Rubén Dubrovsky (* 9. Oktober 1968 in Buenos Aires, Argentinien) ist ein argentinisch-italienischer Dirigent und Multiinstrumentalist.

Leben Rubén Dubrovsky stammt aus einer Künstlerfamilie. Seine Mutter ist Pianistin und Klavierpädagogin italienischer Herkunft, seine Schwester Irene Dubrovsky ist als Malerin in Mexiko tätig, der Dichter Gabriel Reches ist sein Cousin.

Im Alter von fünf Jahren übersiedelte Rubén Dubrovsky mit seiner Familie nach Budapest, 1978 kehrte sie nach Argentinien zurück. Dort begann er ein Violoncello-Studium am Conservatorio Nacional Superior de Música in Buenos Aires. 1990 zog er nach Deutschland und setzte sein Studium an der Hochschule für Musik Detmold bei Marcio Carneiro fort, das er 1995 abschloss. Anschließend übersiedelte er nach Wien. Weitere künstlerische Impulse erhielt er unter anderem bei Eberhard Feltz (Kammermusik), Mario De Rose (Dirigieren), Eldar Issakadze (Violoncello) und Bernard Greenhouse (Violoncello). Dubrovsky ist als Multiinstrumentalist tätig und spielt neben Violoncello auch Violoncello piccolo sowie Barockgitarre, Colascione und diverse Percussion-Instrumente.

Seit 2021 ist Rubén Dubrovsky Künstlerischer Leiter des Festivals Mittersill/Hohe Tauern, das bewusst die Kultur aus den großen Metropolen in eine naturnahe, persönliche Umgebung vesetzen will. Internationale Künstlerinnen und Künstler treffen dabei auf regionale Traditionen – insbesondere Volkmusik –, wodurch ein Dialog zwischen Hochkultur und lokaler Identität entsteht.

Seit 2023 ist Dubrovsky Chefdirigent am Gärtnerplatztheater in München. Er lebt in Wien und München, ist mit der Geigerin Agnes Stradner verheiratet und spricht Deutsch, Spanisch, Italienisch, Französisch, Englisch und Portugiesisch.

Dirigent Seit 2008 ist Rubén Dubrovsky international als Dirigent tätig. In diesem Jahr debütierte er mit Antonio Vivaldis Orlando furioso an der Oper Bonn und eröffnete im selben Jahr mit Martín y Soler L’arbore di Diana das Teatre Martín i Soler im Palau de les Arts in Valencia. In den folgenden Jahren profilierte er sich mit stilistisch differenzierten Opernproduktionen an bedeutenden Häusern, darunter Claudio Monteverdis L’incoronazione di Poppea an der Semperoper in Dresden, Nicola Porporas Polifemo am Theater an der Wien oder Lullys Atys im Theater Kiel. Weiter Engagements führten ihn unter anderem an das Bolschoi Theater in Moskau, nach Köln, Heidelberg, Darmstadt, St. Gallen, Mannheim sowie an das Staatstheater am Gärtnerplatz in München. Neben Werken von Georg Friedrich Händel und Wolfgang Amadeus Mozart dirigierte er auch Opern von Gioachino Rossini, widmete sich dem Werk Christoph Willibald Glucks und feierte große Erfolge mit Neueinstudierungen von Otto Nicolais Die lustigen Weiber von Windsor, Georges Bizets Carmen und Alexander Borodins Fürst Igor.

Neben seiner Operntätigkeit ist Dubrovsky auch im sinfonischen Bereich aktiv, mit einem Repertoire vom 18. Jahrhundert bis zur Gegenwart. Seine Interpretationen und seine Dirigierpraxis sind dabei geprägt von klanglicher Flexibilität, Transparenz und einem stark dialogischen Musizieren mit den Musikerinnen und Musikern, wodurch ein lebendiger, atmender Ensembleklang entsteht.

Seine stilistische Offenheit ist dabei Ausdruch eines künstlerischen Ansatzes, der musikalische Sprache stets im Kontext ihrer Entstehung und Wirkung begreift.

Seit der Spielzeit 2023/24 ist Dubrovsky Chefdirigent des Staatstheaters am Gärtnerplatz in München, wo er maßgeblich die künstlerische Ausrichtung des Hauses mitgestaltet. Zusätzlich ist er seit 2025 Erster Gastdirigent der Oper Köln.

Ab 2027 übernimmt er an der Seite des Regisseurs Leo Muscato die Musikalische Leitung des Musikfestivals "Cantiere Internazionale d'Arte" in Montepulciano.

Künstlerisches Profil Ein zentrales Merkmal von Dubrovskys musikalischer Identität ist die seiner Meinung nach grundlegende Bedeutung des Rhythmus. Er versteht diesen als prägend für musikalische Ausdrucksformen und als eine Urkomponente der Musik, was wiederum auch seinen Dirigierstil des klassisch-sinfonischen Repertoires beeinflusst, in einer, wie die Fachpresse schreibt "spritzig-vitalen Mischung aus Präzision und tänzerischem Drive".

Dubrovskys Auffassung historischer Ausführungspraxis ist für ihn geprägt von einer praxisnahen und lebendigen Lesart des Notentextes, den er nicht als starre Vorschrift sieht, sondern als Ausgangspunkt musikalischer Realisierung.

