Bochum Hauptbahnhof ist der wichtigste Bahnhof der Stadt Bochum und zentraler Knotenpunkt aller öffentlichen Stadtverkehrsmittel. Er wurde ab 1955 neu errichtet und 1957 seiner Bestimmung übergeben. Mit seinem Empfangsgebäude im Stil der Nachkriegsmoderne gilt er als einer der bedeutendsten deutschen Bahnhofsneubauten der 1950er Jahre.
Verkehrsstation
Eisenbahnverkehr An den vier Mittelbahnsteigen mit insgesamt acht Gleisen halten Züge der S-Bahn Rhein-Ruhr, des Regional- und des Fernverkehrs.
Im Regelbetrieb verkehrt die Glückauf-Bahn Richtung Gelsenkirchen auf Gleis 1. Der Vest-Ruhr-Express Richtung Haltern am See auf Gleis 2. Alle anderen Regional- und Fernverkehrszüge auf den Gleisen 3–4 Richtung Essen und auf den Gleisen 5–6 Richtung Dortmund oder Witten. Die Züge der S-Bahn Rhein-Ruhr verkehren auf den Gleisen 7–8.
Fernverkehr Linie LinienverlaufTakt Hannover – Dortmund – Bochum – Essen – Duisburg – Düsseldorf – Köln/Bonn Flughafen60 min (Westerland –) Hamburg-Altona – Münster – Dortmund – Bochum – Essen – Duisburg – Düsseldorf – Köln – Koblenz – Mannheim – Stuttgart / Basel – Zürich – Chur)einzelne Züge , Hannover –) Dortmund – Bochum – Essen – Duisburg – Düsseldorf – Köln – Koblenz – Mannheim – Stuttgart (– Lindau-Reutin – Innsbruck / München – Salzburg – Klagenfurt)einzelne Züge Dortmund – Bochum – Essen – Duisburg – Düsseldorf – Köln Messe/Deutz – Frankfurt Flughafen – Frankfurt – Würzburg – Nürnberg – Müncheneinzelne Züge Dortmund – Bochum – Essen – Duisburg – Düsseldorf – Köln – Siegburg/Bonn – Mannheim – Stuttgart – München120 minDortmund – Bochum – Essen – Duisburg – Düsseldorf – Köln Messe/Deutz – Frankfurt Flughafen – Mannheim – Stuttgarteinzelne Züge Einzelne, über die gewöhnlichen Laufwege der Linien hinausführende Züge sind hier ebenso wie Verstärkungszüge am Wochenende nicht aufgeführt.
Nahverkehr Linie Linienverlauf Takt Betreiber
mini|Bahnsteigansicht mit zeittypischer Überdachung
Im Bochumer Hauptbahnhof treffen die Bahnstrecken Witten/Dortmund–Oberhausen/Duisburg und Bochum–Gelsenkirchen aufeinander.
Gleis 2 verbindet den größtenteils stillgelegten Bochumer Güterbahnhof mit dem Abzweig Prinz von Preußen auf der Strecke vom Nordbahnhof zum Bahnhof Langendreer. Es dient dem Vest-Ruhr-Express, einzelnen Zugdurchfahrten sowie als Ausweichgleis bei Betriebsstörungen.
Sowohl im VRR als auch auf kommunaler Ebene wurde über die Schaffung einer neuen Verbindung von Recklinghausen nach Bochum diskutiert. Diese soll, nach Vorstellung der Bürger und der Politik, den Berufsverkehr auf der überlasteten Autobahn 43 auf die Schiene bringen und somit eine echte Alternative für Pendler darstellen.
Der Vest-Ruhr-Express (Linie RE 41) Haltern am See – Recklinghausen – Bochum geht am 7. Januar 2024 an den Start und wird bis Dezember 2026 von der DB Regio AG mit Fahrzeugen vom Typ Flirt3XL betrieben. Baustellenbedingt ist eine Betriebsaufnahme zum Fahrplanwechsel am 9. Dezember 2023 nicht möglich.
Die neue Linie RE 41 (Bochum – Recklinghausen – Haltern am See) sollte im Dezember 2023 an den Start gehen, nachdem dies zunächst Ende 2022, dann im Sommer 2023 geplant war. Die Fahrten sollen im Stundentakt, wochentags von 5 bis 23 Uhr (samstags ab 6 Uhr, sonntags ab 7 Uhr) angeboten werden, wobei nur in Recklinghausen Süd, Recklinghausen Hbf und Marl-Sinsen Zwischenhalte stattfinden. Eine Verlängerung nach Witten und Hagen gilt als perspektivische Überlegung, auch eine Fortführung über Hagen hinaus bis Köln Hbf (über Wuppertal und Solingen) findet sich auf der Zielnetzgrafik 2040. Dort findet sich auch eine Verlängerung über Haltern am See hinaus bis Münster (Westf.), die dann auch Dülmen direkt anschließen würde.Nordrhein-Westfalen NRW-Takt Zielnetz 2040 , auf kcitf-nrw.de, abgerufen am 2. Juli 2023
Stadtbahn Bochum mini|Zugang zur U35 nach Herne und zu den Straßenbahnen 302/305/310
Die sechsgleisige Stadtbahn-Station Bochum Hauptbahnhof stellt den wichtigsten Kreuzungspunkt zwischen den Bochumer Linien dar. Am Buddenbergplatz, dem Südeingang des Hauptbahnhofs, sind Betriebsleitstelle und technische Leitstelle der Bochum-Gelsenkirchener Straßenbahnen AG (BOGESTRA) untergebracht.
