mini|rechts|hochkant=1|Ein Mudschahid mit einer 9K32 Strela-2 (1988) Operation Cyclone (englisch für Zyklon) war der Tarnname für eine Unternehmung des US-amerikanischen Auslandsgeheimdienstes CIA, die ab Sommer 1979 in enger Zusammenarbeit mit dem pakistanischen Geheimdienst ISI die Bewaffnung, Ausbildung und Finanzierung der afghanischen Widerstandskämpfer (Mudschahedin) zum Gegenstand hatte. Diese bekämpften die seit April 1978 amtierende kommunistische Regierung der Demokratischen Republik Afghanistan und deren Säkularisierungsprogramm und ab Dezember 1979 die sowjetischen Truppen nach deren Intervention in Afghanistan. Die USA verfolgten dabei das Ziel, die Ausbreitung des sowjetischen Kommunismus einzudämmen. Das Eingreifen der USA und ihrer Verbündeten weiteten den Konflikt zu einem Stellvertreterkrieg im Rahmen des Kalten Krieges aus. Der finanzielle Umfang des Programms von Seiten der USA, Saudi-Arabiens und Chinas belief sich insgesamt auf geschätzte sechs bis zwölf Milliarden US-Dollar.

US-sowjetische Konflikte in der Dritten Welt in den 1970ern mini|Breschnew und Carter bei der Unterzeichnung des SALT-II-Vertrags im Juni 1979 Im Mai 1972 wurde in die Verträge zur Begrenzung der strategischen Rüstung (SALT I) zwischen den Vereinigten Staaten und der Sowjetunion eine Grundsatzerklärung aufgenommen, die die Gleichwertigkeit beider Supermächte feststellte und in der sich beide Seiten dazu verpflichteten, weder direkt noch indirekt „einen einseitigen Vorteil auf Kosten des anderen zu erreichen“. Bis zu den 1970er-Jahren erreichte die konventionelle Rüstung der Sowjetunion ein Niveau, das es ihr ermöglichte, ihren Einfluss in Afrika, im Nahen und Mittleren Osten und in Vietnam auszubauen und in Konflikten außerhalb Eurasiens militärisch zu intervenieren. Gleichzeitig entwickelte die Sowjetunion eine aktivere Politik, um Befreiungsbewegungen in Afrika zu unterstützen. Die nordvietnamesische Armee nahm im April 1975, unter anderem auch weil die Sowjetunion zuvor ihre Unterstützung ausgeweitet hatte, Saigon ein. Ende 1975 unterstützte Fidel Castro die MPLA im Bürgerkrieg in Angola durch die Entsendung regulärer Armeeeinheiten. Die Sowjetunion hatte zuvor noch eine Ausweitung der militärischen Unterstützung abgelehnt, sah sich dann trotzdem gezwungen, den Verbündeten Kuba nicht fallenzulassen. 1977/1978 unterstützte die UdSSR im Ogadenkrieg zwischen Somalia und Äthiopien die äthiopische Seite. Die Sowjetunion engagierte sich aus ideologischen Gründen in Ländern, in denen sie realpolitisch wenige Interessen hatte, um, so der langjährige sowjetische Botschafter in den USA, Anatoli Dobrynin, „den antiimperialistischen Kampf zu führen.“ Für die USA sah es nach einer aggressiven Politik der Sowjets aus, tatsächlich reagierten diese auch häufig auf die Ereignisse vor Ort, vor allem der Kubaner, die entgegen der US-Sicht keine Handlanger der Sowjets waren, sondern ihre eigenen Ziele verfolgten. Das führte dazu, dass sich die Vereinigten Staaten vor allem nach der Niederlage in Vietnam in die Defensive gedrängt und die Sowjets weltweit in der Offensive sahen. Aus Sicht von US-Präsident Jimmy Carter war jedoch der Grundsatz der Nichteinmischung in regionale Konflikte Bestandteil der Entspannungspolitik. Dies war einer der Gründe, die dazu führten, dass die Entspannungspolitik (auch mit dem französischen Begriff Détente bezeichnet) zunehmend unter Druck geriet. So schrieb Carters nationaler Sicherheitsberater Zbigniew Brzeziński in seinen Memoiren, dass „die Détente im Sande des Ogaden begraben liegt“. Die Rüstungsausgaben, die in den Jahren zuvor stetig gesunken waren, nahmen wieder zu. Eine weitere Folge war, dass sich die Sowjetunion durch die erfolgreichen Interventionen bestärkt sah. „Angola, in Verbindung mit Äthiopien, war der Weg nach Afghanistan“, erklärte später Karen Brutents, der stellvertretende Leiter der Internationalen Abteilung der KPdSU.

