mini|400px|Ansicht der Nordseite an der Battonnstraße (scheinbare Krümmung wegen Panorama-Aufnahme) mit früherem Zugang mini|400px|Ansicht des nordwestlichen Bereichs an der Battonnstraße (Panoramabild, links Blick nach Osten, rechts Blick nach Süden), rechts der Ende der 1980er Jahre errichtete Neubau auf der Westseite mini|400px|Ansicht des südwestlichen Bereichs mit Eingangspforte (Panoramabild, links Blick nach Norden, rechts Blick nach Osten)
Der Jüdische Friedhof Battonnstraße (auch: Jüdischer Friedhof Börneplatz) in Frankfurt am Main wurde 1180 erstmals urkundlich erwähnt und bis zum Jahr 1828 genutzt. Er gilt als der zweitälteste erhaltene jüdische Friedhof nördlich der Alpen, der älteste ist der Heilige Sand in Worms. Der älteste erhaltene Grabstein stammt aus dem Jahr 1272. Bis zum 16. Jahrhundert hatte der Friedhof überregionale Bedeutung, da er auch jüdischen Gemeinden aus dem Raum zwischen Aschaffenburg in Unterfranken und Wetzlar in Mittelhessen als Begräbnisstätte diente. Trotz wiederholter Schändungen, Entweihungen und Zerstörungen ist er bis heute teilweise original erhalten.
Lage mini|400px|Gedenkstätte Neuer Börneplatz, LageskizzeVgl. Satellitenfoto der Gedenkstätte auf lilit.de Der mittelalterliche Begräbnisplatz liegt heute im Karree zwischen Battonnstraße im Norden, Rechneigrabenstraße im Süden, Kurt-Schumacher-Straße im Westen und Lange Straße im Osten. Das Museum Judengasse in der Battonnstrasse 47 ist direkt benachbart, südlich schließt der Neue Börneplatz an.
Westlich des Friedhofs wurde Ende der 1980er Jahre ein großes Verwaltungsgebäude errichtet, in dem auch das Museum Judengasse untergebracht wurde (zum Hintergrund siehe Börneplatzkonflikt). Der Fußweg zwischen dem Friedhof und dem Gebäude hat heute die Bezeichnung Börneplatz.Die Bezeichnung Börneplatz gilt auch für einen Straßenabschnitt im Süden, vgl. Satellitenfoto zur Adresse Börneplatz bei Google Maps. Früher war dies ein Abschnitt der Gasse Hinter der Judenmauer.
Die Frankfurter Judengasse, das von 1462 bis 1796 bestehende jüdische Ghetto, wurde in der Nähe des Friedhofs angelegt. An ihrem südlichen Ende mündete die Judengasse in den Judenmarkt. Von diesem Platz gelangte man mit wenigen Schritten zur südwestlichen Pforte der Friedhofsmauer,Zu den kurzen Wegen vgl. Modell des Judenmarkts mit Umgebung (etwa Mitte 19. Jahrhundert) auf lilit.de. In der Mitte der Judenmarkt, von oben mündet die Judengasse ein. Rechts der Friedhof. da der ummauerte Bereich mit einem westlichen Ausläufer fast bis zum Judenmarkt reichte. Vor allem in diesem südwestlichen Bereich hat sich der Verlauf der Friedhofsmauer aufgrund von Baumaßnahmen geändert, ansonsten ist er über die Jahrhunderte weitgehend unverändert geblieben.
Zugang mini|Friedhofspforte mit der Inschrift Beth HaChaim („Haus des Lebens“) Seit der Anlage des Neuen Börneplatzes Mitte der 1990er Jahre befindet sich der Zugang wieder im südwestlichen Bereich des Friedhofs. An dieser Pforte befinden sich zwei Torflügel aus Metall, über die sich der Schriftzug Beth HaChaim („Haus des Lebens“) zieht.
Historisch gab es immer einen Zugang im südwestlichen Bereich, bis 1881/82 die Börneplatzsynagoge gebaut wurde. Damals wurde der Zugang nach Norden in die Schnurgasse (heute Battonnstraße) verlegt. Die nördliche Pforte an der Battonnstraße ist mit einem einfachen Metalltor mit senkrechten Stäben verschlossen, so dass Passanten an dieser Stelle einen Blick in den Friedhof werfen können.Die nördliche Pforte ist auf dem Panorama-Bild ganz oben zu sehen.
