mini|hochkant|Wappen derer von der Ruer im Wappenbuch des Westfälischen Adels Von (der) Ruhr (auch Rore, Roir(e), Royre, Rohr, Ruer, Roer o. ä.) ist der Name eines erloschenen ursprünglich eifelschen Uradelsgeschlechts, das später auch am Niederrhein und im Münsterland ansässig war.
Die Familie ist zu unterscheiden von den wappenverschiedenen märkischen Ruhr zu Haus Ruhr (Hengsen), selbst wenn Johann Dietrich von Steinen und Anton Fahne die Familien fälschlicherweise vermengen.Johann Dietrich von Steinen: Westphälische Geschichte mit vielen Kupfern, Zweiter Theil, Lemgo 1755, S. 992 ff. (Google Bücher).Fahne (1858), S. 341 f. Auch mit den bayerisch-märkischen Rohr besteht keine Stammesverwandtschaft.
Geschichte Das Geschlecht hatte seinen namensgebenden Stammsitz auf Burg Rohr in Rohr, heute ein Ortsteil von Blankenheim im Kreis Euskirchen in der Eifel.Schleicher (1997), S. 187. Ein Wilhelm von Rore erscheint bereits 1279 in einer Aachener Urkunde als Zeuge.Landesarchiv Nordrhein-Westfalen Abteilung Rheinland, AA 0345 / Kamp, Urkunden AA 0345, Nr. 197, abgerufen am 10. Dezember 2025. Die sichere Stammreihe beginnt mit Winand von Royre (auch dominus Winandus de Roere, miles), der urkundlich ab 1315 auftritt. Sein gleichnamiger Enkel war ebenfalls Ritter und darüber hinaus Rat des Herzogs von Jülich. Mit dessen Sohn Goddart von Roir (urkundlich 1393–1419), der ab 1403 mit Johanna von Ahaus verheiratet war, kam die Familie auch nach Westfalen und in das Münsterland, wo sie im Laufe der Zeit umfangreiche Güter erwarb.Schleicher (1997), S. 188.Spießen (1901–1903), S. 108. So erwarb die Familie durch Heirat einer Erbtochter aus der Familie Stecke Lütkenhove/Haus Lüttinghof in Gelsenkirchen, das 1493 dem Borchard von der Ruhr gehörte und aus dem Gerdt von der Ruhr 1500/1502 seine Anteile verkaufte.Landesarchiv Nordrhein-Westfalen Abteilung Westfalen, B 151 / Studienfonds Münster / Akten, Nr. 8409, abgerufen am 3. Dezember 2025. Gerdt von der Ruhr war mit Margarethe vermählt. Die zwei ältesten Söhne hießen Reiner und Rotger von der Ruhr. Eine Tochter Ludtgart von der Ruhr war mit Johann Peek zu Münster verheiratet. 1534 übernahmen die Eheleute Gerdt und Margarethe von der Ruhr sowie die Söhne Reiner und Rotger eine Bürgschaft für ihren Schwiegersohn bzw. Schwager Johann Peek. Als Pfand stellte Gerdt von der Ruhr seine Güter Strebick und Venninck/Venninghausen im Kirchspiel Brünen im Amt Bocholt im Hochstift Münster.Stadtarchiv Lünen, 06.02. / Haus Schwansbell (14.-20. Jh.), Nr. Akte 390, abgerufen am 4. Dezember 2025.
Sohn Reiner von der Ruhr hatte Haus Reithaus in Wolbeck im Besitz. Reiner van der Ruhr zum Reithaus, schon 1542 verheiratet mit Anna Tilbeck,Stadtarchiv Münster, B-Testa / Testamente, Nr. I 651, abgerufen am 3. Dezember 2025. mit der er die Kinder Gerdt, Stineken, Anneken und Grietken von der Ruhr hatte,Stadtarchiv Münster, B-Testa / Testamente, Nr. I 158, abgerufen am 3. Dezember 2025. siegelte 1554 eine Urkunde des Johan Peyck und dessen Ehefrau Ludtgart von der Ruhr, 1555 eine Urkunde des Johann Tilbeck sowie 1560 eine Urkunde für seine Schwägerin Jutte Tilbeck, Witwe des Jürgen von Drolshagen, und eine Urkunde des Hermann von Velen.Vereinigte Westfälische Adelsarchive, Wel.Uk.Pg / Pergamenturkunden, Nr. Wel.Uk.Pg - 120, abgerufen am 3. Dezember 2025.Landesarchiv Nordrhein-Westfalen Abteilung Westfalen, W 151u / Sammlung Westfälische Familien (z.T. Dep.) / Urkunden, Nr. 158, abgerufen am 3. Dezember 2025.Landesarchiv Nordrhein-Westfalen Abteilung Westfalen, B 103u / Domkapitel Münster, Domdechanei / Urkunden, Nr. 49, abgerufen am 3. Dezember 2025.Landesarchiv Nordrhein-Westfalen Abteilung Westfalen, V 505u / Verein für Geschichte und Altertumskunde Westfalens, Abteilung Münster (Dep.), Familie Mensing / Urkunden, Nr. 114, abgerufen am 3. Dezember 2025. Derselbe Reiner von der Ruhr besaß Grote und Lütke Westarp (Große und Kleine Westarp) in der Berdeler Bauerschaft im