Schoeller Werk GmbH & Co. KG ist ein deutscher Hersteller längsnahtgeschweißter und gezogener Edelstahlrohre mit Sitz in Hellenthal in Nordrhein-Westfalen. Das Unternehmen wurde 1827 gegründet und ist im Besitz der Familie Schoeller.
Geschichte Ursprünge im Eifeler Eisengewerbe Die Familie Schoeller gehörte im 15. Jahrhundert zu den Lehnsleuten der Abtei Steinfeld; Mitglieder der Familie sind seit mindestens 1491 als Besitzer von Eisenwerken in der Eifel nachweisbar. Wilhelm Arnold Schoeller (1792–1875) kam durch Heirat in die Gegend von Hellenthal und betrieb dort ab 1827 den Griesenhof im Ortsteil Kirschseiffen als Eisenwerk, den Vorläufer des heutigen Unternehmens.
Die Eisenindustrie in der Eifel war jedoch in der Industrialisierung des 19. Jahrhunderts zunehmend nicht mehr konkurrenzfähig. Schoeller beendete daher 1852 die eigene Eisenproduktion und stellte das Unternehmen auf die maschinelle Herstellung von Nägeln und Nieten aus Draht um. Seine Söhne Friedrich Theobald (1830–1899) und Rudolf Schoeller (1833–1911) folgten diesem Weg, wodurch das Unternehmen im Gegensatz zu vielen anderen den Niedergang des Eifeler Eisengewerbes überstand.
Übergang zur Rohrfertigung mini|Luftbild Schoeller Werk Bis in die 1920er-Jahre hinein war das Unternehmen mit der Herstellung von Nägeln und Nieten erfolgreich, spätestens die Weltwirtschaftskrise ab 1929 führte aber zu größeren Absatzproblemen. Unter der Leitung von Walter Schoeller (1870–1955) begann daher Anfang der 1930er-Jahre die Herstellung nahtlos gezogener Feinrohre als Halb- und Fertigfabrikate. Die feinmechanische Fabrikation von Kathoden für Radioröhren sowie von Kanülen fand ab 1932 statt.
In der Nachkriegszeit firmierte das Unternehmen als Schoellerwerk KG und stand unter Leitung von Walters Sohn Arthur. Laut der Neuen Deutschen Biographie wurde es in dieser Zeit zeitweise zum größten europäischen Hersteller von Feinst- und Kapillarrohren. 1959 wurden die Rohrschweißstraßen in Betrieb genommen, um die durchgängige Produktion von Rohren am Fließband zu ermöglichen. Das ermöglichte dem Unternehmen erstmals das Schweißen im WIG-Verfahren. 1991 führte Schoeller Werk die Laserschweißtechnik bei sich ein.
Entwicklung seit 2017 mini|Eingangsgebäude vom Schoeller Werk 2017 erfolgte die Übernahme des Ingenieurdienstleisters ID Ingenieure & Dienstleistungen GmbH aus Euskirchen. 2019 wurde die Feinrohr GmbH in Neuhaus am Rennweg (Thüringen) in die Unternehmensgruppe integriert; sie firmiert seither als Schoeller Feinrohr GmbH. Die Feinrohr GmbH produziert vor allem kalt nachgezogene Präzisionsrohre und ergänzte dadurch das Produktangebot des Schoeller Werks.
2023 beschloss das Unternehmen ein auf zehn Jahre angelegtes Investitionsprogramm in dreistelliger Millionenhöhe zur Modernisierung des Standorts Hellenthal. Das Programm umfasst auch Investitionen in die Eigenerzeugung von Solarstrom und grünem Wasserstoff. Im selben Jahr wurde Alexander Mertens als Nachfolger von Frank Poschen leitender Geschäftsführer.
2025 nahm das Unternehmen eine Großrohr-Laserschweißanlage zur Fertigung längsnahtgeschweißter Edelstahlrohre in Betrieb, nach Unternehmensangaben die größte Einzelinvestition der Firmengeschichte.
Unternehmensstruktur Hellenthal ist seit 1827 durchgehend der Sitz des Unternehmens. Geleitet wird das Unternehmen von einer Geschäftsführung und einem Beirat als übergeordnetem Gremium. Das Unternehmen ist unter anderem im Besitz der weit verzweigten Unternehmerfamilie Schoeller.
Im Jahr 2024 erzielte das Unternehmen einen Umsatz in Höhe von 217,0 Mio. Euro und beschäftigte rund 800 Mitarbeiter.
Produkte mini|Geschweißte Edelstahl-Ringrohre Das Unternehmen stellt längsnahtgeschweißte Edelstahlrohre in verschiedenen Ausführungen her, darunter kalibrierte, ungeglühte Rohre sowie geglühte und nachgezogene Präzisionsrohre. Die Rohre werden als Ringware oder in Fixlängen mit bearbeiteten Enden gefertigt, teilweise auch zu Bauteilen weiterverarbeitet. Verarbeitet werden austenitische und ferritische Stähle, austenitisch-ferritische Duplexstähle, Nickelbasislegierungen sowie Titan; geschweißt wird im WIG- oder im Laserschweißverfahren.
Mit der 2025 in Serienbetrieb genommenen Großrohr-Laserschweißanlage „Laser XL+“ erweiterte das Unternehmen sein Fertigungsspektrum auf Rohre mit Außendurchmessern von 65 bis 127 Millimetern bei Wanddicken von 0,7 bis 3,5 Millimetern; das Ablängen erfolgt an dieser Anlage mit einem Laser-Trennverfahren. Zur Qualitätskontrolle setzt das Unternehmen unter anderem Wirbelstromprüfungen, Ultraschallprüfungen und Dichtheitsprüfungen ein.
Nach Angaben von 2020 entfiel rund die Hälfte des Absatzes auf die Automobilindustrie. Daneben zählen unter anderem die Medizintechnik, die Nahrungsmittelindustrie, die Kälte- und Klimatechnik sowie der Apparatebau zu den Abnehmern. Nach Unternehmensangaben von 2025 werden jährlich rund 70 Millionen Meter Edelstahlrohr gefertigt.
Literatur Hans-Joachim Ramm: Schoeller. In: Neue Deutsche Biographie. Band 23, Duncker & Humblot, Berlin 2007, S. 364–366.
Weblinks
Website des Unternehmens
Einzelnachweise
Kategorie:Produzierendes Unternehmen (Kreis Euskirchen) Kategorie:Hellenthal Kategorie:Unternehmensgründung 1827 Kategorie:Metallrohrhersteller