Hiddensee ist eine deutsche Insel in der Ostsee. Sie liegt unmittelbar westlich vor Rügen. Das Gebiet der Insel bildet zusammen mit einigen unbewohnten angrenzenden Inseln die Gemeinde Insel Hiddensee und gehört zum Landkreis Vorpommern-Rügen in Mecklenburg-Vorpommern.
Geografie mini|hochkant=0.75|Übersichtskarte von Hiddensee Physische Geografie Hiddensee, der Insel Rügen westlich vorgelagert, ist innerhalb des Nationalparks Vorpommersche Boddenlandschaft die größte Insel. Ihre Hauptachse liegt in Nord-Süd-Richtung. Sie ist etwa 16,8 Kilometer lang, an der schmalsten Stelle etwa 250 Meter und an der breitesten etwa 3,7 Kilometer breit. Die Insel unterteilt sich in einen hügeligen, über 70 Meter hohen Nordteil (Dornbusch, höchster Punkt ist der Bakenberg mit Topographische Karte 1:25.000 1444 Vitte), eine Dünen- und Heidelandschaft im zentralen Abschnitt (Dünenheide) und einen flachen, nur wenige Meter hohen Südteil, den Gellen. Im Nordosten befinden sich die beiden drei Kilometer langen Sandhaken Altbessin und Neubessin. Begrenzt wird die Insel durch den Schaproder Bodden und Vitter Bodden im Osten, den Gellenstrom (die Fahrrinne nach Stralsund) im Süden und die offene Ostsee nach Westen und Norden.
Siedlungen Auf der Insel liegen folgende Orte: Kloster, Vitte, Neuendorf, Grieben, Plogshagen.
Grieben Grieben ist der nördlichste Ort auf der Insel. Sein Name ist vom slawischen Wort Grib für Pilz abgeleitet. Grieben war eine der beiden Siedlungen auf der Insel, die bereits zu slawischer Zeit vor der Ankunft der deutschen Mönche im 13. Jahrhundert existierten. Im 14. Jahrhundert sind für Grieben acht Katen dokumentiert. Die Zahl der Häuser hat sich seitdem kaum verändert.Arnold Gustavs: Die Insel Hiddensee. Ein Heimatbuch. Carl Hinstorff Verlag, Rostock 1953, S. 37–39.
Kloster
Der Ort entstand um das Ende des 13. Jahrhunderts gegründete Kloster Hiddensee. Ende des 19. Jahrhunderts gab es nur eine Kirche, ein Gutshaus, ein Pfarr- und Schulhaus sowie zwei Arbeiterhäuser. Erst danach wuchs der Ort schrittweise zu seiner heutigen Größe.Arnold Gustavs: Die Insel Hiddensee. Ein Heimatbuch. Carl Hinstorff Verlag, Rostock 1953, S. 81. Im Ort oder am Rand siedelten sich eine Reihe von Künstlern, Schriftstellern oder auch Wissenschaftlern an; bekannt ist Kloster als Wohnort von Gerhart Hauptmann geworden, der auf dem dortigen Inselfriedhof begraben wurde.
Vitte
Vitte wurde erstmals 1513 urkundlich erwähnt. Der Name stammt aus dem Niederdeutschen und bedeutet Niederlassung von Heringsfischern. Vitte entwickelte sich aufgrund seiner zentralen Lage auf der schmalen Insel bald zum größten Ort der Insel.
Glambeck (Wüstung) Neben Grieben war Glambeck eine der beiden zu slawischer Zeit existierenden Siedlungen der Insel, der Name bedeutet tiefer Ort. Bereits vor 1700 wurde der Ort zur Wüstung. Im 21. Jahrhundert erinnert ein Flurname einen Kilometer nördlich von Neuendorf an den ehemaligen Ort.
Neuendorf
Der Ort entstand um das Jahr 1700, vermutlich als Ersatz für das aufgegebene Dorf Glambeck. Hier hat sich der Charakter des alten Fischerdorfes am stärksten auf der Insel erhalten. Seine Bebauungsstruktur mit Häusern auf gemeinschaftlich genutztem Wiesengelände ohne angelegte Wege gilt als einmalig, der Ort steht als Ganzes unter Denkmalschutz.
Plogshagen Plogshagen ist eine Gründung aus Zeiten der Kolonisation durch deutsche Siedler nach der Klostergründung. Der Name soll vom Personennamen Plog abgeleitet sein. Heute ist Plogshagen weitgehend mit Neuendorf zusammengewachsen.
