mini|Marneschlacht 1914 Die Schlacht am Grand und Petit Morin (französisch: Bataille des Deux Morins) war eine Auseinandersetzung im Ersten Weltkrieg vom 6. bis 9. September 1914 und wichtigster Teil der Schlacht an der Marne. Die zurückgegangenen Streitkräfte der französischen 5. Armee und des British Expeditionary Force rückten infolge einer ab 6. September eingeleiteten Gegenoffensive gegenüber der deutschen 1. und 2. Armee wieder vor. In der Folge drängten die britischen Truppen den bereits zum Ourcq wechselnden deutschen Truppen ab 8. September durch eine breite Frontlücke erfolgreich nach und die französische 5. Armee konnte die deutsche 2. Armee erfolgreich flankieren. Angesichts dieser Manöver ging die Verbindung zwischen der deutschen 1. und 2. Armee vollständig verloren. Letzterer Großverband musste den rechten Flügel zusätzlich durch eine Hakenstellung vor Umfassung schützen. Die erfolgreichen Manöver der Entente-Truppen hatten den Rückzug aller zwischen Paris und Verdun stehenden deutschen Armeen zur Folge.

Vorgeschichte mini|Karl von Bülow

Am 2. September 1914 gab Generaloberst Karl von Bülow den Befehl zur weiteren Verfolgung über die Marne. Die Vorhut der 2. Armee – das Gardekorps und X. Armee-Korps – hatten die Vesle bei Jonchery und Fismes überquert, die deutschen Truppen blieben der französischen 5. Armee (General Charles Lanrezac) dicht auf den Fersen. Vom 23. August bis 5. September legten die deutschen Verbände 350 km zurück, das entsprach einer täglichen Marschleistung von 25 km. Der rechte Flügel (IX. A.K. unter General der Infanterie Ferdinand von Quast) der deutschen 1. Armee besetzte Oulchy-le-Château mit der 17. Infanterie-Division und Château-Thierry mit der 18. Infanterie-Division. Die Truppen des Garde-Korps sollten die Kapitulation von Reims erwirken und diese gegebenenfalls durch Bombardierung erzwingen.

Am Abend konnte die zwischen der Vesle und der Marne operierende französische 5. Armee rechts mit der 37. Brigade die Verbindung zur Armeeabteilung Foch und links mit der 4. Kavallerie-Division (Kavalleriekorps Conneau) mit der englischen Armee die Verbindung herstellen. Die 8. und 10. Kavallerie-Division waren damit beschäftigt, sich bei Montmirail neu zu gruppieren. Um 23 Uhr ordnete General Lanrezac seine Front neu: Das 18. Corps hatte den Westflügel der 5. Armee anstelle der Gruppe der Reservedivisionen zu bilden, die bisher zwischen dem 18. und 3. Corps eingesetzt waren.

Am Morgen des 3. September drangen Truppen der deutschen 1. Armee bei Château-Thierry, Chézy und Nogent-l’Artaud über die Marne vor. Das französische 18. Corps (General de Mas Latrie) setzte sich am frühen Morgen über den Fluss ab, die 35. Division (General Marjoulet) bei Dormans, die 36. (General Jouannic) bei Tréloup, die 38. (General Muteau) bei Jauglonne, die drei Divisionen zogen sich jeweils auf Courboin, Condé und Pargny zurück. Das 3. Corps überquerte den Fluss mit der 5. Division (General Mangin) bei Binson, mit der die 37. (General Comby) und 6. Division (General Pétain) bei Venteuil. Das 1. Corps ging mit der 1. Division (General Gallet) bei Reuil und mit der 2. Division (General Deligny) bei Damery über die Marne zurück. Das 10. Corps (General Defforges) deckte bis zuletzt in der Region Épernay. Zwischen dem 18. Corps, das bis Dhuisy positioniert war und dem Kavalleriekorps Conneau, das sich in Richtung Rebais zurückzog, öffnete sich eine Lücke von 25 km. Um 17 Uhr wurde auf Befehl des französischen Oberkommandierenden Joffre General Lanrezac durch den bisherigen Führer des 1. Corps, General Franchet d’Esperey ersetzt.

Das Hauptquartier der deutschen 2. Armee wurde von Fismes nach Fère-en-Tardenois vorverlegt. Das linke Flügelkorps der 1. Armee – das IX. Armee-Korps – marschierte in Richtung Südosten, so dass ihre Vorhuten die Vormarschroute des rechten Flügel der 2. Armee kreuzten, wodurch das VII. Armee-Korps zu einer Schwenkung nach Südosten gezwungen war. Das deutsche IX. Armee-Korps drang in ein von Truppen entblößtes Gelände vor; die Verfolgung durch das III. Armee-Korps wurde bis zur Marne in Richtung Château-Thierry-Binson energisch fortgesetzt. Das VII. Armeekorps erreichte Pargny-la-Dhuis und Verdon. das X. Reserve-Korps Le Breuil. Das X. Armee-Korps erreichte Mareuil-en-Brie und Saint-Martin-d’Ablois und das Gardekorps stand bereits südlich der Marne bei Epernay.

