mini|300px|Blick von der Rothenburg auf Kelbra
Kelbra (Kyffhäuser) ist eine Landstadt in der Verbandsgemeinde Goldene Aue im Landkreis Mansfeld-Südharz, dort aus dem ehemaligen Kreis Sangerhausen, im thüringisch geprägten Teil Sachsen-Anhalts.
Geographie
Lage Kelbra liegt rechts (südlich) der Helme, im Süden des mittelalterlichen thüringischen Helmegaus, am westlichen Teil des Nordhangs des Kyffhäusergebirges in der Goldenen Aue, direkt an der Bundesstraße 85 (Bier- und Burgenstraße).Die genauen Koordinaten für den Rathausturm sind (WGS 84): 51°26´08,68"N, 11°02´28,57"E; oder auch die UTM-Koordinaten 5700.257 N und 641.882 E in der Zone 32 U-. In unmittelbarer Nähe südlich und westlich der Stadt kommen die Landkreise Mansfeld-Südharz mit dem Kyffhäuserkreis und etwa 3,5 km westlich der Stadt auch mit dem Landkreis Nordhausen zusammen. Nördlich an der Stadtgrenze entlang fließt die Helme.
Die UTM-Koordinaten des Rathausturmes der Stadt Kelbra sind: 32 U 641,883 km E, 5700,258 km N, (WGS 84)Satellitenbild von Google Earth vom 7. April 2018.
Stadtgliederung mini|Rittergut Niedertopfstedt in Kelbra, Sammlung Alexander Duncker Zu Kelbra gehören heute die Ortsteile Sittendorf, Thürungen und Tilleda, welche unabhängige Dörfer darstellen, administrativ aber an Kelbra gebunden sind.
Dagegen ist Altendorf vollständig mit Kelbra zusammengewachsen. Einst war es ein direkt westlich an der ehemaligen Stadtmauer befindliches, unabhängiges Dorf, welches bereits 1895 in Kelbra eingemeindet wurde und seither Teil vollständig in die Stadt integriert ist. Sein Wappen war ein weißer Ziegenbock. Zum Altendorf gehörte alles, was sich westlich der Grabenstraße befand: Die Breite Straße, die Lange Straße westlich der Abzweigung zur Grabenstraße (ehemaliger HO Kaufladen), die Querstraße, Bogenstraße, Martinstraße, Wassergasse, Engestraße, Riethstraße, Triftstraße und die Feldstraße. Die Jochstraße und alles was südlich davon ist, (Mauerstraße, Auestraße, Klippenstraße, Bergstraße usw.) entstammen der jüngeren Zeit, als Altendorf bereits eingemeindet war. Die Martinikirche ist die einstige Dorfkirche von Altendorf. Die Altendorfer Klippen, der Hausberg von Kelbra erinnert mit seinem Namen an das einst selbstständige Dorf.
Zum äußeren Gebiet der Stadt gehören auch die Wüstungen Ramderode (am „Hernsgenberg“ (Hornissenberg) zwischen Kelbra und Roßla gelegen), Lindeschu und Nauritz (letztere beiden am Siechengraben zwischen Kelbra und Sittendorf), Topfstedt (unmittelbar südlich Bergas an der Thyra gelegen), Hirschbach (nördlich von Tilleda) und Steden (östlich von Tilleda an der Kleinen Helme oder Wolweda gelegen).
Nachbargemeinden Umgebende Ortschaften sind im Norden Berga (Kyffhäuser) (mit gemeinsamer Grenze) und das nach Kelbra eingemeindete Thürungen, im Nordosten Roßla (gemeinsame Grenze) im Osten die eingemeindeten Ortschaften Sittendorf und Tilleda. Im Süden befindet sich das Dorf Steinthaleben (gemeinsame Grenze im Süden und Südosten), zu welchem große Teile des Kyffhäusergebirges, einschließlich der südöstlich direkt über der Stadt befindlichen Rothenburg gehören. Auch die etwas weiter östlich oberhalb Sittendorfs und Tilledas befindliche Reichsburg Kyffhausen mit dem Kyffhäuserdenkmal befinden sich innerhalb dieses Gemeindegebietes. Die nächsten Ortschaften im Südosten sind die etwas weiter entfernten Orte Udersleben und die Stadt Bad Frankenhausen, welche sich auf der anderen Seite des Kyffhäusergebirges befinden, zu welchen es keine gemeinsame Grenze gibt. Im Südwesten liegt Badra, wieder mit gemeinsamer Gemeindegrenze. Im Westen das Europadorf Auleben (mit gemeinsamer Grenze) und die zu Badra gehörende Numburg, im Nordwesten befindet sich als nächste Ortschaft Görsbach, zu welcher es wieder keine gemeinsame Grenze gibt, dazwischen haben Auleben und Berga ihre gemeinsame Grenze.
