Dieser Artikel hat den FC Wil in der Saison 1999/00 zum Thema.

Ausgangslage

Die vorherige Saison war die beste Saison in der Wiler Vereinsgeschichte. Die Wiler wurden NLB-Meister und in der Aufstiegsrunde platzierte man sich zwar auf dem zweitletzten Platz, was aber die beste Platzierung bisher war.

Ein grosses Thema des FC Wil war die finanzielle Situation. Mit einem relativ niedrigen Zuschauerschnitt wäre es für die Wiler schwierig mit der Konkurrenz mitzuhalten beziehungsweise den Sprung in die NLA zu schaffen. Die NZZ stellte allerdings fest, dass unter dem neuen Präsidenten Andreas Hafen die nötigen finanziellen Mittel organisiert werden konnten. Erst 2002 stellte sich heraus, dass die finanziellen Unterstützung mehrheitlich aus Veruntreuung Hafens bei dessen Arbeitgeberin UBS stammte.

Transfers Der 33-jährige Salvatore Paradiso verliess den Verein in Richtung Uster, wo er Spielertrainer wurde. Der vom FCZ ausgeliehene Bruno Sutter unterschrieb beim FC Lugano einen Vierjahresvertrag. Patrick Winkler wechselte zum FC St. Gallen. Auch Charles Amoah verliess die Wiler nach einer Saison in Richtung St. Gallen. Fabinho verliess nach einem halben Jahr die Äbtestädter bereits wieder in Richtung Delsberg, die gerade in die NLA aufgestiegen waren. Im Verlauf der Aufstiegsrunde war Anastasios Salonidis aus der Leihe vom FC St. Gallen zu Wil zurückgekehrt.

Zu den Wilern wechselte Roman Burger (FC Frauenfeld), Kurt Sieber (FC Vaduz), Sandro Vifian (FC Solothurn), Goran Ively (Grasshoppers) und Peter Eugster (Rorschach). Die Wiler verstärkten sich mit zwei weiteren Brasilianern vom Ituano FC: Dem 21-jährigen Stürmer Gilberlandio Hemmi genannt «Gil» und dem 24-jährigen Mittelfeldspieler Carlos Gilberto Fantini genannt «Nenê».

Saisonverlauf Testspiele Im Juni verloren die Wiler ein Testspiel gegen St. Gallen mit 3:1. Anfang Juli spielten die Wiler in Kreuzlingen 1:1. Das Wiler Tor erzielte René Sutter per Foulpenalty.

Qualifikationsrunde In der ersten Runde spielten die Wiler 2:2 auswärts beim FC Thun. Die Wiler lieferten eine schwache Partie ab, konnten sich aber kurz vor Ablauf der regulären Spielzeit noch einen Punkt sichern. Gegen den FC Baden konnte der FC Wil erstmals einen Sieg verbuchen (2:1). In der dritten Runde waren die Wiler in Winterthur zu Gast. In der Eulachstadt lief es in den ersten zwei Runden sehr gut, so auch gegen Wil, der frisch aufgestiegene FC Winterthur konnte den dritten Sieg in Folge verzeichnen und gewann 3:1. In der letzten Julipartie reisten die AC Bellinzona in die Ostschweiz. Gegen Bellinzona waren die Wiler die Aussenseiter, Bellinzona hatte alle vorherigen drei Partien gewonnen. Die Wiler konnten den Granata trotzdem in letzter Minute noch ein 1:1-Unentschieden abtrotzen. Da aber die vor dem Spiel punktgleichen Winterthurer ihre vierte Partie verloren, konnten die Tessiner die alleinige Führung übernehmen.

In der ersten Augustpartie zu Gast beim FC Solothurn mussten die Wiler bereits die nächste Niederlage akzeptieren. Das 1:0 für Solothurn erzielte der spätere Wil-Spieler Felix Mordeku, das 2:1 fiel erst in der vierten Minute der Nachspielzeit. Zuhause wurde Schaffhausen deutlich mit 4:0 bezwungen. In Bern spielte der FC Wil gegen YB 3:3 unentschieden. Die Partie bezeichnete Fabian Ruch für die Berner Zeitung als «verrückt»:

Der Ausgleich fiel per Handspenalty nach einer langen Diskussion, in dessen Verlauf der Schiedsrichter Golay Rücksprache mit seinem Assistenten halten musste. Mit 2400 Personen im Publikum, handelte es sich dabei um den Saisonminusrekord.

Die nächste Partie zuhause gegen Sion verloren die Wiler deutlich mit 1:5. Auch gegen Kriens verloren die Wiler 4:2. Stephan Michel vermutete in der Neuen Luzerner Zeitung, dass die Wiler nach der Niederlage gegen Sion verunsichert waren und die Verteidigung generell löchrig war. Jürgen Seeberger, der Trainer der Krienser, lobte seine Mannschaft dafür, im dritten Spiel in Folge mehr als drei Tore erzielt zu haben und stellte eine «echte Winnermentalität» fest.

