Bei den VIII. Olympischen Winterspielen 1960 in Squaw Valley fanden sechs Wettbewerbe im Skilanglauf statt. Diese galten gleichzeitig als 23. Nordische Skiweltmeisterschaften. Somit wurden neben olympischen Medaillen auch Weltmeisterschaftsmedaillen vergeben. Austragungsort war das McKinney Creek Stadium.
Bilanz
Medaillenspiegel PlatzLand20x20px|Gold20x20px|Silber20x20px|BronzeGesamt122152212531236411–2Gesamt66618
Medaillengewinner
Männer
DisziplinGoldSilberBronze15 km Håkon Brusveen (NOR) Sixten Jernberg (SWE) Veikko Hakulinen (FIN)30 km Sixten Jernberg (SWE) Rolf Rämgård (SWE) Nikolai Anikin (URS)50 km Kalevi Hämäläinen (FIN) Veikko Hakulinen (FIN) Rolf Rämgård (SWE)4 × 10 km Staffel
Frauen
DisziplinGoldSilberBronze10 km Marija Gussakowa (URS) Ljubow Kosyrewa (URS) Radja Jeroschina (URS)3 × 5 km Staffel
Vorschau Die Vorschau im «Sport Zürich» vom 19. Februar 1960 wies vorerst darauf hin, dass die geographische Lage (zum einen der McKinney-Creek auf 2.000 m Seehöhe, zum anderen die südliche Lage ungefähr am gleichen Breitengrad wie Madrid) und dazu auch die hier von der Luftfeuchtigkeit stark abhängige Beschaffenheit des Schnees wichtige Faktoren sein werden. Bei den Weltmeisterschaften 1958 habe es den Eindruck gemacht, als ob bei den Frauen eine Stagnation eingetreten sei. Nun seien jedoch besonders in Schweden neue Namen aufgetaucht, was eine Umschichtung vermuten lasse. Bei den SDS-Rennen in Grindelwald hätten sowohl Polen als auch die Tschechoslowakei sowie überraschenderweise Westdeutschland neue und zum Teil recht vielversprechende Kräfte präsentiert. Allgemein ging man davon aus, dass die meisten Medaillen an die Sowjetunion gehen würden.Sport Zürich, 19. Februar 1960, S. 2 und 3.
Bei den Herren habe Schweden mit Sixten Jernberg das „beste Eisen“ im Feuer. Er könne als einziger klarer Favorit für mindestens einen Sieg bezeichnet werden, zumal er genau zur richtigen Zeit in Hochform sein würde. Auch Rolf Rämgård schiebe sich immer deutlicher in den Vordergrund. Olsson, die „ganze Reihe Larsson“ und andere würden eine sehr beachtenswerte Streitmacht hinter Jernberg bilden. Die „geschlossenste Mannschaft“ dürfte Finnland stellen (vor allem im Staffellauf), obwohl sie wegen Schneemangels in ihrem Training arg behindert gewesen sei. Ob ihr großes Ass Hakulinen seine alte Durchschlagskraft nochmals ausspielen könne, sei nicht ausgeschlossen. Von den Sowjetläufern wisse man, dass sie bereits im Vorwinter eine starke Rekognoszierungsequipe nach Squaw Valley entsandt hätten; ihre „Schachzüge würden also von langer Hand vorbereitet“ sein. Aus Pressemeldungen war zu schließen, dass ihr Training konsequent auf hochgelegenen Stationen stattgefunden habe. Die Mannschaft sei als stark einzuschätzen, wobei voraussichtlich Pawel Koltschin, Anatoli Scheljuchin und Alexander Gubin herausstechen würden. Vieles deute darauf hin, dass nach den Enttäuschungen der Norweger 1956 und 1958 wieder Klasseleute heranreifen. Jedenfalls hätten Andreasen, Jensen und vor allem Stensheim von sich reden gemacht. Der zweifache Olympiasieger Brenden habe sich für diese Spiele empfohlen, doch müsse da noch abgewartet werden. Sicher sei nur, dass er einer der besten Techniker auf der Loipe und äußerst gefährlich sei, wenn es steil und häufig bergauf und ab gehe. Auch Brusveen könne auf den kurzen Strecken nochmals Überraschungen schaffen.
