Il natal(e) di Giove (deutsch: „Die Geburt Jupiters“) ist ein Libretto zu einer Azione teatrale von Pietro Metastasio. Erstmals aufgeführt wurde es in der Vertonung von Giuseppe Bonno am 1. Oktober 1740 zum Geburtstag von Kaiser Karl VI. in den Privatgemächern der kaiserlichen Residenz der Favorita in Wien von den Erzherzoginnen Maria Theresia und Maria Anna, dem Prinzen Charles de Lorraine und zwei Mitgliedern des Hofstaates.Joly S. 228

Eine englische Übersetzung des Librettos von Francis Olivari erschien 1797 unter dem Namen The Birth of Jupiter in Dublin.

Handlung

mini|Titelblatt des Librettos, Musik von João Cordeiro da Silva, Lissabon 1778

Die folgende Inhaltsangabe basiert auf der englischen Übersetzung des Librettos von Francis Olivari.

Heiliger Wald in der Nähe des Tempels der Göttin Themis

Szene 1. Prinzessin Melite erwartet Adrasto, den Anführer der Korybanten. Adrasto wurde von ihrem Vater (Melisseus) die Verantwortung für sie und ihre Schwester Amaltea übertragen. Nun ist auf der Suche nach Amaltea, die von einem Waldspaziergang noch nicht zurückgekehrt ist. Er möchte die beiden Schwestern schnellstens in Sicherheit bringen, da ein Orakel verlangt hat, Themis ein königliches Opfer darzubringen. Dieses lautet wörtlich: „Es ist vergebens, dass Du den allmächtigen Kräften diese gewöhnlichen Opfer darbringst, um Kreta zu retten. Das Schicksal hat eine so große Ehre dem königlichen Blut verordnet.“ („Creta a render felice indarno a’ Numi / Queste vittime offrite: Ha destinato / Onor sì grande al regio sangue il fato.“) Adrasto erzählt Melite, dass das geplante Opfer für die Göttin noch nicht dargebracht werden konnte, weil es geflohen sei. Die Statue der Themis sei daraufhin von einer Wolke umschlossen worden. Als sie an eine Weggabelung kommen, von der aus ein Weg zum Hafen und ein anderer zum Tempel führt, erklärt Melite, dass sie sich entschlossen habe, dem Willen der Götter zu folgen und sich selbst als Opfer anzubieten. Sie möchte dadurch das Land zu retten und ihren Ruhm unsterblich machen. Adrasto versucht vergeblich, ihr diesen Gedanken auszureden.

Szene 2. Adrasto unterhält sich mit dem Themis-Priester Cassandro über Melites Entschluss. Cassandro bewundert sie dafür.

Szene 3. Amaltea kommt und fragt Cassandro nach dem Urteil der Göttin. Cassandro verweist sie an Adrasto, aber auch dieser fängt nur an zu stottern und bringt keine sinnvolle Antwort hervor. Cassandro entfernt sich.

Szene 4. Widerstrebend erzählt Adrasto Amaltea vom Orakel und von Melites Entschluss, sich als Opfer anzubieten. Amaltea ist entsetzt. Sie glaubt, ohne ihre geliebte Schwester Melite nicht leben zu können und macht sich ebenfalls auf den Weg zum Tempel, um Melites Platz am Altar einzunehmen. Sie ist fest entschlossen, ebenfalls zu sterben, falls das Opfer bereits vollzogen sein sollte.

Szene 5. Adrasto ist beeindruckt von dem tugendhaften Verhalten der beiden Schwestern, gibt aber die Hoffnung noch nicht auf.

Der erleuchtete Tempel der Göttin Themis

Szene 6. Auf einer Seite des Altars brennt ein Feuer. Ministranten halten die für das Opfer notwendigen Instrumente bereit. Cassandro begrüßt Melite, die weiterhin fest entschlossen ist, sich für das Wohl des Landes zu opfern.

Szene 7. Amaltea und Adrasto kommen hinzu. Amaltea versucht, die Opferhandlung zu stoppen und sich selbst als Opfer anzubieten. Cassandro erklärt jedoch, dass man das einmal erwählte Opfer nicht mehr austauschen dürfe. Es sei auch verboten, zwei Opfer am selben Tag vorzubringen. Melite versucht, ihre Schwester fortzuschicken, bringt es dabei aber nicht über sich, sie anzusehen. Das erschüttert Amaltea noch mehr. Da geschieht ein Wunder: Der Himmel steht in Flammen, der Tempel erbebt und eine strahlende Wolke steigt vom Himmel herab.

Szene 8. Als die Wolke die Statue der Göttin erreicht hat, öffnet sie sich langsam und enthüllt die Göttin Themis. Sie erklärt, dass die Tugend der Anwesenden ausreichend geprüft wurde und nun die Mysterien des Schicksals offenbart werden können. Heute werde Kreta Ruhm erlangen. Der Gott der Götter, Jupiter, werde durch seine Geburt diesen Boden ehren. Die beiden Schwestern seien für seine Erziehung auserwählt worden. Ein Adler erwarte sie am Berg Ida, um sie zu Jupiter zu führen.

Szene 9. Cassandro gibt zu, das Orakel falsch gedeutet zu haben. Aber sein Fehler könnte vom Himmel beabsichtigt gewesen sein. Melite ist von Emotionen überwältigt und zögert, ihrer überglücklichen Schwester in die Arme zu fallen. Amaltea aber möchte der ganzen Welt ihre Freude kundtun. Ein Freudenchor beendet das Stück.

