Die Gewalt der Hunde, Originaltitel The Power of the Dog, ist ein Roman des US-amerikanischen Schriftstellers Thomas Savage aus dem Jahr 1967. Die Geschichte um die Brüder Phil und George Burbank, die auf einer Ranch in Montana leben und deren Alltag durch die plötzliche Heirat Georges aus den Fugen gerät, gilt als bestes Werk des Schriftstellers. Im Jahr 2021 wurde der Roman durch Jane Campion verfilmt und erschien in deutschsprachiger Erstausgabe. mini|hochkant|Titelblatt der US-amerikanischen Erstausgabe aus dem Jahr 1967

Inhalt Handlung mini|Nahe Horse Prairie, Beaverhead County, Montana, Schauplatz von Die Gewalt der Hunde Montana, im Herbst 1924: Seit 25 Jahren treiben die Brüder Phil und George Burbank, gemeinsame Inhaber einer Ranch, im Herbst große Mengen Vieh zu den Viehhöfen von Beech, wo die Tiere verkauft werden. Beide wohlhabenden, aber einfach lebenden Brüder sind grundverschieden: Der schlanke und große Phil, zwei Jahre älter als George, hat an der Universität studiert, ist intelligent und an Literatur und Handwerk interessiert, jedoch auch scharfzüngig und latent menschenfeindlich: Er liebt es, Menschen aufzuziehen und ihre Schwächen schonungslos aufzudecken. Seinen Bruder nennt er in der Regel „Fatso“, den kulturellen und industriellen Fortschritt lehnt er ab. Der stämmige George hingegen brach das Studium ab, hat wenig Hobbys und Humor, ist eher wortkarg und bodenständig und steht Neuem aufgeschlossen gegenüber. Jahrelang haben beide Brüder eng auf der großen Farm, die ihnen zu gleichen Teilen gehört, zusammengearbeitet und sich sogar ein Schlafzimmer geteilt.

In Beech kehren die Brüder im Herbst 1924 nach dem Viehtreiben in Rose Gordons Wirtshaus The Red Mill ein. Rose ist Witwe, nachdem ihr Mann Johnny, der als Allgemeinmediziner in Beech und Umgebung tätig war, nach einer demütigenden Auseinandersetzung mit einem Rancher die Scham nicht überwinden konnte und sich das Leben nahm. Neben Rose, die früher als Pianistin bei Stummfilmaufführungen gearbeitet hat, ließ er auch den gemeinsamen Sohn Peter zurück. Peter ist ein hochintelligenter Junge, der jedoch schwächlich und häufig krank ist und als Außenseiter oft verspottet wird. Phil verachtet den Jungen, den er als weibisches Weichei („sissy“) bezeichnet, und lehnt Rose ebenfalls ab. Die weiß nicht, dass Phil der Rancher war, der mit Johnny einst in Streit geriet und damit indirekt auch für Johnnys Tod mitverantwortlich ist. In der Red Mill zieht Phil Peter nun wegen seiner selbstgebastelten Papierblumen auf, was Rose zum Weinen bringt. George kehrt in den Folgewochen immer wieder nach Beech zurück und trifft sich mit Rose, die er schließlich bittet, seine Frau zu werden. Als Phil erkennt, das George sich mit Rose trifft, versucht er, eine Verbindung zu verhindern, nur um entsetzt erkennen zu müssen, dass beide bereits heimlich geheiratet haben.

Nach der Heirat von George und Rose in Herndon, 25 Meilen nördlich von Beech, kehren beide auf die Ranch zurück, wo Phil Rose sehr kalt empfängt. Peter bleibt in Herndon, wo er zur Schule geht und ein Zimmer zur Untermiete bezieht. Auch Monate später, inzwischen ist der Februar 1925 angebrochen, ist Peter der Ranch ferngeblieben. Der Kontakt zur Mutter besteht, weil sie ihn jede Woche in Herndon besucht. Gelegentlich wird sie von George begleitet. Eines Tages trifft George in Herndon auf den Gouverneur und lädt ihn und seine Frau spontan zum Essen ein. Rose soll beiden auf dem Klavier vorspielen; George kauft ihr ein Klavier und Rose beginnt zu üben, nur um von Phil, der ein musikalisches Gehör hat und sehr gut Banjo spielt, immer wieder indirekt auf ihr geringes Können hingewiesen zu werden. Der Besuch des Gouverneurs und seiner Frau ist kein großer Erfolg: Phil bleibt dem Treffen unangekündigt fern, nachdem sein Bruder ihn darauf hingewiesen hat, sich für den Besuch ordentlich zu kleiden, und Rose versagt beim Klavierspiel, als sie die Noten eines Liedes vergisst. Der Gouverneur und seine Frau sind sich bei der Heimreise einig, dass Rose nicht lange auf der Ranch bleiben wird.