Der Friedhof ist dauerhaft geschlossen, er kann jedoch besichtigt werden (außer montags und samstags). Der Schlüssel wird im benachbarten Museum Judengasse gegen Hinterlegung des Personalausweises ausgegeben. Jeden zweiten Sonntag werden Führungen angeboten. Männliche Besucher des Friedhofs werden gebeten, eine Kopfbedeckung aufzusetzen. Das Museum leiht jüdische Kopfbedeckungen (Kippot) aus.Alter Jüdischer Friedhof an der Battonnstraße Webseite des Jüdischen Museums Frankfurt
Geschichte Der Jüdische Friedhof Battonnstraße wird als eines der ältesten Zeugnisse jüdischen Lebens in der Stadt Frankfurt am Main angesehen. Er lag zunächst außerhalb der Stadt, östlich der zeitgleich entstehenden Staufenmauer, der romanischen Stadtbefestigung. Ab etwa Mitte des 14. Jahrhunderts wurde der Friedhof von einer neuen Stadtbefestigung umschlossen. Er lag damit in der Neustadt.
mini|1552: Der Friedhof ist ringsum von einer Mauer umgeben,Die Spitze des südwestlichen Vorsprungs der ummauerten Fläche liegt genau zwischen den Spitzen der beiden Türme in der Bildmitte (der linke Turm ist der Mönchsturm, der rechte der Fronhofturm). mit einer Pforte an der südwestlichen Ecke und einer Pforte an der Ostseite. Links unten der Dom.
mini|1572: links die bogenförmige Judengasse, die in den Judenmarkt (Platz in der Bildmitte) mündet. Von dort Zugang zur südwestlichen Friedhofspforte. Rechts das Fischerfeld (die ungefähr rechteckige grüne Fläche) und der Main.
mini|Merian 1628: Der Friedhof (mit Grabsteinen und Bäumen) liegt nahe der südöstlichen Ecke der Stadtbefestigung mit Wassergraben und der Bastion „Judeneck“. Der markante südwestliche Vorsprung der Friedhofsmauer reicht fast bis zu den Häusern der Judengasse.
mini|1811: An der südwestlichen Ecke des Friedhofs ein „Hospital der Juden“. Südlich „Backöfen“ und der „Holzhof der Juden“. Weiter südlich, auf dem ab 1793 trockengelegten Fischerfeld, entstehen neue Straßen.
mini|Um 1840: Südlich ein weiteres „Juden-Hospital“ – das Krankenhaus der Israelitischen Krankenkassen in der Rechneigrabenstraße.
mini|1845: Der seit 1828 geschlossene Friedhof wird als „Alter Begräbnisplatz der Juden“ bezeichnet.
mini|1852: Südlich des Friedhofs das neue israelitische Schulgebäude.
mini|1862: Dichte Bebauung auf dem ehemaligen Fischerfeld im Süden.
mini|1872 (Blick nach Westen): rechts der Friedhof. Am linken Bildrand das Krankenhaus der Israelitischen Krankenkassen.
Hochmittelalter Die erste Ansiedlung von Juden in Frankfurt am Main wird in die Zeit um 1150 datiert. Bis zur Anlage des jüdischen Friedhofs wurden sie am Garküchenplatz beerdigt, der östlich direkt an die damalige Salvatorkirche des gleichnamigen Stifts anschloss. Ihre sterblichen Überreste wurden beim Wiederaufbau Frankfurts nach 1945 in großer Zahl dort gefunden und gleich neben der Kreuzigungsgruppe auf dem östlich angrenzenden Friedhof des heutigen Kaiserdoms wieder begraben.
Der Friedhof wurde im Jahr 1180 erstmals urkundlich erwähnt. Er entstand aufgrund der im damaligen Stadtkern herrschenden drangvollen Enge. Er wurde am nördlichen Ufer der Braubach angelegt, einem verlandeten Nebenarm des Mains, dessen Verlauf an dieser Stelle später in etwa einem Teilstück des bewässerten Stadtgrabens entsprach.
Die Juden, die südlich der Salvatorkirche wohnten, konnten durch die nordöstlich gelegene Bornheimer Pforte der Staufenmauer zu den Grabstellen auf dem Jüdischen Friedhof gelangen.
1241 wurden viele Frankfurter Juden während eines als „Frankfurter Judenschlacht“ bezeichneten Pogroms ermordet und fanden auf dem Friedhof ihre letzte Ruhe.Fritz Backhaus (Hrsg.): „Und groß war bei der Tochter Jehudas Jammer und Klage …“. Die Ermordung der Frankfurter Juden im Jahre 1241. Jan Thorbecke Verlag, Sigmaringen 1995 (Schriftenreihe des Jüdischen Museums Frankfurt am Main, Band 1), ISBN 3-7995-2315-4.
Spätmittelalter Ab dem Jahr 1333 wurde der jüdische Begräbnisplatz von der auf Erlaubnis des Kaisers Ludwig dem Bayern neu gezogenen Stadtmauer um die sogenannte Neustadt eingeschlossen, er befand sich seitdem innerhalb des Stadtgebietes und in relativer Nähe des Stadtzentrums, der heutigen Altstadt. In der Folgezeit wurde der Weg vom alten Stadtkern zum jüdischen Friedhof durch mehrere Durchbrüche an der Westseite der alten Staufenmauer verkürzt.
