Die Chronologie der Katastrophe in Japan von 2011 soll einen zeitlichen Überblick über die Ereignisse nach dem Tōhoku-Erdbeben 2011 am 11. März im Nordosten Japans geben. Neben den Folgen des in Japan historisch größten bekannten Erdbebens samt vielen Nachbeben, der unmittelbaren Tsunami-Flutwellen und mehreren schwerwiegenden Reaktorunfällen wird außerdem der Ablauf der Hilfsaktionen erfasst.

Das auslösende Erdbeben der Stärke MW 9,0 ereignete sich am 11. März 2011 um 14:46:23 Uhr Ortszeit (05:46 Uhr UTC, also um 06:46 Uhr MEZ). Das Epizentrum lag vor der Küste der Präfektur Miyagi etwa 370 km nordöstlich von Tokio und 130 km östlich der Stadt Sendai.USGS:

Die weiterführenden Hauptartikel zu Teilaspekten des Geschehens sind: Tōhoku-Erdbeben 2011 (, auch unter dem Namen Sendai-Erdbeben bekannt); ein Artikel auch zum Tsunami-Geschehen Nuklearkatastrophe von Fukushima (Kernkraftwerk Fukushima 1, , kurz: Fukushima-Daiichi; im Landkreis Futaba; Artikel zu den Zerstörungen und Reparaturversuchen an den Reaktoren.)

Chronologie

Die Zeitangaben in der Liste erfolgen in der Regel in der Ortszeit von Japan, falls nichts anderes angegeben. Das entspricht bis 28. März 7 Stunden Zeitdifferenz (danach 8 Stdn.). Die zeitlichen Schritte sind i. d. Regel Tage (00:00 bis 23:59, erfasst sind die Anfangszeiten der Ereignisse bzw. der Publikation).

Ablauf am 11. März (Tag 1, Freitag)

14:46 Uhr Ortszeit (06:46 Uhr MEZ): Japan wird im Nordosten vom schwersten Erdbeben (von der Stärke 9,0 Mw) seiner jüngeren Geschichte erschüttert. Nach wenigen Minuten trifft eine erste Flutwelle auf die dortige Küste.JAIF (jap. Atom-Forum, Wirtschaftslobbyverband): (PDF; 38 kB) (englisch; auf deutsch etwa: Ablauf in den KKWs nach dem Erdbeben.) (PDF; 276 kB) (Diesem Erdbeben gingen ab dem 9. März eine Reihe schwächerer Beben voraus.) 14:46 bis 14:47: Die Kernkraftwerke in dem vom Beben betroffenen Gebiet werden automatisch schnellabgeschaltet. 15:06 Uhr: Es folgen kurz danach zwei Beben der Stärke 6,4 Mw 15:15 Uhr: Das schwerste Nachbeben mit einer Magnitude (M) von 7,9 Mw erfolgt eine halbe Stunde nach dem ersten massiven Beben. In den nächsten Tagen folgen noch zahlreiche weitere Nachbeben. mini|Markiert im oberen Bild: überflutete Gebiete