Geologie mini|Landveränderungen von 1886 bis 2000
Die Insel Hiddensee ist geologisch gesehen eine sehr junge Landschaft und wurde während der letzten Eiszeit vor etwa 12.000 Jahren geformt. Diese hinterließ hier eine Jungmoränenlandschaft. Durch das abtauende Inlandeis hob sich das darunter liegende Land und die Senken füllten sich mit Wasser, der Vorgänger der späteren Ostsee, der Ancylussee entstand. So blieben nur noch die herausragenden Höhenrücken wie der Dornbusch als Inseln bestehen. Die Großformen der Küsten im südlichen Bereich der Ostsee formten sich durch die Littorina-Transgression vor etwa 7000 bis 2500 Jahren. Vor zirka 5000 Jahren erreichte der Meeresspiegel sein heutiges Niveau und der Dornbusch und zwei weitere Inselkerne wurden zu Inseln. Vor 4500 Jahren begann sich der Salzwasserzustrom aus der Nordsee stark zu verringern. Die Ostsee süßt seitdem langsam aus. Durch die Küstenerosion (Landabtragung, Verdriftung und Ablagerung) erlangten die damaligen Inseln im Laufe der Zeit ihre heutige Gestalt. So wurden die ehemaligen drei Inselkerne durch Anschwemmungen miteinander verbunden. Dieser Prozess trägt im Norden am Dornbusch immer noch Sand ab. Im Jahr 2000 brachen an der Nordspitze Hiddensees im Bereich des Toten Kerls zweimal 60.000 m³ Geschiebemergel ab und rutschten ins Meer. Im Durchschnitt verliert die Kliffkante des Dornbusch etwa 30 cm jährlich. Mitte März 2004 rutschten nochmals rund 10.000 m³ ins Meer.
Geologisch gesehen ist Hiddensee ein sich in stetem Wandel befindendes Gebiet. Die an der Nordspitze abgetragenen Landmassen werden an der Südspitze und an der Ostseite zum Schaproder Bodden hin wieder angespült. So entstanden an der Südspitze der Insel der Gellen und an der östlichen Seite der Nordspitze die beiden geologisch sehr jungen Sandhaken (Landzungen) Altbessin und Neubessin. Altbessin begann sich vor etwa 300 bis 400 Jahren herauszubilden und war schon Mitte des 19. Jahrhunderts über drei Kilometer lang. Seit damals ist er kaum noch gewachsen. Dagegen wächst der um 1900 entstandene benachbarte Neubessin jährlich um 30 bis 60 Meter und erreicht auch schon eine Länge von drei Kilometern. Inzwischen ist ein dritter Bessin im Entstehen begriffen. Auch die Südspitze wächst als sogenanntes Windwatt weiter in den Bodden.
Inseltopografie Vom Hochland im Norden bis zum Flachland im Süden gibt es folgende Berge, Schluchten und Formen (in Klammern die Höhe über NN, gerundet):Infotafeln auf der Insel im Nordbereich, an verschiedenen Stellen.
Klima mini|Klimadiagramm von Kap Arkona
Auf Hiddensee herrscht makroklimatisch Ostseeküstenklima mit häufigem Wechsel zwischen maritimen und kontinentalen Einflüssen. Charakteristisch sind dabei häufige, lebhafte und wechselnde Winde und eine lange Sonnenscheindauer. Sie beträgt im Durchschnitt 1850 Stunden pro Jahr. Damit nimmt Hiddensee eine Spitzenstellung in Deutschland ein. Eine Besonderheit ist bei schwachen, ablandigen Windverhältnissen die sogenannte transperiodische Windzirkulation, die durch die unterschiedlichen Temperaturen über dem Meer und dem Land entsteht. Dabei setzt ein Seewind am späten Vormittag ein, der am Nachmittag oder Abend wieder nachlässt.
Die langjährige Jahresmitteltemperatur liegt auf der Insel bei 8 °C. Die mittlere Windgeschwindigkeit im Ort Kloster beträgt 7 m/s. Im Vergleich zur nahe gelegenen Insel Rügen ist die jährliche Niederschlagsmenge auf Hiddensee deutlich geringer und liegt bei 540 Millimetern.
Im Jahr 2008 war, wie der Wetterdienst Meteomedia mitteilte, Hiddensee-Dornbusch mit 2168 Sonnenstunden der sonnenreichste Ort in Deutschland.Sonnenschein. Rügen hält die Spitze. In: Südkurier vom 3. Januar 2009 Die Daten wurden durch eine meteomediaeigene Wetterstation (; ) gesammelt.
Sturmhochwasser
Immer wieder wurde Hiddensee von Sturmhochwassern heimgesucht. So soll die Insel im Jahr 1304 durch die Allerheiligenflut von der Insel Rügen getrennt worden sein, was aber nicht gesichert nachgewiesen ist. In den Jahren 1864 und 1865 wurde Hiddensee dreimal von Sturmhochwassern zwischen Hohen Dünschen Garn und Peterbergschen Garn, einer sehr flachen und dünnen Stelle, durchbrochen. Das Hochwasser vom 12. zum 13. November 1872 überflutete die Insel bei Plogshagen erneut. Noch immer droht die Teilung der Insel in einen Süd- und einen Nordteil, welche nur durch umfangreiche Küstenschutzmaßnahmen bisher verhindert werden konnte.