Die erste unterirdische Ebene „−1“ ist eine Verteilerebene. Auf der Ebene „−2“, unter dem Bahnhofsvorplatz, liegen die Seitenbahnsteige für zwei meterspurige Gleise, auf denen die Straßenbahnlinien 306, 308, 316 und 318 verkehren. In der Ebene „−3“, tief unter dem eigentlichen Hauptbahnhof, liegen die beiden Mittelbahnsteige Fahrtrichtung Bochum Rathaus bzw. Richtung Ruhr-Universität und Laer. Dabei befinden sich innen die normalspurigen Gleise für die Linie U 35, außen die meterspurigen Gleise für die Straßenbahnlinien 302, 305 und 310.
Linienverlauf der Straßenbahnlinien und der U35 CampusLinie:
Alle Straßenbahnlinien sowie die U-Bahn-Linie U 35 werden von der BOGESTRA betrieben. Fahrzeiten sind den Fahrplänen zu entnehmen.
Linie Verlauf / Anmerkungen Takt (Mo–Fr)
Busverkehr miniatur|hochkant|Terminal von Richard Serra
Auf dem nach Kurt Schumacher benannten Bahnhofsvorplatz befindet sich der Busbahnhof für den Stadtverkehr.ZOB Bochum auf architekt-boell.de, abgerufen am 9. April 2022. Ergänzend gibt es im direkten Bahnhofsumfeld weitere Haltestellen: Bochum Hbf/Boulevard auf der Massenbergstraße Buddenbergplatz am Südausgang des Bahnhofs Private Fernbusse nutzen die Haltestellenanlage an der Wittener Straße
Linie Verlauf Takt
Geschichte Bergisch-Märkischer Bahnhof mini|Bahnhof Bochum Süd, circa 1910 mini|Der Katholikentagsbahnhof 2023
Der alte Hauptbahnhof entstand aus dem Bahnhof der Bergisch-Märkischen Eisenbahn-Gesellschaft, die mit ihrer Bahnstrecke Witten/Dortmund–Oberhausen/Duisburg zu Beginn der 1860er Jahre die erste Eisenbahnstrecke durch das Bochumer Stadtgebiet in Betrieb nahm.Edmund Heusinger von Waldegg (Hrsg.): Handbuch für specielle Eisenbahn-Technik. Band 1: Der Eisenbahnbau. Verlag Wilhelm Engelmann, Leipzig, 4. vermehrte und verbesserte Aufl. 1877, Teilband 2, Tab. XXXV oben (nach S. 706): Bahnhof Bochum (Lageplan und Gleisplan). Der Bahnhof befand sich einige hundert Meter weiter westlich des heutigen Hauptbahnhofs an der Königsallee.Alter Hauptbahnhof auf historisches-ehrenfeld.de, abgerufen am 21. August 2023.
Am südwestlichen Rand des historischen Stadtkerns, nördlich des entstehenden Stadtviertels Ehrenfeld gelegen, befand er sich in günstiger Position zu den wichtigen Schwerindustriebetrieben wie den Stahlwerken des Bochumer Vereins oder verschiedenen Kohlenzechen (zum Beispiel Zeche Engelsburg und Zeche Friederika). Der Zugang für Passagiere war durch die Randlage aber nicht ideal, außerdem waren die Platzverhältnisse im Bochumer Gleisdreieck zwischen der Hauptstrecke und der abzweigenden, 1870 eröffneten Strecke nach Herne-Rottbruch sowie der Königsallee angesichts des steigenden Verkehrsaufkommens unzureichend.
Nach der Verstaatlichung der großen Eisenbahngesellschaften durch den preußischen Staat wurde dem Bergisch-Märkischen Bahnhof der Name Bahnhof Bochum Süd zugeordnet, um ihn von Bahnhof Bochum der Rheinischen Eisenbahn-Gesellschaft zu unterscheiden. Letzterer liegt östlich der Innenstadt und bekam den Namen Bochum Nord. Aus Bochum Süd wurde in den 1910er Jahren schließlich Bochum Hauptbahnhof.Auf Ansichtskarten die Beschriftung „Bochum Süd“ und in Stadtplänen bis um 1910. Bezeichnung im Pharus-Plan von 1913 „Bhf. Süd – Haupt Bhf“, sowie auf Ansichtskarten die erkennbare Beschriftung „Bochum H. B.“
Im Zweiten Weltkrieg wurde der Bahnhof zu einem wichtigen Ziel der alliierten Bomber, nahezu alle großen Anschlussgleise gingen zu Firmen, die an der Rüstungswirtschaft beteiligt waren. Das Empfangsgebäude und zahlreiche Gleise wurden bei dem britischen Bombenangriff vom 4. November 1944 nahezu vollständig zerstört, wie auch große Teile der Innenstadt Bochums.
