miniatur|St. Hedwig-Friedhof

Der St. Hedwig-Friedhof I ist ein Friedhof der katholischen St. Hedwigs-Gemeinde in Berlin-Mitte in der Liesenstraße 8. Er besteht seit 1833.

Geschichte Um 1832 kaufte die Gemeinde der katholischen St. Hedwigs-Kathedrale ein Gelände am nordöstlichen Stadtrand von Berlin von dem Gastwirt Liese. 1833 wurde dieses eingezäunt. Direkt benachbart lag der Friedhof der französisch-reformierten Gemeinde und daneben der evangelische Domfriedhof. Es gab zunächst ein Totengräberhaus und einen Schuppen, die Aussegnungen fanden an einem Sandsteinkruzifix statt.Alfred Etzold, Der Dorotheenstädtische Friedhof, 2001, S. 103, mit einigen Angaben zur Geschichte des St. Hedwig-Friedhofs 1866/67 wurde eine Friedhofskapelle St. Anna gebaut.

1961 wurde an der nordwestlichen Friedhofsbegrenzung die Berliner Mauer errichtet. Der davorliegende Grenzbereich wurde bis 1967 auf etwa vierzig Meter erweitert und alle dortigen Gräber eingeebnet, die Grabsteine wurden für den Postenweg genutzt oder entsorgt. Der Zugang war nur noch für Angehörige von einem Seiteneingang an der Wöhlertstraße durch die beiden benachbarten Friedhöfe möglich. Es gab weiterhin einige Bestattungen. Ab 1987 wurde die verfallende Kapelle grundlegend instandgesetzt.

1990 wurde der größte Teil der Grenzanlagen beseitigt, es blieb aber ein Segment der Hauptmauer erhalten (als eines von nur drei überhaupt) und ein Teil der Vorpostenwand. Auf dem ehemaligen Grenzstreifen entstand ein Biotop, dort wurden keine weiteren Gräber angelegt.

Auf dem St. Hedwig-Friedhof I finden in der Gegenwart weiterhin Beerdigungen statt. Er ist der älteste erhaltene katholische Friedhof in Berlin.

Grabstätten Bestehende Gräber miniatur|150px|Grabkreuz für Carl Sonnenschein

Lorenz Adlon (1849–1921), Hotelier (Hotel Adlon) und Weinhändler Louis Adlon (1874–1945), Hotelier, Sohn von Lorenz Adlon Percy Adlon (1935–2024), Film- und Fernsehregisseur, Autor und Produzent Eleonore de Ahna (1838–1865), Opernsängerin Maximiliane von Arnim (1818–1894), Salonnière Mathias Bauer (1843–1906), Besitzer des Café Bauer Bruno Binnebesel (1902–1944), Theologe, Opfer des Nationalsozialismus (Urne 1947 von Brandenburg an der Havel hierhin überführt) Jules Brunfaut (1873–1928), Meisterkoch Ernst Brzoza (1898–1950), Pfarrer Franz Bumm (1861–1942), Jurist, Präsident des Reichsgesundheitsamtes James Cloppenburg (1877–1926), Mitbegründer des Textilkaufhauses Peek & Cloppenburg Herrmann Cohen, Komponist und Pianist, Kleriker (1943 hierher umgebettet aus der zerstörten St.-Hedwigs-Kathedrale; später nach Frankreich umgebettet, Grabstätte mit neu geschaffenem Gedenkstein nach 2001) Peter Dussmann (1938–2013), Unternehmer und Gründer der Dussmann-Group Hermann Dyckhoff (1853–1916), Textileinzelhandels-Unternehmer Franz Anton Egells (1788–1854), Maschinenbau-Unternehmer Carl Flohr (1850–1927), Ingenieur und Fabrikbesitzer Enrique Gil y Carrasco (1815–1846), Dichter und Botschaftssekretär (die sterblichen Überreste wurden nach Spanien überführt) Eugen Gottlieb (1879–1940), Komponist und Kapellmeister Joseph Jahnel (1834–1897), Fürstbischöflicher Delegat (1889–1897) und Ehrendomherr zu Breslau Theodor Jansen (1829–1885), Justizrat (Medaillon von Rudolf Schweinitz) Josef Limburg (1874–1955), Bildhauer (sein schlichter, vermutlich erneuerter Grabstein wurde neben den Engeln aufgestellt) Daniel Liszt (1839–1859), Sohn des Komponisten Franz Liszt Anna Pauline Milder-Hauptmann (1785–1838), Sängerin (heutige Grabplatte von 1927) Karl Neuber (1841–1905), Fürstbischöflicher Delegat, Propst der St.-Hedwigs-Kirche Alphonse von Oriola (1812–1863), Kammerherr, Diplomat Johann Georg Patzenhofer (1815–1873), Gründer der Patzenhofer-Brauerei Rudolf von Renvers (1854–1909), Generalarzt, Direktor des Krankenhauses Moabit Therese Renz (1859–1938), Kunstreiterin Josef Rotter (1857–1924), Chirurg Carl Schilling (1876–1939), Steinmetz Matthias Carl Schilling (1851–1909), Königlicher Hofsteinmetzmeister, Vater von Carl Schilling (Grabstätte 2011 durch Ausbrechen der Bronzegitter stark beschädigt) Joseph Hermann Schmidt (1804–1852), Direktor der Gebärabteilung der Charité Georg Soenderop (1854–1909), Eisenbahnbauunternehmer Carl Sonnenschein (1876–1929), Theologe (das Holzkreuz mit Bronzekruzifix auf seinem Grab gilt als eines der bedeutendsten Grabmäler des Friedhofs) Ernst Thrasolt (1878–1945), Dichter und Priester Willibald Velten (1849–1937), Pfarrer

Literatur Alfred Etzold: Der Dorotheenstädtische Friedhof. Ch. Links, Berlin 2001. S. 103–114, mit ausführlichen Angaben

Heinrich Trost, u. a. (Hrsg.): Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland. Denkmale in Berlin. Bezirk Mitte. Ortsteil Mitte. Imhof, Petersberg 2003. S. 639–642 Wolfgang Gottschalk: Die Friedhöfe der St.-Hedwigs-Gemeinde zu Berlin. Berlin 1991. S. 22–40

Weblinks

Friedhof der St. Hedwig-Gemeinde Denkmaldatenbank Berlin, mit vielen Angaben

Einzelnachweise

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