mini|hochkant|Christuskirche, Turm (2013) Die evangelisch-lutherische denkmalgeschützte Christuskirche steht in Bodenfelde, einem Flecken im Landkreis Northeim von Niedersachsen. Die Kirchengemeinde gehört zum Kirchenkreis Leine-Solling im Sprengel Hildesheim-Göttingen der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers.

Geschichte Die Pfarrkirche von Bodenfelde geht auf eine Gründung der Abtei Corvey zurück, die hier eine Missionskirche gründete, die kirchlich dem Archidiakonat Höxter in der Diözese Paderborn unterstand.Wolfgang Leesch: Die Pfarrorganisation der Diözese Paderborn am Ausgang des Mittelalters. In: Ostwestfälisch-Weserländische Forschungen zur Geschichtlichen Landeskunde. Aschendorff, Münster 1970, S. 323. Seit dem 11. Jahrhundert machte sich der Einfluss von Kloster Lippoldsberg verstärkt bemerkbar, das schließlich 1278 das Patronat über die Kirche erwarb. Als erster namentlich bekannter Pfarrer von Bodenfelde (sacerdos de Budenefelde) erscheint 1283 der Priester Andreas. Unter der im benachbarten Schloss Nienover residierenden Herzogin Elisabeth von Calenberg-Göttingen führte Anton Corvinus 1543 die Reformation in Bodenfelde ein.

Architektur Vom Gründungsbau der Kirche ist der romanische Westturm erhalten. Seinen achtseitigen Spitzhelm mit vier Zwerchhäusern über den Quadratseiten zwischen kleinen spitzen Ecktürmchen erhielt er nach einem Turmbrand im Jahre 1887. mini|Südfassade des Doeltz-Anbaus (2025) Das mittelalterliche Kirchenschiff wurde ab 1853 durch einen am 18. November 1855 eingeweihten Neubau ersetzt. Nach Entwurf des königlich hannoverschen Landbaumeisters Friedrich Doeltz entstand ein dreischiffiger, siebenachsiger Sandsteinquaderbau mit eingezogenem 5/8-Chor im Rundbogenstil, dessen äußere Fassadenachsen zweigeschossig gegliedert sind. Eine Besonderheit sind die aus der Erbauungszeit erhaltenen eisernen Maßwerkfenster, ebenfalls mit Rundbogengliederungen. mini|Südfassade (2025)

Inneres und Ausstattung Der Kirchenraum ist als Emporenhalle gestaltet, dessen mächtige Rundbogenarkaden von hölzernen Achteckpfeilern mit feinen Blattkapitellen getragen werden. Die Seitenschiffe sind flachgedeckt, während das zwischen Turm und Chor eingespannte Mittelschiff eine unter der Dachkonstruktion abgehängte, gefaltete Decke aufweist.

Die Raumschale der Wände und Decken ist 1976Bodenfelde, im Kirchengemeindelexikon der evangelischen Landeskirche Hannovers, abgerufen am 24. Mai 2025. modernisiert und farbig neu gefasst worden, wobei auch ein neuer Steinfußboden eingezogen und loses Einzelgestühl aufgestellt wurde. Die vorerst letzt Renovierung des Innenraums mit nunmehr altweißer Farbfassung und einem blauen Sternenhimmel über dem Chor fand 2014 statt.

Zur aus der Erbauungszeit des Kirchenschiffs in den 1850er Jahren stammenden Ausstattung gehören eine in der Mittelachse hinter dem schlichten Tischaltar angeordnete Kanzel aus Holz, die symmetrisch über seitliche Treppenläufe erschlossen wird, sowie die Taufe; beide sind im zeittypischen neuromanisch-neugotischen Mischstil gestaltet. Die drei aus der Glasmalerfirma Henning & Andres (Hannover) stammenden, bunt verglasten Rundbogenfenster im Chor sind mit Stifterinschrift und -wappen 1912 datiertIm Chorscheitelfenster ist links unten die Stifterinschrift zu lesen: „Gestiftet v. Frau / Marie Meyer / geb. Steinhoff / 1912. / Henning und Andres / Glasmaler Hannover“.; das mittlere zeigt passend zum Patrozinium der Kirche eine Darstellung des segnenden Christus mit dem Alpha & Omega, die beiden äußeren Fenster eine Ornamentverglasung.

Von der Ausstattung der Vorgängerkirche sind einzig zwei Grabplatten des 17. Jahrhunderts erhalten, die hinten in den Seitenschiffen aufgestellt sind.