Ein weiterer Schwerpunkt seiner Arbeit als Orchesterdirigent ist Musik - Vermittlung im Dialog mit dem Publikum. Dubrovsky setzt auf Moderationen und Konzertformate, die den Zusammenhang zwischen Werk, historischem Kontext und heutiger Wahrnehmung verdeutlichen.

Bach Consort Wien 1999 gründete Rubén Dubrovsky gemeinsam mit Agnes Stradner, Gertraud Wimmer und Stefan Gottfried das Barock-Ensemble Bach Consort Wien. Dieses etablierte sich zu einem historisch-orientierten Ensemble, das an internationalen Musikzentren konzertierte. Im Zentrum des Repertoires stehen die Werke Johann Sebastians Bach und seiner Zeitgenossen sowie Barockopern bis hin zu selten gespielten geistlichen Werken. Inspiriert durch die Forschungsarbeit von Rubén Dubrovsky hat das Ensemble außerdem traditionelle lateinamerikanische Musik in sein Repertoire integriert und stellt diese in Bezug zur europäischen Barockmusik. Seit 2005 tritt das Bach Consort Wien regelmäßig bei der Gesellschaft der Musikfreunde in Wien auf sowie unter anderem im Theater an der Wien, Mozarteum Salzburg, bei der styriarte, im Schloss Esterhazy in Eisenstadt, im Brucknerhaus Linz, bei den Internationalen Barocktagen Stift Melk. Internationale Auftritte führten das Ensemble unter anderem zu den Händelfestspielen Halle, zum Festival Rhein Vokal, nach Schwetzingen, Winterthur, Ancona, Zagreb, Valencia, Barcelona und zum Estoril Festival.

Third Coast Baroque 2016 gründete Rubén Dubrovsky das Vokal- und Instrumentalensemble Third Coast Baroque in Chicago, dessen künstlerischer Leiter er war. Das Ensemble widmete sich bis zu seiner Auflösung 2024 vorwiegend der Musik des 17. und 18. Jahrhunderts.

Volksmusik und Forschung Rubén Dubrovsky erforscht intensiv die argentinische Volksmusik und die Musiktraditionen Südamerikas innerhalb historischer Kontexte. Mit dem argentinischen Ensemble Llajtaymanta trat er in den 1980er-Jahren bei lokalen Festivals auf, wobei er sich an dem originalen Klangbild der südamerikanischen Volksmusik orientiert und folkloristische Tendenzen vermeidet. Die Beschäftigung mit dieser Musiksparte beeinflusste auch seine Sicht auf die Interpretation europäischer Barockmusik. Das Ergebnis seiner Arbeit fand unter anderem auch seinen Niederschlag auf der CD Vidala – Argentina and Roots of European Baroque eine Aufnahme, die zweifach (Grenzgänge und Weltmusik) für den Preis der deutschen Schallplattenkritik nominiert wurde.

Ein weiteres Projekt kultureller Grenzüberschreitung ist die Zusammenarbeit mit dem Bratischisten Nils Mönkemeyer bei ihrem gemeinsamen Projekt "Viola Latina!", das barocke Klangtraditionen, europäische Musikstile und lateinamerikanische Einflüsse verbindet.

Unterrichtstätigkeit Rubén Dubrovsky war unter anderem als Violoncello- und Kammermusiklehrer bei der Austria Barock-Akademie tätig, deren künstlerischer Leiter er war. Darüber hinaus gab er Meisterklassen unter anderem am Moskauer Konservatorium, am Gnessin-Institut Moskau, an der Northwestern University in Chicago, am Mozarteum Salzburg, an der Civica Scuola di Musica Claudio Abbado in Mailand, an der Musik und Kunst Privatuniversität der Stadt Wien, der Universität Belgrad und am Conservatorio Nacional de Música "Carlos López Buchardo" in Buenos Aires.

Diskografie 2009: Martin y Soler: L’arbore di Diana, DVD, Iberautor 2014: Claudio Monteverdi: Selva Morale, DVD, ORF 2015: Vidala: Argentina and Roots of Italian Baroque, CD, Gramola 2017: Georg Friedrich Händel: Messiah, DVD and Blu-ray, Naxos 2017: Georg Friedrich Händel: Messiah, CD, Gramola 2017: Pace e guerra, Arien für Bernacchi, CD, Sony/Deutsche Harmonia Mundi 2018: Hommage á Vivaldi, CD, Sony 2018: Antonio Vivaldi: Stabat Mater & Gloria, CD, Gramola 2026: Otto Nicolai: Die lustigen Weiber von Windsor, Gramola, Digital release

Konzertdokumentation Neben den CD- und DVD-Aufnahmen war Rubén Dubrovsky mehrfach in vom ORF übertragenen Konzerten zu erleben. Zudem wirkte er an der Seite des Ethnomusikologen Gerhard Kubik bei der Konzertdokumentation Bach to the roots mit.

Weblinks Rubén Dubrovsky Webseite Rubén Dubrovsky Bach Consort Wien Rubén Dubrovsky Third Coast Baroque Rubén Dubrovsky Operabase Rubén Dubrovsky: Interview "Es geht um die Wurzeln der Musik" Rubén Dubrovsky "Das Musikporträt Rubén Dubrovsky: Dirigent und Musikforscher" Festivalhohetauern Einzelnachweise

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