15:30 – 19:00 ca. 15:40/16:00 Uhr (08:00 Uhr MEZ, ohne genaue Zeitangabe, gesamter Küstenbereich): Eine weitere, bis zu 23 Meter hohe Flutwelle (Tsunami) trifft auf die Nordostküsten Japans. Die Höhe hängt mit der lokalen Küstenstruktur und dem Vorhandensein von Flussmündungen zusammen. Die Auswertung von Luftbildern zeigt den Umfang der betroffenen Flächen: Auf ca. 110 km Uferlinie steigt das Wasser innerhalb von Minuten bis 5 km ins Land, bzw. bei Flussmündungen bis 10 km in deren Tälern. (englisch; auf dt: Bericht von d. Auswertung von Luftbildern der betroffenen Flächen.) In: The Asahi Shimbun vom 3. April 2011 15:42 Uhr: Die Stromversorgung der Reaktoreinheiten 1 – 3 vom Kernkraftwerk Fukushima Daiichi (KKW Fukushima 1) ist unterbrochen. 15:45 Uhr: Die Öltanks für die Notstromversorgung von KKW Fukushima 1 werden vom Tsunami weggespült. 16:10 Uhr: Information des Technical Advisory Body for Nuclear Emergencies durch die Nuclear Safety Commission (NSC). Einrichtung einer nationalen und einer Einsatzleitstelle auf Ebene der Präfektur Fukushima. 16:36 Uhr: Wasserkühlungen (ECCS) fallen in Reaktor 1 und 2 des KKW Fukushima 1 aus. 17:00 Uhr: Der japanische Ministerpräsident Naoto Kan erklärt, die Lage in den Kernkraftwerken sei normal. Die Anlagen seien automatisch heruntergefahren worden. 18:30 Uhr: Japanische Medien melden einen Brand im Reaktor des KKW Fukushima 1 und einen im KKW Onagawa. 18:42 Uhr: Tokios Stromversorgung ist unterbrochen.

20:00 – 24:00 20:30 Uhr: Die Regierung ruft den atomaren Notstand aus und bezeichnet dies als Vorsichtsmaßnahme. 20:50 Uhr: Die Notfalleinsatzzentrale der Präfektur Fukushima verfügt die Evakuierung der Bevölkerung in einem Radius von zwei Kilometern um das Kernkraftwerk (KKW) Fukushima I. 21:23 Uhr: Der japanische Premierminister erweitert den Evakuierungsradius um das Kraftwerk auf drei Kilometer. 21:45 Uhr: Rund 2000 Bewohner in der Umgebung des KKW Fukushima 1 werden zum Verlassen ihrer Häuser aufgefordert. 22:00 Uhr: Das Feuer im KKW Onagawa ist nach einer Mitteilung der Internationalen Atomenergie-Organisation (IAEO) gelöscht. Die Evakuierungszone um das KKW Fukushima 1 wird von zwei auf drei Kilometer ausgedehnt. 24:00 Uhr: Der stellvertretende Minister für Reaktorsicherheit Motohisa Ikeda (METI) trifft bei der lokalen Einsatzzentrale Fukushima ein. Die Fujinuma-Talsperre mit 17,5 m Höhe bricht und überflutet Teile des nahe liegenden Ortes, dabei gibt es einige Todesopfer. + Anzahl der Nachbeben M≥5,0 M≥6,0 M≥7,0 11. März 120 30 3

