Der Große Preis von Italien 1970 (offiziell XLI Gran Premio d’Italia) fand am 6. September auf dem Autodromo Nazionale di Monza in Monza statt und war das zehnte Rennen der Automobil-Weltmeisterschaft 1970. Das Rennen wurde vom tödlichen Trainingsunfall des Fahrers und WM-Führenden Jochen Rindt überschattet.

Berichte Hintergrund Nachdem das Team Tyrrell bei den bisherigen Rennen der Saison stets als March-Kundenteam angetreten war, wurde der erste Einsatz der Eigenkonstruktion Tyrrell 001 bei einem Weltmeisterschaftslauf mit Spannung erwartet, nachdem das Fahrzeug bei dem nicht zur WM zählenden Rennen im Oulton Park zwei Wochen zuvor ein vielversprechendes Ergebnis erzielt hatte. Das Team meldete einen der neuen Wagen für Jackie Stewart. Nach einigen mechanischen Problemen im ersten Training stieg dieser jedoch für die folgenden Trainingseinheiten sowie fürs Rennen wieder in den ausgereiften March 701 um.

Da auf dem Hochgeschwindigkeitskurs von Monza die Höchstgeschwindigkeit von entscheidenderer Bedeutung war als die Kurvengeschwindigkeiten, fuhren zumindest im Training einige Fahrer ohne die sonst üblichen Front- und Heckflügel an ihren Fahrzeugen, darunter Stewart, Rindt und Denis Hulme.

In der Fahrerwertung führte Rindt mit 20 Punkten vor Jack Brabham und mit 25 Punkten vor Hulme. In der Konstrukteurswertung führte Lotus mit 17 Punkten vor March und Brabham.

Mit Stewart, John Surtees (jeweils zweimal), Hulme und Graham Hill (jeweils einmal) traten vier ehemalige Sieger zu diesem Grand Prix an.

Training Ferrari bestätigte bereits im ersten Training das hervorragende Ergebnis vom Österreich-GP, indem Jacky Ickx die schnellste Zeit fuhr. Emerson Fittipaldi kam bei seinem ersten Einsatz im Lotus 72 bei hoher Geschwindigkeit im Bereich der Parabolica von der Strecke ab, rutschte über einen Erdwall und kam zwischen Bäumen am Streckenrand zum Stehen. Da er glücklicherweise keinen der Bäume berührte, blieb er unverletzt.

Am folgenden Tag kam der in der WM-Wertung führende Rindt dann während des Abschlusstrainings an nahezu identischer Stelle von der Strecke ab. Nachdem in der Anbremszone vermutlich eine Bremswelle gebrochen war, zog sein Wagen abrupt nach links, schlug dort heftig in die Leitplanken ein und wurde stark beschädigt. Rindt wurde von den Streckenposten geborgen und in einem Rettungswagen abtransportiert, erlag jedoch auf dem Weg ins Krankenhaus seinen schweren Verletzungen. Die Autopsie ergab als Todesursache Kopfverletzungen, die wahrscheinlich durch den Aufprall eines Rades oder der Aufhängung verursacht wurden. Lotus zog daraufhin die drei verbliebenen Wagen vom Rennwochenende zurück. Nach Bruce McLaren und Piers Courage war Rindt bereits der dritte Stammfahrer der Saison 1970, der in diesem Jahr starb.

Am 8. September berief die FIA auf Antrag des italienischen Automobilclubs eine Sitzung ein, um die Ereignisse des Wochenendes zu analysieren. Im Anschluss daran kündigte der Weltverband neue Sicherheitsmaßnahmen für den nächsten Lauf in Kanada an. Diese umfassten unter anderem eine Kurve, die die Ein- und Ausfahrt der Boxengasse regelt, um die Fahrzeuge zu einer reduzierten Geschwindigkeit zu zwingen. Mechaniker dürfen die Boxengasse nur bei Boxenstopps betreten. Die Reihenfolge der Boxenstopps wird ausgelost und ist auf Notfälle beschränkt; Reifenwechsel und Tanken sind nicht erlaubt.

Das Training wurde zwar fortgesetzt, die Bestzeit von Ickx wurde jedoch nicht mehr unterboten, sodass sich Ickx die erste Startreihe mit seinem Teamkollegen Clay Regazzoni und B.R.M.-Pilot Pedro Rodríguez teilte. (Motorsportarchiv.de; abgerufen am 13. Juni 2011)

Rennen Zunächst konnte Ickx seine Pole-Position nutzen, um in Führung zu gehen. Er wurde jedoch in der vierten Runde sowohl von Rodríguez als auch von Stewart überholt. Regazzoni gehörte ebenfalls zur Führungsgruppe und konnte schließlich in Runde 10 erstmals die Spitzenposition übernehmen. Durch Windschattenduelle auf den langen Geraden, die damals noch nicht durch Schikanen unterbrochen waren, kam es fast in jeder Runde zu einem Wechsel an der Spitze. Während des gesamten Rennens wechselte die Führung insgesamt 28 mal zwischen zunächst sechs verschiedenen Fahrern, in der zweiten Hälfte des Rennens jedoch nur noch zwischen Regazzoni und Stewart, da das Feld durch größtenteils technische Defekte stark dezimiert worden war. Am Ende rettete Regazzoni einen knappen Vorsprung vor Stewart ins Ziel und kam so zu seinem ersten Grand-Prix-Sieg.

Das Rennen war packend und dramatisch, stand jedoch natürlich im Schatten der tragischen Ereignisse vom Vortag. Die Siegesfeierlichkeiten seitens des Teams Ferrari waren dementsprechend gedämpft.