Gestaltung

Ein Jahr nach dem Ende des Russisch-Österreichischen Türkenkriegs mit dem Frieden von Belgrad bekam Metastasio den Auftrag, zum Geburtstag Kaiser Karls VI. dieses Werk zu schreiben. Mit drei Frauen- und zwei Männerrollen entspricht die Besetzung derjenigen von Metastasios für professionelle Stimmen geschriebenen Serenaten. Im Gegensatz zu seinen meisten anderen Werken dieses Typs ist die Handlung hier in zwei Szenen aufgeteilt, die im Wald und im Tempel spielen.Joly S. 230 Als literarisches Modell Metastasios lässt sich die Antigone von Sophokles ausmachen.Joly S. 232

Die Geburtstagsfeier verbindet sich hier mit dem Motiv des Heroismus, das Metastasio auch in vielen seiner zu Ehren Karls VI. geschriebenen Opernlibretti der vorausgehenden Jahre wie La clemenza di Tito, Temistocle und Attilio Regolo aufgegriffen hatte.Joly S. 229 Karl VI. wird mit Jupiter assoziiert. Aber auch die Darstellerinnen der Hauptrollen, Maria Theresia und ihre Schwester Maria Anna, werden zu antiken Heldinnen stilisiert. Besonders tugendhaft ist Melite (Maria Theresia) durch ihre freie Entscheidung, sich als Opfer anzubieten. Die Tugend ihrer Schwester Amaltea (Maria Anna) ist eher nachrangig, da ihr Opferwunsch lediglich darauf basiert, nicht ohne ihre Schwester leben zu können.Joly S. 231 Das scheinbar unausweichliche tragische Ende kann nur durch die Erscheinung einer Dea ex machina gelöst werden, die Metastasio die Möglichkeit gab, ein Lob auf die beiden Heldinnen auszusprechen.Joly S. 234

Durch die Identifikation der handelnden Personen mit dem Widmungsträger und den Ausführenden kam es zu dem Widerspruch, dass die Prinzessinnen die Aufgabe erhalten, Jupiter zu erziehen, obwohl dieser ihr Vater ist. Ein ähnliches Problem hatte Metastasio bereits in La contesa de’ numi von 1729, wo Jupiter mit dem neugeborenen Dauphin gleichgesetzt wurde. Er versuchte es zu umgehen, indem er Jupiter zwei Funktionen gleichzeitig zuwies: Er ist sowohl das prophezeite Kind als auch bereits der König der Götter (der Vater von Maria Theresia und Maria Anna). Zudem mied er an der entscheidenden Stelle den konkreten Begriff der „Geburt“ und ersetzte ihn durch die ungenaue Umschreibung „Jupiter weilt bei Euch“ („Giove è fra voi“).Joly S. 235

Vertonungen

Folgende Komponisten vertonten dieses Libretto:

Komponist Uraufführung Aufführungsort AnmerkungenGiuseppe Bonno1. Oktober 1740, Theater der Favorita, abgerufen am 19. März 2015. Wien „azione teatrale“ zum Geburtstag von Kaiser Karl VI.Johann Adolph Hasse3. August oder 7. Oktober 1749, königliches Schloss, abgerufen am 19. März 2015. Hubertusburg „serenata“ zum Geburtstag von König August III. Plá1752Gaetano Latilla1757, Real Teatro del Buen RetiroLe Arie Scelte di Farinelli auf handelforever.com, abgerufen am 19. März 2015.Partitur der Arie „Vuoi per sempre abbandonarmi“ von Farinelli (Carlo Broschi) als Digitalisat beim International Music Score Library Project. Madrid enthält die Arie „Vuoi per sempre abbandonarmi“ von FarinelliJoseph Frieberthzwischen 1764 und 1774Il natal di Giove (Joseph Friebert) bei Opening Night! Opera & Oratorio Premieres, Stanford University, abgerufen am 18. Dezember 2020., abgerufen am 19. März 2015. Passau auch in der Jesuitenschule in Severomoravský kraj; verschollenLuciano Xavier Santos29. Juni 1766, Palazzo Queluz, abgerufen am 19. März 2015. Lissabon „dramma per musica“Andrea Lucchesi13. Mai 1772, Hoftheater, abgerufen am 19. März 2015. Bonn „componimento drammatico“ zum Geburtstag des Kölner Erzbischofs Maximilian FriedrichJoão Cordeiro da Silva21. August 1778, Palazzo Queluz, abgerufen am 19. März 2015.. Lissabon „serenata“ zum Geburtstag von Joseph, dem Prinzen von Beira (Joseph Franz, der Sohn Peters III.)Aloisio Lodovico Fracassiniunbekannt verschollen

Literatur

Jacques Joly: Les fêtes théâtrales de Métastase à la cour de Vienne, 1731–1767. Pu Blaise Pascal, 1978, ISBN 978-2-84516-019-4, S. 228 ff.

Weblinks

Digitalisate

Libretto (italienisch) der Serenata von Giuseppe Bonno, Wien 1740 als Digitalisat beim Münchener Digitalisierungszentrum. Pietro Metastasio, Francis Olivari: Three dramatic pieces of Metastasio. The dream of Scipio. The Birth of Jupiter. Astrea appeased. Dublin 1797 (online bei Google Books).

Einzelnachweise

Metastasio, Pietro in Die Musik in Geschichte und Gegenwart, S. 50861 ff (vgl. MGG Bd. 9, S. 229 ff.) Bärenreiter-Verlag 1986 (Digitale Bibliothek Band 60).

Kategorie:Libretto Kategorie:Literatur (18. Jahrhundert) Kategorie:Literatur (Italienisch) Kategorie:Literarisches Werk Kategorie:Werk von Pietro Metastasio Kategorie:Serenata