mini|233x233px|Grab Dorotheenstädtischer Friedhof II Liesenstraße, Berlin-Wedding Ferdinand Robert-Tornow (* 18. Oktober 1812 in Berlin; † 13. September 1875 ebenda) war ein deutscher Jurist, Politiker und Kunstsammler.

Familie Ferdinand Robert-Tornow entstammte einer jüdischen Bankiersfamilie. Sein Großvater väterlicherseits war der Münzkommissar, Juwelenhändler und Geldverleiher Levin Markus (auch Loeb Cohen, 1723–1790), seine Großmutter väterlicherseits Chaie (gest. 1809) war die Tochter des Moses Tobias. Sein Vater war der Geheime Kommerzienrat Moritz (Meyer) Robert-Tornow (1785–1846; Familienname eigentlich Levin; nach 1790 führte die Familie den Namen Robert, seit 1811 den Namen Robert-Tornow), seine Mutter Ernestine geb. Victor, Tochter des Posener Bankiers Victor Joseph. Sein Onkel war der Dramatiker Ludwig Robert, seine Tante die Schriftstellerin Rahel Varnhagen von Ense, deren Ehemann Karl August Varnhagen von Ense war. Sein Neffe war der Bibliothekar und Übersetzer Walter Robert-Tornow.

Leben Ferdinand Robert-Tornow wurde am 18. Oktober 1812 in der Jerusalemkirche (Berlin) getauft. Wegen der Familienverhältnisse hielten die Eltern die Taufe zunächst geheim.Jacob Jacobson: Jüdische Trauungen in Berlin 1759 bis 1813. de Gruyter, Berlin 1968, S. 353 (Digitalisat) Er besuchte die Cauer’sche Erziehungsanstalt und das Werder’sche Gymnasium. 1831 begann er an der Universität Bonn das Studium der Rechtswissenschaften. 1832 wurde er Mitglied des Corps Borussia Bonn.Kösener Korpslisten 1910, 19/69 Nach Abschluss des Studiums absolvierte er das Referendariat und wurde Kammergerichtsassessor.

Ferdinand Robert-Tornow besaß ein Rittergut in Ruhnow bei Wangerin. 1862/63 war er Mitglied des Preußischen Abgeordnetenhauses für den Wahlkreis Stettin, wobei er dem rechten Flügel unter Wilhelm Grabow bzw. den Konstitutionellen angehörte. Am 24. Mai 1863 legte er sein Mandat nieder.Robert-Tornow, Ferdinand. In: Bernd Haunfelder: Biographisches Handbuch für das Preußische Abgeordnetenhaus 1849–1867 (= Handbücher zur Geschichte des Parlamentarismus und der politischen Parteien. Band 5). Droste, Düsseldorf 1994, ISBN 3-7700-5181-5, S. 212. Später kandidierte er als Abgeordneter für den Reichstag des Norddeutschen Bundes im Wahlkreis Naugard-Regenwalde.Georg Hirth: Hirth’s Parlaments Almanach. Band 1, Berlin 1867, S. 63 Er unterlag jedoch Moritz von Blanckenburg.

Bereits während seines Referendariats unternahm er 1834 eine Reise nach Wien, Venedig und Mailand, auf der er seine Tätigkeit als Sammler von Kunst- und Kunstgewerbegegenständen der Renaissance und des Rokoko begann. Nach dem Tode seines Vaters nahm 1848 er Abschied aus dem Dienst, nachdem ihm ein längerer Reiseurlaub verweigert worden war, und widmete sich nur noch der Sammlung von Kunst. Mit seiner zu einem Privatmuseum ausgebauten Villa in der Johannisstraße 11Das Grundstück wurde um 1895 neu bebaut und 1930 zur Poliklinik umgebaut. wurde er zu einem anerkannten Kunstsammler und Förderer des Kunstgewerbes Berlins.Ingeborg Stolzenberg: Walter Robert-Tornow. Ein Vertreter des literarischen Berlins im ausgehenden 19. Jahrhundert, Abs. 8 Über die Jahre erlangte seine Sammlung Bekanntheit in den europäischen Kunstzentren. Als nach der Reichsgründung Kronprinz Friedrich Wilhelm die Schutzherrschaft über die deutschen Museen übernommen hatte, trat er auch in Kontakt zu Ferdinand Robert-Tornow, um dessen Sammlung kennenzulernen. Er fand in ihm „statt eines menschenscheuen Eremiten den unterhaltendsten Mann der Gesellschaft“Zitat aus G. G. Winkel, so dass weitere Besuche zusammen mit Kronprinzessin Victoria folgten, aus der sich eine herzliche Beziehung zwischen ihm und dem Kronprinzenpaar entwickelte. 1874 vermachte Robert-Tornow der Kronprinzessin durch Legat seine Sammlung, die zunächst im Kronprinzenpalais und nach 1894 in Schloss Friedrichshof ihre Heimat fand. Als Folge der Zusammenlegung der Sammlungen von Robert-Tornow und Victoria entwickelte sich die Kronprinzessin zu einer professionellen Kunstsammlerin.Hildegard Reinhardt: Victoria von Preußen-Principessa Pittrice in Berlin, XIV. Kunsthistorisches Interesse

Er wurde auf dem Dorotheenstädtischen Friedhof II in Berlin-Mitte bestattet; sein Grabmal ist erhalten.Bild bei flickr Neben seiner Kunstsammlung vermachte er auch Teile seiner Bibliothek der Kronprinzessin Victoria.Berndt Dugall, Bernhard Fabian: Das Handbuch der historischen Buchbestände in Deutschland. Hessen. A–L: 5, 1992

Literatur G. G. Winkel: Biographisches Corpsalbum der Borussia zu Bonn 1821–1928. Aschaffenburg 1928 Walter Robert-tornow: Ferdinand Robert-tornow, der Sammler und die Seinigen, ein Beitrag zur Geschichte Berlins. In: Deutsche Rundschau. Band 65, 1890 Bernd Haunfelder: Biographisches Handbuch für das Preußische Abgeordnetenhaus 1849–1867 (= Handbücher zur Geschichte des Parlamentarismus und der politischen Parteien. Band 5). Droste, Düsseldorf 1994, ISBN 3-7700-5181-5, S. 212. (Biografie eines Onkels, mit Angaben zur Genealogie)

Einzelnachweise

Kategorie:Mitglied des Preußischen Abgeordnetenhauses Kategorie:Jurist Kategorie:Kunstsammler Kategorie:Corpsstudent (19. Jahrhundert) Kategorie:Person (Berlin) Kategorie:Deutscher Kategorie:Preuße Kategorie:Geboren 1812 Kategorie:Gestorben 1875 Kategorie:Mann