Kirchspiel Telgte, die er 1558 und 1561 verpfändete.Vereinigte Westfälische Adelsarchive, HarKe.Möl.Uk / Haus Möllenbeck, Urkunden, Nr. HarKe.Möl.Uk - 367 und Nr. HarKe.Möl.Uk - 387, abgerufen am 3. Dezember 2025. Zum Münsteraner Familienbesitz gehörte auch Gut Rotgerinck/Rötgering bei Kinderhaus in der Bauerschaft Uppenberg im Kirchspiel Überwasser, auf das die Eheleute Reiner von der Ruhr und Anna Tilbeck 1549 und 1550 sowie ihr Sohn Gerdt van der Ruer zum Reithaus 1571 eine Rente aufnahmen.Stadtarchiv Münster, A-AUS / Allgemeine Urkundensammlung, Nr. 200 und Nr. 201, abgerufen am 4. Dezember 2025.Vereinigte Westfälische Adelsarchive, HarKe.Möl.Uk / Haus Möllenbeck, Urkunden, Nr. HarKe.Möl.Uk - 435, abgerufen am 3. Dezember 2025. 1589 verkaufte derselbe Gerdt von der Ruhr zusammen mit seiner Frau Anna von Düsteren dieses freie Gut mit allem Zubehör an Heinrich Drosten und seine Frau Jost/Justine Bischopinck.Vereinigte Westfälische Adelsarchive, Wel.Uk.Pg / Pergamenturkunden, Nr. Wel.Uk.Pg - 211, abgerufen am 3. Dezember 2025. Im selben Jahr verkauften dieselben Eheleute auch eine Rente aus ihren Gütern Grote-Westarp und Lütke-Westarp.Stadtarchiv Münster, B-C Civ / Causae Civiles (Zivilprozessakten), Nr. 1730, abgerufen am 4. Dezember 2025.
Der zweitälteste Sohn von Gerdt von der Ruhr und Margarethe, Rutger/Rotger von der Ruhr, hatte zeitweise die Gografschaft in Telgte inne. So siegelte er als Gograf zu Telgte 1548 eine Urkunde.Vereinigte Westfälische Adelsarchive, HarKe.Möl.Uk / Haus Möllenbeck, Urkunden, Nr. HarKe.Möl.Uk - 292, abgerufen am 3. Dezember 2025. 1551/1552 führten die Eheleute Rotger von der Ruhr und Richtmot von Drolshagen vor dem Münsteraner Stadtrichter eine Klage gegen ihren Bruder und Schwager Ludolph von der Ruhr, der sich zu jener Zeit in Herrendiensten mit Harnisch und Pferden außer Landes befand.Stadtarchiv Münster, B-Acta jud / Acta Judicialia (Rechtsstreitigkeiten), Nr. 196, abgerufen am 3. Dezember 2025. Dieselben Eheleute verkauften 1561 zusammen mit ihren Kindern Gerdt, Heinrich, Sibilla/Billie und Margarethe, stellvertretend auch für ihre anderen noch unmündigen Kinder, für 50 Silbertaler ein Feld genannt de Wischkamp im Kirchspiel Rinkerode, das zum Erbe Huißham, Bauerschaft Hemmer, gehörte.Stadtarchiv Münster, A-AUS / Allgemeine Urkundensammlung, Nr. 228, abgerufen am 3. Dezember 2025. 1563 verkauften dieselben Eheleute vor dem Offizialat des Hofes zu Münster den Eheleuten Hinrick und Clara von Galen zu Bisping ihr Erbe und Gut genannt Hagedorn mit allem Zubehör im Kirchspiel Albersloh, Sunger Bauerschaft.Stadtarchiv Münster, A-AUS / Allgemeine Urkundensammlung, Nr. 237, abgerufen am 3. Dezember 2025. Vor demselben Offizialat verkauften dieselben Eheleute 1565 zusammen mit ihren Kindern Heinrich, Sibilla und Anna zwei Kämpe im Kirchspiel Rinkerode, Hemmer Bauerschaft, der eine das „Ostfeld“ und der andere das „Koeffelt“ genannt, beide zu Erbe und Gut Huißkam gehörig.Stadtarchiv Münster, A-AUS / Allgemeine Urkundensammlung, Nr. 245, abgerufen am 3. Dezember 2025. Sieben Jahre später waren zwei der Kinder verheiratet. Sibilla/Bilia von der Ruhr war mit Ernst, Herr zu Kitzlitz, vermählt und Anna von der Ruhr mit Bernhard/Bernsfelt von der Tinnen. Beide bekannten 1572 zusammen mit ihren Eltern und ihren Geschwistern Bernd und Heinrich, dass sie durch den noch schwebenden Prozess mit dem oben bereits erwähnten Jürgen von Drolshagen und nach dessen Tod mit seiner Witwe Jutta Tilbeck um fünf Stücke Erbes im Kirchspiel Rinkerode (Hoffham, Huißham, Storminck, Hagedorn und Holtkamp) in finanzielle Not geraten seien. Deshalb bewilligte ihnen der Münsteraner Bischof Johann IV. von Osnabrück die Aufnahme von 300 Talern von Johan und Margarethe Verendorp, unter Verpfändung zweier Felder, beide Storminck Feld genannt, im Kirchspiel Rinkerode, Bauerschaft Hemmer.Stadtarchiv Münster, A-AUS / Allgemeine Urkundensammlung, Nr. 271, abgerufen am 3. Dezember 2025.
