Die Weißbrauen-Ameisenpitta (Hylopezus ochroleucus, Syn.: Myioturdus ochroleucus, Grallaria martinsi) ist eine Vogelart aus der Familie der Ameisenpittas (Grallariidae), die im Binnenland des nordöstlichen Brasilien in den Bundesstaaten Piauí, Ceará über das westliche Pernambuco und Bahia bis in den nördlichsten Teil von Minas Gerais verbreitet ist. Der Bestand wird von der IUCN als nicht gefährdet (Least Concern) eingeschätzt. Die Art gilt als monotypisch.

Merkmale Die Weißbrauen-Ameisenpitta erreicht eine Körperlänge von 12,0 bis 14,0 cm bei einem Gewicht von ca. 28,0 g. Es gibt kein Geschlechtsdimorphismus. Das Erwachsenengefieder zeichnet sich durch weiße oder cremeweiße Zügel und Augenringe sowie einen schmalen, weißen oder cremeweißen Streifen hinter dem Auge aus. Der Hinteraugstreif ist fein schwarz gesäumt, und die Zügel weisen oft eine schwarze Befiederung auf. Die Ohrdecken sind gelblich oder gräulich olivfarben gefärbt und weisen undeutliche weiße Schaftstriche auf. Die Oberseite ist überwiegend olivgrau gefärbt, wobei der Oberkopf eher grau als olivfarben wirkt. Die Flügeldecken weisen hell ockerfarbene Spitzen auf, die bisweilen als zwei undeutliche Punktreihen oder unterbrochene Flügelbinden erkennbar sind, jedoch nicht immer stark hervortreten. Die großen Handdecken sind dunkel und bilden im Kontrast zu den ockerfarbenen Basen der Handschwingen ein markantes schwarz ockerfarbenes Feld auf dem Flügel. Die Alula leuchtet weiß. Die Handschwingen und die Armschwingen ähneln in ihrer Färbung dem Hinterrücken, wirken jedoch etwas bräunlicher, wobei die Handschwingen zudem einen deutlichen ockerfarbenen Saum an der Vorderkante aufweisen. Die Kehle und der Großteil der Brust sind weiß, abgesehen von einem dunklen seitlichen Kehlstreif sowie auffälligen Strichelungen und Flecken auf der Brust. Vom unteren Brustbereich abwärts, einschließlich der Seiten und Flanken, ist die Unterseite ockerfarben gelbbraun. Dabei reichen einige der Bruststreifen bisweilen in diesen gelbbraunen Bereich hinein, insbesondere im mittleren Teil. Die Bauchmitte, die Unterschwanzdecken und die Schenkel sind heller gelbbraun oder weißlich. Die Iris ist dunkel braun, der Schnabel schwarz, der Unterkiefer von der Hälfte der Basis heller, die Beine und Zehen pinkfarben bis gräulich braun.Harold Francis Greeney III (2020)

Lautäußerungen Der Gesang der Weißbrauen-Ameisenpitta gliedert sich in zwei oder drei Teile. Der erste klingt aufsteigend, der zweite besteht aus verdoppelten Tönen und der letzte Teil weist bisweilen dreifach gegliederte Töne auf. Der Gesang dauert 3 bis 4 Sekunden und umfasst insgesamt 12 bis 14 Töne, die bei ca. 2,2 kHz beginnen und auf ca. 2,6 kHz ansteigen. Die ersten vier Töne wechseln sich ab durch tief-hoch-tief-hoch, wobei die ersten beiden etwas leiser und die folgenden beiden eher wie Übergänge klingen. Die letzten sechs bis acht Töne sind gleichmäßige, kurze, abwärts gebundene Pfiffe, die mit einem recht schwachen Ton enden. Dieses Lied wird als wou-woú, wou-woú-wou-whu-weú-weú-weú-weú-weú-weú-weú-weú oder als piupiu-piupiu tetju tetju tetju tetjutu beschrieben.

