mini|hochkant=1.5|Die tropischen Systeme Paulette, Rene, Sally, Teddy und Vicky im Atlantik. Links im Bild der Tropische Sturm Karina im Pazifik sowie die Rauchwolke der Waldbrände in Kalifornien.
Die Atlantische Hurrikansaison 2020 begann offiziell am 1. Juni 2020 und endete ebenfalls offiziell am 30. November 2020. Während dieser Periode bilden sich üblicherweise im nördlichen Atlantischen Ozean die meisten Hurrikane, da nur zu dieser Zeit geeignete Bedingungen wie ein erwärmter Ozean, feuchte Luft und wenig Windscherung vorherrschen, welche die Bildung tropischer Wirbelstürme ermöglichen. Seit Beginn der Atlantischen Hurrikansaison 2017 kann das National Hurricane Center (NHC) Warnungen zu Störungen herausgeben, die noch keine tropischen Eigenschaften aufweisen, bei denen für eine tropische Zyklogenese jedoch ein hohes Potenzial besteht und innerhalb von 48 Stunden Sturm- oder Hurrikanbedingungen für bewohnte Gebiete erwartet werden. Solche Systeme werden als Potential tropical cyclone bezeichnet („potentielle tropische Zyklone“).
Mit 30 benannten Stürmen (Rekordwert), 14 Hurrikanen (Rang 2), sieben schweren Hurrikanen (Rekord von 2005 eingestellt), einer mehr als doppelt so großen Aktivität wie üblich, vielen rapide intensivierenden Stürmen und mehreren zerstörerischen Landfällen von Kategorie-4-Hurrikanen war die Saison außergewöhnlich und stellte eine Vielzahl an Rekorden auf:Jeff Masters, Dana Nuccitelli: The top 10 weather and climate events of a record-setting year. In: Yale Climate Connections, 21. Dezember 2020. Abgerufen am 29. Dezember 2020.The record-shattering 2020 hurricane season, explained. In: CBS, 20. November 2020. Abgerufen am 20. November 2020.Matthew Cappucci: 2020 tied a record for the most major hurricanes in the Atlantic, after further review. In: The Washington Post, 12. Mai 2021. Abgerufen am 12. Mai 2021. Unter anderem bildete sich ein Großteil aller Stürme früher als alle vorherigen mit gleichem Anfangsbuchstaben. Die Saison ist eine von nur zweien, in der mehr als 21 benannte Stürme entstanden, sodass die ursprünglich festgesetzten 21 Namen nicht ausreichten und zum zweiten Mal überhaupt für die Benennung auf Namen der Buchstaben des griechischen Alphabets zurückgegriffen werden musste. Bereits am 18. September, kurz nach der Halbzeit der Saison, hatten sich 23 benannte Stürme gebildet. Mit dem Entstehen von Theta ist die Saison 2020 diejenige mit den meisten Stürmen seit Beginn der Aufzeichnungen Mitte des 19. Jahrhunderts. Der vorherige Rekord wurde in der Atlantischen Hurrikansaison 2005 aufgestellt. Damals bildete sich der 28. und letzte Sturm am 29. Dezember. Mit vierzehn Hurrikanen liegt die Saison auf Rang zwei der Saisons mit den meisten Hurrikanen, nur 2005 bildeten sich mit 15 noch mehr Hurrikane.Eta, Now a Category 4 Hurricane, Takes Aim at Central America. In: The New York Times, 2. November 2020. Abgerufen am 2. November 2020.
Die Saison ist die erste, in der im November zwei schwere Hurrikane (Kat. 3 bis 5) entstanden. Gemessen an der Zahl von schweren Hurrikanen (sechs) liegt sie zusammen mit sechs weiteren Saisons hinter der Saison 2005 (sieben) auf Rang zwei seit Beginn der Aufzeichnungen. Zudem machten gleich zehn benannte Stürme eine potentiell gefährliche rapide Intensivierung durch, d. h. verstärkten sich binnen 24 Stunden um mindestens 35 Meilen pro Stunde. Mit elf Landfällen von benannten Stürmen (darunter sechs HurrikanenDevastating 2020 Atlantic hurricane season breaks all records. In: The Guardian, 10. November 2020. Abgerufen am 11. November 2020.) ist die Saison zudem diejenige mit den meisten Landfällen in den USA seit Beginn der Aufzeichnungen. Der vorherige Rekordhalter war die Saison 1916 mit 9 Landfällen. Im Durchschnitt treffen 3,2 Stürme pro Saison die USA, darunter 1,6 Hurrikane. Alleine in den USA entstand ein Schaden von mindestens 37 Mrd. US-Dollar, zudem wurde für jeden einzelnen Kilometer Küstenlinie von der texanisch-mexikanischen Grenze bis nach Maine mindestens einmal eine Tropensturmwarnung herausgegeben.
