Karibikhäfen der spanischen Krone.
Dieser Reichtum zog wiederholt Angreifer an: 1668 plünderte der Freibeuter Henry Morgan die Stadt, und am 21. November 1739 griff eine britische Flotte unter Admiral Edward Vernon den Hafen an. Nach einem heftigen Gefecht um das Hafenfort kapitulierte die Garnison bereits am nächsten Morgen. Die Briten zerstörten dabei die Festungsanlagen weitgehend. Nach diesem Schlag verlagerte sich der spanische Handel zunehmend auf andere, sicherere Routen, und Portobelo verlor an Bedeutung. Der Wiederaufbau der Festungswerke ab den 1750er-Jahren – unter anderem nach Plänen des Ingenieurs Ignacio Sala – erfolgte im klassizistischen Stil, der an den Werken von Santiago, San Jerónimo und San Fernando noch heute ablesbar ist.
San Lorenzo mini|hochkant=1.15|Spanische Handelswege im zentralen Bereich des Isthmus von Panama. Südwestlich von Portobelo bewachten die Anlagen von San Lorenzo die Mündung des Río Chagres. Über den Fluss führte bis Cruces ein kombinierter Fluss- und Landweg (Camino de Cruces), der das Gegenstück zum Camino Real von Panama-Stadt nach Portobelo bildete und die karibische mit der Pazifikseite des Isthmus verband.
Die erste Festung entstand 1595 nach Entwürfen Antonellis. Kurz nach ihrer Erbauung wurde die Anlage von einem englischen Geschwader unter Francis Drake angegriffen und niedergebrannt. Drake selbst starb auf dieser Expedition am 28. Januar 1596 an Bord seines Schiffes vor Puerto Bello.
Im Januar 1671 eroberten Freibeutertruppen Henry Morgans auf ihrem Zug nach Panama-Stadt das Kastell und zerstörten es samt der umliegenden Siedlung größtenteils; die Garnison wurde massakriert. In den 1680er-Jahren erweiterten die Spanier die Anlage mit Steinmauern und vorgelagerten Batterien.
Im Rahmen seines Feldzugs im War of Jenkins’ Ear erschien Admiral Vernon im März 1740 vor der Chagres-Mündung. Das Kastell wurde von den Briten eingenommen und am 29. März vor ihrem Abzug gesprengt und in Brand gesetzt. Ab 1761 wurde es unter dem Militäringenieur Manuel Hernández wiederaufgebaut und erhielt bis 1768 seine klassizistische, bis heute erkennbare Gestalt.
Nachgeschichte San Lorenzo war einer der letzten Stützpunkte Spaniens an der amerikanischen Küste. Die letzten spanischen Truppen verließen das Kastell 1821. Im 19. Jahrhundert diente es unter anderem als Gefängnis für politische Häftlinge und während des kalifornischen Goldrausches ab 1849 diente die Siedlung Chagres am Fuß des Kastells als Rastplatz für Reisende auf dem Weg nach Kalifornien. Erst die Fertigstellung der Panama-Eisenbahn 1854 beendete die Bedeutung der Chagres-Route.
1914 wurde Chagres geräumt, das Gelände in das US-amerikanische Militärreservat Fort Sherman eingegliedert und bis zur Rückgabe an Panama 1999 von den Vereinigten Staaten verwaltet. Danach wurde es aus dem Nationalpark Chagres herausgelöst und der panamaischen Kulturbehörde (INAC) übertragen.
Beschreibung Die Welterbestätte vereint Befestigungen unterschiedlicher Stilepochen der spanischen Kolonialarchitektur. Während bei den frühesten Anlagen noch mittelalterlich geprägte Bauweisen mit Erdwerken und Palisaden vorherrschten, wurden die Werke nach den Zerstörungen durch Vernon im 18. Jahrhundert in klassizistischen Formen wiedererrichtet. Zahlreiche Anlagen sind geschickt in das natürliche Relief von Bucht und Steilküste eingebunden, was Teil ihres militärischen Konzepts war.
Die Stätte besteht aus zwei räumlich getrennten Teilgebieten entlang der Küste der Provinz Colón, die rund 45 Kilometer Luftlinie auseinanderliegen:
Portobelo Der ganzheitliche Verteidigungsring von Portobelo um die Bucht kombiniert Werke auf Meereshöhe (Uferbatterien), am Hang und auf den Höhen. Als älteste Militärwerke gelten die beiden von Battista Antonelli entworfenen Wachtürme zum Schutz des Buchteingangs, erbaut 1596–1599: die Torre Norte im Südteil der Bucht, die 1602 zur Festung San Felipe de Sotomayor („Todo Fierro“) ausgebaut wurde und deren Reste 1909 von den Nordamerikanern zerstört wurden, sowie die Torre Sur am Südufer, die nach Errichtung des östlich gelegenen Castillo Santiago de la Gloria an der Quebrada de Chorrillo aufgegeben wurde und zu den ältesten noch erhaltenen Bauwerken Portobelos zählt.
Das Castillo Santiago de la Gloria wurde zwischen 1600 und 1629 nach Plänen Antonellis zur Sicherung des südlichen Buchteingangs errichtet, beim Morgan-Angriff beschädigt (1671 instand gesetzt) sowie nach Vernons Angriff 1739 gesprengt und aufgegeben. Die Batterie San Jerónimo am Buchtgrund geht ebenfalls auf einen Antonelli-Entwurf, ein Redukt von 1664/1665, zurück und erhielt 1760 mit einer oberen und einer unteren Batterie ihre heutige Gestalt. Von der Stadtbefestigung San Carlos, die nach einem Entwurf von Luis de Venegas y Osorio von 1679 begonnen (1681–1686) und wegen der beständigen Freibeuterbedrohung der alten Stadt konzipiert worden war, sind nur Teile der südlichen Ummauerung sowie die Reste des Baluartes de San Pedro erhalten geblieben.
