mini|Logo der „Senior Mass“ mit dem Claim „Wir bleiben mobil!“ Eine Senior Mass (aus Senior (lat. ‚älter‘), älterer oder erfahrener Mensch und Critical Mass engl. kritische Masse, hier als Fachbegriff für gemeinsame Fahrt vieler Radfahrender) ist eine organisierte Fahrradtour für ältere Menschen in Anlehnung an die etablierten Radfahrbewegungen „Critical Mass“ und „Kidical Mass“.
Im Fokus stehen Forderungen an eine sichere Infrastruktur für die Zielgruppe der Senioren, für die oft andere Voraussetzungen erfüllt sein müssen, damit sie ein Fahrrad nutzen können. Die Senior-Mass-Radtouren sind, anders als bei der Aktionsform Critical Mass, meist als Demonstrationen angemeldet und werden durch die Polizei absichernd begleitet. Bei Planung und Durchführung werden Bedürfnisse von Menschen mit Mobilitätseinschränkungen berücksichtigt, wie die barrierearme Erreichbarkeit von Start und Ziel. Die Teilnehmenden benutzen meist eine Vielfalt unterschiedlicher Fahrräder wie Zweiräder mit niedrigem Einstieg, Dreiräder, Handbikes, Tandems, Liegeräder, Rikschas.
Geschichte Die erste Senior Mass wurde am 17. Mai 2025 vom Netzwerk Fahrradfreundliches Tempelhof-Schöneberg (NFTS) des Changing Cities e.V. durchgeführtrad-ts.de. Gemeinsam mit Unterstützenden wurde eine Radtour durch den Bezirk durchgeführt, die sich mit der parallel stattfindenden Kidical Mass nach einer zentralen Kundgebung für eine kurze Strecke vereinte. Teilnehmende und Interessierte konnten vorab in der nahegelegenen Verkehrsschule ein Fahrtraining absolvieren oder verschiedene Fahrräder inklusive E-Bikes ausprobieren. Außerdem gab es einen Zubringer-Fahrradkorso aus Lichtenrade, einem Randstadtteil des Bezirks, in dem sich Senioren aktiv für sichere Radwege engagieren.
Die zweite Senior Mass fand im gleichen Jahr am 18. Oktober 2025 statt. Im Dezember 2025 bot Changing Cities e.V. ein deutschlandweites SchulungsprogrammHow to Senior Mass - Wie man eine Senior Mass plant und durchführt zur Durchführung von Senior-Mass-Veranstaltungen an. 2026 fand die Senior Mass am 26. September statt und war erstmals durch die Stiftung Berliner Leben gefördert.
Begründung In Berlin sind Senioren die am stärksten gefährdete Bevölkerungsgruppe im Straßenverkehr. 2024 waren nahezu die Hälfte, nämlich 27 der 55 Verkehrstoten in Berlin Senioren.
Im Berliner Bezirk Tempelhof-Schöneberg lebten zum Jahreswechsel 2024/2025 erstmals über 100.000 Menschen, die 60 Jahre und älter sind. Akzeptable (und vor allem ununterbrochene und sichere) Radwegeverbindungen gibt es nicht, trotz gesetzlicher Vorgaben durch das Berliner Mobilitätsgesetzes (verabschiedet 2018) und jahrzehntelanger Bemühungen von Fahrrad- und Umweltverbänden.
Dabei sind die gesundheitlichen Vorzüge des Radfahrens und der regelmäßigen Bewegung gut belegt. Insbesondere im Alter wie auch für Kinder muss die Infrastruktur der den kognitiven und körperlichen Fähigkeiten angepasst gestaltet sein.
Das Verletzungsrisiko stellt nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation „die größte und womöglich einzige Herausforderung für die aktive Mobilität und insbesondere das Radfahren dar“.WHO 2022, S. 36 Die Wahrscheinlichkeit, beim Gehen und Radfahren verletzt zu werden, sei „sehr gering, doch können Unfälle (d. h. Zusammenstöße und Stürze) sehr großen Schaden anrichten und unsichere Verkehrsverhältnisse daher abschreckend wirken“. Verkehrssicherheit sei daher „von entscheidender Bedeutung für die Förderung der aktiven Mobilität“.
Ziele Die Senior Mass will ältere Menschen zum Fahrradfahren ermutigen und aktive Mobilität bis ins hohe Alter fördern. Durch die Aktionen wird öffentliche Aufmerksamkeit für Menschen geschaffen, die bis ins hohe Alter Fahrrad fahren wollen oder auf das Radfahren aus verschiedenen Gründen angewiesen sind. Ein weiteres Ziel besteht darin, durch die Senior Mass Verbesserungen für eine altersgerechte Infrastruktur anzustoßen und dadurch eigenständige, aktive und sichere Mobilität und damit Teilhabe am wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Leben bis ins hohe Alter zu ermöglichen.
Von zentraler Bedeutung sind daher Forderungen nach sicherer Fahrradinfrastruktur für ältere oder mobilitätseingeschränkte Personen als anerkannte Standards der Planung:
Systematische Berücksichtigung der Mobilitätsbedürfnisse von Senioren in der Verkehrsplanung Ein sicheres und von Autos getrenntes Radwegenetz Fehlerverzeihende Verkehrsinfrastruktur (übersichtlich, barrierefrei, ausreichend breit, getrennt) Sichere Kreuzungen mit ausreichend langen Grünphasen Durchgehende und gut sichtbare Ausschilderungen Sichere und gut sichtbar konzipierte Baustelleneinrichtungen Barrierefreie Radwege, die gut und sicher mit für Fahrrädern verschiedenster Bauarten befahrbar sind und die an Bedürfnisse von Senioren sowie Menschen mit Behinderungen angepasst sind
Unterstützung Die Senior Mass wird seit 2025 vom Netzwerk Fahrradfreundliches Tempelhof-Schöneberg, einem Projekt von Changing Cities e.V, veranstaltet und von einem breiten zivilgesellschaftlichen Bündnis unterstützt, unter anderem
Omas for Futureomasforfuture.de fLotte Sozialflotte-berlin.de Team-Wendepunkt gGmbH (Verkehrsschule Sachsendamm)team-wendepunkt.de Ökumenische Umweltgruppe Lichtenradeoekumenische-umweltgruppe-lichtenrade.de Verkehrsclub Deutschland (VCD) Radeln ohne Alter Stiftung Berliner Lebenstiftung-berliner-leben.de Behinderten- und Rehabilitations-Sportverband Berlin ADFC Berlin Schöneberg, ADFC Berlin Tempelhof Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland
Weblinks berliner-zeitung.de changing-cities.org radelnohnealter.de bsberlin.de umweltbundesamt.de Beyond infrastructure: The multiple barriers to cycling in middle and older age Senioren-Union fordert Wende in der Verkehrspolitik
Einzelnachweise
Kategorie:Fahrradkultur Kategorie:Demonstrationsart Kategorie:Veranstaltung (Radverkehr) Kategorie:Verkehrswende