Meta Brunner (* 1. Januar 1886 in Zürich; † 24. Januar 1971 in Zollikon) war eine nach der Heirat 1922 deutsche Staatsbürgerin, 1953 Wiedererlangung des Schweizer Bürgerrechts. Als Verbindungsfrau zu indischen Antikolonialisten während des Ersten Weltkriegs war sie für vier Jahre ohne Gerichtsverfahren in England interniert.
Leben Meta Brunner wuchs als eines von zehn Kindern des Adolf Brunner, Apothekers, und der Luise geborene Mutter in Zürich auf. Ihr Bruder Otto Brunner war Inhaber der Paradiesvogel-Apotheke, Oberst und Mitglied des Zürcher Grossen Stadtrats; ihre Schwester Marie Brunner trat unter dem Künstlernamen Blanche LeRoy als Schauspielerin in England und den USA auf. Als junge Erwachsene war Meta Brunner als Haustochter (Dienstmädchen), später als Sprachlehrerin in Frankreich, England, Italien und Deutschland tätig. Während des Ersten Weltkriegs hatte sie Kontakt mit der antikolonialen indischen Widerstandsbewegung, wobei ihre Beweggründe aufgrund fehlender Quellen nicht bekannt sind (Kolonialismus, Dekolonisation). Am 19. Juli 1915 wurde sie in England verhaftet, weil sie Briefe des für die deutschen Behörden arbeitenden indischen Antikolonialisten Virendranath Chattopadhyaya nach England geschmuggelt hatte. Ohne Gerichtsprozess kam sie zusammen mit den Engländerinnen Hilda Howsin und Mary Elgie – die unmittelbar zuvor als Lebenspartnerin des indischen Revolutionärs Abdul Hafiz in Zürich gelebt hatte – unter den Bestimmungen des Kriegsrechts im Aylesbury Prison in Buckinghamshire in Internierungshaft. Dadurch erhofften sich die britischen Behörden, die Kommunikation zwischen Chattopadhyaya und seinen möglichen Helfern und Helferinnen in Grossbritannien zu unterbinden. Dieser und Hafiz planten im Frühjahr und Sommer 1915 Attentate, unter anderem auf den britischen Kriegsminister Lord Kitchener. Zur gleichen Zeit lieferten die indischen Aufständischen im Auftrag des deutschen Generalstabs Sprengstoff an italienische Anarchisten in Zürich für verdeckte Kriegsoperationen in Italien, wofür sie 1919 vom Bundesstrafgericht im sogenannten Zürcher Bombenprozess in Abwesenheit verurteilt wurden. Im Herbst 1915 nötigten die britischen Behörden Brunner, Chattopadhyaya nach Frankreich und somit in den Wirkungsbereich der britischen Polizeibehörden zu locken. Dieses Unterfangen scheiterte, fand aber literarischen Niederschlag in der Kurzgeschichte Giulia Lazzari (1928) des britischen Schriftstellers und Geheimdienstlers William Somerset Maugham.
Trotz intensivem Schriftwechsel der Familie mit dem Politischen Departement in Bern und der Schweizer Gesandtschaft in London sowie deren Demarchen blieben die Bemühungen um die Freilassung Brunners ohne Erfolg, ebenso ein Vorstoss im britischen Parlament im November 1916 zugunsten von Howsin und Brunner. Erst mit dem Vertrag von Versailles wurde Brunner am 5. Juli 1919 nach den Niederlanden abgeschoben, von wo sie mit einem Flüchtlingspass des Roten Kreuzes in die Schweiz reisen konnte. Ein weiteres Engagement Brunners für die indische Unabhängigkeit ist nicht bekannt. 1922 beantragte sie bei den Schweizer Behörden vergeblich eine Entschädigung für die während der Internierung erlittenen Beeinträchtigungen. Im gleichen Jahr heiratete sie den deutschen Ingenieur und Unternehmer Carl Friedrich Maares aus Kassel und verlor damit das Schweizer Bürgerrecht. Das Paar blieb kinderlos, lebte zuerst in Emmerich am Rhein und ab 1929 in Amsterdam, wo Maares 1943 bei der Ausführung eines von der deutschen Besatzungsmacht aufgezwungenen Arbeitseinsatzes starb. Aufgrund der neuen Gesetzgebung konnte Meta Maares-Brunner 1953 das Schweizer Bürgerrecht zurückerlangen. Für den Zeitraum 1958–1960 ist im Schweizerischen Bundesarchiv ein Aktenbestand für Maares-Brunner dokumentiert. Sie stellte ein Gesuch an die Kommission für Vorauszahlungen an schweizerische Opfer der nationalsozialistischen Verfolgung, welches abgewiesen wurde, da der Tatbestand der Verfolgung beim Tod ihres Ehemannes nicht bewiesen sei. Wegen des durch den Verlust ihres Ehemanns erlittenen Vorsorgeschadens wurde ihr jedoch von der Kommission für die Hilfe an kriegsgeschädigte Auslandschweizer als Härtefall eine monatliche Rente zugesprochen. Im Januar 1959 kehrte Meta Maares-Brunner in die Schweiz zurück und arbeitete als Korrespondentin in Zürich.
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