Ende August, nach drei Niederlagen hintereinander wurde Trainer Hanspeter Latour entlassen. Ad interim übernahmen Assistenztrainer Hanspeter Meier und der Präsident Andreas Hafen die Mannschaft. Einen Monat später, Anfang September wurde als Nachfolger Claude Ryf vorgestellt.

Der interimistische Trainerwechsel schien im ersten Spiel Wirkung zu zeigen. Auswärts in Carouge konnten die Wiler wieder gewinnen (2:3). Michel Bordier (Le Matin) berichtete in seinem Text davon, dass die Verteidigungen der beiden Mannschaften durcheinander waren, Wil aber die nötigen Ressourcen fand, um ein Tor mehr zu schiessen. Gegen Nyon wurde im ersten Spiel unter dem neuen Trainer Claude Ryf ein klarer 5:0-Sieg erreicht, wobei Silvinho einen Hattrick erzielte. Der Nyon-Trainer Christophe Moulin sprach anschliessend in einem Interview davon, dass im Spiel von Anfang an alles gegen Nyon gelaufen sei. Die Wiler hätten die ersten zwei Chancen direkt genutzt. Für die Wiler blieb ein bitterer Nachgeschmack. Dante Scherrer verletzte sich so stark, dass er für mindestens sechs Monate ausfiel. Tatsächlich blieb Scherrer deutlich länger verletzt und beendete seine Karriere schliesslich im Winter 2001/02. Nachdem die Wiler in Kriens noch 4:2 verloren, gewannen sie das Zusammentreffen auf heimischen Boden mit 4:2.

Nach zwei Siegen, folgte für Ryf schliesslich die erste Niederlage auswärts beim FC Sion (2:0). Gegen Thun schafften die Wiler nur ein Unentschieden. Nach Rudolf Käser (Thuner Tagblatt) war Thun die überlegene Mannschaft, konnte aber erst kurz vor Schluss ausgleichen. Sogar Claude Ryf lobte das Spiel des Thuner. Die nächste Partie ging noch enger 1:1 aus. Rico Fuchs glich erst in der 94. Minute aus. Gegen Nyon verloren die Wiler 2:1. Nach zehn mageren Wochen, habe sich der Einsatz der Heimmannschaft erstmals wieder gelohnt, meinte Le Matin. Auch beim FC Baden verloren die Wiler (3:1). Zuhause gegen Winterthur konnten die Wiler wieder einmal drei Punkte erreichen und gewannen 2:1. Im letzten Spiel des Oktobers auswärts im Tessin, verloren die Wiler gegen die ACB 1:0. Die starken Granata konzentrierten sich nach dem relativ knappen 1:0 bereits auf die Aufstiegsrunde.

Im ersten November-Spiel empfingen die Äbtestädter den FC Solothurn. Rudolf Käser sprach in der Solothurner Zeitung nach dem 3:1-Sieg der Wiler von einer «Blamage» ging mit den Solothurnern hart ins Gericht. Über Wil schrieb er:

Gegen Schaffhausen gewannen die Wiler 0:2. In der 87. Minute fiel der wichtige Freistoss- und Penaltyschütze René Sutter für Wil verletzungsbedingt aus. «Beinahe mühelos» siegten die Young Boys zum Abschluss der Qualifikationsrunde in Wil. Agent Sawu erzielte dabei einen Hattrick.

Die Vereinsführung der Wiler war derart unzufrieden nach der hohen Niederlage, dass sie gleich acht Spieler aussortierte, unter anderem die vier Ausländer Nenê (mit 10 Toren auf Platz drei der Torschützenliste der NLB), Gil, Silvinho und Šlekys, sowie Sandro Vifian und José Barras.

Abstiegsrunde Als neue Spieler wurden für die Abstiegsrunde Felix Mordeku (Solothurn) und aus Brasilien Foguinho und Milton verpflichtet. Beim Trainingsauftakt im Januar 2000 wurde von Präsident Andreas Hafen das klare Ziel herausgegeben, den Ligaerhalten frühzeitig zu sichern. Im Februar wechselte Agent Sawu, der eine Woche zuvor überraschend von seinem vorherigen Verein YB fristlos entlassen wurde, nachdem er in der Qualifikationsrunde 13 Tore geschossen hatte. Begründet wurde die fristlose Kündigung, dass der Stürmer trotz wiederholter Abmahnung nicht im Training erschienen war. Im April folgte der Wechsel des Brasilianers Neri nach Wil.

