mini |Ju 52/3m D-AQUI, am 22. Mai 2010 in Nordhessen bei Kirchlotheim mini |Die Ju 52/3m D-AQUI vor dem Start auf dem Verkehrslandeplatz Bayreuth, 2012 Die Junkers Ju 52/3m D-AQUI gehörte zu den letzten drei flugfähigen Flugzeugen des Typs Ju 52/3m, die noch vor 1945 in Dessau gebaut wurden. Weitere fünf heute noch flugfähige Ju 52/3m entstanden erst nach dem Zweiten Weltkrieg als Lizenzbauten bei den spanischen CASA-Werken als CASA 352 sowie im französischen Ateliers Aéronautiques de Colombes als AAC.1 Toucan. Die „D-AQUI“ war bis zu ihrer Stilllegung die letzte noch für den kommerziellen Luftverkehr zugelassene Junkers Ju 52/3m. Sie gehört der Deutsche Lufthansa Berlin-Stiftung (DLBS).
Geschichte
Lufthansa, 4. April 1936 – 1. Juli 1936, D-AQUI, „Fritz Simon“ Die D-AQUI wurde im Junkers-Stammwerk in Dessau mit der Werknummer 5489 gebaut. Der Erstflug fand am 2. April 1936Flugbuch Karl-Friedrich Maringer statt. Die Zulassung als D-AQUI erfolgte am 6. April 1936. Am 10. April 1936 wurde das Flugzeug an die Lufthansa übergeben und in Travemünde mit Schwimmern für den Einsatz als Seeflugzeug ausgerüstet. Die D-AQUI erhielt bei der Lufthansa den Taufnamen Fritz Simon, nach dem bei einem Absturz 1931 ums Leben gekommenen Piloten der Lufthansa.
Bei der Lufthansa ersetzte die D-AQUI eine Junkers Ju 52, Werknummer 4077, D-ANOP, die im Herbst 1935 an die norwegische Fluggesellschaft Det Norske Luftfartselskap Fred Olsen & Bergenske A/S (D.N.L.) abgegeben worden war. Die D-AQUI wurde am 17. April 1936 auf dem Seeflughafen Kastrup in Kopenhagen stationiert und übernahm hier den Umsteigeverkehr der Landflugstrecke von Berlin über Kopenhagen nach Malmö für den Weiterflug zu den Seeflughäfen in Göteborg und Oslo. In Oslo hatten die Fluggäste am Folgetag Anschlussverbindungen der D.N.L. nach Stavanger und Bergen, die von der ehemaligen D-ANOP, jetzt als LN-DAE bedient wurden. mini|WNr 5489, LN-DAH der D.N.L. in Göteborg vor 1940
Det Norske Luftfartselskap D.N.L., 1. Juli 1936 – Mai 1940, LN-DAH, „Falken“ Bereits nach drei Monaten ging die Werknummer 4077, LN-DAE, "Havörn" der D.N.L. durch Unfall am 16. Juni 1936 verloren. Um den innernorwegischen Luftverkehr der D.N.L. weiterzuführen, stellte die Lufthansa daraufhin die Werknummer 5489, D-AQUI der D.N.L. zur Verfügung. Am 1. Juli 1936 wurde die Werknummer 5489 (ex D-AQUI) für D.N.L. als LN-DAH mit dem Beinamen „Falken“ in Norwegen zugelassen.
Bei D.N.L. kam das Flugzeug zunächst hauptsächlich auf der Strecke von Oslo über Stavanger nach Bergen und Trondheim zum Einsatz. Ab 1938 wurde diese Strecke bis nach Tromsö und Kirkenes am Nordkap verlängert. Neben der Werknummer 5489 (ex D-AQUI) und der abgestürzten LN-DAE betrieb D.N.L. bis 1940 noch zwei Junkers Ju 52/3m mit der Werknummer 5429 als LN-KAF, „Najaden“ und Werknummer 5751, LN-DAI, "Hauken" auf dieser Strecke.
Lufthansa, 22. August 1940 – November 1940, D-AQUI, „Kurt Wintgens“ Während des deutschen Angriffs auf Norwegen befand sich die Werknummer 5489 (ex D-AQUI) im April 1940 zur Instandsetzung auf der D.N.L. Seeflugwerft in Gressholmen bei Oslo. Nach Abschluss der Instandsetzungsarbeiten im Mai 1940 übernahm die deutsche Luftwaffe das Flugzeug und ließ es am 6. Juni 1940 zur Umrüstung in eine Junkers Ju 52/3mg2e nach Norderney überführen. Da die Lufthansa den eingestellten Streckenbetrieb der D.N.L. im Juli 1940 übernahm, wurde ihr hierfür die Werknummer 5489 von der Luftwaffe zurückgegeben. Das Flugzeug wurde am 22. August 1940 erneut unter seiner früheren Zulassung D-AQUI für Lufthansa zugelassen, erhielt nun aber den Beinamen „Kurt Wintgens“, der an den WK-I Kampfflieger und Pour-le-Merit-Träger Kurt Wintgens erinnerte. Wintgens war am 25. September 1916 im Luftkampf über Villers-Carbonnai nach 22 Luftsiegen gefallen. Die Maschine wurde zur Rückrüstung auf zivile Standards von Norderney zur Lufthansa-Werft in Travemünde überführt und am 20. September 1940 durch Lufthansa in Trondheim stationiert.