Im Frühjahr 1925 werden die Jungbullen kastriert – eine Arbeit, die wie immer Phil vornimmt – und anschließend mit weiterem Vieh in die Berge getrieben. Peter kommt nach Ende des Schuljahres auf die Ranch und wird Phil ein ständiger Dorn im Auge: George überlässt Peter sein Bücherregal, das seit Urzeiten in Phils und Georges gemeinsamem Schlafzimmer stand, und Phils geheimer Badeort in der Natur, in dem er sich einmal im Monat wäscht und der nur ihm und George bekannt ist, wird von Peter ausfindig gemacht; der Junge sieht Phil dabei nackt. Auch Rose zieht erneut den Zorn Phils auf sich, als sie einen Shoshonen mit seinem Sohn auf dem Ranchgrundstück rasten lässt, nachdem Phil beide zuvor in ihrer Reise aufgehalten und zurück zum mehrere Hundert Meilen entfernten Reservat schicken wollte. Der unausgesprochene Hass Phils setzt Rose zu. Sie bekommt immer öfter heftige Kopfschmerzen, die sie heimlich mit Alkohol betäubt. Phil bleibt ihr Alkoholkonsum nicht verborgen. Als Rose ihn endlich um eine Aussprache bittet und wissen will, warum er sie hasst, entgegnet er, dass sie eine „billige kleine Intrigantin“ („cheap little schemer“) und Trinkerin sei. Peter hört das Gespräch mit. Wenig später beginnt die Heuernte, für die Phil mit den Erntehelfern längere Zeit entfernt von der Ranch arbeitet und auch übernachtet. Als George, Rose und Peter die Erntearbeiter besuchen, erkennt Phil, dass Rose weiterhin trinkt und auch, dass Peter mental stärker ist, als er es ihm zugetraut hätte. Er beschließt, Peters Vertrauen zu gewinnen, um ihn von der ohnehin emotional labilen Rose zu entzweien und sie damit in den Selbstmord zu treiben. Er verspricht dem Jungen, der ihn Phil nennen darf, das Lederflechten und Reiten beizubringen, und Peter willigt ein.

Bis Herbst 1925, kurz vor Beginn des neuen Schuljahres, verbringen Phil und Peter mehr Zeit miteinander. Phil arbeitet an einem Seil für Peter, das er aus ungegerbtem Leder flicht, und bringt ihm das Reiten bei. Rose verbringt ihre Zeit beim wahllosen Kleidungskauf in Herndon, wo sie anschreiben lässt, und verfällt immer mehr dem Alkohol. Selten verlässt sie ihr Zimmer, da sie sich beim Gehen abstützen muss, um nicht hinzufallen. Es gelingt ihr, ihren Zustand vor George zu verbergen, doch wächst ihr Grauen vor Phil, der sich an Roses Zustand weidet. Peter verspricht seiner Mutter, dass er dafür sorgen werde, dass sie nie wieder Alkohol anrühren muss. Während Phil und Peter beim Zaunbau sind, verkauft Rose einem fahrenden Händler zum Trocknen aufgehängte Häute, die normalerweise verbrannt werden, die Phil in diesem Jahr aber zum Seilflechten nutzt. Rose ahnt schnell, dass sie einen Fehler gemacht hat. Phil verletzt sich unterdessen beim Pfahlsetzen für die Zäune und hat eine tiefe Wunde an der Hand. Nach ihrer Rückkehr zur Ranch erkennt Phil, dass die Häute fehlen, und wird rasend vor Wut. Peter beruhigt ihn, da er selbst einige Hautstreifen beiseitegelegt hat, da er angeblich wie Phil flechten lernen wollte. Phil ist geschmeichelt und kann so das Seil am Abend in Peters Anwesenheit fertigstellen. Am nächsten Tag erscheint Phil verspätet beim Frühstück. Es geht ihm schlecht und George bringt ihn nach Herndon ins Krankenhaus. Einige Tage später findet Phils Beerdigung statt: Peter hatte lange nach einem Weg gesucht, um Phil loszuwerden und so seine Mutter zu retten. Bereits im Sommer hatte er in einem der Medizinbücher seines Vaters gelesen, dass Milzbranderreger, die in offene Wunden gelangen, tödlich sind. Er häutete daher ein an Milzbrand umgekommenes Rind und schnitt das kontaminierte Leder in Streifen, die er Phil zum Verarbeiten gab. Aufgrund seiner offenen Wunde beim Zaunsetzen hatte Phil keine Überlebenschance – und erkannte im Krankenhaus selbst den Grund seines Zustands und die Aussichtslosigkeit seiner Situation.