Fortpflanzung Ein Nest mit einem brütenden Vogel wurde ca. 10 Meter abseits von einem Weg entdeckt. Am 5. April befanden sich im Nest zwei geschlüpfte Nestlinge, die man sehen konnte da der Elternvogel durch die Forscher aufgescheucht wurde. Der Altvogel ließ sich aus dem Nest fallen und verschwand lautlos im Unterholz. Die Jungen hatten die Augen noch geschlossen und waren völlig frei von Dunen. Ihre Haut war dunkel grau rosa und ihre Schnäbel leuchtend orange. Unter der Haut waren die Federfluren der Konturfedern sichtbar. Es wird geschätzt, dass die Nestlinge höchstens ein Tag alt waren. Am 11. April wurde der brütende Altvogel erneut aufgescheucht. Die Reaktion des Altvogels unterschied sich jedoch erheblich von der beim vorherigen Besuch. Diesmal ließ sich der Vogel auf den Boden unterhalb des Nestes fallen, senkte die Flügel bis zum Boden und lief in kleinen Halbkreisen hin und her, wobei er die Flügel durch das Laub zog. Er täuschte eine Verletzung vor, während er sich noch kurz am Nest aufhielt. Diesmal waren die Nestlinge dicht mit wollartigen Daunen bedeckt. Die Federn der Kopf- und Rückenpartien waren dunkel rotbraun, jene der Schulterpartien etwas heller, und die Federn an Oberschenkeln, Becken, Hinterrücken sowie Bauch waren hell rostgelb bis ockerfarben. Die Kiele der Schwungfedern ragten etwa 1,5 bis 2 Zentimeter aus der Haut hervor. Die Hülsen der Handschwingen waren noch geschlossen, während an den Spitzen der Armschwingen bereits 1 bis 3 Millimeter der leuchtend ockergelben Federfahnen sichtbar waren. Die Augen der Nestlinge begannen sich gerade zu öffnen. Ihre Schnäbel waren noch leuchtend orange, wobei die verdickten Mundwinkelpartien etwas heller, eher gelborange, gefärbt waren. Das Nest selbst war ein eher zerbrechlich wirkender, flacher Napf aus locker verflochtenen Zweigen, Blattstielen und dünnen Lianen. Es gehörte zur Kategorie niedriger Napf und ähnelte insgesamt den Nestern der meisten Taubenarten. Das Nest besaß keine klar abgegrenzte innere Schalenauskleidung, jedoch schienen dünnere, flexiblere Blattstiele im Inneren häufiger vorzukommen. Es war 0,5 Meter über dem Boden gebaut und wurde von unten von 5 bis 6 dünnen, sich überlappenden Lianen und Ästen gestützt, die teilweise von einem abgestorbenen 3 bis 4 Zentimeter dicken Ast gehalten wurden, der in einem Winkel von etwa 45° unterhalb des Gewirrs angebracht war. Das Nest war nach oben hin recht ungeschützt. Nur spärliche Vegetation in mehr als 1 Meter Höhe spendete Schatten. Der umgebende Wald war ein typischer Laubwald der Caatinga mit relativ dichten Unterholz aus kleinen zweikeimblättrigen Pflanzen und verwickelten Lianen. Es befand sich in trockenem, unebenem, hügeligem Gelände, mehr als 500 Meter vom nächsten Uferbereich entfernt. Um das Nest so wenig wie möglich zu stören, wurde es nicht direkt vermessen. Stattdessen wurde es anhand einer Gesamtlänge des ausgewachsenen Tieres von etwa 13 Zentimetern mit einen Außendurchmesser von 12 bis 15 Zentimeter geschätzt, wobei einige der längeren Zweige weitere 4 bis 5 Zentimeter über den Hauptteil des Nestes hinausragten. Die Gesamthöhe des Nestes wurde auf 5 bis 7 Zentimeter geschätzt, der Innendurchmesser auf 6 bis 7 Zentimeter und die Innentiefe auf 3 bis 4 Zentimeter.Harold Francis Greeney III u. a. (2016), S. 213–216

