Unter einer Spiellandschaft (umgangssprachlich auch Spielgelände) versteht die Spielwissenschaft ein offenes Gelände oder eine Räumlichkeit, die unter einer bestimmten übergreifenden Idee zum Spielen hergerichtet sind. Insofern unterscheidet sich die Spiellandschaft von einem einfachen Spielplatz, der eine unverbundene Ansammlung unterschiedlicher Spielgeräte für verschiedene Spielinteressen anbietet. Spiellandschaften können im Freien, in Innenräumen oder auf dem Bildschirm entstehen.

Spielgelände und Spiellandschaft Während umgangssprachlich oft eine Gleichsetzung stattfindet zwischen den Begriffen „Spielgelände“ und „Spiellandschaft“, wird fachsprachlich eine Differenzierung vorgenommen: So unterscheidet die Spielwissenschaft zwischen einem als ursprüngliche Gegebenheit belassenen, zum Spielen aber geeigneten Gelände wie Wald, Wiese, Feld, Straße, Platz oder StubeUdo Lange, Thomas Stadelmann: Spielplatz ist überall. Verlag das netz. Freiburg 1995.Marianne Loibl, Yayo Kawamura: Lustige Straßenspiele. Coppenrath. Münster 2010.Imbke Behnken: Urbane Spiel- und Straßenwelten. Zeitzeugen und Dokumente über Kindheit am Anfang des 20. Jahrhunderts. Juventa-Verlag. Weinheim 2006. und einer zum Spielen eigens hergerichteten und ausgestalteten Spielwelt, wie z. B. einer aus einer Sporthalle künstlich geschaffenen Dschungellandschaft.Nadine Kutzli: Erlebnis Dschungel. Mit Schülern ein Dschungelfest gestalten. Wissenschaftliche Staatsexamensarbeit GHS, Karlsruhe 1998. Jedes „Spielgelände“ lässt sich in eine „Spiellandschaft“ verwandeln.Siegbert A. Warwitz, Anita Rudolf: Spiellandschaften gestalten, In: Dies.: Vom Sinn des Spielens. Reflexionen und Spielideen. Verlag Schneider. 5. Auflage. Baltmannsweiler 2021. S. 197–209.Evelyn Lautz: Kind- und bewegungsgerechte Umgestaltung des Schulhofs der Grundschule Rastatt-Ottersdorf. Ein fächerübergreifendes Projekt, Wissenschaftliche Staatsexamensarbeit GHS. Karlsruhe 2000.Martina Walther-Roche, Antje Stock: Erlebnislandschaften in der Turnhalle. Verlag Hofmann. 2. Auflage. Schorndorf 2005.

Natürliches Spielgelände mini|links|Stubenspiel (Gemälde von Fritz von Uhde 1889) mini|Freiluftspiel (Gemälde v. W.B. Baker 1881)

An natürlichem Spielgelände gibt es keinen Mangel. Vom Einfallsreichtum der Kinder und Jugendlichen her ist Spielen grundsätzlich überall möglich.Udo Lange, Thomas Stadelmann: Spielplatz ist überall. Verlag das netz. Freiburg 1995. Natürliches Spielgelände steht nur leider oft nicht oder nur stark eingeschränkt dem Spielen zur Verfügung. Die Umwelt mit ihren Straßen, Plätzen, Höfen, Wäldern, Feldern, Bächen, Seen, Hallen, Wohnungen wird in aller Regel bestimmten Nutzungen der Erwachsenen vorbestimmt, sodass Kinderspiel hier störend, gefährlich, unerwünscht ist. Trotzdem lassen sich noch zahlreiche Orte finden, bei denen die Restriktionen noch nicht Platz gegriffen haben. Man muss sie nur wieder entdecken:Silke Jensch: Die Natur als Spielanlass, Spielraum und Spielpartner. Wissenschaftliche Staatsexamensarbeit GHS. Karlsruhe 2001.Anita Rudolf, Siegbert Warwitz: Spielen – neu entdeckt. Grundlagen–Anregungen–Hilfen, Herder. Freiburg 1982.

In verkehrsberuhigten Straßen sind auch heute unter Akzeptanz der Anwohner und behördlichem Schutz noch oder wieder Straßenspiele möglich.Marianne Loibl, Yayo Kawamura: Lustige Straßenspiele. Coppenrath. Münster 2010. Burgruinen, Waldlichtungen oder bäuerliche Siedlungen erlauben in beschränktem Umfang auch heute noch Geländespiele und Abenteuersuche in natürlichem Umfeld.Manfred Kaderli: Geländespiele. Rex-Verlag Luzern 2007. Die Tendenz geht jedoch eindeutig in Richtung Abgrenzung der Spielbereiche vom Alltagsleben und Schaffen von Reservaten für die spielhungrige Jugend, wie die zahlreichen Verbotsschilder erweisen, die häufig -nicht ganz zu Unrecht- mit der Furcht vor Zerstörungen oder auch Regressansprüchen bei Unfällen begründet werden.

