Vardø (; nordsamisch Várggát; kvenisch Vuorea) ist eine Stadt in der norwegischen Kommune Vardø in der Provinz (Fylke) Finnmark. Die Stadt stellt das Verwaltungszentrum der gleichnamigen Kommune dar und hat Einwohner (Stand: ).
Geografie und Einwohner Die Stadt Vardø liegt im äußersten Nordosten des Landes auf der unbewaldeten Insel Vardøya. Sie wird durch die Meerenge Bussesundet vom Festland getrennt. Die Region ist vom Küstenklima und starken Winden geprägt.
Etwas nördlich der Stadt liegt die Insel Hornøya mit dem östlichsten Punkt des norwegischen Hauptlandes und etwas südlich Kibergsneset, der östlichste Punkt des norwegischen Festlandes.
Vardø ist ein Tettsted, also eine Ansiedlung, die für statistische Zwecke als eine städtische Siedlung gewertet wird. Die Stadt macht mit einer Fläche von km² nur einen kleinen Teil der insgesamt km² großen Kommune Vardø aus. Mit der insgesamt Einwohner stellt die Stadt jedoch das klare Zentrum der Kommune dar. Die Einwohnerzahl ist rückläufig. Im Jahr 2000 hatte die Stadt Vardø noch 2371 Einwohner.
Die Einwohner der Stadt werden Vardøværing oder Vårøyværing genannt.
Geschichte Von 1734 bis 1738 wurde in Vardø die sternförmige Festung Vardøhus erbaut. Sie war sowohl Norwegens nördlichste als auch östlichste Festung. Heute fungiert sie als Museum. Die erste Festung in Vardø wurde vermutlich bereits um das Jahr 1307 gebaut. Zu dieser Zeit entstand wahrscheinlich auch die erste Kirche in Vardø.
Pomorhandel Im 18. und 19. Jahrhundert war der Handel mit den russischen Pomoren von großer Bedeutung für Vardø und die Region. Vardø wurde neben Hammerfest und Tromsø eines der norwegischen Zentren für den Pomorhandel. Im Jahr 1789 wurde Vardø eine Kjøpstad und erhielt damit volle Handelsprivilegien. Ab 1869 war die Vardø eine eigenständige Stadtkommune. Der Pomorhandel endete infolge der Russischen Revolution im Jahr 1917.
Die Zahl der Einwohner stieg im Laufe des 19. Jahrhunderts stark an. Während im Jahr 1801 noch unter 100 Personen in der Stadt lebten, stieg die Einwohnerzahl bis ins Jahr 1900 auf über 2500 Personen an.
Seit dem Zweiten Weltkrieg Im Jahr 1944 wurde die Stadt von den deutschen Besatzern bei ihrem Rückzug vollständig zerstört. Vardø wurde nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs wieder aufgebaut. Im Jahr 1964 kamen zur Stadtkommune Vardø Gebiete aus der Kommune Båtsfjord hinzu, so dass die heutige Kommune Vardø weit über die Stadt hinausreicht.
Auf dem Vårberget im Osten der Stadt befindet sich das Radarsystem Globus, das vom norwegischen Nachrichtendienst betrieben wird. Die USA und Norwegen begannen ihre diesbezügliche Zusammenarbeit in den 1950er-Jahren. Das ursprüngliche Radarsystem wurde ab 1957 betrieben. In den 1980er-Jahren wurde Globus I erbaut. Im Herbst 2000 wurde Globus II in Betrieb genommen. Er wurde in der kalifornischen Vandenberg Space Force Base konstruiert. Globus I wurde durch Globus III ersetzt, der ab 2016 errichtet wurde. Die russische Regierung stuft die Anlagen als Bedrohung für die nationale Sicherheit Russlands ein. Das russische Militär simulierte bereits mehrfach Luftangriffe gegen die Radarsysteme. Behauptungen, dass die Anlagen je Teil US-amerikanischer Raketenabwehrsysteme waren, weist Norwegen zurück.
Wirtschaft und Infrastruktur Verkehr In Vardø endet die Europastraße 75 (E75). Sie führt vom Festland aus durch den Vardøtunnel (Vardøtunnelen) auf die Vardøya. Der Tunnel wurde im Jahr 1982 eröffnet und hat eine Länge von etwa 2,9 Kilometern. Er war der erste Unterwassertunnel Norwegens. Die E75 stellt unter anderem die Anbindung an die Stadt Vadsø und zur Europastraße 6 (E6) her. Die E75 ist im Winter regelmäßig gesperrt.
Der Flughafen Vardø liegt etwas außerhalb der Stadt an der E75 auf dem Festland. Von dort werden die Flughäfen Båtsfjord, Vadsø und Kirkenes angeflogen. Der Hafen von Vardø ist Anlaufstelle für die Hurtigruten. Nordöstlich der Stadt befindet sich auf der Insel Hornøya der Vardø fyr, das östlichste Leuchtfeuer des Landes.
Wirtschaft Die Fischerei ist von großer Bedeutung für die lokale Wirtschaft. In der Stadt werden unter anderem Kabeljau und Krabben weiterverarbeitet. Ein weiterer wichtiger Arbeitgeber ist der Nachrichtendienst.
Kultur und Religion mini|hochkant|Kirche in VardøIn der Stadt befindet sich das Vardø museum. Es ist das älteste Museum im Fylke Finnmark. Gegründet wurde es als naturhistorisches Museum im Jahr 1894.
Die Vardø kirke ist eine Kirche aus dem Jahr 1958. Sie hat rund 430 Sitzplätze. Die vorherige Kirche der Stadt wurde im Jahr 1944 beim Rückzug der deutschen Truppen zerstört.
Name Der Name der Stadt leitet sich vom altnordischen Namen Vargøy ab, der im 14. Jahrhundert genutzt wurde. Der Name setzte sich aus den beiden Bestandteilen vargr (deutsch „Wolf, Räuber“) und øy (deutsch „Insel“) zusammen. Im späteren Mittelalter ging der Name zu Vǫrð(u)øy über. Der neue Name bezog sich ab da auf das Wort varða (deutsch „Steinhaufen, Steinmännchen“). Das Steingebilde stand vermutlich auf dem Vårberget im Osten der Stadt und gehörte wahrscheinlich zur dortigen Festung.
Weblinks
Vardø (Tettsted) im Store norske leksikon (norwegisch)
Einzelnachweise
Kategorie:Vardø