Weitere gegen Juden gerichtete Pogrome entwickelten sich während der ab 1348 grassierenden Pest, die in der Ermordung sämtlicher Frankfurter Juden während der sogenannten 2. Frankfurter Judenschlacht vom 24. Juli 1349 gipfelten. Ihr gesamtes Eigentum verfiel der Stadt, auch ihr Friedhof. Die sterblichen Überreste dieser Juden wurden nicht auf dem Friedhof bestattet, da es keine jüdische Gemeinde mehr gab, die sich darum gekümmert hätte. Ab etwa 1360 siedelten sich zögerlich erneut Juden in Frankfurt an, deren größte Liegenschaft der wieder der Gemeinde übereignete Friedhof war, der zu dieser Zeit an den Kustodiengarten des Bartholomäusstiftes grenzte.
Mehrmals wurde die Mauer des jüdischen Friedhofs aufgrund seiner strategischen Lage am südöstlichen Stadtrand in die Verteidigungsmaßnahmen der Stadt einbezogen. Als Frankfurt bei der Königswahl von 1349 Partei für den Kandidaten Günther von Schwarzburg ergriff und deshalb einem Angriff von Gegenkönig Karl IV. entgegensah, wurden um Altstadt und Judenfriedhof elf Erker mit Schießscharten für Wachtposten angebracht. Auch während des Städtekrieges (1387–1389) wurde der jüdische Friedhof für Verteidigungsmaßnahmen vorbereitet.
Ab dem Jahr 1462 erhielten die Frankfurter Juden die städtische Auflage, den von ihnen vornehmlich besiedelten Bereich um die Stiftskirche St. Bartholomäus zu verlassen und sich in der Judengasse (dem Verlauf des früheren Wollgrabens vor der Staufenmauer folgend) anzusiedeln. Die Judengasse verlief außerhalb der Staufenmauer und etwa parallel zu deren nordöstlichem Teil in der Neustadt, in ungefährer Bogenlinie zwischen Bornheimer Pforte und Mönchsturm, lief also auf den jüdischen Friedhof zu (vergl. Stadtansicht v. Georg Braun u. Frans Hogenberg 1572). Diese Nähe zum Friedhof hatten die Stadtherren nicht zufällig bestimmt.
Frühe Neuzeit Der Zugang zur jüdischen Begräbnisstätte lag am südwestlichen Ende des Friedhofsgeländes in einer Gasse, die von hier nach Norden bis zur Allerheiligengasse verlief (siehe Vogelschauplan von Matthäus Merian 1628). Im Norden, Osten und Süden war der Friedhof unzugänglich, er war dort von Gebäuden bzw. Gärten umschlossen. Zumindest vorübergehend scheint es jedoch eine Pforte an der östlichen Friedhofsmauer gegeben zu haben, möglicherweise im Kontext von Verteidigungsmaßnahmen. Direkt neben dieser Pforte war ein kleines Gebäude, evtl. ein Erker mit Schießscharten für einen Wachtposten. Dies jedenfalls impliziert der Belagerungsplan der Stadt Frankfurt am Main nach Conrad Faber von Creuznach aus dem Jahr 1552.
Seit dem 16. Jahrhundert waren in einem südwestlichen Bereich des Friedhofsgeländes namens Völckerscher Bleichgarten diverse jüdische Hospitäler angesiedelt: zuerst ein Blatternhaus, ab etwa 1600 auch ein Hospital für einheimische Juden, ab etwa 1713 auch ein Hospital für auswärtige Juden („Fremdenhospital“). Diese Einrichtungen wurden am Friedhof teils baulich zusammengelegt, andererseits entstanden dort neue Gebäude, so im Jahr 1718 eine Zeile von sechs aneinandergebauten Häuschen für das Fremdenhospital. 1796 wurde direkt vor dem Eingang zum Friedhofsgelände ein größerer Neubau für das Fremdenhospital errichtet (später: „Israelitisches Hospital“, im Stadtplan von 1811 „Hospital der Juden“ genannt).Völckerscher Bleichgarten – Frankfurt am Main: Spitäler der Frankfurter jüdischen Gemeinde (Ghettozeit) juedische-pflegegeschichte.de.Zum Fremdenspital-Neubau von 1796 siehe auch die historische Zeichnung bei metahubfrankfurt.de. Der Zugang zum Friedhof war nun über das Grundstück des Hospitals möglich.
Im Zuge der Trockenlegung des Fischerfeldes – der als Neue Anlage bezeichnete Bereich südlich des jüdischen Friedhofs bis zum Main – ab 1793 und der Schleifung der Stadtbefestigungen entstand unmittelbar vor dem südwestlichen Ende des Friedhofs ein größerer Platz, der dem seit dem 16. Jahrhundert abgehaltenen Judenmarkt, auf dem die jüdische Bevölkerung der Stadt und des Umlandes ihre Waren feilbot, deutlich mehr Raum gab.
Schließung des Friedhofs