mini|St. Annen (Niederschöna) mini|Ansicht von Südwest Die evangelische Dorfkirche St. Annen Niederschöna ist eine barocke Saalkirche im Ortsteil Niederschöna der Gemeinde Halsbrücke im Landkreis Mittelsachsen von Sachsen. Sie gehört zur Kirchgemeinde Niederschöna-Oberschaar im Kirchenbezirk Freiberg der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Sachsens und ist vor allem für ihre Orgel von Gottfried Silbermann bekannt.

Geschichte und Architektur Das genaue Alter der Dorfkirche ist nicht bekannt. Ein Ritter, der im dritten Kreuzzug mit Kaiser Friedrich I. Barbarossa ritt, soll ein Gelübde für glückliche Heimkehr mit der Erbauung der Kirche eingelöst haben.Landesverein Sächsischer Heimatschutz Dresden, Band XXII, Heft 10/12, 1933, S. 328. Da die erste urkundliche Erwähnung Niederschönas später erfolgte, ist diese Gründungsgeschichte nicht belegt. Das Patrozinium wird mit St. Annen angegeben.

Die heutige barocke Saalkirche entstammt einem Umbau in den Jahren 1754/1755. Erneuerungen des Innern fanden in den Jahren 1823 bis 1828 statt, eine Restaurierung wurde 1953/1954 vorgenommen. Eine weitere Erneuerung des Äußeren und des Inneren fand 2000 bis 2007 statt.

Die Kirche ist ein verputzter Bruchsteinbau mit eingezogenem, rechteckig schließendem Chor und einem kleinen Sakristeianbau im Osten. Im Süden ist eine zweigeschossige Loge angeordnet, im Westen eine dreigeschossige Eingangshalle vorgelagert. Ein mächtiger Dachreiter im Westen mit geschweifter Haube und Laterne akzentuiert das Äußere.

Ausstattung mini|hochkant|links|Blick zum Kanzelaltar mini|Taufstein mini|Silbermann-Orgel Im Innern ist die Kirche als schlichter flachgedeckter Saal mit Emporen an drei Seiten ausgebildet. Ein rustikaler hölzerner Kanzelaltar vermutlich aus dem Jahr 1823 bildet das Hauptstück der Ausstattung. Ein großer Taufstein mit achteckiger Kuppa und Maßwerkornament stammt aus der Zeit um 1500.

Orgel Die Orgel auf der Westempore ist ein frühes Werk von Gottfried Silbermann aus den Jahren 1715/1716 mit 14 Registern auf einem Manual und Pedal. Sie war ursprünglich auf der Nordempore aufgestellt, wurde mehrfach repariert und erhielt bei Erneuerungen in den Jahren 1907 und 1959 durch die Firma Jehmlich in mehreren Registern neue Pfeifen in nicht originaler Bauweise. 1992 wurde die Pedaltrompete in ursprünglicher Form durch die Orgelwerkstatt Wegscheider rekonstruiert. 1993 erfolgte eine Restaurierung der Gehäusefassung.

Von September 2015 bis Mai 2016 erfolgte eine umfangreiche Restaurierung durch die Orgelwerkstatt Wegscheider, welche durch die Stiftung Orgelklang gefördert wurde. Neben dem Neubau einer Keilbalganlage zur Windversorgung nach historischem Vorbild wurde das gesamte Pfeifenwerk aufgearbeitet, die Windladen restauriert und der technische Spielapparat im Sinne Silbermanns restauriert und teilweise rekonstruiert. Die Orgel wurde am Pfingstmontag 2016 wieder eingeweiht. Die ursprüngliche Disposition lautet:Frank-Harald Greß, Michael Lange: Die Orgeln Gottfried Silbermanns (= Veröffentlichungen der Gesellschaft der Orgelfreunde. Nr. 177). 2. Auflage. Sandstein-Verlag, Dresden 2001, ISBN 3-930382-50-4, S. 42. Manual CD–c3 Principal 8′ Gedackt 8′ Qvintadehn 8′ Octava 4′ Rohrflöt 4′ Nasat 3′ Octava 2′ Qvinta ′ Sufflöt 1′ Cornet III (ab c1) Mixtur III Cimbeln II Pedal CD–c1 Sub Bass 16′ Trompet 8′ Pedal Koppel (ursprünglich war das Pedal fest an das Manual gekoppelt und die Funktion des Registerzugs eine Klingel) Nebenregister: Schwebung (Tremulant)