Gestaltete Spiellandschaften mini|links|Dorf als Spiellandschaft mini|Schiff als Spiellandschaft

Die dicht bebauten, verkehrsreichen Innenstädte und die mit kostbaren Gegenständen ausgestatteten, oft engen Wohnungen lassen ein freies Spielen meist nicht mehr zu. So müssen dem Spielbedürfnis der Kinder neue, meist künstliche Spielräume erschlossen werden. Dabei ist zwischen kommunal oder institutionell bereitgestelltem und selbst gestaltetem Spielgelände zu unterscheiden. Letzteres schafft gleichzeitig der Entfaltung von Spielkreativität ein Betätigungsfeld.

Präpariertes Spielgelände Spielplätze, Ludotheken und Spielarrangements Von den Gemeinden und Städten schon für Vorschulkinder bereitgestellte Stadt-, Wald-, Robinson- oder Abenteuerspielplätze versuchen, den Bedürfnissen der Kinder nach spannendem Spielen entgegenzukommen. Dabei findet auch eine Konkurrenz um den entwicklungspsychologischen und spielpädagogischen Wert der einzelnen Anlagen statt, die sich in Ranglisten niederschlägt und zu Verbesserungen beiträgt.Günter Beltzig: Kinderspielplätze mit hohem Spielwert. Bauverlag. Augsburg 1987.

Vergnügungsparks, Spielelands und Ludotheken sind kommerzielle Einrichtungen, in denen in einem riesigen Freigelände und/oder in überdachten Räumlichkeiten vielfältige Spielmöglichkeiten gegen Entgelt zur Verfügung gestellt werden. Sie erfreuen sich eines großen und ständig wachsenden Zulaufs von Spielfreunden aller Altersstufen.

Angesichts der für Kinder besonders in den Städten immer enger werdenden Spielräume haben sich Initiativen gebildet wie etwa die Arbeitsgemeinschaft „Spiellandschaft Stadt e. V. München“, die es sich zum Anliegen gemacht hat, die Spielwelt der Kinder in der Stadt zu verbessern und entsprechende Spielangebote auf Parkplätzen, Spielstraßen, Schulhöfen oder in Schwimmbädern und Parkanlagen bereitzustellen. Hochschulen, Schulen, Kindergärten, Vereine und kinderfreundliche Gemeinden bieten regelmäßig auf großen Freiflächen Spielfeste an, deren Spielwert allerdings je nach Qualifikation der Organisatoren und Animateure von sehr unterschiedlichem Niveau ist.Siegbert A. Warwitz, Anita Rudolf: Spielimpulse. Wie man Spielsituationen arrangieren kann, In: Dies.: Vom Sinn des Spielens. Reflexionen und Spielideen. 5. Auflage. Schneider. Baltmannsweiler 2021. S. 210–249.

Die Aktivitäten verdichten sich jedes Jahr am 28. Mai zum von der UNESCO geförderten Weltspieltag („World Play Day“).

Virtuelle Spiellandschaften mini|links|Elektro-mechanisches Arcade-Spiel (1964) mini|hochkant|Bildschirmlandschaften (Arcade-Spiele)

Seit Anbruch des Computer-Zeitalters lässt sich über entsprechende Software eine schier unüberschaubare Vielfalt märchenhafter, magischer, exotischer, bizarrer künstlicher Spiellandschaften auf den Bildschirm zaubern, in denen sich die Spielbegeisterten spielerisch betätigen können. In diesen virtuellen Welten mit wechselnden Szenarien kann der Spielende wahrnehmend, entscheidend und handelnd Einfluss nehmen auf das Geschehen, mit Mitspielern kooperieren oder mit Gegenspielern in Wettstreit treten.Siegbert A. Warwitz, Anita Rudolf: Spielend in virtuelle Welten eintauchen, In: Dies.: Vom Sinn des Spielens. Reflexionen und Spielideen. 5. Auflage, Schneider. Baltmannsweiler 2021. S. 100–107.

Die fiktiven Fantasie-Landschaften und das „virtuelle Spielen“ beherrschen heute weitgehend das Spielgeschehen. Entsprechende Datenprogramme stellen einen rapide wachsenden Markt dar. Sie verdrängen zunehmend das natürliche Spielen schon bei Kindern.Sven Scheid: Spielverhalten, Spielinhalte und Spielformen heutiger Schulanfänger – eine empirische Studie. Wissenschaftliche Staatsexamensarbeit GHS. Karlsruhe 2000. Sie sind einer entsprechenden Kritik ausgesetzt.Werner Paul Meyer: Aufwachsen in simulierten Welten. Computerspiele. Lang Verlag. Frankfurt 1992. Um die Gefahren der Entwicklung einer reinen Konsumenten-Haltung beim Spielen abzumildern, finden sich Überlegungen, das Spielen schon beim Entstehungsprozess der Spielprogramme anzusetzen und einfache Computerspiele nach den eigenen Vorstellungen spielerisch selbst zu gestalten.Theo Schmidt: Computerspiele selber machen. Augsburg 1995.