Zum 73. Deutschen Katholikentag 1949 wurde an Stelle des zerstörten Empfangsgebäudes ein Katholikentagsbahnhof genanntes Provisorium errichtet. Das heute unter Denkmalschutz stehende Gebäude wurde nach der Eröffnung des jetzigen Hauptbahnhofes bis etwa 1994 von der Deutschen Bundesbahn als Schulungsstätte genutzt und verfiel in den Folgejahren. Seit 2010 ist es ein Club unter dem Namen Rotunde.
Neuer Hauptbahnhof mini|hochkant=1.5|Luftbild des neuen Hauptbahnhofes Ende der 1950er
Schon in den 1930er-Jahren gab es Planungen für einen großflächigen UmbauBochumer Anzeiger, 6. September 1935 oder einen neuen Hauptbahnhof, da der vorhandene Bahnhof zwischen bestehenden Gleisen und Firmen eingekreist war und sich städtebaulich nicht weiterentwickeln konnte.
Der Wiederaufbau wurde von der Stadtplanung dazu genutzt, den Grundriss der Innenstadt und die Führung einiger Hauptverkehrsstraßen im Sinne der autogerechten Stadt zu verändern, um eine zuvor nicht erfolgte Anpassung an die stark gestiegene Einwohnerzahl zu erreichen. Der in seiner alten Lage nicht mehr erweiterbare Hauptbahnhof sollte näher an die Innenstadt verschoben werden.
Schwerpunkt und Grundlage der Neuordnung und des Wiederaufbaus der Innenstadt war die Verlegung des Hauptbahnhofes um etwa 650 Meter in Richtung Osten. Der neue Standort sollte einen guten Zugang zu den wichtigen Einrichtungen einer Großstadt bieten.
Auch andere Standorte kamen für den neuen Bahnhof in Betracht. Gesucht war ein Platz, der zentral lag und genügend Raum für die Haltestellen der Straßenbahnen und Busse bot. Man entschied sich nach sorgfältiger Abwägung aller Gesichtspunkte für den heutigen Standort.
Der Neubau des Bahnhofes war auch die Grundlage für die Veränderung des innerstädtischen Verkehrssystems. Das gesamte Straßennetz wurde auf den Bahnhof ausgerichtet. Der Massenverkehr kann nun schnell abfließen, da er an zwei Ausfallstraßen Richtung Süden liegt und durch den Innenring an alle anderen wichtigen Straßen angeschlossen ist.
Im Umfeld des neuen Hauptbahnhofs, z. B. in der Huestraße, wurden hochwertige Läden angesiedelt. Die Huestraße verbindet Bahnhof und Stadtzentrum mit allen bedeutenden städtischen Einrichtungen. Berufsschulen, Industrie- und Handelskammer, die Verwaltung der Stadtwerke sowie die Hauptpost liegen in unmittelbarer Nähe.
Bauarbeiten Nach einem Ratsbeschluss vom Juni 1953 nahm im Februar 1954 das Projekt „Verlegung des Bahnhofs Bochum Hbf“ seinen Anfang. Die Verlegung der Bahnanlagen und die Errichtung des Empfangsgebäudes sind als zwei getrennte Abschnitte zu sehen.
Sämtliche Gleise und Signale mussten verlegt und an das neu zu errichtende Stellwerk angeschlossen werden. Dieses Relaisstellwerk war technisch auf der Höhe der Zeit, die Durchführung des Zugbetriebs konnte so wesentlich rationalisiert werden. Während der gesamten Bauarbeiten konnte der Fahrbetrieb aufrechterhalten werden. Es wurden insgesamt 250 000 Kubikmeter Boden bewegt, um die Höherlegung des Bahndammes um mehr als vier Meter auf 2,1 Kilometer Länge zu realisieren.
Am heutigen Standort der Bahnanlagen befand sich früher die Scharpenseel-Brauerei. Sie wurde im Krieg völlig zerstört. Weiter lagen dort auf einem Hügel Schrebergärten und ein Friedhof, auf dem sich christliche und jüdische Gräber befanden. Die circa 800 Gräber wurden verlegt, der Hügel abgetragen.
Zunächst wurden die großen Bauwerke errichtet. Hierzu gehören zwei Straßenunterführungen mit zehn Gleis- und zwei Bahnsteigbrücken, Personen-, Gepäck- und Posttunnel und die Stützmauer zwischen den Bahnsteigen und dem Gebäude.