Die klassizistischen Werke des Wiederaufbaus nach 1739 – die Batería de Santiago am Südufer sowie Fuerte und Höhenredukt von San Fernando am Nordufer, das Fort mit unterer Vierzehn-Kanonen- und oberer Sechs-Kanonen-Batterie – wurden zwischen 1753 und 1760 von Manuel Hernández nach dem Verteidigungsplan von Ignacio Sala erbaut. Das dazugehörige, im Grundriss mit dem Redukt San Fernando identische Reducto de Santiago ist derselben Bauphase zuzuordnen.
Das 1726 gegründete Fuerte Farnese(o) war anfänglich eine lediglich provisorische Erd- und Faschinenstellung als Reserveposten und wurde nach vorzeitiger Aufgabe 1744 sowie erneut in den 1760er-Jahren wiederbesetzt. Die zwischen 1779 und 1783 errichtete Verhaulinie La Trinchera sicherte die Bergkämme südlich der Stadt gegen eine Landbelagerung und geht auf den Verteidigungsplan des Brigadiers Agustín Crame zurück, auf dessen Vorschlag aus demselben Jahr nach Ansicht des Historikers Alfredo Castillero Calvo auch die Verteidigung von Buenaventura zurückgeht. Zum Ensemble gehört ferner das Fuerte San Cristóbal.
San Lorenzo Das an der Mündung des Río Chagres gelegene Castillo de San Lorenzo (ursprünglich „San Lorenzo el Real del Chagre“) mit einer separaten Oberen Batterie liegt rund 13 Kilometer westlich der Stadt Colón. Das Kastell war gegen die Landseite durch einen tiefen, quer über den Hügel geführten Graben mit Zugbrücke gesichert. Ein um 1740 – also noch vor der Zerstörung durch Vernon – angefertigter Plan der damals noch aus den 1680er-Jahren stammenden Anlage zeigt vier Bastionen zur Landseite und zwei zur Seeseite. Er belegt somit die Form der Vorgängerfestung, nicht die des ab 1761 wiederaufgebauten Kastells.
Das Welterbegebiet von San Lorenzo umfasst rund 28 Hektar. Außer dem Kastell gehören dazu der Geländegrund der ehemaligen Siedlung Chagres, die Batteriehöhen sowie der umgebende Regenwald als kulturgeschichtliche Landschaft.
Welterbestatus und Gefährdung Das UNESCO-Welterbekomitee schrieb die Stätte 1980 unter den Kriterien (i) und (iv) in die Welterbeliste ein (Referenz-Nr. 135) und bezeichnete die Anlagen als „großartige Beispiele der Militärarchitektur des 17. und 18. Jahrhunderts“.
Kriterium (i) würdigt die Anlagen als Meisterwerke menschlicher Schöpferkraft: Portobelo ist ein bemerkenswertes Beispiel einer offenen Festungsstadt, die mehrfach zerstört und wiederaufgebaut wurde. San Lorenzo durchlief über die gesamte Kolonialzeit denselben Wandlungsprozess. Kriterium (iv) hebt die Anlagen als charakteristische Anpassungen spanischer Militärarchitektur an tropisches Klima und Landschaft hervor und als Zeugnisse der strukturellen und technologischen Entwicklung des Festungsbaus in der Karibik.
Nach Auffassung des Komitees blieben die Schlüsselelemente der Stätte in Form, Material und Lage weitgehend unverändert. Zugleich sind die meisten architektonischen Dekorelemente und Mauerabschnitte durch Verfall verloren gegangen.
Die gesetzliche Grundlage bilden frühe Schutzbestimmungen für San Lorenzo aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts, standortspezifische Regelungen für Portobelo aus den 1970er-Jahren sowie das allgemeine Kulturerbegesetz von 1982. Die Verwaltung obliegt dem Kulturministerium (früher Instituto Nacional de Cultura, INAC) und seit 2007 zusätzlich dem gemischt öffentlich-privaten Patronato Portobelo San Lorenzo, das für Management, Erhaltung und Mittelbeschaffung zuständig ist.
Listung als gefährdetes Welterbe 2012 setzte das Komitee die Stätte auf die Liste des gefährdeten Welterbes. Als Gründe nannte es den fragilen baulichen Zustand und die beschleunigte Degradation durch Umwelteinflüsse und Erosion bei fehlender Instandhaltung, dazu fehlende festgelegte Grenzen und Pufferzonen, das Fehlen eines Management- und Konservierungsplans, unkontrollierte Stadtentwicklung (insbesondere in Portobelo), Touristen-Druck sowie eine unzureichende Gesetzgebung. Das Komitee forderte unter anderem eine Risikobewertung der Bauwerke, die Verstärkung von Mauern, Batterien und Plattformen, einen umfassenden Konservierungsplan und ein Ende der städtischen Überbauung; zudem wurde die fehlende Finanzierung beanstandet.
Maßnahmen und Entwicklung seit 2012 Bei der Listung verabschiedete das Komitee einen gewünschten Erhaltungszustand und korrigierende Maßnahmen. Ein Management- und ein Notfallplan folgten 2013/2014, und der Staat sicherte dem Patronato 2014 per Gesetz jährliche Mittel für Unterhaltung und Restaurierung zu. Die Umsetzung verzögerte sich dennoch erheblich, und im Erhaltungsbericht 2017 beanstandete das Komitee weiterhin die fehlende dauerhafte Finanzierung.