mini|hochkant|Die für die Dominikaner 1861 eingeweihte Salvatorkirche in Dublin gilt als die gelungenste Stadtkirche McCarthys.Curl: St. Saviour's, Dominic Street is the finest. Sheehy, S. 43: the most important of McCarthy's city churches. Williams, S. 117: The finest of J.J. McCarthy's Dublin churches, […]. Sie wurde im Stil der kontinental geprägten Gotik des 14. Jahrhunderts gebaut.Sheehy 1977, S. 44. James Joseph McCarthy (* 6. Januar 1817 in Dublin; † 6. Februar 1882 ebenda)Sheehy 1977, S. 6, 19. war der nach A. W. N. Pugin bedeutendste Architekt der Neugotik in Irland.Curl: Arguably Ireland's greatest Gothic Revival architect […]; Montague auf S. 260: J.J. McCarthy […] must count as the most prominent architect [of the second half of the nineteenth century in Ireland], at least among his Roman Catholic peers. Obwohl er kein Schüler Pugins war, folgte er weitgehend den architektonischen Prinzipien Pugins und wird daher gerne als der „irische Pugin“ bezeichnet. Mit den von ihm entworfenen vier Kathedralen und mehr als 60 Kirchen in Irland hatte er maßgeblichen Anteil daran, dass in der irischen Kirchenarchitektur der Neoklassizismus und der in der frühen Phase der irischen Neugotik aus England übernommene Perpendicular Style durch eine Stilvariante ersetzt worden ist, die sich an den mittelalterlichen Vorbildern des Kontinents und in Irland orientierte.Barrett, S. 462. McCarthy repräsentierte im 19. Jahrhundert eine katholisch-national ausgerichtete Kirchenarchitektur, die sich im Gefolge Pugins streng funktional an der Liturgie ausrichtet.Curl. Er und andere vergleichbare Architekten, die die mittelalterliche gotische Kirchenarchitektur wiederentdeckten und als ein Ideal betrachteten, zählten sich zu der Ecclesiological School, die zunächst durch die Ecclesiological Society und die Architektur-Zeitschrift The Ecclesiologist protestantisch geprägt war, aber durch Pugin und die von McCarthy gegründete Irish Ecclesiological Society auch in der katholischen Kirche verankert wurde.Sheehy 1977, S. 8.

Leben Frühe Jahre mini|Die früheste Kirche, die sich McCarthy zuordnen lässt, ist noch in dem Perpendicular Style errichtet worden, den er später vermied. Das auf dem Bild zu erkennende Querschiff und der Chor wurden jedoch erst nach McCarthys Tod im Jahr 1887 hinzugefügt. Über die Anfänge seines Lebens ist nicht sehr viel bekannt. Er wurde 1817 in Dublin als Sohn einer aus Kerry stammenden Familie geboren, die wohl in einfachen Verhältnissen lebte. McCarthy besuchte eine Schule der Christian Brothers und hatte früh die Gelegenheit, das Vermessungswesen zu studieren. Im Herbst 1834 wurde er in die Figure and Ornament School der Royal Dublin Society aufgenommen und wechselte später zur Architecture School, wo er 1837 einen zweiten Preis für einen Entwurf erhielt.Sheehy 1977, S. 6. Parallel ging er bei einem Dubliner Architekten in die Lehre. Sheehy geht davon aus, dass McCarthy beim Dubliner Architekten William Farrell († 1851) arbeitete, aber dies ist nicht mit letzter Sicherheit belegt.MCCARTHY, JAMES JOSEPH im Dictionary of Irish Architects, Fußnote 4, und Fußnote 12 in: Zahlreiche Entwürfe sind aus dieser Zeit überliefert, aber mit der St. Columban gewidmeten Pfarrkirche in Derry nur ein einziges Bauwerk. Diese in der Zeit von 1838 bis 1841 errichtete, recht einfache Kirche folgt noch dem Perpendicular Style mit den in der damaligen Zeit üblichen Zinnen am Kirchturm und entlang des Dachs. Wie Sheehy feststellt, würde die Ausführung zu dem neugotischen Stil Farrells passen, wenngleich Farrell primär im neoklassizistischen Stil arbeitete.