Orgel Nach Fertigstellung des Kirchenneubaus erhielt die Kirche 1856 durch den Orgelbauer Friedrich Wilhelm Euler aus Gottsbüren eine Orgel, die nach dem Turmbrand von 1887 erneuert, 1937 um ein zweites Manual ergänzt und 1963/64 durch Paul Ott (Göttingen/Bovenden) um ein Kronwerk auf einen Umfang von 22 Registern erweitert wurde. Restaurierungen der Orgel fanden 1994 und zuletzt durch die Orgelbaufirma Krawinkel (Trendelburg) 2023–2024 statt.

Glocken Das heutige Geläut aus Bronze ist 2008 in der Glockengießerei Bachert (Karlsruhe) gegossen und 2009 aufgehängt worden. Es löste drei 1921 und 1922 im Bochumer Verein gegossene Stahlglocken ab, die als Ersatz für im Ersten Weltkrieg zu Rüstungszwecken abgegebene Glocken dienten und jetzt auf dem ehemaligen Kirchfriedhof neben der Kirche aufgestellt sind. Eine der drei Stahlglocken trägt die zeittypische Reiminschrift: Unter dem Druck der drängenden Not / war Stahl für Bronze der Stunde Gebot.

Evangelische Pastoren

1549:Tilemann RippkogelBodenfelde, im Kirchengemeindelexikon der evangelischen Landeskirche Hannovers, abgerufen am 25. Mai 2025, mit Literaturnachweis. bis 1588 Konrad Hülsmann 1588–1589(?): Wilhelm Rauch 1589–1624: Paulus Firens (Virens, Firlutius) 1624–1640: Magister Johannes Thönen 1640–1643: Bernhardus Nicolaus Gotzius (Götze) 1644–1667: Arnoldus Grünreuter 1667–1680: Johannes Cöler 1681–1704: Johannes Mylius 1705–1713: Johann Heinrich Mengershausen 1713–1745: Johann Ludwig Grahlen 1745–1752: Georg Jakob Redecker 1753–1774: Christian Friedrich Fuchs 1775–1798: Johann Christoph Bernhard Kellner 1798–1814: Johann Leonhard Gottlieb Schleicher 1814–1820: Johann Christoph Jakob Bethe 1820–1832: Wilhelm Ludwig Schmidt 1832–1836: Friedrich Wilhelm Streitwolf 1836–1847: Friedrich Ludwig Schulze 1848–1863: Georg Wilhelm von Sothen 1864–1892: Karl Friedrich Gustav Seelhorst 1893–1899: Karl Heinrich Friedrich Ludwig Stisser 1899–1938: Karl Gustav Behrens 1938–1956: Heinz Wortmann bis 2009: Albrecht Benz 2010–2024: Mark Trebing 2024/25: Carsten Schiller (Hauptvakanzvertreter) ab Sommer 2025: Hartmut Günther

Sonstiges Die evangelisch-lutherischen Kirchengemeinden Bodenfelde und Wahmbeck sind vereinigt.

Die Christuskirche zählt seit 2012 zu den Radwege-Kirchen sowie verlässlich geöffneten Kirchen und ist von April bis Oktober von 8.00 bis 18.00 Uhr geöffnet. Sie liegt als Abstecher am 2005 gegründeten Pilgerweg Loccum–Volkenroda. Während der Öffnungszeiten wurde das Kircheninnere im Juli 2024 in einem Akt vom Vandalismus mit Hakenkreuz-Schmierereien beschädigt, was überregional Aufmerksam fand und zu Ermittlungen des Staatsschutzes führte.

Literatur Dehio-Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler, Bremen, Niedersachsen. Bearbeitet von Gerd Weiß. Deutscher Kunstverlag, München 1992, ISBN 3-422-03022-0, S. 234 f. (Abschrift auf de.dehio.org, abgerufen am 24. Mai 2025) Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland, Baudenkmale in Niedersachsen, Bd. 7, Landkreis Northeim: Südlicher Teil mit den Städten Hardegsen, Moringen, Northeim und Uslar, den Flecken Bodenfelde und Nörten-Hardenberg, der Gemeinde Katlenburg-Lindau und dem Gemeindefreien Gebiet Solling. Bearbeitet von Christian Kämmerer, Peter Ferdinand Lufen. CW Niemeyer, Hameln 2002, S. 88, 90. (Digitalisat auf digi.ub.uni-heidelberg.de, abgerufen am 24. Mai 2025)

Weblinks

Kirchengemeinde Bodenfelde Bodenfelde, im Kirchengemeindelexikon der evangelischen Landeskirche Hannovers Christuskirche, im Denkmalatlas Niedersachsen

Einzelnachweise

Bodenfelde Bodenfelde Bodenfelde Kategorie:Baudenkmal in Bodenfelde Bodenfelde Bodenfelde Kategorie:Erbaut in den 1850er Jahren Bodenfelde Bodenfelde