Die Geschichte von Alsfeld ist die Geschichte der Entwicklung seit der Blütezeit Alsfelds.

Die älteste schriftliche Erwähnung von Alsfeld erfolgte unter dem Namen Adelesfelt im Jahr 1069.Tilman Struve, Gerhard Lubich, Dirk Jäckel (Bearb.): Regesta Imperii, Teil 3: Salisches Haus: 1024–1125, Abt. 3: Die Regesten des Kaiserreiches unter Heinrich IV.: 1056–1106, 2. Lieferung: 1065–1075. Böhlau, Wien 2010, ISBN 978-3-412-20531-7, S. 72 f., Urkunde Nr. 512. Das Historische Ortslexikon für Hessen hingegen gibt an, dass die erste Erwähnung (unter dem Namen Adelsfelt), bei der gewiss ist, dass Alsfeld gemeint ist, im Jahr 1222 erfolgte.

Stadtname mini|hochkant=2|Alsfeld – Auszug aus der Topographia Hassiae von Matthäus Merian 1655

Zur Herkunft des Stadtnamens gibt es einige anekdotenhafte Erzählungen. So soll um das Jahr 1200 der Landgraf von Thüringen einen Ausritt über den Vogelsberg gemacht haben. Auf dem Homberg (einem Hügel nahe Alsfeld) angekommen, blies dort ein starker Wind. So sagte dieser: „Als fällt mir der Hut vom Kopp.“ („Als“: oberhessisch für „immerfort“.) Aus „als fällt“ wurde dann Alsfeld. Der Ortsname bedeutet aber: „Siedlung auf dem Felde des Athal“.Lutz Reichardt: Die Siedlungsnamen der Kreise Gießen, Alsfeld und Lauterbach in Hessen. Namenbuch. Dissertation. Göppingen 1973. S. 25–27, hier: S. 26. Er lässt sich auf den althochdeutschen Personennamen „Adalo“ zurückführen.Dieter Berger: Geographische Namen in Deutschland. (= Duden Taschenbücher. Band 25.) 2. Auflage. Mannheim 1999, S. 38. 1076 wird der Ort Adelesfelt genannt. Das Grundwort „feld“ beruht auf dem mhd. velt, was „waldfreies, relativ ebenes, für den Ackerbau geeignetes Gelände“ bedeutet.Friedrich Kluge: Etymologisches Wörterbuch der deutschen Sprache. 20. Auflage Berlin 1967. bearbeitet von Walther Mitzka. S. 191.

Weitere dokumentierte Erwähnungen des Ortsnamens sind: Adelsfelt (1222), Alesvelt (1232), Ailesuelt (1233), Agilsvelt (1249), Alsfelt (1250), Allysfelt (1302), Elsfeldia (1303) und Alsfeltd, Alsfeldia (1319).

Mittelalter Ausgrabungen in der Walpurgiskirche ergaben, dass sich an dieser Stelle schon im 9. bzw. 10. Jahrhundert eine romanische Kirche befunden hatte. Somit entstand der Ort vermutlich in der Zeit der Karolinger. Zwischen 1180 und 1190 bauten die Landgrafen von Thüringen hier an der Handelsstraße der Kurzen Hessen eine Burg.Herbert Jäkel: Die politische und territoriale Entwicklung des Landkreises Alsfeld. In: Mitteilungen des Geschichts- und Altertumsvereins der Stadt Alsfeld. Reihe 9, S. 185–213, S. 269–287: Reihe 10, S. 173–218. Alsfeld 1959–1969. Diese Lage begünstigte die Entwicklung, so dass Alsfeld ab 1222 als Stadt bezeugt ist.

Ab 1247 gehörte Alsfeld zur Landgrafschaft Hessen. Im Jahre 1254 trat die Stadt dem Rheinischen Städtebund bei. Hermann II. baute sich hier 1395 ein Schloss, und die Stadt wurde somit Residenzstadt.

Reformation, Übergang zu Hessen-Marburg Schon früh schloss sich Alsfeld der Reformation an. Auf der Hin- und Rückreise nach Worms hatte Martin Luther hier Quartier genommen. Der Augustinermönch Tilemann Schnabel, ein Freund Luthers, nahm bereits 1522 seine Tätigkeit im Sinne der neuen Lehre in Alsfeld auf. Doch dies zog zunächst noch keinen Beschluss des Stadtrates nach sich, sich der Reformation anzuschließen. Alsfeld war insofern nicht die erste hessische Stadt, die lutherisch wurde, wie es in älteren Darstellungen heißt (und daran anschließend gelegentlich noch immer kolportiert wird).So etwa bei Richard Froning (Hrsg.): Das Drama des Mittelalters. (= Deutsche National-Literatur. Band 14.) Deutsche Verlags-Gesellschaft, Stuttgart 1891, Band 2, S. 552. Mit einer Predigt von der Stadtmauer herab zog sich Tilemann Schnabel die Ungnade des Landgrafen zu, musste die Stadt verlassen und konnte nach dem Votum der Bürgerschaft 1525 wieder zurückkehren.Georg Wilhelm Sante (Hrsg.): Handbuch der historischen Stätten Deutschlands. Band 4: Hessen (= Kröners Taschenausgabe. Band 274). 3., überarbeitete Auflage. Kröner, Stuttgart 1976, ISBN 3-520-27403-5, S. 3. Mit dem darauf folgenden Übergang der Stadt zur Reformation endete auch die Tradition des Alsfelder Passionsspiels, das auf dem Marktplatz aufgeführt wurde.Alwin Michael Rueffer: Die Alsfelder Passion 1517. (Übertragung des mitteldeutschen Textes von Rudolf Hagelstange) Langewiesche, Königstein im Taunus 1978, ISBN 3-7845-6015-6, S. 3.

