mini|Das Westwerk Die römisch-katholische Pfarrkirche St. Stephanus und St. Vitus ist ein denkmalgeschütztes Kirchengebäude und ein Teil von Schloss Corvey in der ostwestfälischen Stadt Höxter in Nordrhein-Westfalen. Die Kirche beherbergt Reliquien des hl. Vitus und des hl. Stephan. Die Barockausstattung gehört zu den bedeutenden im Erzbistum Paderborn.

Die UNESCO verlieh dem aus karolingischer Zeit erhaltenen Westwerk der Kirche und der „Civitas Corvey“ im Juni 2014 den Status eines Weltkulturerbes. Der in der Zeit des Barock errichtete Teil der Abteikirche ist nicht Teil des Weltkulturerbes. Die heutige katholische Kirchengemeinde ist Teil des Pastoralverbundes Corvey im Dekanat Höxter.

Geschichte der Abteikirche (Institution und Bauwerke) mini|Darstellung der Lage des Klosters nach Merian mini|Circa 1925 bis 1930 entstandene Luftaufnahme des gesamten Gebäude-Komplexes von Corvey. Gut zu erkennen ist der ununterbrochene Übergang vom Westwerk mit den beiden Kirchtürmen zum Kirchenschiff der Barockkirche Adalhard der Ältere und Walle, zwei Vettern Karls des Großen, gründeten um 815 eine Benediktinerabtei in Hethis und siedelten diese kurz darauf nach Corvey um.

Mit dem Bau der Klosterkirche wurde um 830 begonnen. Der kubische Baukörper hinter der Fassade wurde im 9. Jahrhundert gebaut. Ein risalitartiger Vorbau ist dem Mittelturm vorgelagert, er wird im Volksmund Königserker genannt. Der quadratische Mittelturm überragte die Seitentürme anfänglich weit. In ihm war die sogenannte Kaiserkirche untergebracht. Bis 1145 ist der zwanzigmalige Aufenthalt römisch-deutscher Kaiser hier belegt. Von 1954 bis 1961 wurden Reste farbiger Wandmalereien freigelegt, sie zeigen zum Teil Motive antiker Mythologie. Die Farbfassung ist nur rudimentär erhalten und in ihrer Symbolhaftigkeit erkennbar. Das Erdgeschoss war wohl leuchtend rot, als Symbol des Feuers der Vorhölle, gefasst. Der Kaiser durchschritt hier einen Raum der Läuterung.Wirkung des Innenraumes

Die Gebeine des Hl. Vitus wurden 836 aus St. Denis nach Corvey gebracht. Die Kirche wurde 844 geweiht. Nach einem Chorbrand im Jahr 870 wurden vermutlich bis 873 die Ostteile durch einen größeren Neubau ersetzt. Das Westwerk an der Eingangsseite wurde von 873 bis 885 hochgezogen, die unteren drei Geschosse sind noch erhalten.Entwurf des Westwerkes Vor dem Westwerk befand sich ein Atrium, es wurde von zweigeschossigen Bogengängen flankiert. Während des Umbaus von 1146 bis 1159 wurden die Türme mit den Schallarkaden aufgestockt, der mittlere entfernt und die Front zwischen den Türmen erhöht. Das Westwerk wurde 1185 wegen Baufälligkeit des Mittelturmes zu einer Fassade mit zwei Türmen umgestaltet.Projektbeschreibung

Von 1585 bis 1616 wurden die Türme mit Giebeln und spitzen Helmen ausgestattet.

Die karolingische Klosterkirche wurde in der Mitte des 17. Jahrhunderts wegen der Folgen des Dreißigjährigen Krieges bis auf das Westwerk abgebrochen und durch einen Neubau ersetzt. Die karolingische Vorgängerkirche war eine dreischiffige Basilika mit einem breiten Mittelschiff und sehr schmalen Seitenschiffen, an das sich im Osten ein fast quadratischer Chor in Mittelschiffbreite anschloss, der erhöht war. Er fand in einem Anbau mit einer Apsis seine Fortsetzung. Darunter befand sich eine Krypta. Nicht lang nach der Fertigstellung und vor dem Baubeginn des Westwerkes wurde der so bezeichnete Bau I zum Bau II umgestaltet. Das rechteckige Chorjoch war eingezogen und die Apsis halbrund. Um die Chorapsis wurde eine Krypta mit einem Umgang gebaut, gleichzeitig entstand im Osten eine kreuzförmige Kapelle, die Querarme am Chor wurden erweitert. Im Dreißigjährigen Krieg wurde die Klosterkirche stark zerstört und 1665 abgerissen.