Afghanisch-pakistanische Beziehungen mini|Die Durand-Linie (rote Linie) bildet die Grenze zwischen den beiden Ländern Afghanistan und Pakistan. 1893 zwangen die Briten das Emirat Afghanistan, die Durand-Linie, die die Siedlungsgebiete der Paschtunen zerschnitt, als Demarkationslinie zwischen Afghanistan und Britisch-Indien anzuerkennen. Nach der Teilung Britisch-Indiens wurden die Gebiete mit überwiegend paschtunischer Bevölkerung nach einem Referendum, bei dem jedoch nur der Anschluss an Indien oder an Pakistan zur Wahl standen, Pakistan zugeschlagen. Auch Afghanistan beanspruchte diese Gebiete unter Berufung auf historische Rechte und die Wolesi Dschirga beschloss 1949 die Etablierung eines unabhängigen Paschtunistan als Ziel afghanischer Politik. Die Idee war, dass ein unabhängiges Paschtunistan aufgrund der engen historischen Verbindung früher oder später in Afghanistan aufgehen würde. Der von 1953 bis 1963 amtierende Premierminister Mohammed Daoud Khan, Mitglied der herrschenden Musaheban-Dynastie und Vetter von König Mohammed Zahir Schah, war erklärter Verfechter dieser Politik. Während der 1950er kam es mehrfach zu ernsthaften Krisen zwischen beiden Ländern und die Beziehungen erreichten 1960/61 einen Tiefpunkt, nachdem Stammeskrieger und afghanische Truppen in pakistanisches Territorium eindrangen und Pakistan afghanische Stellungen bombardierte. Nach Daouds Rücktritt 1963 trafen beide Länder auf Vermittlung des iranischen Schah neue Vereinbarungen und die Beziehungen normalisierten sich wieder.

Am 17. Juli 1973 war Daoud in einem Putsch gegen den König Zahir Schah mit Unterstützung des Parcham-Flügels der kommunistischen Demokratischen Volkspartei Afghanistans (DVPA) an die Macht gelangt und rief die Republik Afghanistan aus. Die Beziehungen zu Pakistan verschlechterten sich umgehend. Ermutigt von der Abspaltung Bangladeschs (vormals Ostpakistan) 1971 setzte Daoud die Paschtunistanfrage wieder auf die politische Tagesordnung und ließ Ausbildungscamps für belutschische Separatisten errichten. Daoud unterdrückte jegliche Opposition und ließ militante Islamisten festnehmen. Mehrere prominente Islamisten, unter ihnen Ahmad Schah Massoud und Gulbuddin Hekmatyār, konnten sich jedoch nach Pakistan absetzen. Dort sah die säkulare Regierung unter Zulfikar Ali Bhutto die afghanischen Islamisten als Instrument, um sie gegen Daoud einzusetzen und ihn an den Verhandlungstisch zu zwingen. Ein Umsturzversuch der Islamisten mit Unterstützung des pakistanischen Geheimdienstes ISI im Juli 1975 schlug jedoch fehl. Nach gegenseitigen Staatsbesuchen 1976 beruhigte sich der Konflikt wieder.