Seit 1567 gehörte die Stadt zu Hessen-Marburg und ab 1604 zur Landgrafschaft Hessen-Darmstadt.

Historische Wasserversorgung Unter den Einheimischen gilt die Versorgung mit Straßenreinigungs- und Feuerlöschwasser als Besonderheit: Der Liederbach (einheimisch: Lerrebach) wurde viele Jahrhunderte lang am heutigen Bahnhofsgelände aufgestaut. Im Regelfall floss der Bach dann von dort über den Ludwigsplatz in die Obergasse. Das natürliche Gefälle geschickt ausnutzend, erhielt der Bach Abzweigungen in andere Gassen. Deren Verlauf in Pflasterrinnen folgte der sich schwächende Bach, um dann beim Fulder Tor zur Schwalm hin die Stadtmauern wieder zu verlassen. Bei Bedarf wurden die Sperren des Liedenteichs gezogen, so dass eine größere Wassermenge verfügbar war.

Mit Trinkwasser versorgten sich die Einwohner über Brunnen im Haus: Es soll jedes Haus in der Kernstadt einen eigenen Brunnen gehabt haben. In zwei Gaststätten in Marktnähe sind noch heute die Hausbrunnen zu besichtigen (vgl. „Gerichtsglocke“ der Walpurgiskirche).

Gerichte seit 1803 In der Landgrafschaft Hessen-Darmstadt wurde mit Ausführungsverordnung vom 9. Dezember 1803 das Gerichtswesen neu organisiert. Für die Provinz Oberhessen wurde das Hofgericht Gießen als Gericht der zweiten Instanz eingerichtet. Die Rechtsprechung der ersten Instanz wurde durch die Ämter bzw. Standesherren vorgenommen. Nach der Gründung des Großherzogtums Hessen 1806 wurden die Aufgaben der ersten Instanz 1821 im Rahmen der Trennung von Rechtsprechung und Verwaltung auf die neu geschaffenen Landgerichte übertragen. „Landgericht Alsfeld“ war daher von 1821 bis 1879 die Bezeichnung für das erstinstanzliche Gericht in Alsfeld, das heutige Amtsgericht.

Anlässlich der Einführung des Gerichtsverfassungsgesetzes mit Wirkung vom 1. Oktober 1879, infolge derer die bisherigen großherzoglich hessischen Landgerichte durch Amtsgerichte an gleicher Stelle ersetzt wurden, während die neu geschaffenen Landgerichte nun als Obergerichte fungierten, kam es zur Umbenennung in Amtsgericht Alsfeld und Zuteilung zum Bezirk des Landgerichts Gießen.

Die Statistisch-topographisch-historische Beschreibung des Großherzogthums Hessen berichtet 1830 über Alsfeld:

Wiege des Denkmalschutzes in der Jahrhundertwende Während überall in Deutschland der Abriss jahrhundertealter Gebäude zugunsten historistischer Neubauten in der Gründerzeit eine Selbstverständlichkeit darstellte, führte dies in Alsfeld zu heftiger Kritik. Begünstigt wurde dies durch mehrere Skandale: Der Abbruch der vier historischen Stadttore und der Stadtmauer entpuppte sich als Aktion zur Bereicherung am Abbruchmaterial, 1825 wurden Beamte und der Bürgermeister überführt und zu Gefängnisstrafen verurteilt. Am 3. Dezember 1878 beschloss der Stadtrat den Abriss des baufälligen Rathauses, eine Umsetzung scheiterte am Widerstand der Bevölkerung und hatte dessen Restaurierung zur Folge. 1883–1885 wurde das Gasthaus „Zum Schwanen“ am Markt abgerissen und durch ein gleichnamiges Hotel im neugotischen Stil ersetzt, eine Bausünde jener Zeit. Am 8. August 1900 wurde das „Ortsbau-Statut“ erlassen, das fortan den Umgang mit Bauten und die Errichtung von Neubauten regelte, und 1902 um das Denkmalschutzgesetz ergänzt. 1897 wurde der Geschichts- und Museumsverein gegründet, 1905 das Stadtarchiv.

20. Jahrhundert Anfang des 20. Jahrhunderts wurden der Bahnhof und die neue Synagoge errichtet. Aufgrund des historischen Bewusstseins wurden Fachwerkhäuser saniert und Fachwerk freigelegt, ebenso der Putz am Weinhaus entfernt, eine Rekonstruktion des alten Fenster wie vom Denkmalschutz gewünscht blieb aus.