1607 saßen Goddert von der Ruhr zu Venninghausen, Gerhard von der Ruhr, Sohn des Bernhard von der Ruhr, zum Reithaus in Wolbeck und Godderts Bruder Johann von der Ruhr zu Offer in Bösensell.Stadtarchiv Münster, B-C Civ / Causae Civiles (Zivilprozessakten), Nr. 1767, abgerufen am 3. Dezember 2025. 1657/8 saß zu Venninghausen Borchard von (der) Ruhr, der mit Gertrud von Beyrling vermählt war.Landesarchiv Nordrhein-Westfalen Abteilung Westfalen, B 151 / Studienfonds Münster / Akten, Nr. 4253, abgerufen am 3. Dezember 2025. Zu Offer/Haus Ruhr in Bösensell saß noch 1680 ein Johann Caspar von der Ruhr.Vereinigte Westfälische Adelsarchive, Ass.L / Landessachen vornehmlich des Hochstifts Münster, Nr. Ass.L - 285, abgerufen am 3. Dezember 2025.
Stammfolge Die Stammfolge der Familie stellt sich basierend auf Schleicher und Anton Fahne, angereichert um die oben dargestellten Informationen, wie folgt dar:Schleicher (1997), S. 188–191.
Wappen Im Wappenbuch des Westfälischen Adels ist das Wappen wie folgt blasoniert: Von Schwarz über Silber geteilt, oben ein silberner springender Löwe. Auf dem schwarz-silbern bewulsteten Helm mit schwarz-silbernen Helmdecken eine silberne Kugel, über die sich eine siebenblättrige Schilfstaude erhebt.
Laut Anton Fahne, der auf das kölnische Vasallenbuch verweist, handelt es sich um einen goldenen Löwen im rechten Oberwinkel. Auf dem Helm stellt er einen goldenen Löwen vor einem schwarzen Baum dar.Fahne (1848), S. 367. An anderer Stelle berichtet er, dass sich bei der klevischen Ritterschaft statt des Baumes auf dem Helm eine Säule mit vier schwarzen Federn besteckt findet.Fahne (1854), S. 123. Der Schild findet sich analog auch bei Lothar Müller-Westphal, der jedoch als Helmzier einen stehenden Löwen auf einem Turnierhut aufzeigt. Ernst von Oidtman wiederum zeichnete einen stehenden Löwen vor einem Hahnenfedern- oder Schilfbusch.Müller-Westphal (1989), S. 744.
Literatur Anton Fahne: Geschichte der kölnischen, jülichschen und bergischen Geschlechter in Stammtafeln, Wappen, Siegeln und Urkunden. Band I, Köln 1848, S. 367 (Roire) (hhu.de); Band II, Köln 1853, S. 123 (Roire) (hhu.de). Anton Fahne: Geschichte der Westphälischen Geschlechter unter besonderer Berücksichtigung ihrer Uebersiedelung nach Preußen, Curland und Liefland, mit fast 1200 Wappen und mehr als 1300 Familien, Heberle, Köln 1858, S. 341 f. (Google Bücher). Lothar Müller-Westphal: Wappen und Genealogien Dürener Familien, Düren 1989, S. 744 f. Herbert M. Schleicher: Ernst von Oidtman und seine genealogisch-heraldische Sammlung in der Universitäts-Bibliothek zu Köln, Band 13 (Mappe 995–1070, Reven–Scheidt gt Weschpfennig) (= Veröffentlichungen der Westdeutschen Gesellschaft für Familienkunde, Nr. 88), Köln 1997, S. 187–193. Max von Spießen: Wappenbuch des Westfälischen Adels, mit Wappengrafiken von Adolf Matthias Hildebrandt, Band 1, Görlitz 1901–1903, S. 108 (hhu.de); Band 2, Görlitz 1903, Tfl. 270 (hhu.de). Herbert Weffer: Familienbuch Rohr. Die Bewohner des Eifeldorfes Rohr mit Lindweiler im 18. Jahrhundert, Bonn 1994.
Einzelnachweise
Kategorie:Rheinländisches Adelsgeschlecht Kategorie:Westfälisches Adelsgeschlecht Kategorie:Stammliste