mini|hochkant=1.5|Tabellenplatzentwicklung des VfB Stuttgart von 1963/64 bis 2022/23

Der VfB Stuttgart, offiziell Verein für Bewegungsspiele Stuttgart 1893 e. V., ist ein Sportverein aus der baden-württembergischen Landeshauptstadt Stuttgart. Der im Stadtbezirk Bad Cannstatt beheimatete Verein hat 135.000 Mitglieder (Stand: 26. Juli 2026), womit er der größte Verein in Baden-Württemberg ist. In der Liste der mitgliederstärksten Sportvereine Deutschlands liegt er auf Platz 9 und weltweit auf Rang 15. Bekannt ist vor allem seine Fußballabteilung, die 2017 in die VfB Stuttgart 1893 AG ausgegliedert wurde, welche mehrheitlich dem Verein gehört.

Die erste Mannschaft wurde fünfmal Deutscher Meister (1950, 1952, 1984, 1992 und 2007), außerdem gewann sie viermal den DFB-Pokal (1954, 1958, 1997, 2025). Der VfB ist einer der 16 Gründungsvereine der Bundesliga, der er seit der Erstaustragung 1963 mit Ausnahme von vier Spielzeiten angehört. In der Ewigen Tabelle der Bundesliga belegt er den vierten Platz.

Sowohl die U19-Jugendfußballmannschaft als auch die U17 sind deutsche Rekordmeister. Daneben unterhält der VfB Stuttgart verschiedene Amateursport-Abteilungen. Sportler der Leichtathletik-Abteilung gewannen zahlreiche Titel und Medaillen. Hockey bildet die zweitgrößte Abteilung des Vereins. Im Faustball errang der VfB um das Jahr 2005 mehrfach deutsche Meisterschaften im Seniorenbereich. Zudem existieren die Abteilungen für Fußballschiedsrichter und Tischtennis. Darüber hinaus gibt es mit der VfB-Garde eine nicht-sportliche Traditionsabteilung.

Die erste Fußballmannschaft des VfB bestreitet ihre Heimspiele in der MHPArena im Neckarpark. Direkt neben dem Stadion, hinter der Untertürkheimer Kurve auf der gegenüberliegenden Seite des Fritz-Walter-Wegs, befindet sich das Vereinsgelände mit dem Robert-Schlienz-Stadion, Trainingsplätzen und dem Clubhaus.

Geschichte Um das Jahr 1865, als Fußball noch Rugby glich, trafen sich englische Schüler, unter ihnen William Cail, wöchentlich zu einem Spiel in Cannstatt, wo wegen der internationalen Beliebtheit als Heilbad auch Internate entstanden waren. Einheimische Schüler lebten die „englische Krankheit“ in den 1880er-Jahren zum Ärger mancher Lehrer und Anwohner auf einer Wiese aus, wo später ein Straßenbahndepot erbaut wurde, in dem sich heute das Straßenbahnmuseum Stuttgart befindet. Es entstanden viele Fußballvereine in Stuttgart, darunter im Jahr 1890 der Nordstern von Anwohnern der Alexanderstraße in Stuttgart-Mitte und der Cannstatter Fußballclub. Im Jahr 1912 entstand aus dem Cannstatter FC Krone und dem Fußballverein Stuttgart 1893 der VfB Stuttgart.

1893 bis 1912: Von den Anfängen zur Fusion Beide Vereine waren hauptsächlich von Schülern, die zumeist ihre Wurzeln im kaufmännischen Bürgertum hatten, gegründet worden.

FV Stuttgart mini|Die erste Rugby-Mannschaft des FV 1894 mini|links|hochkant=0.35|Wappen des FV Stuttgart

Der Fußballverein Stuttgart wurde am 9. September 1893 im Gasthaus Zum Becher in der Kernerstraße (heute Urbanstraße) gegründet und hatte 20 Gründungsmitglieder.

