Die griechisch-portugiesischen Beziehungen umfassen das zwischenstaatliche Verhältnis zwischen Griechenland und Portugal. Die Länder unterhalten seit 1974 erneuerte diplomatische Beziehungen.Übersicht über die diplomatischen Beziehungen zu Griechenland beim diplomatischen Institut im portugiesischen Außenministerium, abgerufen am 4. Mai 2019
Die Beziehungen beider Länder gelten traditionell als gut.Übersicht über die griechisch-portugiesischen Beziehungen beim griechischen Außenministerium (griechisch, englisch, französisch), abgerufen am 16. Februar 2018 Sie werden von der gemeinsamen Mitgliedschaft u. a. in Europäischer Union, NATO, OSZE, Europarat, der Eurozone und dem Schengen-Raum geprägt, und beide Länder nehmen am Mittelmeer-Forum teil. Seit 2021 hat Griechenland außerdem Beobachterstatus in der Gemeinschaft der Portugiesischsprachigen Länder (CPLP).
Sie weisen zudem einige Parallelen auf; so haben sie ähnlich viele Einwohner und eine vergleichbare Staatsfläche, und beide Länder sind traditionell mit dem sie umgebenden Meer verbunden.
Im Jahr 2016 waren 397 griechische Staatsbürger in Portugal registriert, davon mit 171 die meisten im Distrikt Lissabon.Anzahl der Ausländer in den offiziellen Ausländerstatistiken nach Distrikt, portugiesische Ausländer- und Grenzbehörde SEF, abgerufen am 16. Februar 2018 Im Jahr 2011 waren 650 Personen in den portugiesischen Konsulaten in Griechenland registriert, davon 56 portugiesische Staatsbürger.Webseite zur griechisch-portugiesischen Migration beim portugiesischen wissenschaftlichen Observatório da Emigração, abgerufen am 16. Februar 2018
Geschichte mini|Tavira an der portugiesischen Algarveküste war im 4. Jh. v. Chr. eine griechische Kolonie Das antike Griechenland unterhielt Kontakte und Siedlungen in Portugal. Die älteste griechische Kolonie im heutigen Portugal ist in Tavira belegt, aus dem 4. Jahrhundert v. Chr. Handelskontakte bestanden die gesamt Küste hinauf bis Santa Olaia und weiter nördlich.
Während Portugal zwischen 711 n. Chr. und seiner Staatsgründung 1143 überwiegend arabisch war, blieb Griechenland von 395 bis 1453 byzantinisch. Danach wurde Griechenland Teil des Osmanischen Reichs, bis zur Griechischen Revolution ab 1821, während seit dem 15. Jahrhundert das Portugiesische Kolonialreich jahrhundertelang die außereuropäische Orientierung Portugal prägte. In den portugiesischen Flotten fuhren auch einige Griechen, vor allem zur Zeit der Iberischen Union (1580–1640). So segelte der Grieche Juan de Fuca auch mit Portugiesen in der Flotte des spanischen Königs an der Westküste Kanadas. Zuvor war die Flotte des in spanischen Diensten stehenden Portugiesen Ferdinand Magellan (eigentlich Fernão de Magalhães) auch mit griechischen Seeleuten 1519 zur Weltumseglung aufgebrochen. Unter den letzten 18 Seeleuten, die auf dem einzigen 1522 heimgekehrten Schiff Magellans, der Victoria überlebt hatten, war auch ein Grieche, von der Insel Chios."Um alentejano combateu na guerra da independência grega" - „Ein Alentejaner kämpfte im griechischen Unabhängigkeitskrieg“, Artikel vom 20. Februar 2021 der portugiesischen Zeitung Diário de Notícias, abgerufen am 20. Februar 2021
Nach dem Alhambra-Edikt, mit dem 1492 Juden aus dem spanischen Herrschaftsbereich vertrieben wurden, kamen Juden zahlreich nach Portugal. Nachdem sie jedoch zunächst durch Zwangstaufe zu Marranen geworden waren und einige Jahre später schließlich auch von hier fliehen mussten, gingen viele von ihnen in französische (Bayonne, Bordeaux), flämisch-niederländische (Amsterdam, Antwerpen) und deutsche (Hamburg) Städte, ein beträchtlicher Teil dieser jüdischen Gemeinde ging aber auch nach Griechenland, insbesondere nach Thessaloniki, darunter bedeutende Geschäftsleute, aber auch Gelehrte wie der einflussreiche portugiesische Arzt Amato Lusitano, der 1568 hier der Pest erlag.