Beginn als selbständiger Architekt mini|An dieser von Charles Hansom entworfenen und 1846 fertiggestellten St.-Anna-Kirche in Liverpool war McCarthy möglicherweise beteiligt. Die Kirche wird jedenfalls in McCarthys Schrift Suggestions on the Arrangement and Characteristics of Parish Churches erwähnt. Für die Zeit von 1843 bis 1845 gibt es keine Belege für eine Tätigkeit McCarthys. Aufgrund einiger Anhaltspunkte vermutet Sheehy, dass McCarthy in dieser Zeit bei dem englischen Architekten Charles Hansom (1817–1888) arbeitete. Hansom war mit dem durch Pugin geprägten neugotischen Stil vertraut und wurde zunehmend zu einem Konkurrenten Pugins, da er weniger Honorar verlangte und auch kompromissbereiter war. Hansom wird an führender Position eingereiht in die zahlreichen Imitatoren Pugins, die selbst wenig Originalität einzubringen vermochten.Hill, S. 299, 354: The greatest broom-stealer was Bishop Ullathorne's protégé Charles Hansom. Das nimmt Bezug auf ein Zitat aus einem Schreiben Pugins: I believe I design for all of them for I see actually my own casts & figures used and they abuse me afterwards these men can afford to sell cheap for they steal their brooms ready made however the movement progresses and the right sort of thing becomes general & that is a great point.

Ab 1846 ist McCarthy sichtbar als selbständiger Architekt mit Sitz in Dublin. Neben Aufträgen des staatlichen Board of Ecclesiastical Commissioners, das die Mittel zum Bau und Ausbau von Kirchen der anglikanischen Staatskirche vergab, bemühte sich McCarthy auch um den Bau katholischer Kirchen im Einklang der von Pugin vertretenen Prinzipien. Um eine Musterkirche zu haben, bot er an, in Glendalough einen Entwurf für eine ländliche Pfarrkirche ohne Honorar zu entwickeln. Die Kirche wurde im Early-English-Stil der englischen Frühgotik errichtet und wurde zum Vorbild vieler seiner nachfolgenden ländlichen Kirchen, die bis heute als besonders gelungen gelten.Sheehy 1977, S. 29. Der zweite wichtige Erfolg in diesem Jahr war der Gewinn des Architekturwettbewerbs für die katholische Stadtkirche in Ballinasloe. Beide Projekte sollten jedoch unter der großen Hungersnot in Irland leiden. In Glendalough wurde die angestrebte Innendekoration nie umgesetzt, in Ballinasloe fiel der Bau später unter die Leitung eines anderen Architekten, der einige Veränderungen durchführte.Sheehy 1977, S. 7, 38. Der andere Architekt war möglicherweise Pugin selbst, aber dies ist nicht sichergestellt. Zu den weiteren frühen Kirchen gehört die Pfarrkirche in Kilskyre, die trotz der ländlichen Lage aufwendig im sogenannten Decorated Style, dem mittleren Stil der englischen Gotik erbaut wurde. Diese Bemühungen fanden die Aufmerksamkeit der englischen Zeitschrift The Ecclesiologist:

mini|hochkant|McCarthys Stadtkirche in Ballinasloe ist typisch für viele seiner nachfolgenden Bauten im Early English-Stil mit Lanzettfenstern, beidseitigen Seitenschiffen und einem Glockenturm, der durch einen spitz zulaufenden Helm abgeschlossen wird.

Anfang 1847 schrieb McCarthy auch drei Artikel für das gerade gestartete Duffy’s Irish Catholic Magazine. In diesen Artikeln warb McCarthy für eine Reformierung der Kirchenarchitektur, die sich wieder an den mittelalterlichen Vorbildern, bevorzugt an der Gotik, und den Bedürfnissen der katholischen Liturgie orientieren solle. Diese Artikel, die anonym erschienen, hoben dabei als positive Beispiele seine eigenen ersten Projekte in Glendalough, Ballinasloe und Kilskyre hervor. Auch wird bereits hier seine Verehrung von Pugin schriftlich dokumentiert, indem er sich auf dessen Werke The Present State of Ecclesiastical Architecture, Contrasts und The True Principles of Pointed or Christian Architecture bezieht. Er veröffentlichte in dem Magazin auch positive Kritiken des Manual of Gothic Architecture von Edward Graham Paley und der Analysis of Gothic Architecture von Raphael und J. Arthur Brandon.Sheehy 1977, S. 8–9.