Die weitere 1. Woche (12.–17. März 2011) 12. März (Tag 2, Samstag) 00:46 Uhr: Im Reaktor 1 des Kernkraftwerks Fukushima 1 (KKW) kommt es zu einem abrupten Druckanstieg. 06:40 Uhr: Aus dem Reaktor 1 des KKW Fukushima 1 wird kontrolliert Druck abgelassen. In der Umgebung wird erhöhte Radioaktivität gemessen. 05:44 Uhr: Die Evakuierungszone wird auf zehn Kilometer ausgeweitet. Betroffen sind 45.000 Menschen. Die IAEO teilt mit, dass das Kühlsystem des Reaktors 2 von KKW Fukushima 1 beschädigt ist. 09:00 Uhr: Neben den Berichten über zwei Reaktoren im KKW Fukushima 1 gibt es demnach auch Probleme mit der Kühlung von drei Reaktoren im KKW Fukushima Daini (Fukushima 2). 09:40 Ein Sperrgebiet für den Flugverkehr wird im Umkreis von zehn Kilometern um das KKW Fukushima 2 eingerichtet. 10:07 Uhr: Um das KKW Fukushima 1 wird auch für den Flugverkehr ein Sperrgebiet von 20 km Umkreis eingerichtet. 10:17 Uhr: Druckentlastung von Reaktor 1 (Venting); alternative Quelle spricht von 14:30 Uhr, (PDF; 276 kB) ebenso der Betreiber TEPCO. radioaktive Stoffe werden freigesetzt. 14:00 Uhr: Die Atomsicherheitsbehörde teilt mit, dass im KKW Fukushima 1 möglicherweise eine Kernschmelze begonnen habe. 15:36 Uhr: Im Kernkraftwerk Fukushima 1 kommt es zu einer Wasserstoffexplosion. Das Dach und die Wände im oberen Bereich des Reaktorgebäudes 1 werden zerstört, Rauch steigt auf. Vier Arbeiter werden dabei verletzt.The Washington Post, abgerufen . Einer Stellungnahme der Regierung zufolge wurde der Sicherheitsbehälter des Reaktors nicht beschädigt, die Strahlungswerte am Werkstor sollen 70-fach über den Normalwerten gelegen haben. 18:25 Uhr: Der Radius der Evakuierungszone rund um das KKW Fukushima 1 wird auf 20 Kilometer ausgeweitet. 20:20 Uhr: Reaktor 1: Beginn der Meerwassereinspeisung in den Druckbehälter durch die Feuerlöschleitung (2 m³/h) 20:41 Uhr: Druckentlastung von Reaktor 3 22:30 Uhr: Der Betreiber des KKW Fukushima 1 teilt mit, dass er den Reaktor 1 mit Meerwasser fluten will. 22:49 Uhr: NHK-TV berichtet, dass ein Team des Nationalen Instituts für Radiologische Wissenschaften als Vorsorgemaßnahme nach Fukushima gesandt wird. 23:00 Uhr: Japanische Medien melden, dass in der Hafenstadt Minamisanriku 9500 Menschen vermisst werden. Bei einer ersten Überprüfung von 252 Dämmen und Staudämmen im Landesinneren wurden an sieben Bauwerken Schäden festgestellt.A quick report on Japanese Dams after the Earthquake. Chinese National Committee on Large Dams am 13. März 2011 Österreich gibt eine Teilreisewarnung für Japan heraus.

+ Anzahl der Nachbeben M≥5,0 M≥6,0 M≥7,0 12. März 73 9 0

13. März (Tag 3, Sonntag) mini|Kernkraftwerk Fukushima Daiichi an der Küstenlinie, die Nummern bezeichnen die Reaktorblöcke. Luftbild von 1975, der Reaktor 6 am oberen Bildrand ist noch nicht fertiggestellt.

06:00 Uhr: Die Evakuierung betrifft 140.000 Menschen. 06:10 Uhr: Fukushima 1 – Reaktor 3: Verlust der Kühlfunktion (Meldepflicht laut Artikel 15); vgl. auch 08:00 Uhr: In einem dritten Reaktorblock in Fukushima 1 fällt die Kühlung aus. Nun sind insgesamt sechs Kraftwerksblöcke von Fukushima 1 und 2 von den Unfällen betroffen. 08:41 Uhr: Druckentlastung von Reaktor 3 (Abweichende Uhrzeit; ohne genaue Uhrzeit) 11:00 Uhr: Druckentlastung von Reaktor 2 11:55 Uhr: Reaktor 3: Beginn der Frischwassereinspeisung in den Reaktordruckbehälter 13:12 Uhr: Reaktor 3: Beginn der Meerwassereinspeisung in den Reaktordruckbehälter 16:00 Uhr: Die japanische Regierung spricht von der Möglichkeit einer bevorstehenden weiteren Explosion in Fukushima 1. Im Reaktorblock 3 gebe es möglicherweise ebenfalls eine partielle Kernschmelze. 21:00 Uhr: Ministerpräsident Kan spricht von einer alarmierenden Lage im Kernkraftwerk Fukushima. Angesichts der nuklearen Notfälle, des Erdbebens und des Tsunamis befinde sich Japan in der schlimmsten Krise seit dem Zweiten Weltkrieg. 22:45 Uhr: Die japanische Regierung setzt 100.000 Soldaten für die Rettungsaktionen im Nordosten des Landes ein. 23:15 Uhr: Im Südwesten Japans bricht der Vulkan Shinmoe-dake aus. Die Behörden beschränken den Zugang zum Vulkangebiet. ohne Zeitangabe: Opferzahl übersteigt die Zahl 2000. In: The Mainichi Daily News. 13. März 2011

