Karl Prinz zu Löwenstein-Wertheim-Freudenberg (* 6. April 1858 in Heidelberg; † 22. Dezember 1928 in Berlin) war ein deutscher Großgrundbesitzer, Erfinder, Industrieller und Aktivist der deutschnationalen und völkischen Rechten in der Weimarer Republik. Er war von 1919 bis 1928 Vizepräsident des Berliner Nationalklubs von 1919. In einem Nachruf des Nationalklubs wird er für die Zeit bis zu seinem Tod 1928 als dessen „geistiger Führer“ bezeichnet.

Leben Karl (auch Carl) Ludwig Wilhelm Constantin Prinz zu Löwenstein entstammte der Familie der Fürsten zu Löwenstein-Wertheim-Freudenberg. Er war der vierte Sohn unter neun Kindern von Fürst Wilhelm (1817–1887) und damit jüngerer Bruder von Fürst Ernst (1854–1931). Als wesentliche Quelle zu seinem Leben gibt es bisher nur einen veröffentlichten Bestand von privaten Briefen an Verwandte aus den Jahren 1904–1928. Er besuchte das Gymnasium in Wertheim und studierte Rechtswissenschaften. Er lebte lange Jahre bis 1914 in Frankreich, wo er ein großes Landgut (Duroure) in der Camargue besaß, von der großen Krise des Weinbaus in den Jahren 1889–1908 betroffen war, mit anderen Weinbauern Proteste organisierte und Gesetzgebung gegen Weinpanscherei erwirkte sowie eine landwirtschaftliche Kreditgenossenschaft (Caisse Agricole) und eine Arbeiter-Rentenversicherung gründete und führte.ausführliche Beschreibung seiner Tätigkeit in Frankreich in einem Brief vom 28. August 1916, Als Ergebnis des Ersten Weltkriegs wurde er in Frankreich enteignet. Seit 1914 lebte er in Berlin und war als Miteigentümer und Geschäftsführer oder Aufsichtsrat von verschiedenen Unternehmen tätig, darunter Laboratorien in Stuttgart und Berlin, einer Fa. Lohmann-Metall und der Eifeler Sprengstoffwerke (ESPAGIT AG). Er war nicht verheiratet und hinterließ keine bekannten Nachkommen.

Erfinder Auf den Namen von Karl Prinz zu Löwenstein als Erfinder oder Miterfinder waren in verschiedenen Ländern über 40 Patente für technische Verfahren registriert,; US-Patent Nr. 1,847,617 vom 1.3.1932 für Hard Alloy (abgedruckt in ); vgl. zu einem "WADURF-Kessel ("Wärme auf Distanz und Rauchlose Feuerung") ebda. S. 571, Fn. 24; über Löwenstein als Erfinder siehe Auszug aus einer Gedächtnisrede ebda. S. 618 f. beispielsweise für Dampfmaschinen und Überhitzungsdampf-Prozesse (), Dichtungen für Kraftmaschinen mit kreisendem Kolben (Rotationsmotoren) (), das Verkoken von Kohle, Schiefer und bituminösen Stoffen (), für Vorrichtungen zum Bohren und Wegmeißeln von Gestein, () oder für Dieselmotor-Betrieb mit verdampftem Brennstoff (). Einige dieser Erfindungen sollten dem Zweck dienen, dem Rohstoffmangel in Deutschland zu begegnen, beispielsweise Salpeter für die Munitionsherstellung. Angaben in seinen Briefen zufolge wurden einzelne Verfahren erfolgreich in industriellen Anlagen erprobt, allerdings wohl nicht in größerem Maßstab.

Aktivist Schon während des Ersten Weltkriegs wurde er mit anderen auf der politischen Rechten aktiv, um ein neues „organisches“ Wahlrecht (Abstimmung nach Berufsständen) zu initiieren. Im November 1918 gründete er als Antwort auf Soldatenräte einen „Bürgerrat“ und versuchte, die Rechtsparteien zu vereinigen. Angeblich zufällig war er anwesend, als am 15. Januar 1919 Karl Liebknecht und Rosa Luxemburg ins Hotel Eden Hotel Eden in Berlin gebracht wurden, um kurz danach vor dem Hotel ermordet zu werden. Zusammkünfte mit rechten Aktivisten, u. a. mit Erich Ludendorff organisierte er im Rahmen einer „Kriegswirtschaftlichen Studiengesellschaft“ und eines „Ausschusses für Freie Wirtschaft“, deren Vorstand jeweils aus ihm als Vorsitzendem und Gustav Roesicke und Friedrich von Lindequist als weiteren Mitgliedern bestand. Victor Naumann soll ihn 1919 gegenüber Harry Graf Kessler als „das eigentliche Haupt der Gegenrevolution“ bezeichnet haben. unter Bezug auf Harry Graf Kessler: Tagebücher, Bd. 7 (1919–1923), S. 2007.

1919 gründete Karl Prinz zu Löwenstein mit anderen den Berliner Nationalklub von 1919, in seinen Briefen auch kurz „Nationaler Klub“ genannt. Vorsitzender wurde General Oskar von Hutier und nach einer kurzen Anfangsphase Löwenstein als Erster Stellvertreter. In der Praxis leitete meist Löwenstein die Vortragsabende des Klubs am Montag und Donnerstag jeder Woche, so dass er in einem späteren Nachruf als „geistiger Führer“ des Klubs bezeichnet wurde. Ob er selbst an der Organisation und Durchführung der Vorträge von Adolf Hitler im Klub beteiligt war, ist anhand der Briefe nicht feststellbar, aber einer anderen Quelle zufolge leitete er Hitlers ersten Vortrag dort am 29. Mai 1922; Petzold zitiert dort aus Wilhelm Weicher: Wie ich Adolf Hitler kennenlernte, in: Der Türmer. Deutsche Monatshefte – Die Bergstadt, 7/1934, S. 90 f. und Hitler hat wohl persönlich zu seinem Tod ein Kondolenztelegramm geschickt.

Seinen Briefen zufolge drängte man ihm eine „Führerrolle“ auf und er verhandelte mit führenden Vertretern der politischen Rechten wie Erich Ludendorff, Gustav von Kahr und Benito Mussolini. Er habe über den Nationalen Club eine Unterstützung des Widerstands gegen die französische Besetzung des Rheinlands 1923 mit größeren Geldmitteln organisiert. Er gestaltete den Nationalen Club zum „Treffpunkt der nationalgesinnten Führer“ einschließlich gelber Gewerkschaften, versuchte in Zusammenarbeit mit Ernst Graf zu Reventlow und Kuno von Westarp eine Zusammenführung der völkischen und deutsch-nationalen Parteien und arbeitete an einer „Zusammenfassung verschiedener Banken zu einer rein arischen Gruppe“.

Literatur Christoph von Wolzogen: Drei Schwestern. Innenansichten eines Jahrhunderts in Briefen und Tagebuch. Edition Fichter, Frankfurt am Main 2020, ISBN 978-3-947313-11-2. Fotos von Karl Prinz zu Löwenstein auf Seiten 150, 156 und 1017, Kurzporträt und zusammenfassende Würdigung seiner Person S. 13, S. 507–510, dort auch zum Quellenwert der Briefe.

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