mini|Dobbertiner Konventsiegel in der Patronatskirche zu Lohmen (2011)
Geschichte Anfang des 13. Jahrhunderts gab es im Bistum Schwerin mit Dobbertin nur ein Mönchskloster des Benediktinerordens. Nach der Umwandlung in ein Nonnenkloster gleichen Ordens nahm das Kloster Dobbertin nach 1234 eine führende Stellung im Bistum Schwerin ein. Bischof Brunward von Schwerin verlieh dem Benediktiner-Nonnenkloster Dobbertin die freie Wahl des Propstes und der Priorin.MUB I. (1863) Nr. 425. In dieser Urkunde teilt der Bischof mit, daß dieser Ort im übrigen ein Archidiakonat sei, daß der Propst wie auch die nachfolgenden Archidiakone die Seelsorge von uns und unseren Nachfolgern abfordern, wobei wir mit Willen und Zustimmung unseres Domkapitels, ihrer Zuständigkeit die Kirchen in Goldberg (Goltz), Lohmen (Lomen), Ruchow, Karcheez (Kerckgetze) und Woserin mit allen ihren Zubehör unterstellen. Während der Reformationszeiten, aber noch vor der Auflösung des Nonnenklosters hatten die Dobbertiner Pröpste 1561 und 1562 dem Herzog Ulrich von Mecklenburg über das Patronatsrecht aller Kirchen und Filialkirchen des Klosters sowie der Hauptkirche zu Goldberg zu berichten.LHAS 2.12-3/2 Klöster und Ritterorden, Dobbertin. Nr. 291 Bericht an Herzog Ulrich 1561, 1562.
mini|Klosterkirche Dobbertin (2009)
Patronatskirchen im Kerngebiet Über die Kirchen im Archidiakonat übte der Klosterpropst als Archidiakon eine unmittelbare Aufsicht aus, die über das Kirchenpatronat hinausging. Zu diesen Kirchen gehörten neben Dobbertin seit 1231 auch die Kirche in der Stadt Goldberg und seit 1234 im nördlichen Klosterbesitz die Kirchen in Karcheez, Ruchow, Lohmen und Woserin.LHAS 2.12-3/2 Klöster und Ritterorden, Dobbertin. Nr. 299 Patronatskirchen des Klosters, o. J.
Dobbertin
Seit seiner Gründung als Benediktinerkloster bis zur Auflösung des Klosteramtes Dobbertin 1918 gehörte die Kirche zum Kloster. Danach wurde die Verwaltung des Klostervermögens einschließlich der dazugehörigen Klostergüter und Forsten der Staatsregierung unterstellt.Regierungs-Blatt Mecklenburg-Schwerin Nr. 205 vom 22. November 1918. Seit 1919 ist die Klosterkirche, auch zu DDR-Zeiten und heute noch, ein Kirchengebäude in staatlichem Eigentum des Landes Mecklenburg-Vorpommern.
Goldberg
Am 9. Juli 1231 verlieh Fürst Johann von Mecklenburg dem Mönchskloster zu Dobbertin die Kirche zu Goldberg.MUB I. (1863) Nr. 386. Die Kirche zu Goltz (Goldberg) besaßen früher schon die Mönche zu Dobbertin.MUB I. (1863) Nr. 425 mit Anmerkungen. Streit gab es öfters wegen des Patronats über die Kirche Zidderich,LHAS 2.12-3/2 Klöster und Ritterorden, Dobbertin. Nr. 288 Streit wegen des Patronats über die Kirche zu Goldberg und Zidderich, o. J. die bis 1557 Filialkirche von Goldberg war und 1786 abgebrochen wurde (s. u.). Die städtische Pfarre blieb bis 1649 dem Kloster Dobbertin zugeordnet.MUB VII. (1872) Nr. 5332.
