Die Straßenbahn Brașov war ein Straßenbahnsystem in der rumänischen Stadt Brașov. Es bestand aus zwei klar getrennten Entwicklungsphasen, das heißt einer Dampfstraßenbahn (1892–1960) und einem elektrischen Betrieb (1987–2006).

Dampfstraßenbahn (1892–1960) mini|Lokomotive der Dampfstraßenbahn beim Einsatz im Raum Budapest Die Stadt Brașov lag bis Ende 1918 in Österreich-Ungarn und zwar im Nordosten des Königreiches Ungarn. Auf ungarisch hieß die Stadt Brassó, auf deutsch Kronstadt.

1882 berichtete der Pester Lloyd, dem Grafen Julius SchweinitzEs handelte sich dabei um Julius Graf Schweinitz und Krain, siehe https://www.digital.wienbibliothek.at/name/view/5384540 wäre die Konzession für die Vornahme von Vorarbeiten für eine Straßenbahnlinie in Kronstadt erteilt worden. Das Neuigkeits-Welt-Blatt berichtete fast wortgleich. In der gleichen Zeitung war 1885 zu lesen, dass die Vorkonzession an Josef Wiedermann erteilt worden war, Die Presse berichtete gleichlautend.

Die 17 Kilometer lange Strecke wurde zwischen 1891 und 1892 errichtet und im Jahr 1892 eröffnet. Sie verband Bartolomeu (Brașovechi) mit Satulung, heute Teil der Stadt Săcele.

mini|links|Dampfstraßenbahn auf der Piața Sfatului (um 1900)

Beim Bau der Strecke musste 1891 die Zolltor-Pforte am Eingang in die historische Altstadt abgetragen werden, da die Dampflokomotiven nicht darunter hindurch passten. Die Strecke begann an der Station Bartolomeu-Bahnhof, führte über die Straße Lungă zum Piața Sfatului und weiter über die Straße Vămii (heute Mureșenilor) zur Station Promenadă bei der Stadtverwaltung. Von dort aus verlief sie über Blumăna weiter Richtung Baciu, Turcheș, Cernatu bis nach Satulung.Șuluțiu, Octav: Brașov, Fundația pentru Literatură și Artă „Regele Carol II“, Bukarest 1937, S. 129.

Außerhalb des Stadtgebiets fungierte die Strecke wie eine Lokalbahn mit Bahnhöfen; in der Stadt verkehrte sie straßenbahnähnlich. Die Geschwindigkeit war auf 10 km/h im Stadtgebiet und 20 km/h außerhalb begrenzt. An Markttagen durften Züge im Stadtgebiet erst nach 15:00 Uhr verkehren. Die Dampfpfeife durfte nur im Notfall verwendet werden, ansonsten wurde mit einer Glocke gewarnt.

Dieser erste Straßenbahnbetrieb in Brașov wurde von der Brassó Városi Vasút rt (Kronstädter Stadtbahn AG) geführt und war die erste mechanisierte Straßenbahn auf dem Gebiet des heutigen Rumäniens. Neben Personen wurden auch Güter transportiert. Die Bahn erschloss zahlreiche Industriebetriebe im Osten der Stadt und führte zu umfangreichen Stadtentwicklungsmaßnahmen. mini|Dampftriebwagen in der Innenstadt In Jahr 1903 wurden von Ganz in Budapest zwei dreiachsige Dampftriebwagen geliefert.

Die Fahrzeuge wurden später gelb lackiert – daher die Bezeichnung „gelbe Tram“. Parallel zum Dampfbetrieb verkehrten auch benzol- bzw. dieselbetriebene Triebwagen.

Die Illustrierte Kronen-Zeitung berichtete 1907 über einen Verkehrsunfall mit einem Motorwagen. Im Jahr 1908 veröffentlichte Das Vaterland einen Kurzbericht über einen Dynamit-Anschlag auf die Straßenbahn.

Ein Beschluss zur Umstellung auf elektrischen Bereich wurde 1909 in Elektrotechnik und Maschinenbau erwähnt. – die Umstellung fand aber nie statt. Im Jahr 1932 wurde einer der Dampftriebwagen auf Dieselantrieb umgebaut.

Zwischen 1922 und 1938 wurde die Strecke mehrfach verkürzt. Ab 1932 begann der kommunale Autobusbetrieb, der rasch beliebt wurde. Der verbliebene Lokalbahnabschnitt wurde noch bis 1960, vor allem für Pendler zur Industriezone, genutzt und dann eingestellt.

Elektrische Straßenbahn (1987–2006) Der zweite Brașover Straßenbahnbetrieb wurde am 23. August 1987 eröffnet. Er bestand aus einer einzigen, inklusive Betriebsstrecke zum Depot, 8,2 Kilometer langen, zweigleisigen und durchgehend im Straßenraum verlegten Strecke. Diese wurde von der 6,86 Kilometer langen Durchmesserlinie 101 befahren, die das ehemalige Rulmentul-Werk über die Innenstadt mit dem Bulevardul Saturn verband und dabei – je nach Fahrtrichtung – 14 beziehungsweise 15 Haltestellen bediente.

Der Betrieb wurde am 17. November 2006 eingestellt und durch die Trolleybus-Linie 8 ersetzt.

Linien Dampfstraßenbahn (1892–1960) 1892–1922: Bartolomeu – Piața Sfatului – Promenadă – Fabrica Schiel – Noua – Dârste – Baciu – Turcheș – Cernatu – Satulung 1922–1933: Bartolomeu – Promenadă – Fabrica Schiel – Noua – Dârste – Baciu – Turcheș – Cernatu – Satulung 1933–1938: Promenadă – Fabrica Schiel – Noua – Dârste – Baciu – Turcheș – Cernatu – Satulung 1938–1960: Fabrica Schiel (Strungul) – Noua – Dârste – Baciu – Turcheș – Cernatu – Satulung

Elektrische Straßenbahn (1987–2006) 101: Rulmentul – Strada 13 Decembrie – Bulevardul Gării – Bulevardul Alexandru Vlahută – Bulevardul Saturn

Fahrzeuge HerstellerTypHerkunftEinsatzjahreAnzahlBetriebsnummern125pxUzina de Reparații Atelierele CentraleV3A –1987–2006161–8, 13–20125pxUzina de Reparații Atelierele CentraleV2A –1988–200649–12Waggonfabrik Josef Rathgeber M5.65 Straßenbahn München1997–20031221–32Waggonfabrik Josef Rathgeberm5.65 Straßenbahn München1997–20031221–32125pxWaggonfabrik UerdingenMStraßenbahn Frankfurt am Main2000–20061033–42125pxČKD Tatra T4D Straßenbahn Leipzig2002–20061243–54ČKD TatraB4D Straßenbahn Leipzig2002–200661, 3, 4, 6, 11, 12

Literatur

Hilohi, Gruia; Daneș, Alexandru; Andras, Jonas: Calea ferată suburbană Brașov – Satulung. Brassó-Hosszúfalusi Kózúti Vasút. Brașov 2019, 282 S.

Weblinks

Lokstatistik von Josef Pospichal/Brassó - Haromszek (BHHEV) Lokstatistik von Josef Pospichal/Brașov, Fahrzeuge aus dem Ausland Offizielle Website von RATBV

Anmerkungen

Einzelnachweise

Kategorie:Straßenbahnsystem (Rumänien) Kategorie:Brașov Kategorie:Verkehr (Kreis Brașov) Kategorie:Erbaut in den 1890er Jahren