Ab September 1940 war das Flugzeug auf der Lufthansa-Strecke Nr. 4, der früheren D.N.L. Nordkaproute, von Trondheim nach Tromsö und Kirkenes im Lufthansa-Einsatz, die zunächst dreimal wöchentlich bedient wurde. Neben der D-AQUI kam dabei auch die Werknummer 5751, die ehemalige LN-DAI, "Hauken" der D.N.L. nun als D-AQUB, "Hans Berr" zum Einsatz. Mit Beginn des Winterflugplans wurde der Flugbetrieb auf der Strecke von Tromsö nach Kirkenes witterungsbedingt ausgesetzt. Gleichzeitig reduzierte die deutsche Besatzungsmacht in Norwegen ihren Bedarf für die Verbindung von Trondheim nach Tromsö von drei auf zwei wöchentliche Verbindungen. Für das reduzierte Flugaufkommen verblieb die Werknummer 5751, D-AQUB, "Hans Berr" in Norwegen, während die D-AQUI von Lufthansa an das Reichsluftfahrtministerium zurückgegeben und nach Deutschland überführt wurde.
Luftverkehrsstaffel Rangsdorf, 1941 – April 1943 Die D-AQUI wurde Anfang 1941 zum Landflugzeug umgerüstet und der Luftverkehrsgruppe Berlin zugeteilt, in der ehemalige Lufthansa-Flugzeuge von Lufthansa-Personal als Ergänzungsgruppen für militärischen Bedarf betreut wurden. Die ehemalige D-AQUI wurde innerhalb der Luftverkehrsgruppe Berlin bei der Luftverkehrsstaffel in Rangsdorf stationiert.
Am 2. Januar 1942 wurde die Werknummer 5489 bei einem Landeunfall auf dem schlesischen Flugplatz Ohlau schwer beschädigtFlugunfallmeldung Sonstige Dienststellen vom 04.01.42. Erst im September 1942 stand die zu 40 % beschädigte Maschine wieder in Rangsdorf zur Verfügung. Bereits im April 1943 forderte die Lufthansa allerdings ihre ehemalige D-AQUI wieder für den Einsatz in Norwegen nach anderthalb Jahren im paramilitärischen Einsatz zurück.
Lufthansa, Mai 1943 – Mai 1945, D-AQUI, "Hans Berr" Die Lufthansa-Strecke Nr. 4 wurde 1941/42 exklusiv durch die Werknummer 5751, D-AQUB, "Hans Berr" in Norwegen bedient. Am 1. März 1943 ging diese Maschine bei einem Landeunfall auf dem Seeflughafen Trondheim-Hommelvik verloren. Sie wurde umgehend durch die in Norwegen verbliebene, ehemalige D.N.L.-Maschine Werknummer 5429, ex LN-KAF, "Najaden" jetzt als D-AKIY, "Richard Schneider" ersetzt. Bereits im April 1943 wurde aber auch diese Maschine bei einem Sturm erheblich in Mitleidenschaft gezogen. Um weitere größere Ausfallzeiten auf der Tromsö/Kirkenes-Route künftig zu vermeiden, erhöhte die Lufthansa daraufhin ihren Flottenbestand auf der Strecke 4 von ein auf zwei Flugzeuge und forderte dazu die ehemalige D-AQUI nach Norwegen zurück. Die Werknummer 5489 wurde im Mai 1943 wieder auf Schwimmer gesetzt und erneut als D-AQUI für die Lufthansa zivil zugelassen. Von der D-AQUB übernahm die D-AQUI ihren neuen Beinamen "Hans Berr", der an den WK-I-Kampfpiloten und Pour-le-Merit-Träger Hans Berr erinnerte. Hans Berr war Kommandeur der Jasta 5 und kam während eines Luftkampfs über Noyelles am 6. April 1917 nach 10 Luftsiegen ums Leben.