Im griechischen Unabhängigkeitskrieg ab 1821 kämpften auch zahlreiche Freiwillige aus anderen Ländern, darunter auch Portugiesen. Bekannt wurde vor allem der aus Elvas im Alentejo stammende Offizier António de Almeida, der 1825 nach Griechenland kam und einen der beiden Attentäter des ersten griechischen Regierungschefs Ioannis Kapodistrias festnahm. Anlässlich des Gedenkens an 200 Jahre griechische Unabhängigkeit hob Anfang 2021 der griechische Botschafter in Portugal Ioannis Metaxas, der fließend Portugiesisch spricht und mit einer Portugiesin verheiratet ist, die Rolle Almeidas hervor, der zu den Vätern des modernen Griechischen Heeres zählt. Dessen Enkel gleichen Namens kämpfte ebenfalls als Soldat für Griechenland, zunächst im Türkisch-Griechischen Krieg 1897 und dann im Griechisch-Türkischen Krieg, in dem er 1912 starb.
Bei der Suche nach einem geeigneten Kandidaten wurde der griechische Königsthron dem portugiesischen Prinzen Pedro angeboten, später König Portugals und Kaiser Brasiliens. Er lehnte jedoch in Erwartung seiner kommenden Titel ab. Nachdem auch Prinz Leopold (später König Belgiens) ablehnte, wurde Otto von Bayern König der Griechen.
Das seit 1827 endgültig unabhängige Griechenland und Portugal nahmen danach diplomatische Beziehungen auf. Griechenlands Botschafter in Madrid, Andreas Metaxas, war ab 1835 als erster griechische Botschafter in Lissabon doppelakkreditiert, während Martinho Teixeira Homem de Brederode als portugiesischer Ministro Plenipotenciário mit Amtssitz Bukarest 1919 in Athen als erster portugiesischer Botschafter für Griechenland doppelakkreditiert wurde.
Die Don-Pacifico-Affäre, bei der es um Entschädigungsforderungen des britisch-portugiesischen Kaufmanns David Pacifico nach einem antisemitischen Mob-Angriff 1847 in Athen ging, führte 1850 zu einer diplomatischen Krise zwischen Griechenland einerseits und Portugal und Großbritannien andererseits, wobei jedoch vor allem Großbritannien als wesentlicher Akteur dabei in Konflikt mit Griechenland geriet und die Beziehungen zu Portugal weniger stark beeinträchtigt wurden.
Am 29. Mai 1924 erkannte die portugiesische Regierung die Zweite Hellenische Republik an.
Ein erstes Handels- und Schifffahrtsabkommen unterzeichneten beide Länder am 15. August 1938.
Während Portugal im Zweiten Weltkrieg dann neutral blieb, litt Griechenland unter der italienischen Invasion und der folgenden deutschen Besatzung bis 1945. Danach brach in Griechenland ein Bürgerkrieg aus, dem eine Militärdiktatur folgte. Portugal war bereits seit 1926 eine Diktatur, bis die Nelkenrevolution 1974 das Land wieder zur Demokratie führte. Im gleichen Jahr erfolgte mit dem Sturz der griechischen Militärdiktatur auch dort die Rückkehr zur Demokratie. Beide Länder orientierten sich nun westlich. Im Zuge ihrer Beitritte zur heutigen EU 1981 (Griechenland) bzw. 1986 (Portugal) näherten sich beide Länder nun zunehmend an. Zuvor waren sie bereits in der NATO Partner, auf Grund der unterschiedlichen geopolitischen Ausrichtungen bestanden jedoch kaum direkte Kontakte. mini|Der griechische Außenminister Nikos Kotzias (re.) und sein portugiesischer Amtskollege Augusto Santos Silva (li.) 2016 Einem ersten Abkommen zur Kooperation in Kultur und Wissenschaft 1980 folgte 1986 ein bilaterales Luftfahrtsabkommen. 1999 schlossen die beiden Länder ein Doppelbesteuerungsabkommen und ein erstes Abkommen zur Verhinderung von Steuerflucht.
Portugal gehörte zu den ersten Ländern, die 1999 die gemeinsame Währung Euro einführte, Griechenland folgte 2001. In beiden Ländern erfolgte am 1. Januar 2002 die Einführung des Euros als Bargeld.
Im Zuge der Eurokrise 2010 gerieten beide Länder als Teil der sogenannten GIIPS-Staaten in eine schwere Wirtschaftskrise und erhielten in der Folge Hilfen aus dem umstrittenen Euro-Rettungsschirm. Sie zählten danach beide zu den europäischen Ländern mit der höchsten Staatsschuldenquote. Während Portugal den Rettungsschirm 2014 wieder verlassen konnte, dauert die Griechische Staatsschuldenkrise weiter an (Stand 2017).