Anmerkungen Tonhöhe: gegenwärtig a1 = 440 Hz Stimmung: gegenwärtig gleichstufig Winddruck: etwa 80 mmWS

Umgebung Der Pfarrhof ist ein Dreiseithof, der aus dem langgestreckten Pfarrhaus mit massivem Erdgeschoss und Fachwerkobergeschoss, einem gegenüberliegenden, älteren Wohnstallhaus und aus einer Scheune mit Fachwerkgiebel besteht. Das Pfarrhaus ist am Korbbogenportal mit 1824 bezeichnet, stammt jedoch im Kern wohl vom Ende des 17. oder vom Anfang des 18. Jahrhunderts. Das Wohnstallhaus vermutlich vom Anfang des 17. Jahrhunderts zeigt über einem massiven Erdgeschoss ein verbrettertes Obergeschoss und ist auf der Rückseite in Fachwerk ausgeführt.

Die Alte Schule mit massivem Erdgeschoss und Krüppelwalmdach bildet mit dem Pfarrhof und der Kirche ein wirkungsvolles Ensemble und ist mit der Jahrzahl 1818 am Portal bezeichnet.

Geläut

Das Geläut besteht aus drei Stahlgussglocken, der Glockenstuhl ist aus Eichenholz und die Glockenjoche sind aus Stahl gefertigt. Im Folgenden eine Datenübersicht des Geläutes: Nr. Gussdatum Gießer Material Durchmesser Masse Schlagton 1 1920 Glockengießerei Freiberg Stahlguss1320 mm 924 kg f′ 2 1920 Glockengießerei Freiberg Stahlguss 1100 mm 597 kg as′ 3 1920 Glockengießerei Freiberg Stahlguss 910 mm 341 kg ces′′

Grabmale Einige Gräber sind Dokumente zur Geschichte des Ortes.

Auf einer Metallplatte an der Kirchenaußenwand ist zu lesen:

„Hier schlummert den ewigen Schlaf

Ernst August Gustav Schröter

seit 1817 Pfarrer hiesiger Gemeinde

geb. zu Sangerhausen am 8. März 1796

gest. am 21. November 1849.“ alternativtext=Grabplatte für Pfarrer Schröter. Foto September 2026.|mini|Diese Grabplatte erinnert an Pfarrer Schröter, der im frühen 19. Jahrhundert Ortspfarrer von Niederschöna war; Foto September 2026. mini|Erinnerung an die Opfer mehrerer Kriege und von Unrecht und Gewalt; Foto September 2026. alternativtext=Grabmal Pfarrer Schindler|mini|Grabmal Pfarrer Schindler und Frau; Foto September 2026. Am 21. September 1912 stürzte in der Nähe von Niederschöna ein Flugzeug ab. Die beiden Insassen, Angehörige des sächsischen Militärs, wurden dabei getötet. Die Leichen wurden nach Niederschöna in die Kirche gebracht. Der damalige Ortspfarrer Johannes Schindler hielt am folgenden Sonntag den Gedächtnisgottesdienst, der unter Beteiligung von Angehörigen, Vertretern des Militärs und der örtlichen Gemeinde stattfand. An den Pfarrer Johannes Schindler (und seine Frau) erinnert ein Grabstein. An der Kirchenaußenwand sind Tafeln angebracht, die an die Opfer des Krieges 1870/1871 und des Ersten Weltkrieges erinnern. Auf einer kleinen Tafel, auf dem Boden liegend, ist folgende Inschrift zu lesen. „Wir gedenken der Toten beider Weltkriege und der Opfer von Unrecht und Gewalt“.

Literatur Georg Dehio: Handbuch der Deutschen Kunstdenkmäler. Sachsen II. Die Regierungsbezirke Leipzig und Chemnitz. Deutscher Kunstverlag, München/Berlin 1998, ISBN 3-422-03048-4, S. 741. Rainer Thümmel: Glocken in Sachsen. Klang zwischen Himmel und Erde. Hrsg.: Evangelischen Landeskirchenamt Sachsens. 2., aktualisierte und ergänzte Auflage. Evangelische Verlagsanstalt, Leipzig 2015, ISBN 978-3-374-02871-9, S. 337 (Mit einem Geleitwort von Jochen Bohl und Fotografien von Klaus-Peter Meißner}).

Weblinks

Website der Kirchgemeinde Niederschöna-Oberschaar Niederschöna – Orgel von 1716 auf der Website der Gottfried Silbermann-Gesellschaft

Einzelnachweise

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