Carl Ignaz Anton Demmer, auch Karl Demmer, (getauft 11. Februar 1766 in Köln; † nach 1824) war ein österreichischer Opernsänger (Tenor) und der möglicherweise erste Florestan in Beethovens Oper Fidelio.In dieser Rolle werden auch Friedrich Demmer (Sängerlexikon) oder Joseph Demmer (Grove) genannt.
Leben Carl Demmer wurde am 11. Februar 1766 in der Kölner Kirchengemeinde St. Lupus auf die Namen Carl Ignaz Anton getauft.Köln, St. Lupus, Taufen 1732–1775 und Heiraten 1733–1782, S. 219 Er begann seine künstlerische Laufbahn als Chorsänger an verschiedenen Kölner Kirchen.Niemöller (1960), S. 227 f. Etwa 1786 ging er zum Theater und ist zuerst bei der in Köln spielenden Gesellschaft von Gustav Friedrich Großmann und dessen Mitdirektor Christian Wilhelm Klos nachweisbar. Musikdirektor dieser Truppe war August Burgmüller. Zusammen mit Burgmüller ging Demmer anschließend ans Bonner Nationaltheater, das am 3. Januar 1789 eröffnet wurde.Kopitz (1998), S. 23–28 Vermutlich gehörte er hier bereits zum Bekanntenkreis des jungen Beethoven, der im Opernorchester als Bratscher mitwirkte.
Zu Pfingsten 1790 wechselte er zur J. A. Dietrichschen Truppe, die hauptsächlich in Holland spielte, wo er Karl Friedrich Krüger und dessen Schwester Caroline kennenlernte, die er bald darauf heiratete.Satori-Neumann (1922), S. 29–31 Die Truppe spielte auch am gerade eröffneten Deutschen Theater in Amsterdam, über das Franz Carl Weidmann schreibt:
Am 4. Februar 1791 kamen Demmer und seine Frau ans Hoftheater in Weimar,Christian August Vulpius: Eine Korrespondenz zur Kulturgeschichte der Goethezeit, hrsg. von Andreas Meier. Berlin 2003, Band 2, S. 79 wo beide von Goethe gefördert wurden. Pfingsten 1794 ging das Paar nach Frankfurt am Main. Am 5. Mai schrieb Goethes Mutter an ihren Sohn in Weimar:
Am 20. Dezember 1799 gab „Carl Demmer, Sänger und Schauspieler bey dem hiesigen Theater“, ein großes Konzert, zu dem er all seine Gönner einlud.Maria Belli-Gontard: Leben in Frankfurt am Main. Auszüge der Frag- und Anzeigungs-Nachrichten (des Intelligenz-Blattes). Frankfurt 1830, S. 111 Anfang 1804 schloss er einen Vertrag mit dem Wiener Hoftheater, was in Frankfurt sehr bedauert wurde:
Am 27. Februar 1804 gab Demmer in der Titelrolle von Mozarts La clemenza di Tito seine Frankfurter Abschiedsvorstellung. Einige Tage später reiste er über Regensburg – wo er mit seiner Familie am 7. März eintrafDieter Haberl: Das Regensburgische Diarium (Intelligenzblatt) als musikhistorische Quelle. Regensburg 2012, S. 391 – nach Wien. Sein dortiges Debüt gab Carl Demmer am 20. Juni 1804 im Theater am Kärntnertor als Edwinsky in der Wiener Erstaufführung von François-Adrien Boieldieus Oper Die Verwiesenen auf Kamtschatka. Der Anschlagzettel enthält den Vermerk: „Herr Demmer, neu engagirtes Mitglied wird die Ehre haben, zum erstenmal in obenangezeigter Rolle aufzutreten.“Wien, Theatermuseum, Zettelsammlung; vgl. auch Voll (1807), S. 42 und 163 Der Wiener Korrespondent der Allgemeinen Musikalischen Zeitung beurteilte Demmers Leistung im Wesentlichen positiv:
Etwas skeptischer äußerte sich der Wiener Korrespondent der von Johann Friedrich Reichardt redigierten Berlinischen musikalischen Zeitung:
Der Anschlagzettel zur Uraufführung von Beethovens Fidelio, die am 20. November 1805 im Theater an der Wien stattfand, nennt dann „Hr. Demmer“ in der Rolle des Florestan. Seine Partnerin war Anna Milder als Leonore bzw. Fidelio. Die Aufführung war ein großer Misserfolg für Beethoven, auch den Protagonisten wurde kein gutes Zeugnis ausgestellt:
Beethoven selbst war mit Demmers Gestaltung ebenfalls unzufrieden und ersetzte ihn bei der Uraufführung der zweiten Fassung am 26. März 1806 durch Joseph August Röckel.