Zuletzt besuchte Portugals Premier António Costa Griechenland im Jahr 2016 und traf dort mit seinem Amtskollegen Alexis Tsipras zusammen. Costa sagte Griechenland dabei weitere Unterstützung bei der Bewältigung des Flüchtlingsandrangs zu. Portugal ist bereits mit Marine- und Polizeikontingenten an verschiedenen Programmen im Ägäischen Meer beteiligt., Website der portugiesischen Botschaft in Griechenland, abgerufen am 16. Februar 2018 So nehmen Kräfte der portugiesischen Wasserschutzpolizei und der GNR seit 2014 an Frontex-Missionen (insbesondere Poseidon) teil und unterstützen griechische Kräfte bei der Aufnahme von Flüchtlingen, besonders aus Syrien.
Im Oktober 2020 unterzeichneten die Verteidigungsminister beider Länder im portugiesischen Oeiras ein erneuertes Abkommen über Zusammenarbeit in der Verteidigung, mit Schwerpunkt auf Kooperationen der Waffenindustrie beider Länder.Portugal e Grécia reforçam cooperação na Defesa com destaque para indústria - „Portugal und Griechenland verstärken Zusammenarbeit in der Verteidigung mit Schwerpunkt auf der Waffenindustrie“, Artikel vom 12. Oktober 2020 des portugiesischen Nachrichtenportals Observador, abgerufen am 30. Januar 2022
Am 11. Januar 2021 besuchte der griechische Ministerpräsident Kyriakos Mitsotakis Portugal, zwei Tage später kam der griechische Außenminister Nikos Dendias zum Staatsbesuch. Beide Seiten bekräftigten dabei ihre guten Beziehungen, und Griechenland versicherte seine vollste Unterstützung der Portugiesischen EU-Ratspräsidentschaft 2021.Mitteilung zum Besuch des griechischen Außenministers in Portugal vom 13. Januar 2021, griechisches Außenministerium, abgerufen am 20. Februar 2021 Mitsotakis bedankte sich dabei ausdrücklich für die Solidarität Portugals und seine anhaltende Hilfe bei der Grenzsicherung und der Rettung von Flüchtlingen vor der griechischen Küste.Mitsotakis: Portugal showed real solidarity by helping protect Greece’s sea border, Artikel vom 12. Januar 2021 der Greek City Times, abgerufen am 30. Januar 2022
Diplomatie Portugal unterhält eine Botschaft in der griechischen Hauptstadt Athen, in der Vassilissis Sofias Av. Nummer 23. Portugiesische Honorarkonsulate sind zudem in Thessaloniki, Piräus und auf der Insel Korfu eingerichtet., Webseite der portugiesischen Botschaft in Athen (portugiesisch, griechisch, englisch), abgerufen am 16. Februar 2018
Die griechische Vertretung in Portugal residiert in der Rua Alto Do Duque Nummer 13, im Restelo-Viertel der Lissabonner Stadtgemeinde Belém. Dazu bestehen griechische Honorarkonsulate in Porto, Funchal (auf der Insel Madeira) und in Ponta Delgada (auf den Azoren).
Städtepartnerschaften Nach ihrem EU-Beitritt 1981 bzw. 1986 gingen griechische und portugiesische Kommunen ab 1989 Städte- und Gemeindefreundschaften ein. Im Rahmen der Europäischen Integration entstanden bisher vier dieser Partnerschaften (Stand 2010).Liste der griechisch-portugiesischen Städtepartnerschaften auf der Website des Verbandes portugiesischer Kreisverwaltung ANMP, abgerufen am 11. Februar 2018
Wirtschaft Die portugiesische Außenhandelskammer AICEP unterhält eine Niederlassung in Griechenland, an der portugiesischen Botschaft in Athen.Website zur Niederlassung der AICEP in Athen, abgerufen am 11. Februar 2018 Die griechischen Wirtschafts- und Handelsbüros (Offices of Economic and Commercial Affairs), unterhalten ihrerseits an der griechischen Botschaft in Lissabon ein Büro.Liste der ECA-Büros beim griechischen Außenministerium (englisch, griechisch), abgerufen am 16. Februar 2018 mini|Fischereihafen in Samothraki: Fisch ist das wichtigste Exportgut Griechenlands nach Portugal Im Jahr 2016 exportierte Portugal Waren und Dienstleistungen im Wert von 154,9 Mio. Euro nach Griechenland (2015: 176,1 Mio.; 2014: 225,0 Mio.; 2013: 234,7 Mio.; 2012: 263,5 Mio.). Der Anteil der Waren betrug 125,5 Mio. Euro, davon 17,9 % Kunststoffe und Gummi, 15,1 % Lebensmittel, 11,4 % Maschinen und Geräte, 10,5 % Papier und Zellulose und 7,7 % landwirtschaftliche Erzeugnisse., Website der AICEP, abgerufen am 11. Februar 2018