Ein Atrium als Hauptzugang zum Westwerk im Westen ist nicht mehr vorhanden. Es wurde unter Abt Heinrich von Aschebrock (1617–1624) abgebrochen.Hilde Claussen, Anna Skriver: Die Klosterkirche Corvey. Band 2: Wandmalerei und Stuck aus karolingischer Zeit. Philipp von Zabern, Mainz 2007, S. 4, Anmerkung 18. Heute wird das Westwerk von dem ehemaligen Klostergebäude und dem Ökonomiegebäude flankiert.

Der Grundstein für die neue barocke Kirche wurde von Christoph Bernhard von Galen gelegt. Der Grundriss, die Fenster und die Gewölbe tragen gotische Züge, die Raumausstattung in den Farben Rot und Gold ist barock geprägt. Der Bau wurde 1671 fertiggestellt. Die ehemalige Abteikirche des Klosters Corvey ist ein verputzter Bruchsteinsaal von drei Jochen, sie wurde nach 1667 im Stil der Nachgotik errichtet. Der fünfseitig geschlossene Chor ist ebenso lang. Der vorgelagerte karolingische Westbau beherrscht den Eindruck. Die Westfassade ist von zwei hohen, romanischen Türmen bekrönt. Die Benediktuskapelle im Osten ist zweijochig mit einem dreiseitigen Schluss. Bis auf die dreibahnigen Spitzbogenfenster mit Fischblasenmaßwerk sind die Wände schmucklos, der Chor ist durch Strebepfeiler gegliedert. Über dem Chor thront ein verkupferter Dachreiter mit einer geschweiften Laterne. Das Chorgewölbe ruht auf Voluten­konsolen. In den Wänden befinden sich raumhohe Nischen um Nebenaltäre und Beichtstühle darin aufzunehmen. Der Altarraum und der Gemeinderaum sind durch eine Kommunionbank voneinander getrennt.

mini|Corvey im 19. Jahrhundert In den letzten Jahren wurden die Kirche und die barocke Ausstattung in 13 Bauabschnitten restauriert. Das Kirchenschiff wurde neu verputzt, das Sandsteinmauerwerk des Westwerkes neu verfugt. Beide Türme wurden mit Holzschindeln neu eingedeckt, die Holzdachkonstruktion wurde renoviert und das Dach aus Sollingsandstein saniert.Renovierung Im Rahmen der Außensanierung erfolgte der Neuverputz des Kirchenschiffes, die Verfugung des Sandsteinmauerwerkes des Westwerkes, Neueindeckung der beiden Türme mit Holzschindeln, Sanierung des Sollingsandsteindaches und konstruktive Sanierung der Holzdachkonstruktion. Die Innenrenovierung umfasste die Erneuerung der Kirchenheizung als Fußbodenheizung, Wärmedämmung der Deckengewölbe, Überarbeitung der Fassung des Innenraumes in Kalktechnik und die Neuverlegung der Fußbodenplatten. Alle Arbeiten wurden in enger Zusammenarbeit mit allen beteiligten Abteilungen des Westfälischen Amtes für Denkmalpflege in Münster durchgeführt.

Kurz vor Weihnachten 2022 wurde zwischen Westwerk und Abteikirche eine Glaswand eingebaut. Sie trennt den für Besuche der Heiligen Messe kostenlos zugänglichen Sakralraum vom gebührenpflichtigen touristischen Betrieb und dient außerdem als Projektionsfläche für einen Acht-Minuten-Film zur bedeutenden monastischen Geschichte Corveys. Glanzlicht des Films ist die Rekonstruktion der karolingischen Basilika, die die Erdgeschosshalle des karolingischen Westwerks in einem ganz anderen Licht erscheinen lässt und als eigenständigen Raum erlebbar macht.Sabine Robrecht: Rückblick auf ein besonderes Jahr. Corvey 6. Januar 2023, abgerufen am 1. April 2023.

Detaildarstellungen des karolingischen und des Barockteils der Kirche Der älteste heute noch erhaltene Bauteil ist das Westwerk, das als eigenständiger Bauteil der ehemaligen Klosterkirche im Westen vorgelagert wurde. Als Dreiturmanlage wurde dieses karolingische Westwerk im 9. Jahrhundert mit zwei Fassadentürmen und einem mittleren quadratischen Turm erbaut. Im 12. Jahrhundert fand der Umbau zu einer Doppelturmfassade statt. Am unterschiedlichen Mauerwerk lassen sich die verschiedenen Bauphasen erkennen. Die hoch aufragende Westfront besteht aus zwei Flankentürmen und einem Mittelbau mit einem risalitartigen Erker in der Mitte. Dort ist eine Inschriftentafel aus der Gründungszeit angebracht. Die Inschrift lautet: CIVITATEM ISTAM TV CIRCVMDA DNE ET ANGELI TVI CVSTODIANT MVROS EIVS (Herr, umgib diese Stadt und lass deine Engel Wächter ihrer Mauern sein).