Der Ausbruch des Bürgerkriegs Am 27. April 1978 erlangte die DVPA in einem Staatsstreich die Macht. Präsident Daoud wurde zusammen mit mehreren Familienmitgliedern erschossen und die DVPA rief die Demokratische Republik Afghanistan mit Nur Muhammad Taraki als Präsident und Premierminister, Hafizullah Amin als Außenminister und Babrak Karmal als Vizepräsident aus. Die DVPA war seit 1967 in die zwei zuweilen verfeindeten Flügel Chalq (Volk) unter Führung von Taraki und Amin und Parcham (Fahne) mit Karmal an der Spitze gespalten. 1977 vereinigten sich die beiden Flügel unter sowjetischem Druck wieder. Ab Juli 1978 begann die neue Regierung, Dekrete zu verabschieden, die eine Landreform, Maßnahmen zur Alphabetisierung, die Abschaffung des Brautpreises, Einführung eines Mindestheiratsalters und das Verbot von Wucher beinhalteten. Die Reformen waren jedoch schlecht durchdacht und umgesetzt, nahmen auf lokale Begebenheiten kaum Rücksicht und brachten der Landbevölkerung letztendlich keine Verbesserung ihrer Lebensumstände. Gleichzeitig hatte die DVPA eine geringe politische Basis im Land und versuchte, die Reformen mit Gewalt zu erzwingen. Die Sowjets glaubten, dass das Land für die Reformen noch nicht bereit sei und waren über die Politik der DVPA verärgert, waren aber dennoch entschlossen, die Regierung zu stützen. Schon im Juli 1978 brachen Unruhen im Nordosten in der Provinz Nuristan aus, nachdem Stammesmitglieder der Illoyalität gegenüber der Regierung verdächtigt und hingerichtet wurden. Im März 1979 wurde Herat im Westen Afghanistans über mehrere Tage von Unruhen erschüttert, bei denen nach Schätzungen etwa 5.000 bis 25.000 Menschen umkamen, darunter mehrere sowjetische Entwicklungshelfer und Berater. Mehrere tausend Soldaten der afghanischen Armee liefen dabei zum Widerstand über. Der Aufstand konnte schließlich nach massivem Einsatz der afghanischen Armee und Bombardierungen der Luftwaffe niedergeschlagen werden. Bis zum Sommer 1979 hatte sich der Konflikt zu einem Bürgerkrieg ausgeweitet. Am Vorabend der sowjetischen Intervention kontrollierte die Regierung nur noch etwa ein Viertel des Landes. Letztendlich war es nicht die sowjetische Intervention im Dezember 1979, sondern die Machtübernahme der afghanischen Kommunisten, die das Land in einen Bürgerkrieg stürzte. Schätzungen zufolge sind in den rund 20 Monaten von der Saurrevolution bis zum Einmarsch der sowjetischen Truppen zwischen 50.000 und 100.000 Menschen der Gewaltherrschaft der DVPA-Regierung zum Opfer gefallen.

Carter genehmigt die Operation Cyclone Im Rahmen der Eindämmungspolitik des Kalten Kriegs initiierten die USA die Gründung des Bagdadpakts und der SEATO als Gegengewicht zur Sowjetunion. Afghanistans Nachbarn Iran und Pakistan traten dem Bagdadpakt 1955 bei und waren die strategischen Partner der USA in der Region. Afghanistan spielte damit nur eine untergeordnete Rolle für die USA. Das Ziel in Afghanistan war es über weite Strecken des Kalten Krieges, der Sowjetunion keinen übermäßigen Einfluss zu gewähren. Zudem akzeptierten die USA, dass Afghanistan zum sowjetischen Einflussbereich gehört. Nach dem Coup der Demokratischen Volkspartei Afghanistans (DVPA) im April 1978 betrachteten die USA die Politik der Regierung zunächst noch abwartend und das moderate Entwicklungshilfeprogramm wurde aufrechterhalten. In der ersten öffentlichen Erklärung vermied die afghanische Regierung eine Zuschreibung als kommunistisch, eine zunehmende Anlehnung an die Sowjetunion war jedoch nicht zu übersehen. Am 5. Dezember 1978 wurde in Moskau ein afghanisch-sowjetischer Freundschaftsvertrag unterzeichnet und in den nächsten Monaten wurden weitere Abkommen über technische und wirtschaftliche Zusammenarbeit abgeschlossen.

mini|US-Präsident Jimmy Carter