Zusammenfassung der genannten Opferzahlen bis zu diesem Tag: - Tote: 1647 (Schätzung: 10.000) - evakuierte Personen: 400.000 - stationär behandelte Verletzte: 1990 - Angaben zu Vermissten: 1720

+ Anzahl der Nachbeben M≥5,0 M≥6,0 M≥7,0 13. März 33 5 0

mini|Nach dem Erdbeben decken sich Bewohner von Sendai mit Lebensmitteln ein (13. März)

14. März (Tag 4) 01:15 Uhr: Im KKW Tōkai, südlich von Fukushima, gibt es einen Notfall. Das Kühlsystem versagt, zwei Dieselgeneratoren für die Notversorgung sind ausgefallen. Der dritte Generator hält die Kühlung der Brennstäbe weiter aufrecht. 10:00 Uhr: Ein schweres Nachbeben der Stärke 6,2 erschüttert Tokio. Eine zunächst herausgegebene Tsunami-Warnung wird später wieder aufgehoben. 11:45 Uhr: Im Kernkraftwerk Fukushima 1 ereignet sich im Reaktor 3 eine Wasserstoff-Explosion. Nach Angaben der japanische Atomaufsichtsbehörde werden elf Menschen verletzt; Augenzeugen sprechen später von sechs Toten. Nach Angaben des Betreibers Tepco bleibt der Reaktordruckbehälter (= die Stahlhülle des Reaktors) intakt. 16:00 Uhr: Die Kühlung im Reaktor 2 des KKW Fukushima 1 fällt aus. Der Kühlwasserstand soll einer Nachrichtenagentur zufolge absinken. 20:12 Uhr: Die Brennstäbe in diesem Reaktor liegen nach Angaben der japanischen Nachrichtenagentur Kyodo trocken. 21:55 Uhr: Im Kernkraftwerk Fukushima 1 droht nach der Erklärung von Regierungssprecher Yukio Edano eine Kernschmelze in drei Reaktoren. Im Areal um das KKW wird eine erhöhte Radioaktivität festgestellt.

+ Anzahl der Nachbeben M≥5,0 M≥6,0 M≥7,0 14. März 27 2 0

15. März (Tag 5) 00:15 Uhr: Im Reaktor 2 vom KKW Fukushima 1 sind die Brennstäbe nicht mehr mit Wasser abgedeckt. mini|Eine Sporthalle in Kōriyama dient als Notunterkunft für Evakuierte aus der Umgebung des KKW Fukushima 1 (16. März)

06:15 Uhr: Im Reaktorblock 2 kommt es zu einer Explosion – die dritte in diesem Kernkraftwerk. Dieses Mal wird von einem Druckabfall in der Kondensationskammer unterhalb des Reaktors berichtet, was laut TEPCO auf deren Beschädigung hindeute. Zustand der Hafenbetriebe: Mehrere Hafenanlagen wurden durch den Tsunami so beschädigt, dass sie vermutlich mehrere Monate lang nicht benutzt werden können: Hachinohe, Sendai (vgl. Meldung vom 16. Apr.), Ishinomaki und Onahama. Der Hafen von Chiba (Ölhafen und Flüssiggas) und der Hafen von Kashima (neuntgrößter Containerumschlag) scheinen in einem etwas geringeren Maß beschädigt zu sein. Weitere beschädigte Hafenanlagen sind die in Hitachinaka, Hitachi, Sōma, Shiogama, Kesennuma, Ōfunato, Kamashi und Miyako. Vier 80.000-Tonner Frachtschiffe der Panamax-Klasse sind durch Beben und Tsunami stark beschädigt worden. Betroffen sind damit etwa 7 % des landesweiten Schiffsumschlags, insbesondere an Containern.Status of Japanese ports 5 days after devastating quake and tsunami. Manila Bulletin Publishing Corporation vom 15. März 2011 (englisch)