mini|Bauinschrift am Mittelbau der Westfront stammende untere Teil des Westwerkes besteht aus einem unregelmäßigen Bruchsteinmauerwerk. Unterbrochen wird dies durch schlichte Rundbogenfenster und Lichtschlitze. Vom Gesamtbau hebt sich das zweigeschossige Glockenhaus über dem Mittelbau deutlich ab. Die vier zweiteiligen Bogenöffnungen der unteren Reihe stammen noch aus der Ursprungszeit des Baus, die sechs zweiteiligen Öffnungen der oberen Reihe erst aus dem 12. Jahrhundert. Auf diese Zeit lassen sich ebenfalls die oberen Geschosse der Türme mit ihren je zwei doppelbogigen Zwillingsfenstern zurückführen.Internet-Portal „Westfälische Geschichte“: Die Fassade des Westwerks von Kloster Corvey, 1996. Abgerufen am 11. Juni 2012. Die Dächer des Mittelbaus und der Türme entstanden Ende des 16. Jahrhunderts.

Glocken Die vier Glocken aus vier Jahrhunderten hängen im Mittelbau des Westwerkes. Nach dem Dreißigjährigen Krieg wurde das Geläut neu formiert und nach und nach bescheiden wieder aufgebaut.

Die größte Glocke mit dem Namen Cantabona, wurde nach der Inschrift aus der im 11. Jahrhundert von Abt Druthmar gestifteten Glocke, 1584 von Hermann Bock und Hans Vogelmann gegossen. Sie war auf den Ton f1 +5 gestimmt. Im Jahr 2000 stellte das Westfälische Museum für Archäologie in Herne einen Nachguss der Cantabona vor, die geschah im Rahmen der Landesausstellung. Dies war ein Projekt des Landschaftsverbandes und der Kirchengemeinde. Die Glockenweihe erfolgte am 23. April 2006, die Glocke ist eine Dauerleihgabe.Cantabona kommt nach Corvey Zwei Glocken wurden 1683 von Claudius Bricon gegossen, sie sind auf die Töne fis 1 +-0 und a1 + 4,5 gestimmt.

Nr.  Name  Gussjahr  Gießer, Gussort  Durchmesser(mm) Masse(kg, zirka) Schlagton(HT-1/16) 1 Cantabona (St. Vitus) 1584 Hermann Bock und Hans Vogelmann 1266 1500 f1 +5 2 Benedictus 1683 Claudius Bricon, Steinheim 995 600 fis1 ±0 3 Maria, Ansgar, Rembertus, Adelhard 1782 Greve, Meschede 867 380 a1 +4,5 4 St. Joseph 1. H. 20. Jh. Humpert (?) 602 130 e2 ±0

Innenraum des Westwerks mini|hochkant|Säulen des Corveyer Westwerks Nach dem Durchqueren dreier Arkaden wird die aus karolingischer Zeit stammende Eingangshalle erreicht. Dabei handelt es sich um einen fünfschiffigen Raum mit quadratischem Grundriss. Die Form des Quadrats wird in der Anordnung von gequaderten Pfeilern wiederaufgenommen. Innerhalb dieses Quadrums entsteht ein weiteres Quadrum, das durch vier Säulen markiert wird. Die Säulen sind mit korinthisierenden Vollblattkapitellen mit hohen, ornamentierten Kämpferblöcken versehen.

Den Hauptraum umgeben zwei dreijochige, früher flachgedeckte Seitenschiffe. Der östliche Teil der Eingangshalle war die Verbindung zwischen Westwerk und Kirche. Dieser reichte früher durch drei Geschosse des Westwerkes. Um 1600 wurde der Raum eingewölbt.

An den westlichen Ecken der Eingangshalle befinden sich Treppen zum zweigeschossigen Mittelraum des Westwerkes. Dieser sogenannte JohannischorInternet-Portal „Westfälische Geschichte“: Informationen zur Emporenkirche. Abgerufen am 11. Juni 2012. ist ein hoher Raum mit quadratischem Grundriss und einer Balkendecke aus dem 16. Jahrhundert. Umgeben wird er von einigen Nebenräumen und einer Empore. Darüber befindet sich eine Emporenzone mit großer Bogenöffnung auf der Westseite. Über dem quadratischen, mittleren Bereich befand sich in karolingischer Zeit ein dritter Turm.

mini|Fragmente des Odysseusbildes mini|Zeichnung des Odysseusbildes mini|Wandmalerei mit Delphin und Akanthusfries im Westwerk mini|Zeichnung der Wandmalerei In allen Stockwerken finden sich Wandmalereien aus Ornamentbändern, Akanthusranken und geometrischen Mustern.