Orte mini|Armstead, Montana, Vorbild des Ortes Beech, vor 1909 Burbank Ranch: Die große Burbank Ranch liegt wie andere große Ranches mehrere Meilen westlich von Beech. Beech: Beech ist eine Kleinstadt mit dem Gasthaus The Inn (später The Red Mill) und den Viehhöfen. Als Vorbild diente Savage Armstead in Montana. Herndon: Herndon ist der County Seat und liegt 25 Meilen nördlich von Beech. Als Vorbild diente die Stadt Dillon in Montana. Salt Lake City: In der Hauptstadt von Utah haben Phils und Georges Eltern ihren Rentensitz. Beide Eltern stammen ursprünglich aus Boston.

Personen Phil Burbank: Phil Burbank ist 40 Jahre alt,Thomas Savage: The Power of the Dog. Vintage Books, London 2016, S. 5. groß und dünnThomas Savage: The Power of the Dog. Vintage Books, London 2016, S. 4. und hat tagblaue („day-blue“) Augen. Er besuchte die High School in Salt Lake City und hat an einer Universität in Kalifornien studiert und seinen Abschluss mit AuszeichnungThomas Savage: The Power of the Dog. Vintage Books, London 2016, S. 123. gemacht. Er ist hochintelligent und kreativ, schnitzt und liest viel und ist ein „keen, sharp, inquiring mind – an engaged mind“.Thomas Savage: The Power of the Dog. Vintage Books, London 2016, S. 6. Er spielt das Banjo und kann sehr gut pfeifen.Thomas Savage: The Power of the Dog. Vintage Books, London 2016, S. 8. Er badet nur einmal im Monat, ist ledig („What had love to do with Phil?“Thomas Savage: The Power of the Dog. Vintage Books, London 2016, S. 10.), raucht, trinkt aber kaum und ist nie betrunken. Er lehnt die Industrialisierung und Modernisierung (Autos, Kino) ab. George Burbank: George ist zwei Jahre jünger als Phil und wird als stämmig, humorlos, unerschütterlich und anständig beschrieben.Thomas Savage: The Power of the Dog. Vintage Books, London 2016, S. 1. Er musste das Studium abbrechen, da er mit Englisch Probleme hatte.Thomas Savage: The Power of the Dog. Vintage Books, London 2016, S. 122/123 Er liest und redet wenig und hat nur wenige Hobbys. Im Gegensatz zu Phil badet er wöchentlich und ist der Industrialisierung gegenüber aufgeschlossener („man’s got to go with the times“Thomas Savage: The Power of the Dog. Vintage Books, London 2016, S. 12.). Rose Gordon: Im Herbst 1925 ist Rose 37 Jahre alt.Thomas Savage: The Power of the Dog. Vintage Books, London 2016, S. 259. Rose stammt aus Chicago, wo sie nach Beendigung der High School als Pianistin Stummfilme musikalisch begleitete. Dabei traf sie den Arzt John(ny) Gordon, den sie kurz darauf heiratete. Beide zogen aus der Großstadt nach Beech, wo Johnny im ungenutzten ehemaligen Gasthaus The Inn seine Praxis eröffnete. Rose führte Teile des Inn als Gasthaus mit Übernachtungsmöglichkeit weiter. Johnny erhängt sich einige Zeit, nachdem er von Phil öffentlich bloßgestellt wurde. Dieser hatte Johnnys Sohn Peter öffentlich als „sissy“ beschimpft; Johnny war bei der anschließenden körperlichen Auseinandersetzung mit Phil chancenlos geblieben. Rose führte nach Johnnys Selbstmord The Inn unter dem Namen The Red Mill als Gasthaus weiter, bis sie George kennenlernte und nach der Heirat auf die Ranch zog. Peter Gordon: Das Kind von Rose und Johnny, das nach Roses Vater benannt wurde, zeigte schon früh seine Hochbegabung. Mit vier Jahren konnte Peter lesen, war jedoch seit frühester Kindheit oft krank und ist daher schwächlich. In der Schule gilt er als Außenseiter und wird von Mitschülern, aber auch Bewohnern von Beech, als „sissy“ verspottet. Er lispelt etwas. Sein Wunsch ist es, Arzt zu werden, weswegen er auch die Medizinbibliothek seines Vaters behält. Eines seiner Hobbys ist das Herstellen von Papierblumen. In der Red Mill ist er als Kellner tätig und unter anderem für das Köpfen und Rupfen der Hühner zuständig. Im Sommer 1925 ist er 16 Jahre alt.Thomas Savage: The Power of the Dog. Vintage Books, London 2016, S. 201. Phil hat verschiedene Spitznamen für ihn, die er auch den Rancharbeitern mitteilt, darunter „Miss Nancy“ und „Little Lord Fauntleroy“. Mrs. Lewis: Mrs. Lewis ist Witwe und arbeitet seit vielen Jahren als Köchin bei den Burbanks.