Die Finnische Offensive an der Karelischen Landenge (, ) fand im Zweiten Weltkrieg vom 10. Juli – 5. September 1941 an der nördlichen Ostfront statt und stellte den Beginn der Kampfhandlungen im sogenannten Fortsetzungskrieg dar. Der Angriff folgte zwei Wochen nach dem Start der deutschen Invasion in der Sowjetunion. Die finnische Offensive wurde in zwei Phasen durchgeführt, dabei konnte die im Winterkrieg (1939–1940) verlorene Provinz Karelien mit der Hauptstadt Viipuri (deutsch Wiborg, heute amtlich Wyborg) im Kampf mit den sowjetischen Truppen zurückerobert werden.
Die finnische Armee stellte ihre Angriffsoperationen ungefähr auf der Höhe der alten finnisch-sowjetischen Grenze ein. Wiederholten deutschen Bitten, den Angriff in Richtung Leningrad fortzuführen, kam Finnland nicht nach.
Vorgeschichte Nach der Niederlage gegen die Sowjetunion im Winterkrieg begann Finnland Ende 1940 ein enges Zusammenwirken mit dem Deutschen Reich. Von Mai 1941 an wurde die finnische Militärführung in die Vorbereitung des deutschen Überfalls auf die Sowjetunion eingeweiht. Die Operationen in Nordfinnland wurden in einer Vereinbarung vom 25. Mai 1941 dem deutschen Armeeoberkommando Norwegen übertragen dem dazu auch finnische Truppen unterstellt wurden. Entsprechende Operationen begannen am 5. Juni mit dem Unternehmen Blaufuchs. Diese Aktion überführte bis 14. Juni annähernd 30.600 deutsche Soldaten nach Finnland. Zugleich stellten die Finnen ihre defensiv ausgerichteten militärischen Vorbereitungen nach dem Winterkrieg auf ein offensives Vorgehen gegen die Sowjetunion um. Mitte Juni begann die Mobilmachung. Die Armee wuchs auf 475.000 Mann an. Davon waren, neben den Truppen unter deutschem Kommando weitere 100.000 Mann für Operationen nördlich des Ladogasees vorgesehen. Die Hauptstreitmacht sollte jedoch südlich des Sees auf der Karelischen Landenge operieren. Geplant war insgesamt ein kurzer Feldzug, weshalb die Mobilmachung mit wenig Rücksicht auf die Anforderungen der Volkswirtschaft stattfand.Pasi Tuunainen: The Finnish Army at War: Operations and Soldiers, 1939–45. In: Finland in World War II . Brill, Leiden 2011, ISBN 978-90-04-21433-0. S. 152–154.
Als zunächst wichtigstes Ziel sah die finnische Militärführung einen Durchbruch zur Küste des Ladogasees vor, um die Verbindung zwischen der sowjetischen 7. und 23. Armee zu trennen. Die an der Karelischen Landenge eingesetzte sowjetische Vorhut, bestehend aus der 168. und 142. Schützendivision, zog sich vor der Übermacht bereits seit 23. Juni auf bessere Verteidigungsstellungen zurück. Auf sowjetischer Seite verteidigte das 19. Schützenkorps (115. und 142. Schützendivision) und das 50. Schützenkorps (43. und 123. Schützendivision) sowie in der Reserve das 10. motorisierten Korps (21. und 24. Panzerdivision und 198. motorisierte Schützendivision). Das letztgenannte Korps wurde mit der 24. Panzerdivision bereits Ende Juni aus Karelien abgezogen und südwestlich von Leningrad verlegt, um dort gegen die zu erwartenden deutschen Truppen eingesetzt zu werden. Nur die 198. motorisierte Schützendivision verblieb der sowjetischen 23. Armee als mobile Reserve. Die Bombardierung finnischer Stützpunkte durch die Sowjets am 25. Juni diente den Finnen als willkommener Grund für die Kriegserklärung an die Sowjetunion.