Die Deutschen drangen am 4. September bei Nogent-l'Artaud, Chézy und Château-Thierry über die Marne vor. Für General Joffre war es im Zuge seiner geplanten Gegenoffensive notwendig, den Abzug des linken Flügel der 5. Armee zu verschleiern. Diese Aufgabe wurde General Louis Conneau übertragen, dessen Kavallerie die Region Provins noch vor Tagesanbruch verließ, um den deutschen Vormarsch auf den Straßen von Nogent-l'Artaud und Château-Thierry zu verzögern. Franchet d'Esperey und der britische General Wilson trafen sich in Bray und besprachen die Maßnahmen für den von Joffre geplanten Gegenangriff. General Conneau gab den Befehl, die Petit Morin von Verdelot bis Montmirail zu verteidigen. Das 18. Corps erreichte ihre Quartiere zwischen Montolivet, Tréfols und Le Vézier, das 3. Corps die Region Vauchamps, Fromentières und Janvillers. Das 1. Corps war ab 17 Uhr in der Region Bannay – Braye und das 10. Corps in der Region Étoges – Congy verankert, beide Korps standen nicht mehr in Kontakt mit der deutschen Armee, was Vorteile für die geplante Gegenoffensive bot. Um 22 Uhr traf aus Lothringen kommend General de Maud’huy im Hauptquartier von Romilly ein, er hatte General de Mas-Latrie an der Spitze des 18. Corps abzulösen.

Das Hauptquartier der deutschen 2. Armee wurde in Dormans eingerichtet, wo es bis zum 5. September blieb und dann nach Montmort wechselte. Generaloberst von Bülow erfuhr, dass Reims von Gardetruppen kampflos besetzt worden war, um 8:30 Uhr trafen neue Anweisungen der Obersten Heeresleitung ein. Die deutsche 1. Armee überschritt am 5. September mit dem IX. und III. A.K. den Grand Morin, den man zwischen Chauffry und Esternay passierte. Die 2. Armee überquerte am Morgen die Marne und erreichte die Linie Champaubert – Étoges – Vertus. Während die Truppen der 1. Armee den Petit Morin nach Süden passierten, bekam Generaloberst von Kluck die Meldung, dass das als Flankenschutz gegen den Festungsbereich von Paris belassene IV. Reserve-Korps überraschend mit kräftemäßigen starken französischen Truppen im Kampf stand. Er musste zum Schutz seiner bedrohten rechten Flanke die Verfolgung über die Marne nach Süden einstellen. Das II. Armee-Korps richtete seine Front sofort südwestlich von Crouy-sur-Ourcq nach Westen um, das IV. Armee-Korps gruppierte sich bei La Ferté-sous-Jouarre und das III. Armee-Korps bei La Ferté-Gaucher nach rechts um. Das IX. Armee-Korps blieb vorerst zum Schutz der Südflanke am Grand Morin und bei Joiselle stehen.

Die englische Armee zog sich noch den ganzen Tag über weiter zurück und befand sich hinter dem Wald von Crécy an der Front Tournan-Ormeaux mit Front nach Norden, anstatt nach Changis-Coulommiers, wie es mit General Wilson vereinbart wurde. Das Kavalleriekorps von General Conneau (4., 8. und 10. Kavalleriedivision) befand sich jetzt im Raum Provins, um an der linken Flanke der 5. Armee die Verbindung zur britischen Armee aufrechtzuerhalten. Das französische 18. Corps passierte Rupéreux, beim 10. Corps wurden zwischen Sézanne, Mœurs-Verdey und Barbonne Schützengräben angelegt.

