mini|hochkant=1.5|Römischer Denar, geprägt wohl 29 v. Chr. mit Darstellung des Actiumbogens (?), RIC² I, 267 Der Actiumbogen war ein römischer Ehrenbogen, der für Octavian, den späteren Augustus, anlässlich seines Triumphes im Jahr 29 v. Chr. auf dem Forum Romanum in Rom errichtet wurde. Seine Lokalisierung ist bislang nicht gelungen.
Anlass Im Jahr 32 v. Chr. gelang es Octavian, die innenpolitischen Auseinandersetzungen mit seinem Mittriumvirn Marcus Antonius durch den römischen Senat zu einem äußeren Konflikt mit dem Ägypten Kleopatras erklären zu lassen. Ägypten wurde der Krieg erklärt, Octavian zum dux Italiae, dem Führer Italiens, erklärt und mit der Kriegsführung beauftragt. Der Ptolemäische Krieg dauerte von 32 bis 30 v. Chr. und endete in der für Octavian siegreichen Schlacht bei Actium im Jahr 31 v. Chr. und der Einnahme Alexandrias, die zum Selbstmord von Marcus Antonius und Kleopatra führte, im Jahr 30 v. Chr. Das nun herrscherlose Ägypten wurde zur römischen Provinz erklärt.
Octavian hatte damit nicht nur den Kampf um die Alleinherrschaft als Basis für die Schaffung einer neuen Staatsordnung gewonnen, sondern auch die Grundlage für die Lösung der wirtschaftlichen Probleme, die die jahrelangen Auseinandersetzungen mit sich gebracht hatten. Nicht nur, dass rund 70.000 Legionäre entlassen und zu Bauern gemacht werden konnten, auch die ungeheuren Getreidemengen Ägyptens standen nun zur Versorgung Roms zur Verfügung. Der Senat ehrte Octavian dadurch, dass er ihm einen Triumph für den Sieg bei Actium, offiziell über Kleopatra, und einen Triumph für den Sieg über Ägypten gewährte.Cassius Dio 51, 19, 1.
Im Jahr 29 v. Chr. beging Octavian einen dreifachen Triumph, und zwar am 13. August den bereits früher vom Senat gewährten „über die Dalmater“ (de Delmatis), am 14. „wegen Actium“ (ex Actio) und am 15. August „wegen Ägypten“ (ex Aigypto).Vergil, Aeneis 8, 714; Livius, epistulae 133; Sueton, Augustus 22; Cassius Dio 51, 21; vgl. auch Augustus, Res gestae divi Augusti 1, 21; die fasti triumphales kennen nur die Triumphe des 13. über Dalmatien (de Delmatis) und des 15. über Ägypten ([ex Aigy]pto). Die Dramaturgie dieser dreitägigen Veranstaltung kulminierte in dem Triumphzug über Ägypten, in dem außer der beweglichen Beute auch die Kinder Kleopatras, Alexander Helios und Kleopatra Selene, vorgeführt wurden.Cassius Dio 51, 21, 8; Eusebius von Caesarea, Chronik 2, 140f. (ed. Schoene). Mit dem dreifachen Triumph stellte er eine direkte Beziehung zur Sieghaftigkeit des Romulus her, der als erster drei Triumphe feierte, was seit dem Ende der etruskischen Königsherrschaft nur Pompeius gelungen war. Zu den vielen Ehrungen, die Augustus zu diesem Anlass erhielt, zählten auch ein von Trophäen bekrönter Bogen in Brundisium, ein weiterer auf dem Forum Romanum.Cassius Dio 51, 19, 1; vgl. auch 49, 15, 1.