Am Morgen des 25. Juni 1941 sicherten die Einheiten der 198. motorisierten Schützendivision das Grenzgebiet im Waldgebiet bei Juskjöärvi. Im Gebiet von Imatra bestand auf finnischem Territorium eine enge Landverbindung zwischen dem großen Saimaa-See und der sowjetischen Grenze. Die relative Schwäche der dortigen finnischen Grenztruppen ermöglichte der sowjetischen Führung einen Gegenangriff. Am 1. Juli entschied das sowjetische Kommando, dass die noch verfügbaren Teile der 21. Panzerdivision mit dem 19. Schützenkorps die rechte Flanke der finnischen Truppen angreifen sollten. Nur ein Bataillon, vier Artilleriebataillone der 115. Schützendivision und ein verstärktes Aufklärungsbataillon der 21. Panzerdivision waren aber zur Verfügung gestellt worden und sollten den Raum von Imatra sichern. Der Angriff am Morgen des 2. Juli wurde von Einheiten der 21. Panzerdivision durchgeführt, die Hindernisse der finnischen Grenzschutztruppen wurden durchbrochen und ein 4 Kilometer tiefer Einbruch im finnischen Hoheitsgebiet erreicht, die angesetzten Kräfte erwiesen sich aber bald als zu schwach, um die Offensive weiterzuführen. Als die sowjetischen Truppen auf gut organisierten Widerstand auf den Höhen südlich von Imatra trafen, zog sich die sowjetische Angriffsspitze wieder auf das eigene Territorium zurück.
Die Finnische Offensive Am Anfang der Operation Barbarossa verblieb die finnische Armee in einer defensiven Position, erst am 29. Juni gab der Oberbefehlshaber der finnischen Streitkräfte Marschall Mannerheim Befehl, die Armee von Karelien unter Generalleutnant Erik Heinrichs zum Angriff auf Westkarelien und zum Vorstoß zum Ladogasee vorzubereiten. Die Karelien-Armee bestand anfangs aus dem für den Hauptangriff bestimmten 6. Korps (5. und 11. Division), dem 7. Korps (7. und 19. Division) und der Gruppe Oinonen (mit 1. Kavallerie-Brigade, Oberst Oinonen, 1. Jäger-Brigade, Oberst Lagus und 2. Jäger-Brigade, Oberst Sundman). Das 4. Korps (8., 10. und 12. Division) sollte am rechten Flügel den Vormarsch auf Wiborg führen.
Beteiligte Einheiten mini|hochkant|Marschall Mannerheim
Finnische Karelienarmee (Generalleutnant Axel Erik Heinrichs)
4. Korps (Generalleutnant Karl Lennart Oesch) mit 8., 10. und 12. Division 6. Korps (Generalmajor Paavo Talvela) mit 5. und 11. Division 7. Korps (Generalmajor Woldemar Hägglund) mit 7. und 19. Division Kampfgruppe Oinomen (Oberst Woldemar Oinomen) mit 1. Kavallerie-Brigade sowie 1. und 2. Jäger-Brigade
Reserve: finnische 1. und 17. Division, deutsche 163. Infanterie-Division 1. Korps (General Einar Mäkinen) mit 2. und 4. Division 2. Korps (Generalmajor Taavetti Laatikainen) mit 15. und 18. Division
Rote 23. Armee (Generalleutnant P. S. Pschennikow)
Grenzschutz mit 71., 168. und 142. Schützendivision 27. und 28. Befestigter Raum 19. Schützenkorps (General Gerasimow, ab 6. August Generalmajor F. N. Starikow) mit 142. und 115. Schützendivision 50. Schützenkorps (Generalmajor W. I. Schtscherbakow) mit 43., 70. und 123. Schützendivision 10. Mechanisiertes Korps (Generalmajor I. G. Lasarew) mit 21. und 24. Panzer-Division und 198. motorisierte Schützendivision Gruppe Astanin (General A. N. Astanin) mit 177. und 191. Schützendivision sowie 8. Schützenbrigade
Die unerwartete Schwäche der Roten Armee bewegte Mannerheim zur Überarbeitung seiner defensiv ausgelegten Strategie. Er befahl nun das zuvor vermiedene tiefe Vorgehen in sowjetisches Gebiet hinein. Die Offensive an der Karelischen Landenge war der südliche Zweig dieser Operation, während die Finnische Invasion in Ostkarelien den mittleren und das unabhängige Vorgehen der 14. Division den nördlichen darstellte.Pasi Tuunainen: The Finnish Army at War: Operations and Soldiers, 1939–45. In: Finland in World War II . Brill, Leiden 2011, ISBN 978-90-04-21433-0. S. 154.
Erste Phase 10. bis 25. Juli Die finnische Offensive begann am 10. Juli auf breiter Front zwischen Pyhajärvi über Korpiselka nach Imatra, der Hauptangriff des 6. Korps richtete sich auf Jänisjärvi, die sowjetische Verteidigung brach vor der finnischen 5. Division schnell zusammen. Die Sowjets hatten Feldbefestigungen entlang der Grenze nach Sortavala (ru. Sortawala) und an den wichtigen Straßenkreuzungen in Värtsilä und Korpiselkä vorbereitet. Bis zum 12. Juli nahmen die Finnen die Orte Tolvajärvi und Kokari, während die 1. Jägerbrigade (Oberst Lagus) bis 14. Juli weiter auf Vuksu und Muvanto vordrang.