Zu Carl Demmers großen Erfolgen gehörte die Partie des Ober-Seneschall in dem Singspiel Johann von Paris von François-Adrien Boieldieu, das am 29. August 1812 erstmals im Theater an der Wien zur Aufführung gelangte. Die Prinzessin von Navarra sang die beliebte Cathinka Buchwieser, Demmers Tochter Josefine verkörperte die Lorezza.Allgemeine Musikalische Zeitung, Jg. 14, Nr. 39 vom 23. September 1812, Sp. 644 Kurioserweise spielte sein Bruder Christian Demmer dieselbe Rolle – zur selben Zeit – in einer Inszenierung des Kärntnertor-Theaters. Ignaz Franz Castelli schreibt in seinen Memoiren:
Am 14. April 1813 – die Familie wohnte zu dieser Zeit „auf der Laimgrube Nr. 26“ – starb „dem Hrn. Carl Demmer, k. k. Hofschauspieler, s. Fr. Caroline“.Wiener Zeitung, Nr. 51 vom 29. April 1813, Amtsblatt, S. 158 In zweiter Ehe heiratete er am 12. April 1815 in Wien-Margareten die 24-jährige Dienstmagd Franziska Hofmann,Wien, Pfarre St. Josef zu Margareten die am 19. März 1856 im Alter von 65 Jahren in Wien-Altlerchenfeld Nr. 237 starb.Wien, Pfarre Altlerchenfeld, Sterbebuch 1856/14 Die Wiener Zeitung bezeichnet sie als „k. k. Hofschauspielers-Witwe“.Wiener Zeitung, Nr. 71 vom 27. März 1856, S. 883
1817 wird „Herr Carl Demmer“ ausdrücklich als Mitglied der Hofschauspiel-Gesellschaft (nicht der Hofopern-Gesellschaft) genannt, trat also anscheinend nur noch selten als Sänger auf.Hof- und Staats-Schematismus des Österreichischen Kaiserthumes. Wien 1817, S. 129 In dem Wiener Künstlerverzeichnis von Franz Heinrich Böckh wird er 1821 wie folgt verzeichnet: „Demmer Carl, k. k. Hof-Opern-Sänger, zugleich k. k. Hofschauspieler. Auf der Wieden Nr. 180.“Franz Heinrich Böckh: Wiens lebende Schriftsteller, Künstler und Dilettanten im Kunstfache. Wien 1821, S. 365 Am 1. Juli 1822 wurde er schließlich pensioniert.Katalog der Porträt-Sammlung der k. u. k. General-Intendanz der k. k. Hoftheater. Zugleich ein biographisches Hilfsbuch auf dem Gebiet von Theater und Musik, 2. Abteilung, Gruppe IV. Wien 1892, S. 348
Um 1824 verliert sich seine Spur.
Familie Der Ehe von Carl und Caroline Demmer entstammen mehrere bedeutende Wiener Schauspielerinnen und Schauspieler, darunter Friedrich Demmer (* 1785 in Berlin; † 15. April 1838 in Wien), vom September 1829 bis 1834 als Sänger, dann bis zu seinem Ableben als Oberregisseur des k. k. Hofoperntheaters tätig, Jeannette (Johanna) Schmidt geb. Demmer (* 5. April 1794 in Weimar; † 14. März 1862 in Wien),Österreichisches Biographisches Lexikon 1815–1950. Band 10 (Lfg. 48, 1992), S. 275 Josefine Scutta, geb. Demmer (* 19. September 1795 in Frankfurt am Main; † 22. Dezember 1863 in Wien), Gattin von Andreas Scutta, Thekla Demmer, verehelichte Kneisel (* 1802 in Frankfurt am Main; † 23. August 1832 in Wien).
Er war zudem der Bruder der Sänger und Schauspieler Joseph Demmer und Christian Demmer. Sein Neffe war der Opernsänger Friedrich Demmer.
Literatur
Matthäus Voll: Chronologisches Verzeichniß aller Schauspiele, deutschen und italienischen Opern, Pantomimen und Ballette, welche seit dem Monath April 1794 bis wieder dahin 1807, nämlich durch volle 13 Jahre sowohl in den k. k. Hoftheatern als auch in den k. k. privil. Schauspielhäusern, vormahls auf der Wieden, nun an der Wien und in der Leopoldstadt aufgeführet worden sind. Wien 1807 Ernst Pasqué: Goethe’s Theaterleitung in Weimar. Leipzig 1863, S. 73–78 Bruno Thomas Satori-Neumann: Die Frühzeit des Weimarischen Hoftheaters unter Goethes Leitung. Berlin 1922 Alexander Wheelock Thayer: Ludwig van Beethovens Leben. deutsch bearbeitet von Hermann Deiters, Band 2, 3. Aufl., Leipzig 1922 Theodor von Frimmel: Beethoven-Handbuch. Leipzig 1926, Band 1, S. 106f. Klaus Wolfgang Niemöller: Kirchenmusik und reichsstädtische Musikpflege im Köln des 18. Jahrhunderts (= Beiträge zur rheinischen Musikgeschichte, Heft 39), Köln 1960 Albert Richard Mohr: Frankfurter Theater von der Wandertruppe zum Komödienhaus. Frankfurt 1967 Willy Hess: Das Fidelio-Buch. Winterthur 1986 Klaus Martin Kopitz: Der Düsseldorfer Komponist Norbert Burgmüller. Ein Leben zwischen Beethoven – Spohr – Mendelssohn. Kleve 1998, S. 23–28, ISBN 3-9805931-6-9; Dohr, Köln, ISBN 978-3-936655-34-6
Anmerkungen
Einzelnachweise
Kategorie:Person um Johann Wolfgang von Goethe Kategorie:Person um Ludwig van Beethoven Kategorie:Theaterschauspieler Kategorie:Opernsänger Kategorie:Tenor Kategorie:Darstellender Künstler (Wien) Kategorie:Musiker (Wien) Kategorie:Person (Habsburgermonarchie vor 1804) Kategorie:Person (Kaisertum Österreich) Kategorie:Geboren 1766 Kategorie:Gestorben im 19. Jahrhundert Kategorie:Mann