Geschichte Frühgeschichte Wie weite Teile Mitteleuropas ist die Gegend um Kelbra seit tausenden Jahren durch den Menschen besiedelt. Fundstätten aus dieser Frühgeschichte sind u. a. mehrere Grabhügelfelder der Bronzezeit südwestlich der heutigen Stadt sowie eines gleichen Alters am Fuße des Kyffhäusers zwischen Kelbra und Tilleda.Kleine Anfrage und Antwort Olaf Meister (Bündnis 90/Die Grünen), Prof. Dr. Claudia Dalbert (Bündnis 90/Die Grünen), Kultusministerium 25.02.2016 Drucksache 6/4829 (KA 6/9061) Denkmalverzeichnis Sachsen-Anhalt, S. 57 & 61.
Anfänge Kelbra wurde 1093 erstmals urkundlich erwähnt als Chelvera. Es befand sich im zentral- südlichen Teil des alten thüringischen Helmegaus.
Im 11. Jahrhundert gelangten Teile des Helmerieds an das Erzbistum Mainz und an das Kloster Fulda. Das Kloster Walkenried erwarb um 1144 das Gebiet um Görsbach. Später meliorierten die Mönche mit den angesiedelten Flamen das Land zwischen Görsbach und Kelbra und weiter abwärts. Sie waren erfahren und brachten aus ihrer Heimat Geld, Vieh und Nutzpflanzen mit. Trotz der Entwässerung gab es immer wieder Wasserprobleme. So war die Goldene Aue ein einziger See am 8. und 9. Februar 1946. Das Wasser stand von Heringen bis nach Ritteburg und in das Thyratal. Die vergangenen Hochwasserstände sind in dem südlichen Widerlager der Mühltalgrabenbrücke in Kelbra eingemeißelt worden. Der höchste Wasserstand war 1881 und 1946 mit über 4 Metern.Heinz Noack: Geschichten aus der Goldenen Aue Sutton Verlag 99094 Erfurt, 2009, ISBN 978-3-86680-428-9, S. 11.
Rothenburger (1101–1223) und Beichlinger (1223–1348) mini|Die Rothenburg über der Stadt Kelbra im Kyffhäusergebirge; einst Sitz der Grafen von Rothenburg, später dann der Grafen von Beichlingen Im Jahre 1103Geschichte Kelbras: das 12. Jahrhundert, auf kelbra.de oder 1101 erbten die später nach der Rothenburg benannten Grafen dieselbige Burg und weite Besitzungen in der Goldenen Aue, so auch Kelbra. Im Jahre 1223 verstarb Graf Cristian von der Rothenburg kinderlos und vererbte Burg und Besitz an die Grafen von Beichlingen.Geschichte Kelbras: das 13. Jahrhundert, auf kelbra.de Graf Friedrich IV von Beichlingen stiftete im Jahre 1251 das Zisterzienserinnenkloster Kelbra, welches dem Heiligen Georg geweiht wurde, so auch die bis heute bestehende Stadtkirche, welche einst Teil dieses Klosters war. In dieser Zeit entstand auch der Arnswaldtische Rittersitz. Auf Bitten des Grafen Friedrich von Beichlingen erhob Erzbischof Peter von Mainz am 31. Juli 1308 die Wenzelskirche zu Kelbra wieder zur Pfarrkirche. Diese Kirche stand einst am Seigertor, ungefähr am Standort der heutigen Bäckerei Kautzleben. Man nimmt an, dass sie die erste Kirche der Stadt Kelbra war.Geschichte Kelbras: das 14. Jahrhundert, auf kelbra.de
Hohnsteiner (1348–1413) Um das Jahr 1348 verkauften die Grafen Heinrich II. und Gerhard III. von Rothenburg den größten Teil ihrer Grafschaft, so auch Kelbra, an die Grafen von Hohnstein. Das Stadtrecht wurde Kelbra, bereits im Besitz der Hohnsteiner, im Jahre 1351 verliehen. Die Hohnsteiner Grafen bewohnten nicht mehr die Rothenburg, sondern bereits das Schloss Kelbra (Wasserschloss) oder den Storkeyer Hof. Kelbra war bis 1413 Sitz der Linie Hohnstein–Kelbra.