Der linke Flügel der Finnen, die 11. Division an der Linie Värtsila-Manervaara stieß bei Soanlakti am Ostufer des Sees Jänisjärvi auf starken sowjetischen Widerstand. Starke sowjetische Verteidigungsmaßnahmen stoppten zeitweilig die Offensive. Es dauerte bis zum 15. Juli, bis die Finnen die wichtigste sowjetische Verteidigungslinie durchbrechen konnten. Nachdem die 11. Division den Gegner bezwungen hatte, rückte auch sie weiter vor, umging das südliche Ende des Jänisjärvi-See und stieß entlang des Flusses Jänisjoki in südwestlicher Richtung vor. Gleichzeitig hatte das finnische 7. Korps an der Westseite des Jänisjärvi-See mit der 7. Division nach Süden angegriffen. Auf sowjetischer Seite verteidigte die 168. Schützendivision im Raum nördlich von Sortavala und die 71. Schützendivision südlich und am See Jänisjärvi.
Der Vorstoß auf der linken Flanke des 6. Korps verlangsamte sich zunächst, die zwei Brigaden der Kampfgruppe Oinonen kamen fast zum Stillstand. General Talvela bewertete den Vorstoß der Gruppe des Generals Oinonen zunächst als Misserfolg und kritisierte den Befehl von General Heinrichs, leichte Truppen gegen starke sowjetische Stellungen einzusetzen. Der Vormarsch in der Mitte des 6. Korps in Richtung auf Loimola ging nach der Brechung des sowjetischen Widerstandes bei Soanlakti aber erfolgreich weiter. Loimola konnte am 15. Juli von Streitkräften des 6. Korps besetzt werden und die dort durchgehende Eisenbahnlinie zwischen Sortavala und Petrosawodsk abgeschnitten werden.
General Talvela drängte seine Streitkräfte weiter vor. Die 1. Jäger-Brigade beendete ihren 110 km langen Vormarsch, als sie am nächsten Tag das Ufer des Ladogasees in Koirinoja erreichte. Während Talvela seinen Vormarsch weiter östlich am Ufer des Ladogasees entlang, als auch landeinwärts fortsetzte, hatten die Sowjets einen Teil ihrer Streitkräfte neu organisiert und verstärkten die neue Verteidigungslinie am Ostufer des Ladogasees. Das motorisierte Schützen-Regiment 452 richtete Verteidigungsstellungen in der Nähe von Salmi ein. Die vorrückenden finnischen Streitkräfte umzingelten die Verteidiger und konnten Salmi am 21. Juli besetzen.
Am 16. Juli unterbrach das 6. Korps mit Flankenangriffen bei Leppäsnärvi, Kitelä und Käsmaselka die Verbindung zwischen der sowjetischen 23. und der östlicher stehenden 7. Armee. Die Stawka rang gleichzeitig um die Eindämmung des gefährlicheren deutschen Angriffs im Baltikum und zog alle verfügbaren Einheiten aus Karelien ab. Der Abzug der Reste der 21. Panzerdivision beraubte die 23. Armee ihrer mobilen Reserve, an Verstärkung wurde dafür die 237. Schützendivision herangeführt. Am 17. Juli wurde die 5. und 11. Division am Jänisjoki nach Westen gestaffelt, um weiter gegen die Linie Salmi und Tulenjärvi vorzugehen. Am gleichen Tag erreichte auch das finnische 7. Korps den Jänisjoki-Abschnitt, die Ausräumung eines dabei entstanden Kessels um sowjetischen Streitkräfte band die 7. Division noch bis zum 21. Juli.
Da der finnische Vormarsch die Front verlängert hatte, mussten die finnische Streitkräfte neu organisiert werden. Am 16. Juli wurde die aus der Reserve gezogene finnische 1. Division angewiesen, die Ostflanke des Vormarsches zu decken, während die finnische 17. Division, die die Beobachtung der sowjetische Marinebasis bei Hankö den örtlichen Truppen überlassen hatte, in das Gebiet von Värtsila beordert wurde um die 11. Division freizumachen, die ihrerseits gegen Sortavala angesetzt wurde. Der von Tohmajärvi zum See Suojärvi vorgezogenen, nur aus zwei Regimentern bestehende deutsche 163. Infanterie-Division (General Erwin Engelbrecht) wurde befohlen, den Stadt- und Eisenbahnknotenpunkt Suvilahti in Ostkarelien einzunehmen. Am 17. Juli rückte die 17. Division über Käsnäsjärvi nach Tulemajärvi vor und besetzte bis 20. Juli Palalohti am Südufer des Tulemajärvi-See.