mini|Inneres der Kirche St. Ludwig am Großen Markt in Saarlouis mini|Rückwand der Orgelempore in St. Ludwig, mit dem Gemälde Sacra Conversazione (Ernst Alt) Die Saarlouiser Ludwigsfenster gehören zu einem Glasmalerei-Zyklus, der durch den Saarbrücker Künstler Ernst Alt für die Saarlouiser Stadtpfarrkirche St. Ludwig geschaffen wurde.

Konzeption Aus Anlass des 300-jährigen Gründungsfestes der Stadt Saarlouis im Jahr 1980 wurde im Jahr 1979 durch den bildenden Künstler Alt mit dem Pelikanfenster ein neuer Fensterzyklus in der Kirche St. Ludwig begonnen,Alfons Thome: „Die ganze Schöpfung schreit nach Erlösung“, Gedanken zu den Kirchenfenstern von Ernst Alt in Saarlouis-St. Ludwig. In: Paulinus, 111. Jahrgang, 17. März 1985; Severin Delges: Geschichte der katholischen Pfarrei St. Ludwig in Saarlouis. Saarlouis-Lisdorf 1931, Erweiterung um einen zweiten Teil durch Heinrich Unkel im Jahr 1952, Erweiterung um einen dritten Teil durch Marga Blasius im Jahr 1985, Teil 3, S. 27; Josef Mischo: „Denn sehet, ich bin mit euch alle Tage“, Die Pfarrkirche St. Ludwig – Saarlouis und ihre Glasfenster von Ernst Alt, Gedanken zu einem Kunstwerk unserer Zeit. Saarlouis-Lisdorf 1993; Josef Mischo: Die Heilsgeschichte in Farbe, Der Fensterzyklus von Ernst Alt in der Pfarrkirche St. Ludwig Saarlouis, Dillingen/Merzig 2015; Martin König: Inkarnationen: Pflanzen, Tier und Mensch, Die zwei Fensterzyklen in Neunkirchen/Nahe und in Saarlouis. In: Thomas Schwarz, Armin Schmitt (Hrsg.): Mnemosyne, Der Maler und Bildhauer Ernst Alt. Blieskastel 2002, S. 59–71, hier S. 65–71. der sukzessive bis zum Tod des Künstlers im Jahr 2013 weitergeführt wurde.Bilderansicht: ernst-alt.info abgerufen am 21. April 2016. Die Fenster wurden von den Firmen Derix sowie „Die Kunstglaser“, beide in Rottweil, in Antikglas in einer Stärke von 2 bis 3 mm hergestellt. Leitender Schwarzlotmaler war Johannes Görgen. Die Einbrennung erfolgte in mehreren Etappen bei 600 °C. Die verwendeten Antikgläser fertigte die Glashütte Lamberts in Waldsassen.Josef Mischo: Die Heilsgeschichte in Farbe, Der Fensterzyklus von Ernst Alt in der Pfarrkirche St. Ludwig Saarlouis. Dillingen/Merzig 2015, 14–15 und S. 143–148. Da die Entwürfe zu den noch ausstehenden Fenstern bereits vorliegen, könnte die Farbverglasung in Zukunft weitergeführt werden.

Die Themen der Fenster wurden so konzipiert, dass sie alle in gewisser Weise mit dem Lebensthema des heiligen Ludwig und dessen engem Bezug zur Dornenkrone Christi in Zusammenhang stehen. Ludwig IX. hatte im Rahmen seines Kreuzzuges im Jahr 1237 in Konstantinopel die angebliche Dornenkrone Jesu Christi erworben und zu deren Aufbewahrung die Sainte-Chapelle in Paris erbauen lassen. Sie wird jetzt in der Kathedrale Notre-Dame de Paris aufbewahrt. Die überwältigende farbintensive Innenraumwirkung der Sainte-Chapelle inspirierte Ernst Alt zur Konzeption des allegorisch hochaufgeladenen Fensterzyklus in St. Ludwig.Martin König: Inkarnationen: Pflanzen, Tier und Mensch, Die zwei Fensterzyklen in Neunkirchen/Nahe und in Saarlouis, in: Thomas Schwarz, Armin Schmitt (Hrsg.): Mnemosyne. Der Maler und Bildhauer Ernst Alt, Blieskastel 2002, S. 59–71, hier S. 65–71, S. 65.

Im Herbst 1979 stellte Ernst Alt in Saarlouis seine Fensterentwürfe vor und begann seine Erklärung mit dem Leitspruch „Es ist aus mit dem, was wir heile Welt nennen.“ Der Künstler hatte sich mit der Architektur des Böhmschen Betonbaues und deren Wirkung auf den Betrachter auseinandergesetzt und meinte diesbezüglich:Josef Mischo: Die Heilsgeschichte in Farbe. Der Fensterzyklus von Ernst Alt in der Pfarrkirche St. Ludwig Saarlouis, Dillingen/Merzig 2015, 17–18.