Verhalten und Ernährung Die Ernährung der Weißbrauen-Ameisenpitta scheint völlig undokumentiert zu sein, umfasst jedoch vermutlich eine Auswahl an Gliederfüßern, Regenwürmern und kleinen Wirbellosen, ähnlich der Ernährung anderer Arten der Gattung Hylopezus. Über das allgemeine Verhalten liegen keine Einzelheiten vor. Ausgewachsene Weißbrauen-Ameisenpittas singen von etwas erhöhten Sitzwarten im Dickicht und suchen ihre Nahrung gehend und hüpfend auf dem Waldboden, wobei sie gelegentlich im Laubstreu und im Boden stochern.

Verbreitung und Lebensraum mini|Verbreitungsgebiet der Weißbrauen-Ameisenpitta (grün) Die Weißbrauen-Ameisenpitta kommt in Höhenlagen von 400 bis 1000 Meter vor. Wie andere Arten der Gattung Hylopezus bewohnt sie das Unterholz der Wälder in ihrem Verbreitungsgebiet und scheint dabei Bereiche mit dichtem Gestrüpp zu bevorzugen. Sie ist am häufigsten in üppigen, halbimmergrünen Wäldern anzutreffen, kommt aber auch in rein laubabwerfenden Wäldern vor. Im nördlichen Teil ihres Verbreitungsgebiets ist sie vor allem in halbfeuchten Waldgebieten auf isolierten Bergen verbreitet. In den anderen Gebieten findet man sie, wenn auch offenbar seltener, in Wäldern, die bereits menschlichen Eingriffen unterlagen. Allerdings scheint sie aus kleineren Waldfragmenten vollständig zu verschwinden.

Migration Die Weißbrauen-Ameisenpitta ist vermutlich ein Standvogel.

Etymologie und Forschungsgeschichte Die Erstbeschreibung der Weißbrauen-Ameisenpitta erfolgte 1831 durch Maximilian zu Wied-Neuwied unter dem wissenschaftlichen Namen Myioturdus ochroleucus. Als Verbreitungsgebiet gab er Arraial da Conquista an.Maximilian zu Wied-Neuwied (1831), S. 1032–1035. 1909 führte Robert Ridgway die für die Wissenschaft neue Gattung Hylopezus für die Orangewangen-Ameisenpitta (Hylopezus perspicillatus (, 1861)) ein. Der Begriff ist ein Wortgebilde aus und .Robert Ridgway (1909), S. 71 Der Artname ochroleucus hat seinen Ursprung und .ochroleucus The Key to Scientific Names Edited by James A. Jobling Alfred Laubmann hatte für sein Werk Die Vögel von Paraguay keinen Balg zur Verfügung. In der Literatur betrachtete er in Puerto Bertoni im Departamento Alto ParanáArnaldo de Winkelried Bertoni (1904), S. 5. durch Arnaldo de Winkelried Bertoni den einzigen Nachweise für das Land. Laubmann betrachtete Grallaria ochroleuca als Art für Paraguay.Alfred Laubmann (1940), S. 31–32 Da die Art gar nicht in Paraguay vorkommt, handelte es sich vermutlich um die Fleckenbauch-Ameisenpitta (Cryptopezus nattereri (, 1937))Olivério Mário de Oliveira Pinto (1937), S. 6–7, die lange als Unterart der Weißbrauen-Ameisenpitta betrachtet wurde. Die Abspaltung und Einordnung in eine neue Gattung erfolgte 2018 durch Lincoln Silva Carneiro, Gustavo A. Bravo und Alexandre Aleixo.Lincoln Silva Carneiro, u. a. (2018), S. 46–56 Grallaria martinsi , 1924 wir heute als Synonym zur Nominatform betrachtet. Dieser Name ist Oscar Rodrigues Martins (1886–1918) gewidmet.Maria Emilie Snethlage (1940), S. 447

Literatur

Weblinks

Einzelnachweise

Kategorie:Ameisenpittas Kategorie:Endemischer Vogel Brasiliens