Lokalisierung Die Lokalisierung des Actiumbogens auf dem Forum Romanum ist seit über 130 Jahren Gegenstand der wissenschaftlichen Diskussion. Eine allseits akzeptierte Lösung konnte bislang nicht vorgelegt werden. Grundlage des Problems ist die Tatsache, dass der römische Senat im Jahr 20 v. Chr. beschloss, Octavian, mittlerweile Augustus, für die Rückerlangung der 53 v. Chr. unter Marcus Licinius Crassus an die Parther verlorenen Feldzeichen mit einem weiteren Bogen und einem kleinen Triumph, einer ovatio, zu ehren.Cassius Dio 54, 8, 3. Dieser Partherbogen war laut einem Scholion zu Vergil mit die Taten des Augustus darstellenden Niken geschmückt und stand „unmittelbar neben dem Tempel des Divus Iulius“, der heute besser unter dem Namen „Caesartempel“ bekannt ist.Veroneser Scholion zu Vergil, Aeneis 7, 605: qui est iuxta aedem divi Iulii; zur literarischen Überlieferung der Bögen siehe auch Andrea Scheithauer: Kaiserliche Bautätigkeit in Rom: Das Echo in der antiken Literatur (= Heidelberger althistorische Beiträge und epigraphische Studien. Bd. 32). Franz Steiner, Stuttgart 2000, S. 84–88.
Münzbilder mini|Denar, 18 v. Chr. aus Tarraco, Darstellung des Partherbogens, RIC² I, 136 mini|Denar des L. Vinicius, 16 v. Chr., Darstellung des Partherbogens (?), RIC² I, 359
Die Münzbilder der Jahre 29 bis 16 v. Chr. geben verschiedene Bögen wieder, die mit jenen des Forums zu verbinden sind. Eine Emission zeigt einen eintorigen Bogen mit Quadriga und Wagenführer auf der Attika, die mit IMP.CAESAR beschriftet ist.RIC² I, 267. Runde Bildfelder, imagines clipeatae, zieren die Bogenpfeiler. Da der 27 v. Chr. an Octavian verliehene Ehrentitel noch fehlt, werden die Münzen vor dieses Jahr datiert und allgemein auf den Bogen des Jahres 29 v. Chr. bezogen. Nicht ausgeschlossen werden kann jedoch die Möglichkeit, dass sich die Münzen auf einen vom Senat beschlossenen Bogen nach dem Seesieg Octavians bei Naulochos beziehen.Cassius Dio 49, 15, 1; so Filippo Coarelli: Il Foro Romano. Bd. 2. Quasar, Rom 1985, S. 258–308; Paul Zanker: Augustus und die Macht der Bilder. C.H. Beck, München 1987, S. 64; vgl. Robert Alan Gurval: The Politics and Emotions of Civil War. University of Michigan Press, Ann Arbor 1995, S. 40–47. Einige Münzserien aus den westlichen Provinzen zeigen einen dreitorigen Bogen, auf dessen Attika wiederum eine Quadriga mit Augustus, diesmal aber flankiert von Hosen tragenden Barbaren, die ihm die wiedergewonnenen Signa reichen, zu sehen ist. Die umlaufende Legende nennt Anlass, Augustustitel und die sechste Tribunizische Gewalt des Augustus, die er im Jahr 17/16 v. Chr. innehatte.RIC² I, 131–137. Die Zuweisung an den Partherbogen ist unbestritten.Walter Trillmich: Münzpropaganda. In: Mathias Hofter (Hrsg.): Kaiser Augustus und die verlorene Republik. Eine Ausstellung im Martin-Gropius-Bau, Berlin, 7. Juni – 14. August 1988. von Zabern, Mainz 1988, S. 474–528, hier: S. 515 f. Eine weitere Serie stammt von dem Münzmeister des Jahres 16 v. Chr. Lucius Vinicius. Sie stellt ein ganz gleichartiges Motiv wie die provinzialen Münzen dar, gibt die Seitendurchgänge jedoch nicht als Bögen, sondern flachgedeckt und von kleinen Giebeln bekrönt wieder. Die Attika trägt die Aufschrift S.P.Q.R. / IMP.CAE.RIC² I, 359. Unklar ist, welcher Bogen dargestellt sein soll. Denn die Münzprägungen dieser Zeit, die im Zusammenhang mit den 17 v. Chr. gefeierten Ludi saeculares stehen und das neue „Goldene Zeitalter“ eröffnen, greifen bewusst auf Ereignisse vom Ende der Römischen Republik zurück: Philippi, Naulochos, Actium. In dem Zusammenhang ist eine Deutung des dargestellten Bogens als Actiumbogen möglich.Walter Trillmich: Münzpropaganda. In: Mathias Hofter (Hrsg.): Kaiser Augustus und die verlorene Republik. Eine Ausstellung im Martin-Gropius-Bau, Berlin, 7. Juni – 14. August 1988. von Zabern, Mainz 1988, S. 488 f. siehe auch: Hans-Werner Ritter: Überlegungen zur Inschrift des Augustusbogens auf dem Forum Romanum. In: Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Römische Abteilung. Bd. 85, 1978, S. 371–384.