Die NSDAP erzielte in Alsfeld bereits 1930 Erfolge. So erhielt sie bei der Reichstagswahl 1930 bereits 33,5 %,Udo Engbring-Romang, Adam Strauss: Die Verfolgung der Sinti und Roma in Hessen zwischen 1870 und 1950, Brandes & Apsel, 2001, S. 129. in der Wahl von 1932 gar ein „Rekordergebnis“ von 66,3 %.Svenja Ostrowski: Der Aufstieg der NSDAP in der Weimarer Republik. Sus der Perspektive Politische Bildung im Rahmen Sozialer Arbeit, Hamburg 2012, S. 59. Die Nazizeit führte zur Vertreibung oder Ermordung der Juden und der Zerstörung der Synagoge. Nach der Reichskristallnacht bargen Bürger rituelle Gegenstände der Synagoge und versteckten diese im Museum. Bombenziel war der strategisch wichtige Bahnhof, aufgrund einer Verwechselung wurden statt der Bahnanlagen jedoch Privathäuser in der Nähe der Bahnlinie zerstört.

Die Pionierleistungen im Denkmalschutz fand nach 1945 ihre Fortsetzung, zwischen 1947 und 1974 wurden 57 Fachwerkhäuser freigelegt und 65 saniert. 1963 beschlossen die Stadtverordneten eine neue Ortssatzung. Darin heißt es: Der historische Stadtkern der Kreisstadt Alsfeld ist ein vortreffliches Denkmal der Baukunst des Mittelalters und der Renaissance, das ein glückliches Geschick bis in unsere Zeit überliefert hat. Die Erhaltung und Pflege des alten Stadtbildes ist daher eine besondere Verpflichtung der städtischen Körperschaften. Wenngleich über 400 historische Gebäude alleine in der Altstadt erhalten sind, wurde das Scheunenviertel abgerissen, da man keinen Bedarf in der Erhaltung der Scheunen sah und Parkplätze schaffen wollte. 1975 wurde Alsfeld durch den Europarat zur „Europäischen Modellstadt“ erklärt.

Zum Gedenken an diejenigen Opfer des Nationalsozialismus, die in Alsfeld wohnten, verlegte Gunter Demnig am 24. Oktober 2009 die ersten 16 Stolpersteine in Alsfeld. Je 13 weitere Stolpersteine folgten am 7. September 2010 und am 28. September 2011.

Zu den großen Feierlichkeiten gehörten 1961 der 1. Hessentag überhaupt, ebenso der 25. Hessentag im Jahr 1985, weiterhin die 750-Jahr-Feier 1972 und die 800-Jahr-Feier 2022.

Eingemeindungen Altenburg gehört bereits seit dem 1. Dezember 1969 zu Alsfeld. Am 31. Dezember 1971 wurden, im Zuge der Gebietsreform in Hessen, die bis dahin eigenständigen Gemeinden Angenrod, Billertshausen, Eifa, Elbenrod, Eudorf, Fischbach, Heidelbach, Leusel, Münch-Leusel, Reibertenrod und Schwabenrod auf freiwilliger Basis eingegliedert. Berfa, Hattendorf, Liederbach und Lingelbach kamen kraft Landesgesetz am 1. August 1972 hinzu. Für alle Stadtteil von Alsfeld wurden Ortsbezirke mit Ortsbeirat und Ortsvorsteher nach der Hessischen Gemeindeordnung eingerichtet.

Landkreis Alsfeld Im Großherzogtum Hessen bestand von 1821 bis 1832 der Landratsbezirk Alsfeld. Von 1832 bis 1972 (mit einer kurzen Unterbrechung nach der Märzrevolution, siehe Regierungsbezirk Alsfeld) war Alsfeld Sitz des gleichnamigen Landkreises, der bei der hessischen Gebietsreform 1972 mit dem Landkreis Lauterbach und Teilen des Landkreises Schotten zum Vogelsbergkreis zusammengeschlossen wurde.

Die Entscheidung des hessischen Innenministeriums, das zentraler gelegene Lauterbach zur Kreisstadt zu bestimmen, führte seinerzeit zu einiger Verbitterung in Alsfeld, die das Verhältnis zu Lauterbach über Jahre hinweg belastete. Aufgrund der Proteste im Alsfelder Raum teilte zum Beispiel die Kraftfahrzeug-Zulassungsstelle Alsfeld zwischen 1972 und 1978 nicht das ursprünglich vorgesehene Kennzeichen LAT (Lauterbach), sondern weiterhin Nummernschilder mit dem Kürzel ALS zu, bis 1978 VB als Autokennzeichen des Vogelsbergkreises festgelegt wurde.

Verwaltungsgeschichte im Überblick Die folgende Liste zeigt die Staaten und deren Verwaltungseinheiten,Bis zur Trennung der Rechtsprechung von der Verwaltung waren die Ämter und frühen Gerichte sowohl Gericht als auch Verwaltungsorgan. denen Alsfeld angehört(e):

vor 1567: Heiliges Römisches Reich, Landgrafschaft Hessen