Auch wenn viele seiner Ideen sich auf Pugin zurückführen ließen und er selbst Pugin als Vorbild nannte, so gehörte er dennoch nicht zu den Imitatoren Pugins, sondern entwickelte seinen eigenen Stil. Pugin und McCarthy kannten sich persönlich, schätzten einander und arbeiteten auch an gemeinsamen Projekten wie etwa 1852 bei der Friedhofskapelle in Clough, County Laois. Da Pugin nur selten die Gelegenheit fand, selbst nach Irland zu reisen, überließ er gerne die Bauleitung ihm vertrauter Architekten. So übernahm McCarthy 1853 im Auftrage Pugins die Bauleitung der Marienkathedrale von Killarney.Sheehy 1977, S. 45. McCarthy scheute sich auch nicht davor, Pugin um Kommentare zu seinen Entwürfen zu bitten. Ein Beispiel hierfür ist die Salvatorkirche der Dominikaner in Dublin, bei der McCarthy Anregungen bezüglich der Innengestaltung von Pugin aufgenommen hat.

Vernetzung in der katholischen-nationalen Bewegung in Irland mini|hochkant|Charles Gaven Duffy, Herausgeber der The Nation und späterer Premierminister von Victoria, war mit McCarthy nicht nur eng befreundet, sondern auch ein wichtiger Impulsgeber und Förderer McCarthy wurde früh Mitglied in der Bewegung Junges Irland, die sich nicht nur für die Unabhängigkeit Irlands einsetzte, sondern für die Suche nach einer katholisch-nationalen Identität, die ihren Ausdruck auch in einer irisch-nationalen Kunst und Architektur fand. In dieser Bewegung verband McCarthy eine besondere Freundschaft mit dem Herausgeber der irisch-nationalen Zeitung The Nation, Charles Gavan Duffy. Dieser schrieb später in Young Ireland: A fragment of Irish history, 1840–1845 rückblickend auf McCarthy:

Bei der Beaufsichtigung der Arbeiten an der Kirche in Glendalough hatte McCarthy die Gelegenheit zu längeren Gesprächen mit John Gowan, damals noch Kurat und ebenfalls Mitglied von Young Ireland, später der bedeutendste irische Vinzentiner des 19. Jahrhunderts.Zu seinem Lebenslauf und Einschätzung seiner Bedeutung: Beide waren sich einig über den unzureichenden Zustand der katholischen Kirchen sowohl auf dem Land als auch in den Städten und dass eine Organisation notwendig wäre, um dies zu verbessern. Dabei erhielt McCarthy den Rat, hierfür jemanden einzuspannen, der dies nicht nur überzeugend vertreten könnte, sondern auch beim irischen Klerus genügend Vertrauen besäße. Hierzu wurde Charles William Russell befragt, der als Professor für Kirchengeschichte am St. Patrick’s College in Maynooth lehrte und zuvor die Berufung zum Erzbischof von Armagh abgelehnt hatte. Russell sagte zu und wurde dann Präsident der 1849 gegründeten Irish Ecclesiological Society. Dank der Fürsprache Russells fand die neue Gesellschaft die Unterstützung des Dubliner Erzbischofs Paul Cullen, der die Schirmherrschaft übernahm. Zu den weiteren unterstützenden Bischöfen gehörten die von Kildare, Clogher, Waterford, Clonfert, Dromore, Raphoe und Cloyne. Dem Vorstand der Gesellschaft gehörten insgesamt 16 Priester und 11 Laien an, darunter auch Duffy und Gowan. McCarthy war der einzige Architekt in diesem Gremium.

Die Gesellschaft wurde nie in dem angestrebten Umfang öffentlich tätig. Der bedeutendste öffentliche Vortrag war der von McCarthy am 5. Februar 1851 über Suggestions on the Arrangement and Characteristics of Parish Churches. In diesem referierte McCarthy über die Nachteile der bisherigen Kirchenbauten, verurteilte ähnlich wie Pugin die neoklassizistischen Kirchenbauten als heidnisch und als für die katholische Liturgie ungeeignet, zeigte die wichtigsten Anforderungen eines katholischen Kirchengebäudes auf und versuchte zu begründen, wie gut diese durch die gotischen Vorbilder aus dem Mittelalter erfüllt wurden. Es wurden dann einige geeignete Varianten vorgestellt beginnend von kleinen ländlichen Pfarrkirchen bis hin zu größeren Stadtkirchen. Als Modelle dienten dabei seine bereits gebauten oder geplanten Kirchen in Glendalough, Ballinasloe und Kilskyre. Dank einer Spende von £ 25 von Duffy zur Finanzierung der Druckkosten konnte das Werk noch im gleichen Jahr publiziert werden.

mini|Die 1851 in dem Vortrag vorgestellte Planzeichnung der Stella-Maris-Kirche in Sandymount, Dublin, mit drei gleich breiten Schiffen lässt den Einfluss Pugins erkennen.Williams, S. 191.