Im 15-km-Rennen könnte der Fall eintreten, dass einige Routinierte durch jüngere Athleten zurückversetzt würden, das Leistungsniveau habe sich angeglichen. In Lahti habe sich der Franzose Mermet auf Rang 16 hervorschieben können, diesmal sei dies eher dem Italiener De Florian zuzutrauen oder den Polen Mateja und Rysula. Eine gute Platzierung eines Schweizers gehöre nicht unbedingt „ins Reich der Märchen“. Die stärkste Staffel hinter den Skandinaviern und Sowjets dürfte wiederum Italien stellen, auch Polen müsse beachtet werden. Rang sechs für die Schweizer Staffel wäre ein Erfolg. Auf den längeren Distanzen würden die nordischen und russischen Kanonen ihre Überlegenheit noch deutlicher ausspielen. Seitens der Schweiz werde auf Fritz Kocher gesetzt, der dazu fähig wäre, falls er seine Formkrise überwunden habe und sich in guter Verfassung befände.
Ergebnisse Männer
15 km PlatzLandAthletZeit (min)1Håkon Brusveen51:55,52Sixten Jernberg51:58,63Veikko Hakulinen52:03,04Gennadi Waganow52:18,0Einar Østby52:18,06Eero Mäntyranta52:40,67Janne Stefansson52:41,08Rolf Rämgård52:47,39Marcello De Dorigo52:53,510Nikolai Anikin52:55,024Cuno Werner55:25,627Alphonse Baume55:58,931Lorenz Possa56:30,132Enno Röder56:54,437Marcel Huguenin57:36,738Werner Haase57:40,339Konrad Hischier57:43,942Siegfried Weiß58:04,6 Datum: 23. Februar 1960, 08:00 Uhr 54 Teilnehmer aus 19 Ländern, alle in der Wertung.
Alle drei Medaillengewinner hatten Rennerfahrung von sieben bis zehn Jahren. Die Goldmedaille holte Brusveen, der während seiner bisherigen Laufbahn immer im Schatten von Brenden gestanden war. Die Norweger, die in den letzten Jahren ins Hintertreffen geraten waren, hatten nach dem Sieg von Georg Thoma in der Kombination bereits befürchtet, im Loipensport sieglos zu bleiben. Nun aber rückte durch das gute mannschaftliche Ergebnis die Chance auf eine Staffelmedaille wieder näher, nachdem die Sowjet-Starter glattweg versagt hatten, denn drei von ihnen waren langsamer als der beste Mitteleuropäer. Beispielsweise landete Anikin, der in den Vorberichten zu den Medaillenanwärtern gezählt worden war, abgeschlagen auf Rang 10.«Der Norweger Haakon Brusveen vor Jernberg und Hakulinen im 15-km-Langlauf». In: Sport Zürich, 24. Februar 1960, S. 2.
Das Rennen begann bei Minus 7 bis 8,5 Grad und unter strahlend blauem Himmel. Es waren nur etwa 100 Zuschauer im Zielstadion erschienen, der Startintervall betrug 30 Sekunden. Der Schnee war hart und trocken, es gab keinerlei Wachsprobleme. Nachdem die Sowjetunion auf den erkälteten Koltschin verzichten musste, rechnete man fest mit einem Skandinavier-Sieg. Die Strecke bestand aus einer einzigen Schleife, die jedoch von jener in der Nordischen Kombination sehr verschieden war. Die größte Schwierigkeit befand sich von Kilometer 6,5 bis 9, wo sich eine 1,5 km lange Rampe mit 96 m Höhendifferenz (gefolgt von einer recht steilen Abfahrt) befand. Eine zweite Rampe von 800 m Länge und 40 m Höhendifferenz brachte die Loipe auf ihren höchsten Punkt von 2045 m. Brusveen begann vorsichtig; er lag nach den ersten 5 km auf Platz 5 (hinter Stefansson, Jernberg, Rämgård und Waganow) und schob sich nach 10 km auf Platz 2 hinter Jernberg vor. Ihm als gutem Abfahrer kam der letzte Streckenteil entgegen, während sich Jernberg hier nicht so sicher fühlte. Der norwegische Skiverbandspräsident Thorbjørn Nordahl hob nach Rennschluss Brusveens Außenseiterrolle hervor, als er zugab, dass dieser „beinahe wegen seiner mittelmäßigen Vorsaisonsleistungen nicht mitgenommen worden wäre“, er habe erst zwei Tage vor dem Abflug die Flugkarte erhalten.