Der Stuttgarter FV trug regelmäßig Trainingsspiele gegen den Cannstatter Fußball-Club aus. Noch im Jahr 1893 wechselte Philipp Heineken, damals Sportler und Autor von Büchern über den Sport, später auch Vizepräsident des Deutschen Fußball-Bunds und Funktionär im Reichsausschuss zur Vorbereitung auf Olympische Spiele, vom Cannstatter Fußballclub zum Stuttgarter Fußballverein und wurde dessen Mannschaftskapitän. Der FV hatte seine Heimstätte auf der Stöckach-Eisbahn und zog 1894 auf den Cannstatter Wasen um. Schon im Jahr 1895 spielte der FV Stuttgart in der Schweiz. Die Mannschaft setzte sich hauptsächlich aus Schülern der Stuttgarter Realschulen und Gymnasien zusammen und errang schnell erste Erfolge: 1909 wurde der FV deutscher Vizemeister im Rugby, als die Mannschaft erst im Endspiel Hannover 1897 mit 3:6 Punkten unterlag. Verschiedene Spieler kamen zu internationalen Einsätzen; so gewann Hugo Betting mit der ansonsten ausschließlich aus Frankfurter Spielern bestehenden deutschen Rugby-Auswahl bei den Olympischen Spielen 1900 die Silbermedaille. Dennoch verlor Rugby gegenüber Fußball, damals Rugby Football gegenüber Association Football, zusehends an Boden. Das Spiel war vielen Zuschauern zu kompliziert. Nachdem die Militärverwaltung immer seltener dem FV Benutzungszeiten auf dem Cannstatter Wasen zugestanden hatte, mussten die Spieler immer öfter auf den Stöckachplatz ausweichen, bis dem Verein die Benutzung des Wasens schließlich endgültig untersagt wurde. Der FV warf deshalb dem Militärgouvernement vor, die Turnvereine, deren Sportart damals als disziplinierter bekannt war, zu bevorzugen. Nun konnten die Spieler nur noch auf dem schiefen Stöckachplatz spielen, der nach der Aussage vieler Spieler des FV damals offenbar vollkommen untauglich war. So pachtete der Verein von der Stadt ein Feld auf dem Adelsberg, welches beim FV als Rugbyfeld bekannt war.

Nach einer Initiative junger Spieler im Jahr 1907 trat der Verein dem Süddeutschen Fußball-Verband bei. Die Mannschaft wurde gleich der süddeutschen B-Klasse zugeteilt, obwohl inzwischen auch eine C-Klasse existierte. Schon im zweiten Jahr wurde der FV ausgerechnet gegen den punktgleichen späteren Fusionspartner, den Kronenklub Cannstatt, in einem Endspiel Bezirksmeister. Den Aufstieg erreichten die Fußballer nach einer Niederlage im Spiel um die Gaumeisterschaft gegen den FV Zuffenhausen nicht. Erst im folgenden Jahr gelang schließlich nach geltenden Bestimmungen der Aufstieg, da die Mannschaft Gaumeister und B-Südkreismeister wurde. Da der Verbandstag die Bestimmungen änderte und die Gründung einer neuen Südkreisliga als oberste Spielklasse Süddeutschlands beschloss, war der Aufstieg nicht gesichert. Die entscheidenden Spiele entschied der FV nicht mehr allein für sich, denn vor den Aufstiegsrundenspielen gegen den FV Germania Beiertheim und den FC Mühlburg war die Fusion mit dem Kronenklub Cannstatt bereits vollzogen.

Kronenklub Cannstatt mini|Die erste Fußballmannschaft des Kronenklubs 1898 mini|links|hochkant=0.35|Wappen des Kronen­klubs

Im Cannstatter Fußballclub verlor der Fußball nach wenigen Jahren an Bedeutung, und so bildete sich 1897 aus ehemaligen Mitgliedern dieses Vereins der FC Krone, der bald allgemein Kronenklub genannt wurde. Dort spezialisierte man sich zunächst auf den Fußball und trieb später auch Leichtathletik.

Nachdem der Süddeutsche Fußballbund den Kronenklub 1903 der unteren von zwei bestehenden süddeutschen Spielklassen zugeordnet hatte, spielte die Fußballmannschaft bereits 1904 um den Aufstieg in die erste süddeutsche Spielklasse, wo die Fußballer gegen die zweite Mannschaft der Stuttgarter Kickers antraten. Der vorgesehene Schiedsrichter erschien zu diesem Spiel nicht, sodass sich der Verbandsschriftführer Scivessy bereit erklärte, das Spiel zu leiten. Der Kronenklub gewann, doch wurde anschließend ein Wiederholungsspiel angeordnet, welches verloren wurde.

In den kommenden Jahren spielte die Mannschaft in der B-Klasse oben mit, ohne je wieder ein Entscheidungsspiel um den Aufstieg zu erreichen. Der Kronenklub Cannstatt besaß in Stuttgart-Münster einen eigenen Fußballplatz, der bis heute besteht. Inzwischen spielt dort die TSVgg Stuttgart-Münster 1875/99.