Karcheez
Die Kirche zu Kirch-Geez (Karcheez) wurde am 27. Oktober 1234 durch den Schweriner Bischof Brunward dem Archidiakonat des Klosters Dobbertin zugewiesen.MUB I. (1863) Nr. 425.
Ruchow
Die Kirche zu Ruchow wurde am 27. Oktober 1234 durch den Schweriner Bischof Brunward dem Archidiakonat des Klosters Dobbertin zugewiesen.MUB I. (1863) Nr. 425. Die ständigen Streitereien zwischen dem Konvent des Klosters und den von Brüsehaver und von Parkentin um das Kirchenpatronat wurden erst 1601 beigelegt. Das Patronat ging erst 1616 an die von Parkentin über.
Lohmen
Seit der Verleihung des Archidiakonats durch den Schweriner Bischof Brunward am 27. Oktober 1234MUB I. (1863) Nr. 425. an das Kloster Dobbertin gehörte neben dem Kirchenpatronat zu Lohmen auch das Dorf dem Kloster bis zu dessen Auflösung 1919.
Woserin
Die Kirche Woserin gehörte seit der Verleihung des Archidiakonats durch den Schweriner Bischof Brunward am 27. Oktober 1234 zum Kloster Dobbertin.MUB I. (1863) Nr. 425. Ab 1237 kamen noch Hufen-Besitz mit dem Kirchgut und der Gerechtigkeit am Woseriner See hinzu.MUB I. (1863) Nr. 469.
Stiftssprengel Das Kloster besaß auch im Sprengel des Stifts Schwerin Patronatsrechte. Nach dem Verzeichnis Pfarlehen und Kirchenn in den Schwerinischen Stifftssprengel gehörigMUB I. (1873) Nr. 425 mit Anmerkungen. waren Groß Upahl (Upal), Zidderich (Ziddarg), Woosten (Wutzen), Borkow und Dabel zeitweilig Patronatskirchen des Klosters.
Groß Upahl
Upahl (Opal) gehörte 1237 mit zwanzig Hufen zum Kloster Dobbertin.MUB I (1863) Nr. 469. Die Kirche wurde erst 1357MUB XIV. (1886) Nr. 8321 und 1367MUB XVI. (1893) Nr. 9673. urkundlich erwähnt und gehörte, wie die Mutterkirche zu Karcheez, zum Dobbertiner Kloster-Archidiakonat und der Schweriner Diözese.
Zidderich
Seit dem 28. Januar 1263 hatte das Kloster Dobbertin zwei Hufen Besitz in Zidderich (Czidderke) und das Patronatsrecht die Jungfrauen zu Dobbertin.LHAS 2.12-3/5 Kirchenvisitation. Nr. 22 Visitation der Kirche des Klosters Dobbertin. Der Kirchenbau war 1307 beendet. 1522 präsentieren Priorin Anna Detzin (Dessin) und Unterpriorin Anna Metkow dem Schweriner Domherren Ulrich Malchow als Nachfolger für Caspar Berchman, der die Dorfkirche zu Zidderich freiwillig aufgegeben hatte, den Schweriner Kleriker Nicolaus Vischer.LHAS 1.5-4/3 Urkunden Kloster Dobbertin. 1649 gab es Verhandlungen zum Tausch des Kirchenlehns zwischen Goldberg und Kuppentin und Transport von Dachziegeln für die neu errichtet Goldberger Kirche.LHAS 3.2-3/1 Landeskloster/Klosteramt Dobbertin. Nr. 3271. Da sich bei den Herren von Passow in Zidderich kein Pastor halten konnte, wurde ab 1748 kein Gottesdienst mehr gehalten. Die von Passow ließen Kirche und Pfarrhaus bis 1786 abbrechen, das Holz zum Straßenbau verwenden und nutzten den Pfarracker selber. Das Inventar zur Kirche wurde nach Techentin verbracht.Fred Beckendorff: Zidderich. Ein mecklenburgisches Dorf im Wandel der Zeiten. Techentin 1998, S. 26–32.