Die D-AKIY und D-AQUI verblieben ab Sommer 1943 bis zum Kriegsende im Mai 1945 für die Lufthansa auf der Nordkaproute Nr. 4 zwischen Trondheim-Hommelvik und Tromsö-Skattöra, sowie in den Sommermonaten bis Kirkenes im Einsatz. Durch die schlechte Versorgungslage mit Treibstoffen wurde die wöchentliche Frequenz im Sommer 1944 von zwei auf einen wöchentlichen Flug reduziert. Nach der Besetzung Kirkenes durch sowjetische Truppen am 25. Oktober 1944 wurde die Nordkapregion von Tromsö aus nur noch frontlagebedingt meist nach Alta und den Indre Billefjord bedient. Der Flugbetrieb zwischen Trondheim und Tromsö blieb ohne feste Flugzeiten bis Kriegsende erhalten.Lufthansa-Flugplan vom 2. April 1945
Royal Norwegian Air Force (RoNAF), Mai 1945 – November 1945, "5489" Englische und norwegische Verbände erbeuteten in Norwegen im Mai 1945 insgesamt 48 Junkers Ju 52/3m, von denen 22 Flugzeuge an die neu gebildete norwegische Luftwaffe abgegeben wurden. Darunter befand sich auch die in Kristiansand erbeutete Werknummer 5489, D-AQUI, "Hans Berr" der Lufthansa. Sie wurde am 28. Mai 1945 mit zwölf weiteren Ju 52 an die Royal Norwegian Air Force übergeben, um die dringend benötigten Versorgungsflüge nach Nordnorwegen wieder aufzunehmen. Die Maschine wurde bei der Flyfabrikken Horten instandgesetzt und am 15. August 1945 bei der No. 21 Transport Flight der Royal Norwegian Air Force in Tromsø-Skattøra auf der Strecke zwischen Trondheim und Tromsö in Dienst gestellt. Technische Probleme führten im November 1945 zur Außerdienststellung in Horten.
Det Norske Luftfartselskap D.N.L., März 1946 – 1955/56, LN-KAF, „Askeladden“
Im Februar 1946 begann die neu gegründete D.N.L. mit den Planungen des Sommerflugverkehrs 1946 und übernahm dazu neun Junkers Ju 52/3m aus den Beständen der norwegischen Luftwaffe. Darunter befand sich auch die Werknummer 5489 als ehemalige "Falken" der Vorkriegs-D.N.L., die am 12. April 1946 übernommen wurde. Am 18. Mai 1946 wurde die Maschine mit der neuen norwegischen Zulassung LN-KAF und dem Beinamen „Askeladden“ zugelassen. Sie kam wieder auf der norwegischen Küstenroute von Trondheim nach Kirkenes unter der D.N.L.-Flugnummer 1702/1704 zum Einsatz.
Werknummer 130714 (1948) Im September 1947 wurde das Flugzeug auf Grund schwerer Korrosionsschäden bei Horten Flyfabrik stillgelegt. D.N.L. beauftragte Horten Flyfabrik mit dem Wiederaufbau eines Flugzeugs unter Einbeziehung von Baugruppen aus der Werknummer 5489, sowie der ebenfalls von D.N.L. 1945 erworbenen und bei Horten eingelagerten Werknummer 130714, LN-KAL und vorhandenen Teilen der bereits abgewrackten Werknummer 2982 und 3041 aus ehemaligen Luftwaffen-Beständen. Am 14. Februar 1948 wurde das instandgesetzte Flugzeug wieder mit dem Kennzeichen LN-KAF und dem Beinamen "Askeladden" der früheren Werknummer 5489 zugelassen. Allerdings wurde auf dem aus der Werknummer 130714 übernommenen Rumpf nicht das Werknummernschild der instandgesetzten Werknummer 5489 übernommen. Die Anmeldung erfolgte daher unter der auf dem Werknummernschild verbliebenen Werknummer 130714.
Scandinavian Airlines System (SAS), April 1948 – Okt. 1956, WNr. 130714, LN-KAF, "Askeladden" Im August 1948 schlossen sich die norwegische D.N.L., die dänische D.D.L. und die schwedische AB Aerotransport zur Scandinavian Airline Systems (SAS) zusammen. Der operative Betrieb der Flugzeuge erfolgte unter dem Marktnamen "SAS" allerdings noch bis 1951 unter der Regie der nationalen Partnergesellschaften. Im SAS-Flugnetz ersetzten größere Sandringham-Flugboote die kleinen Junkers Ju 52/3m auf den Seeflugrouten von Trondheim nach Tromsö, während die Junkers Ju 52/3m in Tromsö-Skattöra stationiert wurden und die Anschlussstrecke nach Kirkenes bedienten. Anfang 1951 ging die LN-KAF, "Asekeladden" zusammen mit ihrem Schwesterflugzeug LN-KAG, "Veslefrikk" als die beiden letzte Junkers Ju 52/3m in Norwegen auch formal in den Besitz der SAS über.
Nachdem viele Orte längs der Küstenstrecke von Trondheim nach Tromsö neben Seelandeplätzen inzwischen auch über Landflughäfen verfügten, ersetzte SAS 1952 die Sandringham-Flugboote durch moderne Saab Scandia Landflugzeuge auf der Strecke von Trondheim nach Bodö. Die Anschlussflüge zu den letzten reinen Seeflughäfen in Tromsö und Kirkenes wurden ab 1952 von den beiden letzten verbliebenen SAS Junkers Ju 52/3m absolviert, die die Strecke um 15 Minuten zeitversetzt parallel beflogen, um mit ihren 17 Sitzen die 32 Passagiere der Scandia weiter zu befördern.