Klimaforscher sehen die Globale Erwärmung als begünstigend dafür an, dass so viele Hurrikane der Saison so stark wurden, sich so rapide intensivierten und so viel Regen brachten. Wärmere Ozeantemperaturen führen tendenziell zu stärkeren Stürmen und schnelleren Intensivierungen.Scientists link record-breaking hurricane season to climate crisis . In: The Guardian, 15. November 2020. Abgerufen am 16. November 2020.
Nach der Saison zog die Weltorganisation für Meteorologie die Sturmnamen Laura, Eta und Iota offiziell zurück. Zugleich schaffte die Organisation die bisher zweimal angewandte Praxis ab, bei Erschöpfen der ursprünglichen Namensliste auf griechische Namen zurückzugreifen. Stattdessen sollen zukünftig Reservelisten mit weiteren Namen vorgehalten werden.Weather panel ends use of Greek names for Atlantic hurricanes, retires deadly 2020 storms. In: The Washington Post, 17. März 2021. Abgerufen am 18. März 2021. __TOC__
Saisonvorhersagen +Vorhersagen der tropischen Aktivität in der Saison 2020QuelleDatumbenannteStürmeHurrikaneschwereHurrikaneDurchschnitt (1981–2010)12,16,42,7höchste aufgezeichnete Aktivität28157niedrigste aufgezeichnete Aktivität42†0†–––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––TSR19. Dezember 20191574CSU2. April 20201684TSR7. April 20201683UA13. April 202019105TWC15. April 20201894NCSU17. April 202018–228–113–5PSU21. April 202015–24n/an/aSMN20. Mai 202015–197–93–4UKMO20. Mai 202013*7*3*NOAA21. Mai 202013–196–103–6TSR28. Mai 20201783–––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––CSU4. Juni 20201994UA12. Juni 202017114CSU7. Juli 20202094TSR7. Juli 20201884TWC1. Juli 20202084CSU5. August 202024125TSR5. August 202024104NOAA6. August 202019–257–113–6–––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––tatsächliche Aktivität 30 14 6–––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––* nur Juni–November† Link auf letzte Saison dieser Aktivität dieser Sturmklasse bis 2010. Vor und während der Saison sagen mehrere nationale Wetterdienste und wissenschaftliche Institute voraus, wie viele benannte Stürme, Hurrikane und schwere Hurrikane – also Kategorie 3 und höher auf der Saffir-Simpson-Hurrikan-Windskala – sich während der Saison bilden bzw. sich in einem bestimmten Land auswirken. Zu diesen Agenturen gehören das Tropical Storm Risk (TSR) Consortium of University College London, das britische Met Office, die National Oceanic and Atmospheric Administration (NOAA) und die Colorado State University (CSU).
Die NOAA stuft einen Saisonverlauf als überdurchschnittlich, nahezu normal oder unterdurchschnittlich ein, indem sie die erwarteten Zahlen für benannte Stürme, die Zahl der erwarteten Hurrikane und die Zahl der schweren Hurrikane sowie den erwarteten ACE-Index mit den Durchschnittswerten der Vergleichsperiode vergleicht.