Woosten
Im Verzeichnis der Pfarrlehn und Kirchen des Schweriner Stiftssprengels wurde Woosten (Wutzen) schon 1234 zum Archidiakonat des Dobbertiner Klosterpropst Oldaricus (Ulrich) gehörig erwähnt.MUB I. (1863) Nr. 425 mit Anmerkungen. 1296 gehörte Woosten zu den Besitzungen des pommerschen Zisterzienserklosters Neuenkamp.MUB II. (1864) Nr. 8924. 1450 kam das Archidiakonat wieder zum Kloster Dobbertin.
Borkow
Am 5. Oktober 1583 überwies Herzog Ulrich, als das Kloster Sonnenkamp in Neukloster nach der Reformation schon aufgelöst war, die Kapelle zu Borkow dem Kloster Dobbertin als Besitz.MUB III. (1865) Nr. 1686 mit Anmerkungen, MUB V. (1869) Nr. 3079, MUB VI. (1870) Nr. 9104.
Dabel
Johann, Fürst von Mecklenburg, verlieh 1262 dem Kloster Dobbertin Sechs Hufen am Dorffe Dabele.MUB II. (1864) Nr. 935. Sie wurden 1263 bestätigt, als Papst Urban IV. den Güterbesitz des Klosters Dobbertin unter seinen Schutz nahm.MUB II. (1864) Nr. 983. Durch Herzog Ulrich erhielt das Kloster Dobbertin am 5. Oktober 1583 auch das Patronat der Kirche zu Dabel. Doch durch Tauschgeschäfte schied Dabel 1624 aus dem Klosteramt Dobbertin aus.MUB III. (1865) Nr. 1686 mit Anmerkungen.
Gägelow
Bischof Hermann von Schwerin überweist am 1. Januar 1270MUB II. (1864) Nr. 1178. die Kirche von Gägelow dem Archidiakonat des Kollegiatstiftes zu Bützow. Bis 1624 hatte die Familie von Kramon das Kirchenpatronat inne. Danach ging es an das Kloster Dobbertin über und wurde ab 1775 Landesherrlicher Besitz.
Kirchenlehn
Das Klosteramt Dobbertin besaß noch das sogenannte Kirchlehn in Kirch-Kogel, Mestlin, Ruest und Demen.
Kirch-Kogel
1435 kauft das Kloster Dobbertin Kerchkowalck, Wendisch-Kowalk und Klein-Kowalk.Friedrich Schlie: Das Dorf Kirch-Kogel. 1901, S. 388. Herzog Heinrich IV. verlieh am 18. Oktober 1440 dem Propst Mathias von Weltzien vom Kloster Dobbertin das Patronat der Kirche zu Kogel.MUB Regesten Nr. 6661, 9605. Am 23. Juli 1452 gab Herzog Heinrich dem Dobbertiner Propst Nicolaus Behringer und dem Klosterkonvent die Lehnware der Kirche zu Kerk Kowalk „sowie seinen seeligen Voreitern Mathias von Weltzien gegeben haben“.In einem Spezialregister bei Daniel Clandrian wurden für das Kloster Dobbertin 1578 dreizehn Kirchenpatronate, darunter auch Kirch-Kogel, registriert. Clandrian war seit 1577 Herzog Ulrichs Visitations-Notar und wurde später Bürgermeister zu Güstrow. 1878 kaufte das Klosteramt Dobbertin das Dorf mit dem Kirchenpatronat abermals zurück.
Mestlin
Mestlin ging am 8. Januar 1448 von den von Gustävel an das Kloster Dobbertin über.MUB Regesten Nr. 8529, 8530. Das Kirchlehn erhielten 1450 der Dobbertiner Klosterpropst Nicolaus Beringher und die Priorin Ermegard Oldenborch (von Oldenburg) mit dem Konvent.Clandrinsche Regesten von 1450, 1452, 1454, 1458. Das Kirchenpatronat blieb beim Kloster bis zur Auflösung des Klosteramtes 1919.
