Ernest Ouandié (* 1914 in Bana, Kamerun; † 15. Januar 1971 in Bafoussam) wurde nach einem aufsehenerregenden Verfahren hingerichtet. Im Jahr 1991 wurde er zusammen mit Ruben Um Nyobè und Félix-Roland Moumié in Kamerun offiziell als „Held der Nation“ anerkannt. Er war ein führender Kopf der kamerunischen Unabhängigkeitsbewegung UPC und ursprünglich Volksschullehrer.
Leben Der ausgebildete Lehrer Ouandié schloss sich früh der UPC an. Als die Unabhängigkeitsbewegung in den 1950er-Jahren verboten und brutal verfolgt wurde, operierten ihre Kader zunehmend aus dem Untergrund. Nach der Ermordung von Félix-Roland Moumié übernahm Ouandié die Führung der UPC im Exil und im Untergrund. Im August 1970 wurde er zusammen mit Bischof Albert Ndongmo verhaftet, was im In- und Ausland große Aufmerksamkeit erregte. Ein Gericht verurteilte ihn zum Tode, und am 15. Januar 1971 wurde er in Bafoussam durch Erschießung hingerichtet. Sein Tod gilt als Schlusspunkt einer lange verdrängten Phase der Unabhängigkeitskriege im Land.
Wirken Ouandié stand als Nachfolger Moumiés für die Verknüpfung von politischer Führung und Organisation des bewaffneten Flügels der UPC im Landesinneren, der als Armée de Libération Nationale Kamerunaise (ALNK) agierte. Zeitzeugenberichte schildern die Härte der Aufstandsbekämpfung und machen die Rolle der UPC-Kader – darunter Ouandié – für die Bevölkerung sichtbar. Die Verhaftung Ouandiés im Jahr 1970 und der anschließende Prozess wurden in der zeitgenössischen Presse als Ausdruck eines autoritären Kurses des Ahidjo-Regimes bewertet. Im Jahr 1991 erfolgte eine offizielle Rehabilitierung, und sein Name wurde seither in die nationale Erinnerungskultur eingebettet. Alljährliche Gedenkfeiern am 15. Januar in Bafoussam unterstreichen seinen Status als Symbolfigur der Unabhängigkeitsbewegung. Zugleich setzte in Frankreich und Kamerun eine öffentliche Aufarbeitung ein: 2023 kündigte der Élysée eine gemischte Historikerkommission zu Kolonialherrschaft und Repression zwischen 1945 und 1971 an. Im Januar 2025 legte die Kommission ihren Bericht vor, welcher die Verantwortung Frankreichs bei der Verfolgung der Unabhängigkeitsbewegung und die Ermordung führender Köpfe beleuchtete. Ebenfalls 2025 löste die abwertende Bezeichnung Ouandiés als „Bandit“ durch einen Politiker eine breite Debatte aus, in der zahlreiche Stimmen seine historische Bedeutung verteidigten. Sein Name erscheint zudem in aktuellen erinnerungspolitischen Debatten und Initiativen, etwa bei Umbenennungsforderungen für Schulen in Douala.
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