Vor Beginn der Saison Am 19. Dezember 2019 veröffentlichte Tropical Storm Risk (TSR), ein Zusammenschluss von Experten für Versicherung, Risikomanagement und jahreszeitliche Klimaprognosen am University College London, eine längerfristige Prognose, die von einer leicht überdurchschnittlich aktiven Saison ausging. Demnach erwartete TSR die Bildung von 15 benannten Stürmen, darunter sieben Hurrikane und davon vier schwere Hurrikane, und einen ACE-Index von 105. Diese Vorhersage basierte auf der Annahme fast durchschnittlicher Passatwinde und einer leicht überdurchschnittlichen Meeresoberflächentemperatur im tropischen Atlantik sowie einer neutralen Phase der El Niño-Southern Oscillation im äquatorialen Pazifischen Ozean. Am 2. April bestätigten die Wettervorhersager an der Colorado State University die Erwartung einer überdurchschnittlichen Saison. Sie gingen von 16 benannten Stürmen aus, darunter 8 Hurrikane und davon wiederum vier schwere Hurrikane sowie einem Accumulated Cyclone Energy (ACE) Index von 150. Die CSU erwartete außerdem deutlich erhöhte Wahrscheinlichkeiten für Hurrikanzugbahnen durch die Karibik und für Hurrikane, die auf die amerikanische Küste treffen. Am 7. April aktualisierte TSR seine Vorhersage auf 16 benannte Stürme, darunter acht Hurrikane und davon drei schwere Hurrikane sowie den ACE-Index 130. Die University of Arizona (UA) sagte am 13. April eine möglicherweise hyperaktive Hurrikansaison voraus: 19 benannte Stürme, darunter zehn Hurrikane und davon fünf schwere Hurrikane sowie ein ACE-Index 163. The Weather Company gab zwei Tage später mit 18 benannten Stürmen, darunter neun Hurrikane und davon vier schwere Hurrikane eine ganz ähnliche Prognose heraus. Auch die Vorhersage der North Carolina State University vom 17. April bewegte sich in ähnlichen Bereichen. Demnach würden sich 18–22 benannte Stürme bilden, darunter würden 8–11 Hurrikanstärke und davon 3–5 die Kategorie 3 und damit den Status eines schweren Hurrikans erreichen. Das britische Met Office nannte am 20. Mai als wahrscheinlichste Saisondaten 13 benannten Stürme, 7 Hurrikane und drei schwere Hurrikane sowie eine Accumulated Cyclone Energy von 110.
Manche Behördenvertreter haben ihre Befürchtungen geäußert, dass der Verlauf der Hurrikansaison die Auswirkungen der COVID-19-Pandemie verschlimmern könnte. So sagte der Bürgermeister von Wilmington, North Carolina, Bill Saffo dabei handle es sich um ein „Alptraumszenario“, und der frühere Direktor der Florida Division of Emergency Management, Brian Koon, hält es für möglich, dass „sogar die FEMA damit überfordert sein könnte“. Dabei gilt als kritisch, dass Evakuierungen wegen Befürchtungen, das Virus zu übertragen, wesentlich erschwert werden und die Regeln der räumlichen Distanzierung bei der Nothilfe in Katastrophengebieten nicht mehr eingehalten werden können.
Nach Saisonbeginn Am 6. August 2020 erhöhte die NOAA ihre Prognose gegenüber ihrer Prognose vor Saisonbeginn auf 19 bis 25 Stürme, nachdem zu diesem Zeitpunkt bereits 9 benannte Stürme aufgetreten waren. Typischerweise ereignen sich 95 % aller Stürme zwischen Mitte August und Ende Oktober, während der Juni und der Juli tendenziell vergleichsweise ruhige Monate sind, in denen sich in normalen Saisons nur etwa zwei Stürme bilden. Die Prognose ist die höchste, die die NOAA je herausgab. Auch der Direktor des National Weather Service, Louis Uccellini, erwartete eine der aktivsten Saisons seit Beginn der Aufzeichnungen.Hurricane Forecast: ‘One of the Most Active Seasons on Record’. In: The New York Times, 6. August 2020. Abgerufen am 7. August 2020.US hurricane experts predict 'extremely active' storm season. In: The Guardian, 7. August 2020. Abgerufen am 8. August 2020.
Saisonübersicht
Systeme Tropischer Sturm Arthur
Am 12. Mai sagte das NHC erstmals die Bildung eines tropischen Tiefdruckgebietes für das Wochenende 16./17. Mai nordöstlich der Bahamas voraus. Um 23:25 Uhr UTC am 13. Mai begann das NHC mit der Überwachung eines Tiefdrucktrogs in der Straße von Florida. Danach schlug das System eine Kurve nach Norden ein, direkt vor der Küste Floridas. Am 16. Mai um 18:00 UTC ergaben bei einem Flug der Hurricane Hunters gesammelte Daten, dass sich die Störung besser definiert hat und die Gewittertätigkeit zunahm. Das NHC gab um 20:23 Uhr UTC bekannt, dass sich das erste tropische Tiefdruckgebiet der Saison gebildet hat. Gegen 23 Uhr wurde das Tief schließlich zum tropischen Sturm heraufgestuft. Damit ist die Atlantische Hurrikansaison 2020 die sechste in Folge, bei der sich vor dem offiziellen Beginn am 1. Juni ein benannter Sturm bildete.Tropical Storm Arthur forms off Florida, becoming the first named storm of the season. In: USA Today, 17. Mai 2020. Abgerufen am 17. Mai 2020.
Tropischer Sturm Bertha