Ruest
Die Kirche von Ruest war Filial-Kirche zu Mestlin. Erste Besitzungen verkauften die von Gustävel 1447 und 1448 an den Dobbertiner Klosterpropst Nicolaus Beringher und die Priorin Ermegard Oldenborch vom Konvent.MUB Regesten Nr. 8277, 8647. Das Kirchenpatronat ging nach 1557 an das Kloster und blieb bis zur Auflösung des Klosteramtes 1919.
Demen
Am 16. Mai 1265 verlieh Fürst Heinrich der Pilger von Mecklenburg dem Kloster Dobbertin das Dorf Demen mit dem Kirchlehn und allen Hufen.MUB II. (1864) Nr. 1046. Demen blieb bis zum 29. Januar 1645 in Klosterbesitz.Friedrich Schlie: Das Kirchdorf Demen. 1901, S. 344–345.
Patronatskirchen in der Sandpropstei
In den Besitzungen der vorderen Sandpropstei bei Röbel und der hinteren Sandpropstei südlich der MüritzKlosterländereien bei Röbel und der Müritz, die man wegen ihrer leichten Böden als Sandpropstei bezeichnete hatte das Klosteramt Dobbertin noch das Patronat über die Kirchen in Lärz, Schwarz, Diemitz und Sietow. Der dortige Klosterverwalter wurde daher Sandpropst, auch Sandvogt genannt und hatte schon 1389 seinen Wohnsitz auffm Closterhofe in der Predigerstraße nahe dem Mönchteich zu Röbel.Ralf Jackewitz: Röbel und die Sandpropstei, 400 Jahre Beziehungen zu Dobbertin. Röbeler Zeitung, Historisches Mitteilungsblatt aus Heimatstuben und Archiv zu Röbel. o. J.Ralf Jackewitz: Die Dobbertiner Sandpropstei, ein Schlüssel und das Kloster zu Röbel. 2009, S. 34–35.
Lärz
Seit dem 23. November 1237, als Fürst Nicolaus von Rostock die Grenzen des Klostergebietes beurkundet, gehörte das Bauerndorf Lärz mit vierzig Hufen zum Kloster Dobbertin.MUB I. (1863) Nr. 469. Am 18. Januar 1257 verlieh der Havelberger Bischof Heinrich I. von Kerkow dem Dobbertiner Propst Volrad und dem Konvent den Zehnten zu Lärz.MUB II. (1864) Nr. 790. Die Patronatsrechte schenkte der Markgraf Albrecht von Brandenburg am 21. Januar 1282 dem Kloster Dobbertin.MUB III. (1865) Nr. 1610.
Schwarz (Mecklenburg)
Auch im Kirchdorf Schwarz verlieh 1257 der Havelberger Bischof Heinrich dem Dobbertiner Kloster vierzig Hufen.MUB II. (1864) Nr. 790. 1282 schenkte Markgraf Albrecht von Brandenburg zum Zeichen der angenommenen Oberlehnsherrlichkeit dem Kloster Dobbertin das Patronat der Kirche zu Schwarz.MUB III. (1865) Nr. 1610.P. Linshöft: Aus der Geschichte von Schwarz, Hintersandpropstei. (handschriftliches Manuskript) 1930.
Diemitz (Mirow)
Wie in Schwarz verlieh 1257 der Havelberger Bischof Heinrich auch in Diemitz den Zehnten an den Konvent des Klosters Dobbertin.Friedrich Schlie: Das Kirchdorf Laerz. 1902, S. 581. Am 21. Januar 1282 verkaufte der Ritter Wolter von Malchow dem Kloster das ganze Dorf Diemitz mit Diensten und der Gerichtsbarkeit.MUB III. (1865) Nr. 1610.
Sietow