30 km PlatzLandAthletZeit (h)1Sixten Jernberg1:51:03,92Rolf Rämgård1:51:16,93Nikolai Anikin1:52:28,24Gennadi Waganow1:52:28,25Lennart Larsson1:53:53,26Veikko Hakulinen1:54:02,07Toimi Alatalo1:54:06,58Alexei Kusnezow1:54:23,99Hallgeir Brenden1:55:19,810Oddmund Jensen1:55:35,021Helmut Weidlich2:01:25,824Alphonse Baume2:02:04,226Josef Maier2:02:10,628Marcel Huguenin2:03:25,629Rudolf Dannhauer2:03:38,932Lorenz Possa2:05:41,233Siegfried Hug2:05:48,2 Datum: 19. Februar 1960, 08:00 Uhr 48 Teilnehmer aus 17 Ländern, davon 45 klassiert
Erster Starter war Oddmund Jensen aus Norwegen. Schon nach 5 km zeichnete sich der Erfolg des hohen Favoriten Jernberg ab, der 18 Sekunden vor seinem Landsmann Rämgård lag, wobei die Schweden an diesem Tag überhaupt die überragenden Läufer waren. Zwar war das Stadion gut hergerichtet – es gab eine voll besetzte Pressetribüne und Zwischenzeitmeldungen nach allen 5 Kilometern – aber das Rennen fand praktisch unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt, was an der technisch offensichtlich nicht zu verhindernden Spaltung der Spiele weit weg vom eigentlichen Olympiaort lag. Jernberg begann, als hätte er nur 10 Kilometer vor sich, Rämgård erstarkte gegen Schluss und rückte ihm gefährlich nahe. Die Sowjetläufer bestätigten sich als ungemein starke Langläufer. Alle Finnen litten unter einem Seitenstechen, was verwunderlich war, da sie in einem Trainingslauf vor vier Tagen nichts gespürt hatten. Die Norweger führten ihr Vorsagen auf schlecht gewachste Skier zurück; Brenden wurde schon beim ersten Aufstieg von heftigem Seitenstechen befallen und musste bei 10 km warten, ehe er wieder aufdrehen konnte.«Sixten Jernberg (Schweden) gewinnt Goldmedaille im schweren 30-km-Lauf». In: Sport Zürich, 22. Februar 1960, S. 2.
50 km PlatzLandAthletZeit (h)1Kalevi Hämäläinen2:59:06,32Veikko Hakulinen2:59:26,73Rolf Rämgård3:02:46,74Lennart Larsson3:03:27,95Sixten Jernberg3:05:18,06Pentti Pelkonen3:05:24,57Gennadi Waganow3:05:27,68Veikko Räsänen3:06:04,49Hallgeir Brenden3:08:23,010Sverre Stensheim3:08:51,520Helmut Hagg3:25:14,623Rudolf Dannhauer3:27:54,624Siegfried Weiß3:28:29,128Egon Fleischmann3:38:53,6 Datum: 27. Februar 1960, 08:00 Uhr 31 Teilnehmer aus 9 Ländern, alle in der Wertung.
Es gab einen unerwarteten finnischen Doppelerfolg. Zunächst hatte es nach einem Sieg von Jernberg ausgesehen, der nach 10 km mit deutlichem Abstand an der Spitze lag, aber sein Tempo nicht durchhalten konnte. Bereits nach 15 km befand sich Hämäläinen 4 Sekunden vor dem Schweden und nach weiteren 5 km war Jernberg auf Rang 4 zurückgefallen. Die nunmehrige Reihung an der Spitze blieb bis ins Ziel gleich. Sensationell war das schwache Abschneiden der sowjetischen Läufer, die ihre schwerste Niederlage seit ihrem Auftreten im internationalen Skisport erlitten. Sehr gut zeigten sich Italien und das deutsche Team, eine weitere Sensation stellten die in den Vorschauen geradezu unerwähnten USA dar, die alle vier Läufer ins Ziel brachten. Kein Ruhmesblatt war der vollständige Verzicht der Schweiz. Fritz Kocher war zwar eingeschrieben, doch hatte er sich nicht in der Verfassung gefühlt, um einen Fünfziger in einigermaßen guter Zeit zu bewältigen. Der als Erster gestartete Hämäläinen ließ die nach ihm gestarteten Konkurrenten um Minuten zurück. Hakulinen büßte zwischen dem dreißigsten und vierzigsten Kilometer rund 20 s ein und wurde mit 42 Sekunden Rückstand gestoppt. Hinter den beiden Finnen wuchsen die Abstände rapide. Es war mittlerweile merklich wärmer geworden, was den Läufern nicht behagte. Während die Schweden doch etwas enttäuscht waren, hatten die Norweger keine allzu großen Hoffnungen gehegt; sie vollbrachten zwar eine beachtliche Gesamtleistung, doch Brenden verlor mehr als 9 Minuten auf den Sieger.«Das ungeheure finnische Duell Hämälainen – Hakulinen über 50 km». In: Sport Zürich, 29. Februar 1960, S. 1 und 2.
4 × 10 km Staffel