Stolberger, Schwarzburger und Wettiner (1413–1806) Dem Grafen Heinrich von Hohnstein wurde, nach der Beendigung des Fleglerkrieges und der Heldrunger Fehde am 8. Januar 1413, von den Landgrafen Friedrich IV., Wilhelm II. und Friedrich d. J. von Thüringen die Schlösser und Städte Heldrungen und Wiehe überlassen. Im Gegenzug dafür hatte er seine Ansprüche auf Kelbra, Harzgerode, Güntersberge, Hoym, Ballenstedt und Sandersleben abzutreten. Die Wettiner, die aufgrund ihrer Stärke bereits im 14. Jahrhundert eine entscheidende Machtposition in der Goldenen Aue errungen hatten, bauten jedoch in Kelbra keine eigene Verwaltung auf, sondern versetzten die an der Peripherie ihrer eigenen Besitzungen gelegene Stadt nebst Schloss und Zubehör an zuverlässig erscheinende Pfandnehmer. Sie glaubten, diese in den Grafen von Schwarzburg und zu Stolberg gefunden zu haben.
Am, oder unmittelbar vor dem 3. August 1413, erfolgte zunächst für drei Jahre die pfandweise Überlassung von „sloß Kelbra, hus unde stadt mit dorffern, ackern“ und allem Zubehör für 12.500 Rheinischer Gulden und 160 Mark Erfurter Silberwährung an die Brüder Heinrich und Botho zu Stolberg. Nach Ablauf der Dreijahresfrist erneuerten die Landgrafen von Thüringen am 6. Februar 1417 die Verpfändung von Schloss und Stadt Kelbra nebst Zubehör. Pfandnehmer waren diesmal Graf Botho zu Stolberg und Graf Heinrich von Wernigerode. Als Zeitraum wurden sechs Jahre festgelegt und im Vertragstext die Klausel aufgenommen, dass im Kriegsfall die Grafen den Wettinern Beistand leisten sollen. Aufgrund einer Schuld der Grafen Botho zu Stolberg und Heinrich von Wernigerode in Höhe von 973-lötigen Mark Silber Erfurter Währung, die ihnen ihr Oheim Graf Heinrich von Schwarzburg abnahm, sagten sie ihm am 6. Dezember 1418 zu, die Hälfte der Pfandsumme zu überlassen, falls die Wettiner die Stadt und das Amt Kelbra einlösen würden. Die Wettiner waren in den darauffolgenden Jahren nicht an einer solchen Einlösung interessiert. Daher ersuchten die beiden Grafen zu Stolberg und von Schwarzburg die Herzöge Friedrich und Sigismund von Sachsen, ihnen Kelbra als Gesamtlehen zu überlassen. Der daraufhin ausgestellte Lehnsbrief datiert auf den 19. September 1428.
Herzog Wilhelm von Sachsen belehnte am 23. März 1461 Metze, die Gemahlin seines Geheimen Rates Graf Heinrich zu Stolberg, mit dem halben Schloss Kelbra als Leibgedinge. 1478 überließ der Stolberger Graf diese Hälfte als Pfand dem Amtmann Ritter Hans Knauth.
So waren die Städte und Ämter Kelbra und Heringen von 1413 bis 1806 praktisch in gemeinschaftlichem Besitz der Grafen und späteren Fürsten von Schwarzburg und der Grafen zu Stolberg, standen aber unter der Oberhoheit der Wettiner. Nach der Leipziger Teilung im Jahre 1485 kam es unter deren Linie der Albertiner und somit ab 1547 bis 1806 zum Kurfürstentum Sachsen. Auch die Pfandnehmer: beim Haus Schwarzburg war es von 1560 bis 1598 die Linie Schwarzburg-Frankenhausen, ab 1598 bis 1806 die Linie Schwarzburg-Rudolstadt Unterherrschaft Frankenhausen. Bei der Teilung der Grafschaft Stolberg in Stolberg-Stolberg und Stolberg-Roßla am 19. Juli 1706 kamen beide Ämter auch je zur Hälfte zur Linie Stolberg-Roßla.
Napoleonische Zeit (1806–1815) Mit der Schaffung des Rheinbund im Jahre 1806, dem Königreich Westphalen (1807) und der Schaffung des Königreich Sachsen (1806), dank eines Bündnisses des Kurfürstentums Sachsen mit Napoleon lag Kelbra im Rheinbund und unter der Kontrolle Napoleons. Auf den historischen Karten aus dieser Zeit ist ersichtlich, dass Kelbra weder im Königreich Westphalen, noch im Königreich Sachsen lag, aber ganz in ihrer Nähe und innerhalb des Rheinbundes, an welche sich spätestens im Jahre 1808 auch Schwarzburg und Stolberg angeschlossen hatten.
Preußische Provinz Sachsen (1815–1945)