Der Zyklus mit dem Titel „Saarlouiser Dornenpassion“ sollte eine Deutung des „Dornenthemas“ in der Bibel sein: angefangen vom Buch Genesis (Vertreibung aus dem Paradies, Widder bei Abraham im Dornbusch) über das Buch Exodus (brennender Dornbusch bei Mose), die metaphorischen Dornen der leidenden Dulder, Psalmisten und Propheten in der Bibel bis hin zur Dornenkrone in der Passion Jesus.

Darüber hinaus entwarf Ernst Alt weitere Fenster, die in einem Gesamtkonzept zu verstehen sind. Zwei Fenster sind bisher noch nicht verwirklicht worden, liegen allerdings im Entwurf vor. Die Farbverglasung der beiden hohen Seitenfenster konzipierte Ernst Alt als Prophetenfenster sowie als Königsfenster.Josef Mischo: Die Heilsgeschichte in Farbe. Der Fensterzyklus von Ernst Alt in der Pfarrkirche St. Ludwig Saarlouis, Dillingen/Merzig 2015, 17–24.

Prophetenfenster Das 10,50 m hohe Prophetenfenster sollte in biblisch-chronologischer Reihenfolge die Propheten als Knechte Gottes darstellen. Im unteren Bildteil pflanzt Noach nach der überstandenen Sintflut und dem Bundesschluss mit Gott einen Weinstock . Der nächste Prophet ist Abraham, der aus der Stadt Ur in Chaldäa im Süden des heutigen Irak wegzieht und von Gott aufgefordert wird, in ein Land zu ziehen, das dieser ihm zeigen werde. Seine Nachkommen würden zahlreich sein und er werde ein Segen für alle Völker werden. Im hohen Alter zieht Abram somit nach Kanaan (–). Auf Abraham folgt in Ernst Alts Konzeption Mose, der als von Gott Beauftragter nach biblischer Tradition das Volk der Israeliten auf einer vierzig Jahre währenden Wanderung aus der ägyptischen Sklaverei in das kanaanäische Land führt, es selbst aber nicht betreten darf. Über Mose folgt Ijob, der als wohlhabender und gottesfürchtiger Mann im Land Uz lebt und dessen Glaube aufgrund einer Wette zwischen Satan und Gott schwer geprüft wird. An der Spitze des Fensters sollte der Prophet Jona dargestellt werden, der versuchte, sich dem Auftrag Gottes zu entziehen, sich aber schließlich dem göttlichen Willen fügen musste.Josef Mischo: Die Heilsgeschichte in Farbe. Der Fensterzyklus von Ernst Alt in der Pfarrkirche St. Ludwig Saarlouis, Dillingen/Merzig 2015, 23–24.

Königsfenster Das 7,50 m hohe Königsfenster sollte die „Ahnenreihe der Idealkönige von Salem (Jerusalem)“ darstellen. Angelehnt an die Königsgalerie mittelalterlicher Kathedralen oder den Thronsaal des Schlosses Neuschwanstein mit seiner Königsgalerie zeigt Ernst Alt einen vertikalen Chronologie-Reigen von Herrschergestalten, die jeweils auf den Schultern des Vorgängers stehen und spitze goldene Strahlenkronen tragen. Den Anfang macht der biblische Priesterkönig von Salem, Melchisedek, der, angetan mit priesterlicher Stola, dem höchsten Gott Wein in einem Goldkelch und Brot opfert . Ferner ist Melchisedek in Psalm erwähnt, einer Hoheitszusage an den davidischen König Israels, der zugleich Hohepriester ist: „Du bist Priester auf ewig nach der Ordnung des Melchisedek“. Im Neuen Testament wird die Gestalt des Melchisedek im Brief an die Hebräer in den Kapiteln 5–7 hervorgehoben. Hier wird Jesus Christus Hohepriester nach der Ordnung Melchisedeks genannt und somit eine eigenständige Soteriologie konzipiert.

Auf den Schultern des greisen Priesterkönigs Melchisedek tanzt, nur umweht von einer sich um den nackten Körper schlängelnden weißen Stoffbanderole des priesterlichen Efod, der jugendliche König David mit der Harfe. Ernst Alt thematisiert hier die Episode aus dem Zweiten Buch Samuel, in der David die Bundeslade in einer feierlichen Prozession nach Jerusalem bringen lässt, vor dem Herrn in ekstatischer Weise tanzt und sich dadurch in den Augen seiner Frau Michal lächerlich macht (). Den Harfenkopf hat Ernst Alt als Traubenklotz gestaltet, der sich auf die Traubenkuchenspende bei der Verbringung der Bundeslade nach Jerusalem und auf die neutestamentliche Eucharistie beziehen kann.