Flora und Fauna mini|Naturschutzgebiet Dünenheide
Hiddensee ist die größte Insel des Nationalparkes Vorpommersche Boddenlandschaft und vereinigt eine alte Kulturlandschaft mit den Hutungen der ursprünglich vorhandenen Dünenheide. Die großen Neulandbildungen im Nordosten (Alter und Neuer Bessin) und Süden (am Gellen) Hiddensees bieten Lebensraum für zahlreiche wirbellose Tiere, wie Würmer und Muscheln. Diese dienen dann vielen Zugvögeln als Nahrung. So ist die Inselumgebung einer der bedeutendsten Kranichrastplätze Deutschlands. Die Südspitze der Insel sowie der Neue Bessin wurden deshalb der Schutzzone I des Nationalparks Vorpommersche Boddenlandschaft zugeordnet und dürfen nicht betreten werden. Auf der Insel gibt es zwei Naturschutzgebiete, das NSG Dünenheide zwischen Neuendorf und Vitte und das NSG Dornbusch und Schwedenhagener Ufer im Norden. Die Hiddenseer Dünenheide ist die größte, im Zusammenhang erhaltene Küstendünenheide im deutschen Ostseeraum.
1924 wurden am Dornbusch Wildkaninchen ausgesetzt, um die Jagd zu bereichern, was sich als schwerwiegender Fehler herausstellte. Schon nach wenigen Jahren hatten sich die Tiere außerordentlich stark vermehrt und die Wildschäden sind bis heute beträchtlich. 1962 wurden auch Rehe auf der Insel ausgesetzt. Wildschweine kommen regelmäßig von Rügen auf die Insel. Mitte der 1970er Jahre wurde auch ein Elch gesichtet.
Auf der Insel kommen auch Waldeidechsen, Kreuzottern und Ringelnattern vor.
Die Naturschutzgesellschaft Hiddensee und Boddenlandschaft unterhält in Vitte im Nationalparkhaus eine ständige Ausstellung zur Fauna und Flora.
Von 1936 bis etwa 2018 arbeitete die Vogelwarte Hiddensee auf der Insel, seitdem ist hier keine Beobachtungsstation mehr vorhanden.
Geschichte Name mini|hochkant=1.45|Luftbild der Steilküste am Leuchtturm Dornbusch, Nordhaken der Insel Hiddensee (2011) Der Inselname stammt aus dem Altnordischen und taucht als „Heðinsey“"22. „Biðið skjótliga til skipa ganga ok ór Brandeyju búna verða.“ Þaðan beið þengill, unz þingat kómu halir hundmargir ór Heðinseyju. 22. Brandey („Brand-Isle“): not mentioned elsewhere. Hethinsey („Hethin's Isle“): possibly the island of Hiddensee, east of Rügen." Poetic Edda Helgakviða Hundingsbana I 21-25, voluspa.org in der Prosa-Edda auf und als „Hithinsö“ in den Gesta Danorum des Saxo Grammaticus. Beides bedeutet so viel wie „Insel des Hedin“ oder „Hedinsinsel“.Alexander Ettenburg: Die Insel Hiddensee bei Rügen und das westliche Rügen. Bergen auf Rügen 1912. Neu herausgegeben von Tomas Güttler, Hamburg 2014, S. 5. Der legendäre Norwegerkönig Hedin soll demzufolge hier um eine Frau oder auch nur um Gold gekämpft haben. Ferner tauchen die Benennungen Hedinsö in der Knytlingasaga, Hyddensee im 13. Jahrhundert und Hiddensee ab dem 16. Jahrhundert auf; in einem Zeitungsbeitrag der Stralsundischen Zeitung von 1785 ist ebenfalls von Hiddensee die Rede.Herbert Ewe, Hiddensee, Hinstorff Verlag Rostock, 1983
Unter dänischer Herrschaft war offiziell „Hedins-Oe“ gebräuchlich. 1929 in deutschen Reiseführern noch „Hiddensöe“.
Von der Steinzeit bis zum Ende des 17. Jahrhunderts Die ersten Besiedlungen der Insel erfolgten in der mittleren und jüngeren Steinzeit. Nachdem im 6. Jahrhundert n. Chr. ein Großteil der germanischen Bevölkerung den südlichen Ostseeraum verlassen hatte, nahmen die Ranen (Slawen) die Insel in Besitz.