mini|Charles-Antoine Herault – La fuite en Egypte (Die Flucht nach Ägypten). Palais des Beaux-Arts de Lille Charles-Antoine Hérault (* 1. Januar 1644 in Paris; † 19. Juli 1718 ebenda), auch bekannt als Charles Hérault, war ein französischer Landschaftsmaler und Kunsthändler. Er war Mitglied der Académie royale de peinture et de sculpture und arbeitete als Kunsthändler zeitweise für den königlichen Hof.
Leben Charles Hérault war der Sohn des Malers Antoine Hérault (um 1600–um 1655) und der Madeleine Bruyant (um 1610–1676) und entstammte einer Familie mit zwölf Kindern. Seine Schwester Madeleine Hérault heiratete den Maler Noël Coypel, wodurch Hérault dessen Schwager wurde. Er selbst wurde zunächst von seinem Vater in der Malerei unterrichtet und anschließend von einem namentlich nicht überlieferten Landschaftsmaler ausgebildet. 1669 wurde er als agréé in die Académie royale de peinture et de sculpture aufgenommen und war ab 1670 deren ordentliches Mitglied. Als Aufnahmestück diente eine Landschaftsdarstellung. Hérault blieb bis kurz vor seinem Tod in der Akademie aktiv und bekleidete 1681 das Amt eines Conseiller. Im Jahr 1672 begab er sich gemeinsam mit seinem Schwager Noël Coypel nach Rom, der zum Direktor der Académie de France ernannt worden war. Dort setzte er sich vor allem mit den Werken von Nicolas Poussin bzw. Gaspard Dughet (genannt Gaspard Poussin) sowie mit dem Schaffen von Salvator Rosa auseinander. 1675 kehrte er gemeinsam mit Coypel nach Paris zurück.
Am 17. September 1676 heiratete Charles Hérault Marie-Geneviève de Lens, die Tochter des Goldschmieds Jean-Baptiste de Lens. Aus der Ehe gingen acht Kinder hervor, darunter mehrere, die später ebenfalls künstlerisch tätig waren. Zwischen 1681 und 1688 ist Hérault in den königlichen Rechnungsbüchern als Bilderhändler im Dienst des Hofes nachgewiesen. Für diesen erwarb er zahlreiche Gemälde bedeutender Meister. Im Jahr 1684 erteilte ihm die Akademie die Erlaubnis, zum Verkauf bestimmte Gemälde in seinen Schaufenstern auszustellen. Diese Erlaubnis wurde jedoch bereits drei Jahre später als mit der Würde der Institution unvereinbar wieder zurückgenommen. Im Jahr 1689 schenkte Hérault der Akademie ein von Jacob Ferdinand Voet kopiertes Ölbildnis des François-Michel Le Tellier, Marquis de Louvois, das für deren Versammlungssaal bestimmt war. Das Bild befindet sich heute im Schloss Versailles. Ab 1715 war er als professeur adjoint à recteur an der Akademie tätig.
Auch als Maler arbeitete Hérault größtenteils für den Hof. In dessen Rechnungsbüchern ist er zwischen 1671 und 1688 nachgewiesen. Mehrere Zahlungen erhielt er für Malereien im Schloss von Versailles: 1671 für das Appartement der Königin, das er gemeinsam mit Noël Coypel ausführte, 1679 für mehrere Landschaften im Appartement des Königs und 1680 für Gemälde im Grand Appartement desselben. Charles-Antoine Hérault starb am 19. Juli 1718 in Paris.
Werk mini|Charles-Antoine Herault nach einem Gemälde von Jacob Ferdinand Voet: François-Michel le Tellier, Marquis de Louvois (1641–1691). Château de Versailles Eine präzise Einschätzung seines Schaffens ist kaum möglich, da nur wenige Werke erhalten beziehungsweise dokumentiert sind oder sich in Form von Stichen erhalten haben. In der Literatur wird er als Landschaftsmaler geführt. Überliefert ist sein Aufnahmestück für die Akademie, eine Darstellung mit verschiedenen landschaftlichen Motiven, darunter mehreren Wasserfällen; sein Verbleib ist jedoch heute unbekannt. Bekannt sind zudem mehrere als Paysage bezeichnete Werke, die in den Pariser Salons von 1699 und 1704 ausgestellt wurden. Daneben schuf Hérault mythologische Darstellungen, darunter eine 1703 signierte und datierte Lobrede auf die Tapferkeit des Äneas (Musée Magnin, Dijon) sowie ein 1716 entstandenes Gemälde, das Dido bei der Aufnahme von Äneas und Achates in den Tempel zeigt. Es gilt als Kopie nach Antoine Coypel und war laut Thieme-Becker im Jahr 1913 im Musée des Beaux-Arts in Nantes nachgewiesen. Außerdem malte er Heiligenbilder, darunter eine Darstellung des heiligen Vinzenz von Paul, die durch einen Stich von Jacques Grignon überliefert ist.
Literatur
Auguste Jal: Herault (Les). In: Dictionnaire critique de biographie et d’histoire. Errata et supplément pour tous les dictionnaires historiques. Henri Plon, Paris 1872, S. 678–679. Jules Guiffrey: LI – Charles Hérault, peintre ordinaire du roi et de son Académie. 19 juillet 1718. In: Scellés et inventaires d’artistes du XVIIe et du XVIIIe siècle. Recueil de documents inédits. Charavay Frères, Paris 1884, S. 260–261. Émile Bellier de La Chavignerie, Louis Auvray: Hérault (Charles-Antoine). In: Dictionnaire général des artistes de l'École française depuis l'origine des arts du dessin jusqu'à nos jours: architectes, peintres, sculpteurs, graveurs et lithographes. Bd. 1, Librairie Renouard, Paris 1882. Emmanuel Bénézit: Dictionary of artists. Band 6: Gémignani – Herring. Paris, 2006. Allgemeines Künstlerlexikon Online / Artists of the World Online, De Gruyter 2009.
Weblinks
The Residents of the French Academy in Rome - - Les pensionnaires de l'Académie de France à Rome
Einzelnachweise
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