Beteiligte Streitkräfte Deutsche 1. Armee

IX. Armee-Korps, General der Inf. Ferdinand von Quast 17. Infanterie-Division, Gen.Lt. Arnold von Bauer 18. Infanterie-Division, Gen.Lt. Max von Kluge III. Armee-Korps, General der Inf. Ewald von Lochow 5. Infanterie-Division, Gen.Lt. Georg Wichura 6. Infanterie-Division, Gen.Maj. Richard Herhudt von Rohden Höheres Kavallerie-Kommando 2, General der Kavallerie Georg von der Marwitz 2. Kavallerie-Division, Gen.Maj. Friedrich von Krane 4. Kavallerie-Division, Gen.Lt. Otto von Garnier 9. Kavallerie-Division, Gen.Maj. Eberhard von Schmettow

Deutsche 2. Armee

Höheres Kavallerie-Kommando 1, Gen.Lt. Manfred von Richthofen Garde-Kavallerie-Division, Gen.Maj. Adolf von Storch 5. Kavallerie-Division, Gen.Maj. Karl von Ilsemann VII. Armee-Korps, General der Inf. Karl von Einem 13. Infanterie-Division, Gen.Lt. Kurt von dem Borne 14. Infanterie-Division, Gen.Lt. Paul Fleck X. Reserve-Korps, General der Inf. Johannes von Eben 2. Garde-Reserve-Division, GenLt. Richard von Süsskind 19. Reserve-Division, Gen.Lt. Max Bahrfeldt X. Armee-Korps, General der Inf. Otto von Emmich 19. Infanterie-Division, Gen.Lt. Max Hofmann 20. Infanterie-Division, Gen.Lt. Alwin Schmundt

British Expeditionary Force, Feldmarschall Sir John French

III. Corps, Generalleutnant William Pulteney 19. Brigade, Brigadegeneral Frederick Gordon 5. Kavallerie-Brigade, Brigadegeneral Philip Chetwode 4. Division, Generalmajor Thomas D’Oyly Snow II. Corps, Generalleutnant Horace Smith-Dorrien 5. Division, Generalmajor Charles Fergusson 3. Division, Generalmajor Hubert Hamilton I. Corps, Generalleutnant Douglas Haig 1. Division, Generalmajor Samuel Lomax 2. Division, Generalmajor Charles Monro 1. Kavallerie-Division, Generalleutnant Edmund H. Allenby 1. Kavallerie-Brigade, Brigadegeneral Charles James Briggs 2. Kavallerie-Brigade, Generalmajor Henry de Beauvoir De Lisle 3. Kavallerie-Brigade, Generalmajor Sir Hubert Gough 4. Kavallerie-Brigade, Brigadegeneral Cecil Edward Bingham

Französische 5. Armee

Corps de cavalerie Conneau, General Louis Conneau 4. Kavallerie-Division, General Pierre Abonneau 8. Kavallerie-Division, General Albert Baratier 10. Kavallerie-Division, General Camille Barthélémy Grellet 18. Corps General Louis Ernest de Maud’huy 35. Division, General Francois Marjoulet 36. Division, General Théophile Jouannic 38. Division, General Paul Muteau (interim Alfred Schwarz) 1. Corps, General Henry Victor Deligny 1. Division, General Marie Alexandre Gallet 2. Division, Oberst Noël Garnier-Duplessix 3. Corps, General Emile Hache 5. Division, General Charles Mangin 6. Division, General Philippe Petain 37. Division, General Louis Comby 4. Reservegruppe, General Mardochée Valabrègue 53. Reserve-Division, General Georges Perruchon, ab 8. September General Felix-Albert Journée 69. Reserve-Division, General Henri Nicolas Le Gros, ab 8. Sept. Henri Marie Néraud 10. Corps, General Gilbert Defforges 51. Reserve-Division, General René Boutegourd 19. Division, General Henry Bailly 20. Division, General Alphons Charles Ménissier, ab 5. September Martial Adolphe Rogerie

Der französische Gegenangriff 5. September miniatur|Louis Félix Marie Franchet d’Espèrey Am 5. September abends beendete die französische 5. Armee ihren Rückzug auf der Linie Provins – Courtacon – Esternay – Sézanne, gleichzeitig vollzog die BEF auf Befehl des Feldmarschalls French einen Frontwechsel in Richtung Osten auf Changis – Coulommiers. Die linke Flanke zur französischen 6. Armee wurde jetzt durch die aus dem Osten herangeführte 8. Division gesichert, welche den Befehl hatte, am folgenden Tag bis zur Ourcq-Linie vorzurücken. Um 18:30 wurde der Angriffsbefehl von Franchet d'Esperey an seine Corps übertragen:

„Morgen, am 6. September wird die 5. Armee die deutsche 1. Armee angreifen, während die Englische Armee und die 6. Armee sie von der Flanke her angreifen werden. Die Verbindung zur englischen Armee wird durch das Kavalleriekorps Conneau sichergestellt, das gleichzeitig den linken Teil der Armee deckt. Die Verbindung mit der Armee des Generals Foch wird durch die 10. Corps sichergestellt, das mit 9. Armee die in enger Zusammenarbeit auf Sézanne operieren wird. Der Schwerpunkt des Angriffes liegt beim 1., 3. und 18. Corps direkt nach Norden, deren Verbände nach rechts vorne gestaffelt angreifen“.