Selbst gestaltete Spiellandschaften Vor der Zeit virtueller Spiellandschaften und in Phasen städtischer Zerstörung und Spielzeugknappheit, wie in Europa etwa während und nach dem Zweiten Weltkrieg, mussten die Spielenden ihr Spielgelände noch weitestgehend selbst herrichten. Das geschah durch Nutzung der noch verkehrsarmen Straßen und freien Plätze für Straßenspiele, die mit einfachen Mitteln zu Spielfeldern präpariert wurden. Dabei wurden Häuserruinen, verwahrloste Gärten, Bäume, Randsteine, Mauern in die Arrangements einbezogen.Imbke Behnken: Urbane Spiel- und Straßenwelten. Zeitzeugen und Dokumente über Kindheit am Anfang des 20. Jahrhunderts. Juventa-Verlag. Weinheim 2006.

Da diese räumlichen Möglichkeiten heute stark begrenzt sind, braucht es die Unterstützung spielfreundlicher Erwachsener mit Verständnis für die Wünsche von Kindern und Jugendlichen:Nadine Stumpf: Abenteuer im Schulsport. Was Kinder sich wünschen und wie man diese Wünsche realisieren kann. Wissenschaftliche Examensarbeit GHS. Karlsruhe 2002.

Es müssen Räume gefunden und zur Verfügung gestellt werden, in denen die Kinder möglichst selbsttätig, aber auch unter Mitwirkung von Erwachsenen, spannende Spiellandschaften nach den eigenen Vorstellungen gestalten können, wie etwa einen Dschungel, eine Zirkusarena oder ein Zigeunerlager mit vielfältigen Spielmöglichkeiten.Siegbert A. Warwitz, Anita Rudolf: Spiellandschaften gestalten, In: Dies.: Vom Sinn des Spielens. Reflexionen und Spielideen. Baltmannsweiler. 5. Auflage 2021. S. 197–209.

Soweit die Gesellschaft Kinder gewähren lässt, gestalten sie sich in aller Regel eigene Spielwelten nach ihren Bedürfnissen in der unmittelbaren Wohnumwelt, in Innenräumen etwa durch die Ausgestaltung des Spielzimmers zu einem „Räubernest“, in Außenräumen durch das Herrichten von Straßenspielen mit Kreidezeichnungen und Markierungen für Hüpfspiele in verkehrsberuhigten Wohngegenden.

Evelyn Lautz hat im Rahmen einer wissenschaftlichen Examensarbeit ein fächerübergreifendes Projekt vorgestellt, bei dem Studierende zusammen mit den Kindern einer Grundschule und einem heimischen Künstler in wochenlanger Arbeit den langweiligen Pausenhof ihrer Schule zu einer attraktiven Spiellandschaft ausgestalten.Evelyn Lautz: Kind- und bewegungsgerechte Umgestaltung des Schulhofs der Grundschule Rastatt-Ottersdorf. Ein fächerübergreifendes Projekt, Wissenschaftliche Staatsexamensarbeit GHS. Karlsruhe 2000.

Nadine Kutzli und Sabine Weiß beschreiben ein Projekt, bei dem Studierende im Rahmen ihres Lehramtsstudiums gemeinsam mit Schülern für ein Wochenende die Sporthalle unter Nutzung sämtlicher Geräte und Einrichtungen in eine Dschungellandschaft verwandeln. Ein Tarnnetz der Bundeswehr und Lianentapeten schaffen den schummrigen Rahmen für eine eigene Spielwelt, in der das Zirpen von Zikaden und schaurige Urwaldlaute zu hören sind, in der die als Tiere, Indios oder Tarzan verkleideten Kinder sich hangelnd, kletternd, schaukelnd, kriechend durch „Dickicht“ und Höhlen bewegen, Quizfragen lösen und Passagen aus dem Bestseller von Rudyard Kipling über das Dschungelkind Mogli hören.Nadine Kutzli: Erlebnis Dschungel. Mit Schülern ein Dschungelfest gestalten. Wissenschaftliche Staatsexamensarbeit GHS, Karlsruhe 1998.Nadine Kutzli, Sabine Weiß (Bearbeiter): Erlebnis Dschungel. PU 7 der Reihe Projektunterricht in Schule und Hochschule, hrsg. v. Siegbert A. Warwitz und Anita Rudolf. Karlsruhe 1998.