Archäologischer Befund mini|Situationsplan südlich des Caesartempels: Fundamente des dreitorigen Bogens, Fundamente von Gamberini Montgenet und Castortempel Im Jahr 1888 untersuchte der Archäologe Otto Richter die Reste des Tempels für den Divus Iulius auf dem Forum Romanum und dokumentierte in dem Zusammenhang auch das sich dem Tempelfundament anschließende Gelände. Südlich des Tempels hatte er vier Pfeilerfundamente gefunden, deren nördlichstes direkt an die Tempelfundamente anschloss. Die Fundamentquadern des Tempels waren sogar leicht abgearbeitet worden, um Platz für den Anschluss des Pfeilerfundamentes zu gewinnen. In einer ersten Publikation der Ergebnisse verband er diese Fundamente mit dem Bogen qui est iuxta aedem divi Iulii, also dem Partherbogen. Den Actiumbogen vermutete er hingegen ohne Nachweis oder Anzeichen auf der Nordseite des Tempels.Otto Richter: Der Tempel des Divus Julius und der Bogen des Augustus auf dem Forum Romanum. In: Antike Denkmäler. Bd. 1. 1888. Reimer, Berlin 1891, S. 14–15 (Online) Als er die endgültigen Ergebnisse seiner Untersuchungen vorlegte, verwarf er diese Deutung, da ihm Abstand und Größe der Pfeilerfundamente zu den Darstellungen des Partherbogens nicht zu passen schienen. Stattdessen rekonstruierte er nun den Actiumbogen auf den Fundamenten und stützte sich hierfür auf die Vinicius-Emission des Jahres 16 v. Chr., die einen breiteren Mitteldurchgang zeigt.Otto Richter: Die Augustusbauten auf dem Forum Romanum. In: Jahrbuch des Deutschen Archäologischen Instituts. Bd. 4, 1889, S. 137–162.
Von 1950 bis 1952 untersuchte Riccardo Gamberini Montgenet den Bereich südlich des Tempels erneut, entfernte das Travertinpflaster in diesem Bereich und legte die Reste zweier Fundamente frei, unmittelbar östlich der bekannten Pfeilermonumente des dreitorigen Bogens. Er interpretierte sie als die Fundamente des Actiumbogens, den er den frühen Münzen folgend eintorig annahm. Für die Errichtung des Partherbogens sei der Actiumbogen niedergelegt worden, zumal er bereits kurz nach Fertigstellung beschädigt gewesen sei und durch komplizierte Stützmauern im weichen Grund gesichert werden musste.Riccardo Gamberini Montgenet hat seine Ergebnisse nie selbst publiziert, eine Zusammenfassung seiner Ergebnisse gibt aber Bernhard Andreae: Archäologische Funde und Grabungen. In: Archäologischer Anzeiger. 1957, S. 151 f.
mini|Reste des Bogens südlich des Caesartempels