In einem Testspiel Anfang Februar gewannen die Wiler gegen den 1. Liga Verein Eschen-Mauren 1:4. Eine Woche später konnten die Wiler den FC Luzern 0:2 besiegen. Gegen den FC Kreuzlingen spielten die Wiler 2:2.

Im Februar 2000 wurde die alljährliche GV des Vereins durchgeführt. Der Verein feierte das angeblich 100-jährige Bestehen und gab sich dazu ein neues Vereinslogo, welches ab 1. Juli 2000 offiziell eingeführt wurde.

Die erste Partie im März gewannen die Wiler mit einem Tor des frisch transferierten Agent Sawu, 1:0. Gegen YB spielten die Wiler 1:1. Das Wiler Tor erzielte ausgerechnet erneut Sawu, der zuvor noch bei den Bernern gespielt hatte. Charles Beuret bezeichnete das Ergebnis als «gerecht». Claude Ryf bezeichnete die Leistung seiner Mannschaft als «höchst durchschnittliche Vorstellung». Einige Tage später wurde Sawu an den FC Basel ausgeliehen. Gegen Kriens spielten die Wiler torlos 0:0. Auch gegen Nyon spielten die Wiler torlos 0:0.

Gegen Solothurn gewannen die Wiler 0:3 auswärts. Walter Ryser fand in der Solothurner Zeitung happige Worte: «Die neuformierte Abwehr, die mit Küffer, Zitola, Reto Portmann und Rohr erstmals auf einer Linie agierte, zeigte sich gegen Wil ihrer Aufgabe ungefähr ähnlich gut gewachsen wie vier Bergbauern, die man damit beauftragen würde, mit der Europäischen Union die bilateralen Verträge auszuhandeln.» Gegen den FC Schaffhausen konnten die Wiler erneut mit drei Toren gewinnen (3:1). Gegen den FC Winterthur kamen die Wiler nicht über ein 1:1 hinaus. Eine Woche später trafen die beiden Teams wieder aufeinander. Winterthur gewann dieses Mal 3:1.

In Schaffhausen spielten die Wiler in der ersten Mai-Partie 1:1. In der fünftletzten Partie der Abstiegsrunde konnten die Wiler den Ligaerhalt mit einem 2:1-Sieg gegen Solothurn feiern. Gegen Nyon gewannen die Wiler deutlich mit 4:0. Beim Spitzenduell in Kriens verlor der FC Wil 3:1. Zwei Tore schoss wieder Maurizio Melina, der damit seine Führung an der Torschützenliste zu 24 Zählern ausbaute. Der SC Kriens hatte für den ersten Platz in der Abstiegsrunde eine Prämie von 500 Franken pro Kopf ausgelobt, Albert Krüttli spekulierte in der Neuen Luzerner Zeitung, dass die entscheidenden Tore relativ teuer werden könnten.

Gegen die Young Boys spielten die Wiler vor gerade einmal 471 Zuschauern ein äusserst knappes 1:1. Noch in der Nachspielzeit wurde YB-Spieler Mitreski nach einem groben Foul gegen Neri im Strafraum mit einer roten Karte vom Platz gestellt. Der darauf folgende Penalty ausgeführt vom sonst sehr sicheren René Sutter (die Doppelbestrafung war damals in den Spielregeln noch nicht behoben) wurde vom Margairaz abgewehrt. Im letzten Spiel gewannen die Wiler unspektakulär 0:1. Peter Eugster erzielte das Tor bereits nach zehn Minuten.

Cup In der ersten Runde spielten die Wiler in Zug. Mit einem 2:4 erreichten sie die nächste Runde, dies obwohl sie zweimal in Rückstand waren. Gil schoss dabei zwei Tore.Alex Winter: Der FC Wil feiert sein 100-jähriges Bestehen. In: Christa Keller et al. (Hrsg.): Region Wil. Das Wiler Jahrbuch 2000. S. 191–195, hier S. 191 f. (online). Dort trafen sie auf den FC Zürich. Diesen Verein hatten die Wiler dreimal im Cup besiegt. Dieses Mal kam es anders, die Wiler schieden mit einem 1:2 aus dem Turnier aus.

Resultate Testspiele

Qualifikationsrunde

Testspiele

Abstiegsrunde

Cup

Tabellen Qualifikationsrunde Die ersten vier Teams bestritten die NLA-/NLB-Auf-/Abstiegsrunde, der Rest die NLB-Abstiegsrunde.

Abstiegsrunde

Bonus = halbierte Punkte der Qualifikationsrunde Stade Nyonnais und der FC Schaffhausen stiegen in die 1. Liga ab.

Siehe auch Schweizer Fussballmeisterschaft 1999/00 Schweizer Cup (Fussball, Männer) 1999/2000

Einzelnachweise

Kategorie:FC Wil Kategorie:Fußballsaison 1999/2000