Meldeliste Team Nr. Fahrer Chassis Motor Reifen 2 Ferrari 312B Ferrari 001 3.0 F12 4 6 8 BRM P153 BRM P142 3.0 V12 10 12 14 Surtees TS7 Ford Cosworth DFV 3.0 V8 16 Stewart fuhr den Tyrrell 001 mit der Startnummer 16 nur am ersten Trainingstag und benutzte fortan den March 701 mit der Startnummer 18. Tyrrell 001 18 March 701 20 22 Lotus 72C 24 26 28 30 McLaren M14A 32 34 McLaren M14D Alfa Romeo T33 3.0 V8 36 McLaren M7D 38 McLaren M7C Ford Cosworth DFV 3.0 V8 40 Matra MS120 Matra MS12 3.0 V12 42 44 Brabham BT33 Ford Cosworth DFV 3.0 V8 46 48 March 701 50 Colin Crabbe Racing 52 54 De Tomaso 505 56 Bellasi F1 70 Anmerkungen

Klassifikationen Startaufstellung Pos. Fahrer Konstrukteur Zeit Ø-Geschwindigkeit Start 1 1:24,14 246,019 km/h 1 2 1:24,36 245,377 km/h 2 3 1:24,39 245,290 km/h 3 4 1:24,73 244,305 km/h 4 5 1:24,74 244,277 km/h 5 6 1:24,77 244,190 km/h 6 7 1:25,09 243,272 km/h 7 8 1:25,39 242,417 km/h 8 9 1:25,47 242,190 km/h 9 10 1:25,56 241,935 km/h 10 11 1:25,56 241,935 km/h 11 12 1:25,71 241,512 km/h DNS 13 1:25,91 240,950 km/h 12 14 1:25,93 240,894 km/h 13 15 1:26,01 240,670 km/h 14 16 1:26,04 240,586 km/h 15 17 1:26,19 240,167 km/h 16 18 1:26,38 239,639 km/h DNS 19 1:26,51 239,279 km/h DNS 20 1:26,60 239,030 km/h 17 21 1:26,67 238,837 km/h 18 22 1:26,67 238,837 km/h 19 23 1:27,15 237,522 km/h 20 DNQ 1:28,07 235,040 km/h – 25 1:28,39 234,189 km/h DNS DNQ 1:28,59 233,661 km/h – DNQ 1:28,61 233,608 km/h –

Rennen Pos. Fahrer Konstrukteur Runden Stopps Zeit Start Schnellste Runde 1 68 0 1:39:07,1 3 1:25,2 (65.) 2 68 0 + 5,73 4 1:25,9 (61.) 3 68 0 + 5,8 14 1:25,7 (62.) 4 68 0 + 6,15 9 1:25,5 (62.) 5 68 0 + 6,41 17 1:26,0 (63.) 6 68 0 + 1:03,46 11 1:26,5 (15.) 7 67 0 + 1 Runde 18 1:26,0 (66.) 8 61 0 + 7 Runden 12 1:28,3 (34.) – 60 0 NC 16 1:27,7 (20.) – 36 0 DNF 6 1:27,0 (7.) – 35 0 DNF 13 1:27,8 (8.) – 31 0 DNF 8 1:26,9 (25.) – 25 0 DNF 1 1:26,7 (15.) – 21 0 DNF 20 1:28,0 (20.) – 17 0 DNF 19 1:28,0 (6.) – 14 0 DNF 15 1:27,1 (7.) – 14 0 DNF 5 1:26,5 (2.) – 12 0 DNF 2 1:27,3 (7.) – 3 0 DNF 7 1:30,3 (2.) – 0 0 DNF 10 –DNS Rindt verunfallte im Training tödlich. –––––DNSDas Team Lotus verzichtete nach dem tödlichen Unfall von Rindt auf eine Teilnahme am Rennen und zog seine drei Fahrer zurück.–––––DNS–––––DNS––––– Anmerkungen

WM-Stände nach dem Rennen Die ersten sechs des Rennens bekamen 9, 6, 4, 3, 2, 1 Punkt(e). Die besten sechs Ergebnisse der ersten sieben und die besten fünf der letzten sechs Rennen zählten zur Meisterschaft. In der Konstrukteurswertung zählten dabei nur die Punkte des bestplatzierten Fahrers eines Teams.

Fahrerwertung Pos. Fahrer Konstrukteur Punkte 1 † Lotus-Ford 452 Brabham-Ford253 March-Ford254 McLaren-Ford235 Ferrari 216 Ferrari197 March-Ford14 8 Matra 149 B.R.M.1310 Brabham-Ford 1011 Matra812 Lotus-Ford713 † McLaren-Ford614 March-Ford415 Ferrari 316 Lotus-Ford 317 March-Ford 218 B.R.M. 2 Pos. Fahrer Konstrukteur Punkte19 Lotus-Ford 220 McLaren-Ford 121 Surtees-Ford / McLaren-Ford 122 March-Ford 123 Brabham-Ford 024 March-Ford 025 McLaren-Alfa Romeo 026 Lotus-Ford 027 McLaren-Ford 028 B.R.M. 029 Lotus-Ford 030 Lotus-Ford 0– † De Tomaso-Ford 0– Brabham-Ford 0– Lotus-Ford 0– De Tomaso-Ford 0– Belassi-Ford 0

Konstrukteurswertung Pos. Konstrukteur Punkte 1 502 393 354 34530 Pos. Konstrukteur Punkte6 217 13– 0– 0

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Einzelnachweise

#1970 Italien Kategorie:Sportveranstaltung in Monza Kategorie:Autodromo Nazionale di Monza