mini|Sarah Jane Rees, ca. 1875 mini|Sarah Jane Rees, ca. 1900 Sarah Jane Rees, unter ihrem Barden-Namen Cranogwen (* 9. Januar 1839 in Llangrannog, Ceredigion; † 27. Juni 1916 in Cilfynydd, Rhondda Cynon Taf), war eine walisisch-britische Lehrerin, Dichterin, Herausgeberin, Kapitänin der Handelsschifffahrt (Master Mariner) und Abstinenzlerin.
Leben Rees war die Tochter von Frances (1803–1884) und John Rees (1807–1894), einem Kapitän der Handelsmarine. Sie hatte zwei ältere Brüder, Daniel (* 1831) und David (* 1833).
Zunächst wurde Rees vor Ort von einem alten Schulmeister namens Hugh Davies unterrichtet, der sie in Latein und Astronomie lehrte. Später besuchte sie Schulen in Cardigan und New Quay. Sie begleitete ihren Vater auf dessen Schiff zur SeeJohn (1991), p. 80. und studierte zeitweise an einer Navigationsschule in London, wo sie ein Kapitänspatent (Master’s Certificate) erwarb, was sie berechtigte, ein Schiff in jedem Teil der Welt zu führen. 1859 gründete Sarah Jane in ihrem Heimatdorf Llangrannog eine eigene Navigationsschule.
1865 errang sie bei einem Wettbewerb in Aberystwyth gegen männliche Konkurrenten wie William Thomas („Islwyn“) und John Ceiriog Hughes („Ceiriog“) ihren ersten großen Eisteddfod‑Preis, in der Kategorie „Lied“ für Y Fodrwy Briodasol („Der Ehering“). 1870 folgte ein Gedichtband mit dem Titel Caniadau Cranogwen („Cranogwens Lieder“).
In den Jahren 1866–1867 unternahm Rees eine Vortragsreise durch Wales und verlangte 6 Pence Eintritt pro Karte. Die Erlöse aus den gut besuchten Veranstaltungen dienten der Tilgung von Schulden mehrerer Chapels. Das Publikum in der Brynhyfryd Chapel in Swansea belief sich auf nahezu 1.000 Personen. Sie war sowohl Vortragende als auch religiöse Predigerin.In: Welsh Gazette, 6. Juli 1916. In der Sammlung des Amgueddfa Cymru – National Museum Wales befindet sich eine Eintrittskarte für einen Vortrag mit dem Titel Yr Ieuengctyd a Diwylliant eu Meddyliau („Über die Jugend und die Entwicklung ihres Denkens“) am 2. Januar 1867 in der Independent Chapel in Brynmenyn, Bridgend. Zeitgenössische Berichte in walisischsprachigen Zeitungen lobten den Vortrag als sehr erfolgreich; im Verlauf der Tour teilte sie sich zunehmend die Bühne mit örtlichen Würdenträgern.
Neben der Lehrtätigkeit in Navigation und anderen Fächern wurde sie Herausgeberin der walisischsprachigen Frauenzeitschrift Y Frythones (1878–1889), die als „Forum für gebildete walisische Frauen und frühe Aktivistinnen für das Frauenwahlrecht“ diente. Die Zeitschrift enthielt eine Fragen‑ und Beratungsrubrik und setzte sich für die Bildung von Mädchen ein. Zudem bot sie erstmals Veröffentlichungsmöglichkeiten für bedeutende Autorinnen wie Mary Oliver Jones und Ellen Hughes. In den Jahren 1869–1870 bereiste Rees die Vereinigten Staaten, wo sie vor allem walisische Emigrantengemeinden bis nach Kalifornien ansprach. 1901 war sie eine der Gründerinnen der South Wales Women’s Temperance Union (Undeb Dirwestol Merched y De, U.D.M.D.); bis zu ihrem Tod 1916 bestanden 140 Ortsgruppen in ganz Südwales.
Rees hatte zwei lesbische Beziehungen, die als romantische Freundschaften berichtet wurden. Die erste verband sie mit Fanny Rees (1853–1874), der Tochter eines Hutmachers aus Troedyraur bei Llangrannog. Rees nannte sie „Phania“. Fanny Rees starb mit nur 21 Jahren an Tuberkulose in Rees’ Haus. Rees gedachte ihr in einem ihrer bekanntesten Gedichte, Fy Ffrind („Meine Freundin“). Ihre zweite Beziehung mit Jane Thomas (1850–?) dauerte den größten Teil ihres weiteren Lebens. Trotz der Offenheit dieser für die Zeit ungewöhnlichen Lebensgemeinschaft blieb Rees eine überzeugte Methodistin und bereiste weiterhin das Land mit moralischen Vorträgen zu Bildung, Abstinenz und weiteren Themen. In den letzten zwanzig Jahren ihres Lebens widmete sie einen Großteil ihrer Energie dem Aufbau und der Arbeit für den Cymdeithas Merched y De („Frauenverein des Südens“), eine Bewegung zur Förderung der Abstinenz.
Rees starb 1916 in Cilfynydd und wurde auf dem Kirchhof von St Crannogs beigesetzt.Obituary, Cymru 1914, 30 June 1916. Accessed 16 September 2014.
Nachleben Eine Notunterkunft für obdachlose Frauen und Mädchen, Lletty Cranogwen, wurde 1922 von der South Wales Women’s Temperance Union im Rhondda‑Tal gegründet und zu Ehren von Rees benannt, um ihr Engagement zur Verbesserung der Lebensbedingungen walisischer Frauen zu würdigen.
Ein Fischereischutzboot der walisischen Regierung, das in Milford Haven stationiert ist, trägt den Namen Cranogwen.
2019 gehörte Rees zu fünf Frauen, die als Modell für ein Kunstwerk in Cardiff in die engere Auswahl genommen wurden. Im Dezember 2021 wurde der Bildhauer Sebastien Boyesen beauftragt, eine Bronze von Rees in Llangrannog zu schaffen. Die Enthüllung der Statue erfolgte bei einer Gedenkzeremonie am 10. Juni 2023. Parallel tourte Ende 2022 eine Theaterproduktion über Rees durch Wales.
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