Fusion und Sieg im Entscheidungsspiel mini|links|hochkant=0.35|Wappen des fusionierten Vereins mini|Reklameschild des Hotels Concordia, in dem die Fusion durchgeführt wurde mini|Die Aufstiegsmannschaft 1912

Für Ligaspiele war das Rugbyfeld auf dem Adelsberg wenig geeignet, sodass beim FV die Idee einer Fusion mit dem 1897 gegründeten Kronenklub Cannstatt aufkam. Da der Kronenklub sportlich nur begrenzte Aussichten hatte und der FV Stuttgart, der gerade gute Chancen hatte, den Aufstieg in die süddeutsche A-Klasse zu schaffen, über eine Mannschaft mit guter Perspektive verfügte, kamen sich die Verantwortlichen schließlich näher. Am 2. April 1912 vereinigten sich beide Klubs zum Verein für Bewegungsspiele Stuttgart 1893 e. V. der dank der B-Südkreismeisterschaft des Stuttgarter FV gleich um die Qualifikation für die neue Südkreisliga antrat. Die Fusionsversammlung fand im Cannstatter Hotel Concordia statt. Erster Vorsitzender wurde Wilhelm Hinzmann. Die ersten Pflichtspiele nach der Fusion bestritt der VfB Stuttgart in der Aufstiegsrunde zur Südkreisliga, für die sich der Verein als FV Stuttgart qualifiziert hatte. Am 25. August 1912 besiegte der VfB in seinem ersten Pflichtspiel nach der Fusion den FV Germania Beiertheim mit 4:3 und erreichte somit ein entscheidendes Spiel um den Aufstieg gegen den FC Mühlburg. In diesem Entscheidungsspiel um den Aufstieg am 1. September 1912 in Karlsruhe-Durlach siegte der VfB gegen Mühlburg mit 1:0 durch einen Kopfballtreffer in den letzten Minuten von Copé Wendling. Somit war der VfB von Anfang an erstklassig und spielte in der Südkreisliga, der damals höchsten deutschen Spielklasse.

1912 bis 1933: Erster Weltkrieg und erste Titel Saison Platz Zuschauer 1912/13 6/8 1913/14 7/7 1914/15 7/8 1919/20 5/10 1920/21 5/10 1921/22 2/8 1922/23 6/8 1923/24 1/72/5 1924/25 5/8 1925/26 2/8 7.400Zuschauerstatistik ist anhand vorhandener Zahlen hochgerechnet – Entnommen aus Mit dem Ring auf der Brust. S. 255. 1926/27 1/105/6 10.111Meisterschaftsendrunde ist in Zuschauerstatistik einbezogen – Entnommen aus Mit dem Ring auf der Brust. S. 255. 1927/28 3/94/8 4.230 1928/29 3/85/8 5.142 1929/30 1/85/8 11.375 1930/31 4/8 4.833 1931/32 2/108/8 7.375 1932/33 3/10 5.688

In den kommenden beiden Jahren spielte der VfB in der Südkreisliga nur um die unteren Plätze und war der Gefahr ausgesetzt, wieder abzusteigen. Der Erste Weltkrieg brachte das Vereinsleben fast zum Erliegen. Am 1. August 1914 traf man sich zum letzten Mal zu einem Freundschaftsspiel. Nachdem die meisten Spieler und Verantwortlichen bereits ihre Einberufung erhalten hatten, gab es in der Altdeutschen Bierstube eine Abschiedsfeier. Der Rugby-Platz am Karl-Olga-Krankenhaus wurde dem Roten Kreuz zur Verfügung gestellt, das dort gleich ein Lazarett errichtete. Danach trafen sich vor allem Jugendliche am Münsterplatz. Nachdem der Präsident Wilhelm Hinzmann eingezogen worden war, kümmerten sich vor allem die nun Verantwortlichen Julius Lintz, der Hinzmann als Präsident vertrat und Ernst Grimm um die Jugendspieler. Erst im Oktober 1914 bekam der Verein wieder eine Elf zusammen. Nach einer Woche waren nur noch sieben Spieler verblieben. Der Verband schaffte nun die Pflichtrunde ab und führte Spiele um den Eisernen Fußball ein.

Für diese durfte man sich mit anderen Vereinen zu Kriegsmannschaften zusammenschließen, und so bildete der VfB kurzfristig mit dem FV Die Blauen Elf eine Mannschaft. Ein Jahr später stellte der Verein, nach der Rückkehr von Verwundeten und Genesenden, schon wieder drei eigene Kriegsmannschaften. Am Ende des Jahres 1917 hatte der Klub sogar wieder fünf Mannschaften beisammen. Ernst Grimm stellte einen Kriegsausschuss zusammen, der den Verein am Leben hielt, obwohl drei Viertel der Mitglieder eingezogen waren. So verhinderte der Ausschuss die Umwandlung des Münster-Platzes, des einzigen verbliebenen Fußballplatzes, in ein Kartoffelfeld. Wilhelm Hinzmann übernahm nach seiner Rückkehr einen intakten Verein; wenig später, 1918, übergab er seinen Posten an Gustav Schumm. Noch heute würdigt eine Ehrentafel, die 1925 enthüllt wurde, 90 Gefallene aus den Reihen des VfB.

1923 wurde Karl-Adolf Deubler Präsident des Vereins, er hatte das Amt bis 1931 inne.