Mit der Person Davids verbindet sich die prophetische Verheißung, dass der erwartete Messias aus dem Haus David stammen müsse, sodass Jesus im Neuen Testament mehrfach mit dem Titel „Sohn Davids“ angeredet wird. In der christlichen Ikonographie des Mittelalters galt David als der Prototyp des Psalmisten und des Dichters. Im Hymnus Dies irae prophezeit er zusammen mit der Sibylle das Herankommen des Jüngsten Gerichts. Darüber hinaus wurde David in der höfischen Vorstellung des Mittelalters als beispielhafter Ritter und König angesehen. Ebenso diente die biblische Salbung Davids durch den Propheten Samuel im Mittelalter als Vorbild für die kirchliche Königssalbung.

Auf den Schultern seines Vaters David stellt Ernst Alt nun dessen Sohn Salomo dar. Angetan in prächtigen Königsgewändern schwingt er ein goldenes Rauchfass und hält in seiner Rechten einen aufplatzenden Granatapfel. Das Rauchfass deutet auf den Tempelkult hin, den er in Jerusalem mit der Erbauung des ersten Tempels begründete. Sprichwörtlich wurde seine Weisheit. Traditionell gilt Salomo als Autor der biblischen Schriften Buch der Sprichwörter, Kohelet, Hoheslied und Buch der Weisheit. Der Granatapfel stellt einen Bezug her zum Hohenlied, wo die Vorzüge der Geliebten mit der Wohlgestalt eines Granatapfels verglichen werden.Hoheslied 4, 3.13; 6, 7.11; 7, 13–14; 8, 2

An der Spitze der Königsgalerie scheint abschließend König Ludwig IX. von Frankreich, der Schutzpatron des Saarlouiser Kirchengebäudes, mit dem wehenden Kreuzzugsbanner in das himmlische Jerusalem steigen zu wollen. Angetan mit Ritterrüstung und blauem Königsmantel hebt er in seinen Händen die Dornenkrone Christi empor. Im Zentrum der von goldenen Funken erleuchteten tiefroten Dornenkrone erscheint der goldene Davidstern. Von der Dornenkrone fließt ein Blutstrom als Symbol von Schuld und Machtmissbrauch herab, besudelt alle Könige, die unter Ludwig stehen und fließt schließlich in den Goldkelch des Melchisedek im unteren Bildteil.Josef Mischo: Die Heilsgeschichte in Farbe. Der Fensterzyklus von Ernst Alt in der Pfarrkirche St. Ludwig Saarlouis, Dillingen/Merzig 2015, 18–22.

Saarlouiser Dornenpassion Fensterzyklus des Alten Testamentes Der Fensterzyklus des Alten Testamentes und der Geschichte des Judentums enthält bisher fünf Bildfenster.

Der Granatdornharfner oder der Lebenspsalter Ernst Alt entwarf das Fenster im Jahr 1981. Das Glasbild befindet sich oberhalb der Fenster, die alttestamentliche Themen behandeln. Zentrum des Bildes ist eine Harfe, deren Bogen von Dornenzweigen gebildet wird, die von tiefem Rot am Harfenfuß über leuchtendes Gelb am Harfenhals zu frischem Grün am Harfenkopf changieren. Der Harfenfuß ist in der Form und Farbe eines menschlichen Herzens ausgebildet. Der Harfenkopf entfaltet sich in frisches Blattwerk, in dem der Betrachter die vier Entwicklungsstadien eines Granatapfels von der roten Blüte über die kleine Frucht, die reife Frucht sowie die aufbrechende Frucht mit ihren durchscheinenden Samenmänteln erkennen kann. Die Samen des Granatapfels ergießen sich mit blutrotem Fruchtsaft aus der Fruchtschale, wecken Assoziationen zu einer blutenden Wunde, und scheinen über die welligen dunkelvioletten Websäume des Gebetsmantels in der unteren Bildhälfte dem knorrigen herzförmigen Harfenfuß zuzufließen. Neben den biblischen Assoziationen des Granatapfels steht er traditionell symbolisch für Leben in Fülle, reiche Fruchtbarkeit, aber auch für Blut und Tod.

Die Harfe wird von einem Mann gespielt, dessen Gesicht mit in sich gekehrten Augen hinter den Saiten der Harfe sichtbar wird. Seine Hände sind feingliedrig. Am Ringfinger der rechten Hand trägt der Harfenspieler einen goldenen Ring, der als Sinnbild der treuen Gebundenheit, aber auch im Zusammenhang mit der Lessingschen Ringparabel gesehen werden kann. Das ausgezehrtes Gesicht und die weißen Haare des Mannes deuten ein fortgeschrittenes Alter an. Langer Bart, Schläfenlocken sowie sich wellenförmig aufbauschender Gebetsmantel mit blauen eingewebten Streifen und langen Saumfäden lassen den Mann als Juden erkennen. Die geöffneten bleichen Lippen des greisen Harfenspielers deuten begleitenden Gesang an. Der herzförmige Harfenfuß ist vom Künstler an der Brust des Harfenspielers positioniert und erweckt den Eindruck eines offenliegenden Herzens.